Lexikon der Medizinischen Laboratoriumsdiagnostik
Autoren
T. Arndt

Trockenblut

Trockenblut
Synonym(e)
Blutkärtchen; DBS
Englischer Begriff
dried blood spot
Definition
Auf Filterpapier getrocknete Blutprobe.
Beschreibung
Es handelt sich um ein derzeit vor allem im Neugeborenenscreening (Neugeborenenscreening auf Stoffwechselerkrankungen und Endokrinopathien) eingesetztes Probenmaterial, das durch Punktion der Ferse des Neugeborenen oder der Fingerbeere des erwachsenen Patienten und Aufbringen einiger Bluttropfen auf eine geeignete Filterpapierkarte gewonnen wird.
Im Vergleich zur „normalen“ Blutprobe hat Trockenblut folgende Vorteile:
  • Geringeres Probenvolumen von 200–300 μL im Vergleich zu 2,5–10 mL bei Venenpunktion
  • Höhere Stabilität der meisten Analyte durch Entzug des Lösungsmittels (Wasser)
  • Einfacher Versand im normalen Briefumschlag ohne Kühlung, Umverpackung und Auslauf- und Infektionsrisiko z. B. bei Beschädigung oder unbeabsichtigtem Öffnen der Sendung
  • Einfache Lagerung mit erheblich reduziertem Raumbedarf und ohne Kühlung
Um ein möglichst reproduzierbares Blutvolumen zu analysieren wird mithilfe einer Stanze eine definierte Fläche des mit der Blutprobe beladenen Filterpapiers ausgestanzt. Anschließend werden die Analyte in ein geeignetes Lösungsmittel (z. B. physiologische NaCl-Lösung) extrahiert. Alternativ können die Analyte durch geeignete Desorptionsverfahren (z. B. Laser) aus dem Trockenblut direkt in das Analysengerät überführt werden.
Trockenblutproben werden derzeit vor allem für qualitative Analysen oder Multianalytanalysen, in denen die relativen Anteile einzelner Analyte zueinander beobachtet werden, eingesetzt. Damit schließt man z. T. noch nicht hinreichend gelöste Probleme der Standardisierung quantitativer Analysen aus.
Als Nachteile der (quantitativen) DBS-Technik gelten:
  • Ungenügende Reproduzierbarkeit wegen differierendem Blutvolumen, evtl. nicht homogener Blutverteilung im Filterpapier, unbekanntem Einfluss des Hämatokrits auf die Rheologie des Blutes im Filterpapier sowie auf das für die Analyse wichtige resultierende Plasmavolumen
  • Ungenügende Kontrolle der Extraktionseffizienz wegen fehlenden internen Standards im Trockenblut
  • Unzureichende Infrastruktur in den Krankenhäusern und Praxen, die auf Blutröhrchen abgestellt ist
  • Unzureichende Infrastruktur in den Laboratorium, die, zumindest im Bereich der Hochdurchsatzanalytik, für Analysenautomaten und Blutröhrchen entwickelt ist
  • Unzureichendes Angebot an Qualitätskontroll- und Ringversuchsmaterial auf der Basis von Trockenblutproben
Hieraus wird deutlich, dass wesentliche Nachteile der DBS-Analytik eher im Umfeld als in der Technologie selbst liegen. Damit ergeben sich Chancen für einen breiteren Einsatz von Trockenblutproben, nämlich in jenen Bereichen und Speziallaboratorien, die aufgrund ihrer Technologie nicht auf Blutröhrchen abgestellt und gleichzeitig in der Lage sind, die mit der DBS-Analytik einhergehenden spezifischen Anforderungen an die Methodenvalidierung zu bewältigen. Mögliche Einsatzgebiete sind z. B. Massenspektrometrie, Stoffwechselscreening, therapeutisches Drug Monitoring, Toxikologie.
Literatur
Chace DH, de Jesús VR, Spitzer AR (2014) Clinical Chemistry and dried blood spots: increasing laboratory utilization by improved understanding of quantitative challenges. Bioanalysis 6(21):2791–2794CrossRefPubMedPubMedCentral
Lehmann S, Delaby C, Vialaret J, Ducos J, Hirtz C (2013) Current and future use of „dried blood spot“ analyses in clinical chemistry. Clin Chem Lab Med 51:1897–1909PubMed