Lexikon der Medizinischen Laboratoriumsdiagnostik
Autoren
A. M. Gressner und O. A. Gressner

Trypsinogen-Aktivierungspeptid

Trypsinogen-Aktivierungspeptid
Synonym(e)
TAP
Englischer Begriff
trypsinogen activation peptide
Definition
Niedermolekulares, bei der proteolytischen Aktivierung von Trypsinogen zu Trypsin entstehendes Peptidfragment, dessen Konzentrationserhöhung in Plasma und Urin zur frühen Diagnose, Schweregradbeurteilung und Prognose der akuten Pankreatitis bestimmt wird.
Synthese – Verteilung – Abbau – Elimination
Die Aktivierung des Trypsinogens, des Zymogens (Zymogene) von Trypsin, erfolgt nach dessen Übertritt vom Pankreas in das Duodenum durch eine Serinproteinase (Enteropeptidase), deren Sekretion von der Duodenalmukosa unter hormoneller Kontrolle erfolgt. Anschließend setzt die autokatalytische Aktivierung des Trypsins ein. Dabei wird ein N-terminales Pentapeptid (Trypsinogen-Aktivierungspeptid, TAP) in Blut und Urin freigesetzt und ist in diesen Körperflüssigkeiten als Kenngröße der Trypsinogenaktivierung messbar (s. Abbildung). Die Halbwertszeit in der Zirkulation beträgt ca. 8 Minuten.
Funktion – Pathophysiologie
Exzesstrypsinaktivierung mit erhöhter Freisetzung von TAP in Blut und Urin sind eine frühe Kenngröße der akuten Pankreatitis, wobei das Ausmaß des Konzentrationsanstieges mit dem Schweregrad korreliert. Intrapankreatische Trypsinogenaktivierung ist von großer pathogenetischer Bedeutung für die Autolyse des Pankreas im Rahmen der akuten Pankreatitis (s. Abbildung).
Symptomschwere in Korrelation zur Plasmakonzentration von Trypsinogen-Aktivierungspeptid (TAP; CAPAP = Pro-Carboxypeptidase-Aktivierungspeptid):
Untersuchungsmaterial – Entnahmebedingungen
EDTA-Plasma, Urin, Aszites.
Analytik.
Enzymimmunoassay (ELISA) mit polyklonalem Antikörper gegen das Pentapeptid TAP.
Referenzbereich – Erwachsene
Plasma ≤2,8 nmol/L, Urin ≤15 nmol/L.
Indikation
Frühdiagnostik, Schweregradstratifizierung und Prognosebeurteilung der akuten Pankreatitis.
Interpretation
Aufgrund der sehr kurzen Halbwertszeit in der Zirkulation ist die TAP-Erhöhung im Plasma flüchtiger als im Urin, andererseits haben 30 % aller Patienten mit akuter Pankreatitis eine normale TAP-Konzentration im Urin bei Aufnahme. Die TAP-Konzentrationen in Urin und Plasma korrelieren eng mit dem Schweregrad der Erkrankung, wenn die Bestimmung innerhalb der ersten 48 Stunden (spätestens 72 Stunden) erfolgt (s. Abbildung).
Diagnostische Wertigkeit
Bei einem Cut-off von 2,8 nmol/L besitzt Plasma-TAP eine Sensitivität von 70 %, Spezifität von 78 %, positiven Vorhersagewert von 61 % und einen negativen Vorhersagewert von 84 % als Prognoseindex (innerhalb der ersten 24 Stunden bestimmt).
Im Urin liegen die diagnostischen Kriterien bei einem Cut-off von 35 nmol/L und einem Bestimmungszeitpunkt von 24 Stunden nach Krankheitsbeginn für die Differenzierung der milden von der schweren akuten Pankreatitis wie folgt: Sensitivität 58 %, Spezifität 73 %, positiver Vorhersagewert 39 %, negativer Vorhersagewert 86 %. Die TAP-Konzentration im Urin erlaubt somit eine akkurate Schweregradbeurteilung innerhalb der ersten 24 Stunden nach Beginn der Symptome.
Literatur
Huang W, Altaf K, Jin T et al (2013) Prediction of the severity of acute pancreatitis on admission by urinary trypsinogen activation peptide: a meta-analysis. Workd J Gastroenterol 19(28):4607–4615CrossRef
Neoptolemos JP, Kemppainen EA, Mayer JM et al (2000) Early prediction of severity in acute pancreatitis by urinary trypsinogen activation peptide: a multicentre study. Lancet 355:1955–1960CrossRefPubMed