Lexikon der Medizinischen Laboratoriumsdiagnostik
Autoren
G. F. Hoffmann, C. -D. Langhans und A. Schulze

TSH-Bestimmung aus Trockenblut

TSH-Bestimmung aus Trockenblut
Synonym(e)
TSH in Trockenblut; Hypothyreose-Screening
Englischer Begriff
thyroid-stimulating hormone in dried blood spots; congenital hypothyroidism (CH) screening
Definition
Bestimmung der Konzentration von TSH (Thyreotropin) im Trockenblut von Neugeborenen zum Screening auf das Vorliegen einer angeborenen primären Hypothyreose (Abb. 1).
Physikalisch-chemisches Prinzip
Der AutoDELFIA-Neonatal-humanTSH-(hTSH-)Test ist ein zweiseitiger, fluoroimmunometrischer Festphasentest nach dem direkten Sandwichprinzip, bei dem 2 monoklonale Mausantikörper gegen 2 separate Antigendeterminanten auf dem hTSH-Molekül gerichtet sind. Standards, Kontrollen und Patientenproben, die hTSH enthalten, reagieren gleichzeitig mit den immobilisierten monoklonalen Antikörpern, die gegen eine spezifische Antigenstelle auf der β-Untereinheit des hTSH gerichtet sind, und mit den Europium-markierten monoklonalen Antikörpern (gerichtet teilweise sowohl auf der β-Untereinheit als auch auf der α-Untereinheit) im Testpuffer. Der Testpuffer löst das hTSH aus den Filterpapierscheibchen heraus. Der Test kommt mit einem Inkubationsschritt aus. Die Enhancement-Lösung spaltet Europiumionen vom markierten Antikörper in die Lösung ab, wo die Europiumionen ihrerseits mit den Komponenten der Enhancement-Lösung hochfluoreszente Chelate bilden. Die resultierende Fluoreszenz ist proportional zur hTSH-Konzentration in der Probe.
Einsatzgebiet
Untersuchungsmaterial
Vollblut getrocknet auf Filterpapier (= Trockenblut).
Instrumentierung
Automatisiertes Immunoassay-System 1235 AutoDELFIA, Multipuncher oder Handstanzen, Mikrotiterfilterplatten, Pipetten.
Spezifität
Diagnostische Spezifität im Screening: ca. 99,9 %.
Sensitivität
Diagnostische Sensitivität im Screening: >99 %; die angeborene primäre Hypothyreose wird sicher detektiert, sekundäre und tertiäre Hypothyreose werden nicht erkannt.
Analytische Sensitivität: 4,4 μU/mL Serum (2 μU/mL Blut).
Fehlermöglichkeit
Dopamintherapie, Iodmangel, Iodexzess, Iodkontamination (iodhaltige Antiseptika, Kontrastmittel), Thyreostatika, Frühgeborene <27 Schwangerschaftswoche, EDTA-Blut, Citrat-Blut.
Praktikabilität – Automatisierung – Kosten
Praktikabilität: sehr gut.
Automatisierung: nahezu vollständig.
Kosten: ca. 1,50 Euro/Test (für Chemikalien und Verbrauchsmaterialien), Gesamtkosten hängen von der Probenzahl ab.
Bewertung – Methodenhierarchie (allg.)
Die TSH-Bestimmung mittels AutoDELFIA stellt ein zuverlässiges Verfahren zum Hypothyreose-Neugeborenenscreening dar.
Literatur
Klett M, Zabransky S (2001) Screening auf Hypothyreose bei Neugeborenen. In: Zabransky S (Hrsg) Screening auf angeborene endokrine und metabole Störungen. Springer, Wien/New York, S 129–157CrossRef