Lexikon der Medizinischen Laboratoriumsdiagnostik
Autoren
W. Stöcker

Ureaplasma urealyticum

Ureaplasma urealyticum
Englischer Begriff
Ureaplasma urealyticum
Beschreibung des Erregers
Die Gattung Ureaplasma der Mycoplasmataceae gehört zu den kleinsten selbstreproduzierenden Bakterien. Sie besitzen keine starre Zellwand (Mureindefizit) und sind daher gegen zellwandaktive Antibiotika resistent. Eine humanpathogene Spezies ist Ureaplasma urealyticum.
Erkrankungen
Ureaplasma urealyticum besiedelt den Harn- und Genitaltrakt, z. B. Urethra, Vagina, Zervix, Prostata oder Epididymis. Die Infektionen bleiben häufig asymptomatisch. Bekannt ist die Beteiligung des Erregers an der aufsteigenden Chorioamnionitis, die in manchen Fällen zu Aborten oder Frühgeburten führen kann. Besonders bei untergewichtigen Neugeborenen werden gelegentlich durch Ureaplasma urealyticum ausgelöste respiratorische Infekte sowie Meningitis beobachtet.
Bei 40–80 % der Frauen und 5–20 % der Männer ist der untere Genitaltrakt mit Ureaplasma urealyticum infiziert. Eine Übertragung erfolgt durch Sexualkontakt und bei der Geburt.
Antibiotika der Wahl sind Tetrazykline und Makrolide.
Analytik
Die Erreger lassen sich innerhalb von einem bis 5 Tagen anaerob oder unter CO2 auf Pferdeserum-haltigen Spezialkulturen anzüchten. Die Identifizierung erfolgt aufgrund der Morphologie der Mikrokolonien und des Ureasenachweises.
Untersuchungsmaterial – Probenstabilität
Direktnachweis und Kultur: Als Untersuchungsmaterialien kommen Abstriche oder Sekrete aus dem Urogenitaltrakt infrage. Man verwendet ein Saccharose-Phosphatpuffer-Transportmedium (SP2-Medium) bzw. kommerziell erhältliche, bereits abgefüllte Indikator-Transportmedien. Ein schneller Transport ist notwendig, da bereits nach 24 Stunden mit einer Abnahme der Keimzahlen um den Faktor 10 zu rechnen ist.
Serologie: Serum oder Plasma für den Nachweis der Antikörper sind bei +4 °C bis zu 2 Wochen lang beständig, bei −20 °C über Monate und Jahre hinweg. Zur Tiefkühlkonservierung des IgM kann man den Proben 80 % gepuffertes Glyzerin beifügen.
Diagnostische Wertigkeit
Die Diagnostik der Infektionen durch U. urealyticum beruht auf dem Nachweis hoher Keimzahlen des Erregers im Urogenitaltrakt. Antikörpertests haben wegen der weiten Verbreitung des Erregers als Bestandteil der kommensalen Flora nur einen geringen diagnostischen Wert.
Literatur
Mardh PA (2004) Mycoplasma and Ureaplasma. In: Cohen J, Powderly WG (Hrsg) Infectious diseases, 2. Aufl. Elsevier Health Sciences, London, S 2309–2315
Waites KB (2008) Ureaplasma infection. http://​www.​emedicine.​com/​med/​topic2340.​htm