Lexikon der Medizinischen Laboratoriumsdiagnostik
Autoren
W. G. Guder

Urinkultur

Urinkultur
Synonym(e)
Eintauchnährboden-Untersuchung
Englischer Begriff
urine culture; dipslide technique
Definition
Verfahren zur Ermittlung des mikrobiologischen Bewohners/Erregers bei einer Infektion des Urogenitaltrakts.
Pathophysiologie
Bakterien und Pilze können den Urinraum bevölkern durch Wanderung aus dem Ureter (aufwärts), durch hämatogene Besiedlung über glomeruläre Filtration (Filtration, glomeruläre) oder postrenale „Sekretion“ in die ableitenden Harnwege.
Untersuchungsmaterial
Mittelstrahlurin; besser und in kritischen Fällen vorzuziehen ist Blasenpunktionsurin, bei Verdacht auf Infektion der Prostata letzte Portion nach Massage der Prostata. Proben in sterilen Behältern aufnehmen und transportieren.
Analytik
Zur Feststellung der Konzentration von Bakterien (kolonienbildende Einheiten pro Liter) wird eine Abschätzung mit einem Eintauchnährboden vorgenommen, der über Nacht (18–24 Stunden) bei 35–37 °C inkubiert wird. Durch Vergleich mit einer Kontrollkarte werden Menge und evtl. Typ der Bakterien abgelesen. Neuerdings finden Durchflusszytometrie oder Digitalmikroskopie Anwendung, um die Zahl der Keime abzuschätzen (Harnsediment).
Bei Bakterien >106/L oder E. coli >103/mL wird eine Kultur empfohlen, die neben der Spezies die Empfindlichkeit gegenüber Antibiotika feststellt. Diese Kultur durch Inokulation in drei verschiedenen Volumina und Verdünnungen auf CLED- (Cystein-Laktose-Elektrolyt-defizienten), Blut- und Hämatin-Agar ausgestrichen, nach 48 Stunden wird abgelesen. Für den Nachweis von Pilzen werden spezielle Kulturbedingungen benötigt.
Referenzbereich
Bakterienmengen unter 106/L gelten als nicht infektiös, da oft durch den Prozess der Uringewinnung und durch physiologische Ausscheidungsrate bedingt. Auch Proben mit <107/L sowie Mischkulturen werden als negativ oder kontaminiert bezeichnet.
Bewertung
Bei >106/L kolonienbildenden Kulturen gelten die folgenden Arten als potenzielle Verursacher einer Infektion der ableitenden Harnwege (uropathogen) (Keimzahlbestimmung im Urin): Stapylococcus aureus, Stapylococcus saprophyticus und andere Staphylococci, die Koagulase-negativ sind, Streptococcus-β-hämolytisch, Klebsiella spp. und Enterococcus spp.
Literatur
Kouri T, Fogazzi G, Gant H, Hallander H, Hofmann W, Guder WG (2000) European urinanalysis guidelines. Scand J Clin Lab Invest 60(Suppl 231):1–96
Kretschmar M, Nichterlein T, Guder WG (2009) Harnerregernachweis. In: Guder WG, Nolte J (Hrsg) Das Laborbuch für Klinik und Praxis, 2. Aufl. Elsevier/Urban und Fischer, München, S 804–806
Ottinger C (2011) Mikrobiologie. In: Hagemann P, Scholer A (Hrsg) Aktuelle Urindiagnostik für Labor und Praxis. Labolife, Rotkreuz, S 99–115