Lexikon der Medizinischen Laboratoriumsdiagnostik
Autoren
W. G. Guder

Urinteststreifen

Urinteststreifen
Synonym(e)
Schnelltests im Urin; Urinreagenzstreifen; Testfelder für Urin
Englischer Begriff
reagent strips for urinalysis; test strips for urine
Definition
Alle einzeln oder in Kombinationen auf Teststreifen für Eintauchtests zubereitete Reagenzientestfelder, die geeignet sind, Messgrößen des Urins qualitativ oder quantitativ innerhalb weniger Minuten zu erfassen.
Beschreibung
Urinteststreifen sind seit dem 19. Jahrhundert zur Messung von Glukose und Protein (Albumin) entwickelt worden mit dem Ziel, diese qualitativen Untersuchungen am Krankenbett (Patientennahe Sofortdiagnostik) jederzeit durchzuführen. Sie dienen der raschen Information mithilfe einfacher chemischer, immunchemischer oder physikalisch chemischer Methoden.
Untersuchungsmaterial
Traditionell erster Morgenurin, bei Korrektur auf Harnkonzentration auch jeder Spontanurin während des Tages.
Analytik
Derzeit sind die in Tab. 1 aufgeführten Teststreifenfelder für den „Teststreifen der Zukunft“ empfohlen.
Tab. 1
Mit Teststreifen qualitativ und quantitativ zu erfassende Messgrößen (modifiziert nach Hofmann et al. 2011)
Messgröße
Methode, Messinhalt
Ausschluss/Nachweis von
Limitierung, Empfehlung
Dichte (Kreatinin)
H+-Austausch von Kationen mit pH-Indikator, Kreatinin (chemisch)
1,005–1,042
Konzentrationsfähigkeit der Niere
Misst Kationen, daher nicht anwendbar bei Infusionstherapie u. a.; besser Kreatinin bei Erwachsenen
pH
Farbindikation
5–7,5
Adäquate pH-Bildung
 
Leukozyten
Granulozytenesteraseaktivität mit Diazoreaktion des Reaktionsprodukts
Ca. 10 × 106 Granulozyten/L
Granulozytäre Reaktion im Urogenitaltrakt (bei bakterieller Infektion)
Misst keine frischen Leukozyten und wird in vitro mit der Zeit positiv;
Lyse der Leukozyten empfohlen
Nitrit, Bakteriurie
Griess-Reaktion
0,5 mg/L
Gramnegative Bakterien (z. B. E. coli, Proteus, Klebsiella)
Negativ bei Fehlen von Nitrat und nicht nitritbildenden Erregern (20–30 % der Infektionen)
Proteine
Proteinfehler eines pH-Indikators
150–300 mg/L
Albuminurie (sog. Makro-)
Negativ bei tubulären und Bence-Jones-Proteinurien
Albumin
pH-Indikator, immunchemischer Albuminnachweis
20–120 mg/L
Albuminurie (sog. Mikro-)
pH-Indikator-Methode nicht empfindlich genug
Blut
Pseudoperoxidaseaktivität von Hämoglobin und Myoglobin
1,5–6 mg/L
Hämoglobin
Myoglobin
 
Der optimale Teststreifen sollte nicht mehr als 10 Testfelder enthalten, um eine verwirrende Fülle von Daten und Verwechslungsgefahr beim Ablesen zu verhindern. So wurde der Test für Bilirubin für zu unempfindlich, der für Ketonkörper für selten indiziert und pH-Test ebenfalls für nicht mehr notwendig gehalten, da pH oft artefiziell verändert in vitro und nicht mehr notwendig zur Interpretation des Proteintestfeldes ist. Demgegenüber wurde für einen besseren Test für die Harnkonzentration plädiert (z. B. Kreatinin) und eine Halbquantifizierung unter Bezug auf Kreatinin und/oder Leitfähigkeit empfohlen, das an modernen Urinanalysegeräten miterfasst wird (z. B. Sedi Max Menarini, UF 100 und UF5000/4000 Sysmex, FUS-2000 von Diriu Industrial Co oder IQ200 Iris). S. a. Harnsediment, Urinstatus.
Bewertung
Urinteststreifen gehören zum Basisprogramm jeder medizinischen Untersuchung.
Literatur
Hofmann W, Ehrich HH, Guder WG, Keller F, Scherberich J (2011) Diagnostische Pfade bei Nierenerkrankungen. J Lab Med 35:127–146
Kouri T, Fogazzi G, Gant H, Hallander H, Hofmann W, Guder WG (2000) European urinanalysis guidelines. Scand J Clin Lab Invest 60(Suppl 231):1–96
Kutter D (2000) The urine test strip of the future. Clin Chim Acta 297:297–304CrossRefPubMed