Lexikon der Medizinischen Laboratoriumsdiagnostik
Autoren
K. J. Lackner und D. Peetz

Very low density lipoprotein

Synonym(e)
Lipoproteine sehr niedriger Dichte; VLDL; Prä-β-Lipoproteine
Englischer Begriff
Definition
VLDL sind triglyzeridreiche Lipoproteine mit einer Dichte <1,006 g/mL.
Struktur
VLDL bestehen aus bis zu ca. 10 % Protein und ca. 90 % Lipiden, vorwiegend Triglyzeriden. Das Hauptprotein des VLDL ist das Apolipoprotein B-100.
Molmasse
5–100 × 106 Da.
Synthese – Verteilung – Abbau – Elimination
VLDL werden in der Leber synthetisiert und sezerniert. Sie bestehen zu 5–10 % aus Protein, hauptsächlich ApoB-100. Daneben kommen noch C-Apolipoproteine und ApoE in relevanten Mengen in den VLDL vor. Die Lipide bestehen hauptsächlich aus Triglyzeriden (s. Triglyzeride). Phospholipide, Cholesterinester und Cholesterin kommen in geringen Mengen vor. Insulin hemmt die Produktion und Sekretion von VLDL. Im Plasma werden VLDL unter der Wirkung verschiedener Enzyme, vor allem der Lipoproteinlipase, und Transferproteine zu IDL und LDL (Low density lipoprotein) umgewandelt.
Halbwertszeit
Die Halbwertszeit beträgt unter normalen Umständen 6–12 Stunden, kann aber in Abhängigkeit von den Versuchsbedingungen stark variieren.
Funktion – Pathophysiologie
VLDL dienen dem Transport endogener Lipide von der Leber zu peripheren Organen.
Untersuchungsmaterial – Entnahmebedingungen
VLDL-Cholesterin wird üblicherweise aus Serum oder Plasma, das nach 12 Stunden Nahrungskarenz abgenommen wurde, bestimmt. Zu beachten ist, dass die Werte bei Blutentnahme im Sitzen wegen Volumeneffekten um 5–10 % höher sein können als bei Entnahme im Liegen.
Probenstabilität
Bei Raumtemperatur ist Serum/Plasma etwa 12 Stunden stabil, bei 4 °C ca. 7 Tage. Eingefrorenes Material ist wegen möglicher Aggregation der Partikel für die Analytik nicht geeignet.
Analytik
Die Bestimmung der VLDL ist üblicherweise eine Bestimmung des VLDL-Cholesterins. Sie erfolgt mittels Ultrazentrifugation (Ultrazentrifuge) bei einer Dichte (Dichte, spezifische und relative) von 1,006 g/mL (Serumdichte) (Dichtegradientenzentrifugation). Cholesterin kann entweder direkt in der Fraktion mit d <1,006 g/mL, also dem Überstand, bestimmt oder aus der Differenz zwischen Gesamtcholesterin und der Cholesterinkonzentration in der Fraktion mit d >1,006 g/mL errechnet werden. Da die quantitative Gewinnung der VLDL aus dem Überstand schwierig ist, wird üblicherweise der zweite Weg gewählt. Zu berücksichtigen ist, dass beide Ansätze Chylomikronen miterfassen. Elektrophoretische Methoden zur quantitativen Bestimmung von VLDL bzw. VLDL-Cholesterin existieren, haben sich aber nicht allgemein durchgesetzt.
Konventionelle Einheit
mg/dL.
Internationale Einheit
mmol/L.
Umrechnungsfaktor zw. konv. u. int. Einheit
0,02586.
Referenzbereich – Erwachsene
<40 mg/dL.
Referenzbereich – Kinder
Keine validen Angaben; aber außer in der Neugeborenenphase nicht grundsätzlich verschieden von den Erwachsenenwerten.
Indikation
Diagnostik der familiären Dysbetalipoproteinämie (Typ-III-Hyperlipoproteinämie).
Interpretation
Neben der Serumtriglzyeridkonzentration bietet die VLDL-Cholesterinkonzentration mit Ausnahme der Patienten mit familiärer Dysbetalipoproteinämie keine zusätzliche klinische Information. Bei diesen Patienten ist der Quotient von VLDL-Cholesterin zu Triglyzeriden erhöht (>0,3 für die Einheit mg/dL), was dann zur Bestätigung der Diagnose durch eine Phäno- oder Genotypisierung des Apolipoprotein E führen sollte.