Lexikon der Medizinischen Laboratoriumsdiagnostik
Autoren
T. Arndt

Xenobiotika

Xenobiotika
Synonym(e)
Fremdstoff
Englischer Begriff
xenobiotic
Definition
Bezeichnung für einen einem Ökosystem fremden Stoff. Im engeren Sinn ein auf den menschlichen Körper einwirkender fremder Stoff.
Beschreibung
Xenobiotika (griech. xenos: fremd; bios: Leben) ist ein Begriff, der abhängig vom betrachteten Ökosystem oder Organismus unterschiedliche Stoffgruppen und Stoffe umfassen kann. So sind dem menschlichen Organismus fremde tierische oder pflanzliche Inhaltsstoffe Xenobiotika, während sie für die Ursprungsspezies körpereigene Stoffe und damit keine Xenobiotika sind. Xenobiotika sind nicht grundsätzlich anthropogenen Ursprungs (Abb. 1), aber alle auf den menschlichen Organismus einwirkenden körperfremden Stoffe sind Xenobiotika. Viele Nahrungsbestandteile sind nach dieser Definition Xenobiotika, die nicht zwingend eine gesundheitsschädigende, sondern im Gegenteil oft eine gesundheitsfördernde Wirkung haben (z. B. Vitamine). Eine Gleichsetzung von Xenobiotika mit gesundheitsschädlichen Stoffen ist deshalb nicht zulässig.
Anmerkung 1
Diese Definition wurde entwickelt unter Verwendung des Römpp Chemie Lexikons.
Anmerkung 2
Für einige Stoffe wäre eine dosisabhängige Zuordnung zu bzw. Ausgliederung aus den Xenobiotika zu diskutieren. So ist z. B. Ethanol (Alkohol) ein physiologisches Produkt der im Verdauungstrakt des Menschen angesiedelten Bakterien, also nicht zwingend körperfremd und damit kein Xenobiotikum. Den in unphysiologischen Mengen aufgenommenen Fremdstoff Trinkethanol könnte man dagegen durchaus auch als Xenobiotikum bezeichnen. Gleiches gilt beispielsweise für Stickstoffmonoxid, das einerseits als endogener Neurotransmitter wichtige physiologische Funktionen steuert und andererseits in unphysiologischen Konzentrationen als Fremdstoff den menschlichen Organismus schädigt.
Anmerkung 3
Nach der International Union of Pure and Applied Chemistry „ist ein Xenobiotikum eine dem lebenden Organismus fremde Verbindung, hauptsächlich Medikamente (‚drugs‘), Karzinogene und andere Verbindungen, die künstlich in die Umwelt (‚environment‘) eingetragen wurden“. Wenn Umwelt hier nicht als der menschliche Körper, sondern als unsere Umwelt als solche zu verstehen ist, würde diese Definition zu kurz greifen. So würden, um nur ein Beispiel zu nennen, die aus Pilzen extrahierten und am Menschen als Immunsuppressiva eingesetzten (körperfremden) Stoffe nicht als Xenobiotika betrachtet, da sie als natürliche Stoffe nicht „künstlich“ in die „Umwelt“ eingetragen wurden.
Literatur
Falbe J, Regitz M (Hrsg) (1992) Römpp Chemie Lexikon. Georg Thieme Verlag, Stuttgart/New York