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Farbkodierte Duplexsonographie (FKDS) in der Diagnostik von Gefäßerkrankungen

Verfasst von: Thorsten Bley, Peter Kuhlencordt und Reinhard Kubale
Die FKDS erlaubt die Beurteilung der Anatomie, der Morphologie und der Hämodynamik von Gefäßen. Die funktionelle Untersuchung kann durch die genaue Bestimmung der Untersuchungstiefe und der optimalen Platzierung der Probenentnahmestelle („sample volume“) bestimmten Gefäßabschnitten zugeordnet werden. Durch die Kenntnis und optimale Einstellung des Beschallungswinkels können die Dopplerfrequenzen in Flussgeschwindigkeiten umgerechnet werden. Das folgende Kapitel soll nun die Anwendung der Methode durch die Beschreibung der Untersuchung einzelner Gefäßprovinzen erläutern. Für eine genauere Darstellung der physikalischen Grundlagen und der Anwendung verweisen wir auf die Vielzahl der Standardwerke zu diesem Thema.
Die FKDS erlaubt die Beurteilung der Anatomie, der Morphologie und der Hämodynamik von Gefäßen. Die funktionelle Untersuchung kann durch die genaue Bestimmung der Untersuchungstiefe und der optimalen Platzierung der Probenentnahmestelle („sample volume“) bestimmten Gefäßabschnitten zugeordnet werden. Durch die Kenntnis und optimale Einstellung des Beschallungswinkels können die Dopplerfrequenzen in Flussgeschwindigkeiten umgerechnet werden. Das folgende Kapitel soll nun die Anwendung der Methode durch die Beschreibung der Untersuchung einzelner Gefäßprovinzen erläutern. Für eine genauere Darstellung der physikalischen Grundlagen und der Anwendung verweisen wir auf die Vielzahl der Standardwerke zu diesem Thema.
Allgemein werden bei diesem Verfahren die Flussrichtung und die Flussgeschwindigkeit des Blutes farbkodiert dargestellt, während stationäre Bildpunkte (Gefäßwand, umgebendes Bindegewebe) in Grauwerten abgebildet werden. Die Flussrichtung wird in roten und blauen Farbtönen kodiert, während die Flussgeschwindigkeit durch Unterschiede in der Helligkeit dargestellt wird. Die Farbzuordnung der Strömungsrichtung kann prinzipiell vom Untersucher festgelegt werden, wobei normalerweise ein Fluss vom Schallkopf weg rot, ein Fluss in Richtung Schallkopf blau kodiert wird. Da der Zeitbedarf für die Erstellung des farbkodierten Bildes von der Zahl der Farblinien abhängt, sollte versucht werden, im B-Bild mit möglichst wenig Farblinien auszukommen. Insofern sollte die Farbbox nicht unnötig groß gewählt werden.
Zusätzlich steht bei modernen Duplexsonographiegeräten oft ein „Power-Doppler-“ oder „Color-Energy-Doppler-Verfahren“ zur Verfügung. Bei diesem Verfahren wird das Energieniveau des Dopplersignals ohne Richtungskodierung monochrom wiedergegeben. Hierdurch gelingt eine sensitivere Darstellung langsamer Blutflüsse. Das Verfahren ist nicht winkelabhängig. Flussrichtung, Flussgeschwindigkeit und Flussqualität können jedoch nicht dargestellt werden.

Extrakranielle Arterien

Die Duplexsonographie der extrakraniellen hirnversorgenden Arterien stellt eine der häufigsten ultraschallbasierten Untersuchungen dar. Dabei kommt dem Untersuchungsverfahren eine besondere Bedeutung zu, da durch die Kombination der morphologischen und hämodynamischen Untersuchung die Indikation zur Revaskularisierung dieser Gefäßprovinz gestellt werden kann. In den Vereinigten Staaten von Amerika erfolgt die präoperative Gefäßbildgebung vor einer Arteria-carotis-Endarterektomie in 80 % der Fälle ausschließlich per Ultraschall. Die Prävalenz einer über 50 %igen Stenose liegt bei symptomatischen Patienten (Apoplex, TIA, PRIND) bei 18–20 % (Brown et al. 1989; Carroll 1989). Dabei ist die Prävalenz bei asymptomatischen Patienten, die zur Duplexsonographie der Karotis überwiesen werden, mit ca. 14 % nicht wesentlich niedriger (de Virgilio et al. 1997). Neben den arteriosklerotischen Läsionen können wichtige differenzialdiagnostische Erkrankungen wie Vaskulitiden, aneurysmatische Aufweitungen, Gefäßverschlüsse und Dissektionen beurteilt werden.
Anatomie
Für die genaue Darstellung der Anatomie der extrakraniellen hirnversorgenden Arterien verweisen wir auf die Standardwerke der Anatomie. Die A. carotis interna liegt bei etwa 70 % der Menschen dorsolateral der A. carotis externa. Die Höhe der Karotisbifurkation ist variabel.
Durchführung
Die Untersuchung erfolgt mittels eines 7,5- (5- bis 12-) MHZ-Linearschallkopfes. Der Patient sollte in Rückenlage mit Oberkörperhochlagerung und leicht überstrecktem Kopf untersucht werden.
Zunächst erfolgt die Darstellung des Gefäßverlaufs im B-Bild im Querschnitt. Durch diese orientierende Untersuchung können die Lage der Karotisbifurkation und die Gefäßmorphologie bestimmt werden. Darüber hinaus erlaubt die B-Bild-Untersuchung einen Überblick über angrenzende vaskuläre- und Weichteilstrukturen. Durch Dazuschalten des Farbduplexmodus kann die prinzipielle Durchgängigkeit der A. carotis interna und externa überprüft werden.
Im Weiteren erfolgt eine Darstellung der A. carotis communis, der A. carotis interna und der A. carotis externa. Im B-Bild-Modus kann dann die Intima-Media-Dicke (Schicht zwischen der Grenzfläche von Blut und Gefäßwand und Media und Adventitia; normal <0,09 cm; Abb. 1). Das „sample volume“ des PW-Dopplers wird in die Gefäßachse zentriert und per Winkelkorrektur ein Anschallwinkel ≤60° zur Längsachse des Gefäßes gewählt. Wie oben ausgeführt, führt ein größerer Anschallwinkel zu einem Fehler in der Bestimmung der Flussgeschwindigkeit und somit zu einer falschen Graduierung der Stenose. Weiterhin sollte darauf geachtet werden, dass das „sample volume“ in den Bereich der größten Stenose gelegt wird.
Interpretation
Zur Beurteilung der gemessenen Parameter verweisen wir auf ein Konsensus-Dokument der radiologischen Fachgesellschaft (2003). Insgesamt erscheint es sinnvoll, den Schweregrad der Stenosen nicht in einzelnen Graden anzugeben. Wir empfehlen die Einteilung der Stenosen entsprechend den in Tab. 1 angegebenen Kriterien (Konsensus-Dokument 2003). Für die Diagnose einer unter 50 %igen Stenose der ACI ist die PW-Doppler basierte Graduierung ungenau. Leichtgradige Stenosen sollten somit als <50 % beschrieben werden und nicht weiter in Stenosen geringerer Grade eingeteilt werden. Entsprechend den Empfehlungen der radiologischen Fachgesellschaft sollten A.-carotis-Stenosen in geringgradig (<50 %), mittelgradig (50–69 %) und hochgradig (≥70 %; Abb. 2), Pseudo-Okklusion und Okklusion eingeteilt werden (Tab. 1).
Tab. 1
B-Mode- und Doppler-Ultraschall-Klassifizierung der ACI-Stenose (mod. nach Konsensus-Dokument 2003)
Grad der Stenose
PSV (cm/s)
Geschätzte Plaquemasse ( %)
ACI/ACC-Index
EDV (cm/s)
Normal
<125
Keine
<2
<40
<50 %
<125
≥50 %
<2
<40
50–69 %
125–230
≥50 %
2,0–4,0
40–100
≥70
≥230
≥50 %
>4,0
>100
Pseudookklusion
Hoch, niedrig, nicht ableitbar
Sichtbares Restlumen
Variabel
Variabel
Okklusion
Nicht ableitbar
Kein sichtbares Lumen
  
Fehlerquellen
Fehlerquellen können durch Gefäßverkalkungen mit konsekutiver Schallauslöschung, sehr gewundene Gefäßverläufe oder hintereinander geschaltete Stenosen entstehen. Bei Patienten mit stark eingeschränkter linksventrikulärer Auswurfleistung kann die PSV in der ACI disproportional niedrig, im Vergleich zur ACI/ACC Ratio ausfallen. Letztendlich sollte die Beurteilung der Stenose unter Berücksichtigung aller verfügbaren Parameter (B-Bild, Farbdoppler, PW-Doppler, Spektralanalyse) erfolgen. Die Untersuchung der extrakraniellen hirnversorgenden Arterien sollte immer auch die Beurteilung der A. vertebralis und der A. subclavia beider Seiten mit einschließen.
Die transkranielle Dopplersonographie kann zusätzliche Informationen über die größeren intrakraniellen Arterien liefern. Die Untersuchung gibt Aufschluss über die intrakranielle Hämodynamik und die Kompensation vorgeschalteter Stenosen oder Verschlüsse. Durch Bestimmung der Flussreserve kann in schwierigen Fällen die Indikation zur Revaskularisierung untermauert werden.

Periphere Arterien

Durch die Duplexsonographie der peripheren Arterien gelingt die morphologische und hämodynamische Beurteilung von Gefäßprozessen. Die Untersuchung besitzt in der Hand eines erfahrenen Untersuchers eine hohe Sensitivität und Spezifität, ist durch die flächendeckende Verfügbarkeit ein ideales Screeninginstrument und bildet hierdurch die Grundlage zur Planung weiterer diagnostischer und therapeutischer Schritte in der modernen Gefäßmedizin.
Durchführung
Die Untersuchung der Extremitätengefäße erfolgt mittels eines 7,5 (5- bis 12-) MHZ-Linearschallkopfes. Die aorto-iliakale Strombahn wird mit einem 3,5- bis 5 MHZ-Sektorschallkopf untersucht. Zur Untersuchung der oberen Extremitäten kann der Patient in Rückenlage mit Oberkörperhochlagerung oder in sitzender Haltung untersucht werden. Das Auffinden der Armarterien gelingt am besten im Querschnitt. Nach Identifikation des Gefäßes kann es dann im Längsschnitt in ganzer Länge untersucht werden. Das normale Flussspektrum der Extremitäten-versorgenden Arterien ist triphasisch mit steilem systolischem Anstieg und Abfall, einem frühdiastolischen Rückfluss (Dip) und positiver Nachschwankung. Die Darstellung der Arterien der abdominellen und iliako-femoralen Strombahn gelingt am besten im Längsschnitt in Rückenlage mit 45°-Oberkörperhochlagerung. Die Untersuchung der A. politea und der Abgänge der Unterschenkelgefäße (A. tibialis anterior, Truncus tibiofibularis, A. tibialis posterior und A. fibularis) erfolgt am besten in Bauchlage, mit leicht angewinkelten Beinen. Die Untersuchung der Unterschenkelgefäße kann in liegender oder sitzender Haltung erfolgen. Nach Untersuchung der Gefäße im B-Bild und Beurteilung der morphologischen Gefäßwandverhältnisse werden die Gefäße mit dem Farb- und PW-Doppler (Einschallwinkel ≤60° beachten!) untersucht. Für die Untersuchung sollten folgende PRF-Bereiche gewählt werden: aorto-iliakal 30–40 cm/s, femoropopliteal 20–30 cm/s, krural weniger als 20 cm/s.
Die proximale, abgangsnahe Stenose oder der Verschluss der A. subclavia oder des Truncus brachiocephalicus ist die häufigste Manifestation einer Arteriosklerose der oberen Extremitäten. Nicht arteriosklerotische Gefäßveränderungen, wie Vaskulitiden, Kompressionssyndrome und Embolien sind im Bereich der oberen Extremitäten allerdings häufiger als arteriosklerotische Gefäßveränderungen.
Subklaviastenosen
Sie fallen zunächst durch ein poststenotisches Flussspektrum im distalen Gefäßverlauf beziehungsweise der A. axillaris auf. Die direkte Darstellung einer proximalen Stenose gelingt häufig mittels 3,5- bis 5-MHZ-Sektorschallkopf von der Fossa supraclavicularis aus. Eine hämodynamisch relevante Stenose liegt in der Regel bei einer intrastenotischen systolischen Maximalgeschwindigkeit („peak systoloc velocity“, PSV) von ≥250 cm/s vor. Weitere Hinweise ergeben sich aus der diastolischen Flussbeschleunigung, turbulenten Strömungsverhältnissen und dem Ausmaß der poststenotischen Gefäßveränderungen.
Axillarisstenosen
Sie sind nur in sehr seltenen Fällen durch eine Arteriosklerose bedingt und sollten immer an eine zugrunde liegende Großgefäßvaskulitis (Riesenzellarteriitis, Abb. 3) denken lassen. Vaskulitische Stenosen fallen dabei durch eine echoarme, homogene und meist langstreckige Wandverbreiterung auf.
Bei einem Thoracic-outlet-Syndrom findet sich häufig eine Ektasie der A. subclavia. Im Bereich der Gefäßerweiterung ist nach Gefäßwandverbreiterungen bzw. thrombotischen Auflagerungen zu suchen. Im Bereich der äußerlichen Kompression der Arterie können, bei langem Bestehen, fixierte Stenosen bzw. Gefäßverschlüsse entstehen. Embolien aus den thrombotisch belegten Gefäßabschnitten können die Ursache von akralen Ischämien oder einem sekundären Raynaud-Syndrom sein. Sonomorphologisch imponieren frische Embolien als echoarme, homogene Gefäßverschlüsse, proximal des Verschlusses findet sich ein Anschlagfluss.
Hämodynamisch relevante Strombahnhindernisse der Unterarmgefäße sollten an eine zugrunde liegende Vaskulitis, Thrombangitis obliterans oder an arterio-arterielle und kardiale Embolien denken lassen.
Becken-, Oberschenkelarterien- und A.-poplitea-Stenosen
Diese Stenosen sind meist durch eine pAVK bedingt. Eine Duplexsonographie einer Gefäßprovinz sollte erst im Anschluss an eine klinische und einfache apparative (ABI, CW-Doppler, segmentale Pulsoszillographie) Untersuchung gezielt erfolgen. Bei alleiniger Duplexsonographie besteht die Gefahr, hämodynamisch relevante Stenosen durch eingeschränkte Untersuchungsbedingungen (Schallauslöschung bei verkalkter Plaque, Mediasklerose, Adipositas, Ödeme) zu übersehen. Umgekehrt kann nach Identifikation der Etage des hämodynamisch relevanten Strombahnhindernisses gezielt mittels Duplexsonographie nach dieser gesucht werden. Stenosen sollten bezüglich ihrer Länge, der Plaquemorphologie (verkalkt, inhomogen, Oberfläche), der Anzahl (multiple oder singuläre Stenose) sowie der vor- und nachgeschalteten nicht stenosierten Strombahn (diffuse Gefäßerkrankung oder isolierte Stenose) beurteilt werden. Mit dieser Information kann dann oft bereits entschieden werden, ob und welche revaskularisierende Maßnahme geeignet ist.
Die Farbdopplersonographie erlaubt die Identifikation von turbulenten Strömungsverhältnissen im Längsschnitt des Gefäßes. Mittels PW-Doppler kann dann unter Beachtung eines korrekten Einschallwinkels (≤60°) die Flussgeschwindigkeit in der Stenose und im vorgeschalteten Gefäßsegment bestimmt werden. Bei einer intrastenotischen Verdopplung der Flussgeschwindigkeit liegt eine hämodynamisch relevante ≥50 %ige Stenose vor (Index intrastenotisch zu prästenotisch >2). Unter Berücksichtigung der Spektralverbreiterung, der enddiastolischen Flussbeschleunigung und auch poststenotischer Veränderungen des Flussprofils erfolgt eine Einteilung in mittel- und hochgradige Stenosen. Eine Einteilung in einzelne Stenosegrade z. B. mittels Kontinuitätsgleichung ist duplexsonographisch nicht sinnvoll und für die Planung der weiteren Therapie und Diagnostik nicht notwendig. Poststenotische Veränderungen des Strömungsprofils mit reduzierter PSV, verzögertem systolischem Anstieg, Verlust des triphasischen Spektrums (schwerste Form monophasisches Flussspektrum) unterstreichen die hämodynamische Relevanz einer vorgeschalteten Stenose.
An arterielle Verschlüsse sollte gedacht werden, wenn im Längsschnitt kein Farb- oder PW-Doppler-Signal abgeleitet werden kann und proximal abgehende Kollateralen auffallen. Arteriosklerotische Gefäßverschlüsse haben oft eine inhomogene Schalldichte und zeigen verkalkte Anteile mit Schallauslöschung. Für einen embolischen Verschluss spricht eine homogene echoarme Textur, die Lokalisation des Gefäßverschlusses im Bereich von Gefäßverzweigungen (z. B. Iliakalgabel, Femoralisgabel), ein konvexes kraniales Thrombusende und pulssynchrone Bewegung (Abb. 4).

Halsvenen, Venensystem der Extremitäten

Für eine genaue Darstellung der Anatomie des Venensystems verweisen wir auf die Fachliteratur. Die Untersuchung der Halsvenen und des subfaszialen Venensystems der oberen und unteren Extremitäten erfolgt üblicherweise mit einem 7,5-MHz-Linearschallkopf. Bei ungenügender Eindringtiefe kann es bei adipösen Patienten notwendig sein einen 3,5- bis 5-MHz-Sektorschallkopf einzusetzen, der auch regelhaft für die Untersuchung der V. cava und der Beckenvenen eingesetzt wird. Für die Untersuchung epifaszialer Extremitätenvenen kann neben dem 7,5-MHz-Schallkopf zusätzlich ein 12-MHz-Linearschallkopf eigesetzt werden, der u. a. eine bessere Beurteilung der Venenwand (postphlebitische Veränderungen?) erlaubt. Die Untersuchung der Venen erfolgt mit einer gegenüber der arteriellen Untersuchung verminderten Pulsrepetitionsfrequenz (PRF) von <15 cm/s.

Halsvenen

Die Untersuchung der Halsvenen erfolgt in Analogie zur Untersuchung der Halsarterien. In Oberkörperhochlagerung kann es in Abhängigkeit des Volumenstatus des Patienten zu einem spontanen Kollaps der V. jugularis und V. subclavia kommen. Um eine bessere Venenfüllung zu erreichen, sollte der Kopf bei dieser Untersuchung möglichst flach gelagert werden. Zusätzlich kann der Patient durch ein Valsalva-Manöver die Füllung der Venen kurzfristig anheben. Überprüft werden die Flussverhältnisse sowie die Kompressibilität der Gefäße. Als Normalbefund findet sich ein atemmodulierter Fluss der V. jugularis mit inspiratorischer Steigerung und exspiratorischer Verminderung. Zusätzlich findet sich herznah eine kardiale Modulation durch den Schluss der Trikuspidalklappe.

Armvenen

Die Untersuchung der V. axillaris erfolgt am liegenden Patienten mit flach gelagertem Oberkörper. Der Fluss der V. axillaris ist normalerweise atem- und in unterschiedlichem Maße kardial moduliert. Die epifaszialen und subfaszialen Armvenen lassen sich am sitzenden Patienten nach Anlage einer Staubinde am Oberarm bequem untersuchen. Die Beurteilung erfolgt durch Überprüfung der Flussverhältnisse im Farbmodus sowie der Durchgängigkeit durch Kompression. Bei aufgetriebener, nicht kompressibler Vene und fehlendem Flusssignal ist von einer Thrombose auszugehen. Bei distal offenem Venensystem findet sich in diesen Abschnitten ein nicht mehr atem- oder kardial modulierter Dauerfluss. Die Diagnose einer sehr zentral sitzenden Thrombose der infraklavikulären V. subclavia oder der V. brachiocephalica kann durch das Fehlen der direkten Visualisierung des thrombosierten Venensegments Schwierigkeiten bereiten. Ein Verdacht auf ein relevantes proximales Strombahnhindernis ergibt sich dann durch den im Seitenvergleich vermindert atem- und kardial modulierten Fluss der distalen V. subclavia und V. axillaris.

Beinvenen

Die Oberschenkelvenen werden in Rückenlage untersucht. Für die Darstellung der V. poplitea sollte der Patient in Bauchlage unter Verwendung einer Lagerungsrolle im Bereich der Sprunggelenke untersucht werden. Die Untersuchung der Unterschenkelvenen erfolgt am sitzenden Patienten mit seitlich von der Untersuchungsliege hängenden Unterschenkeln. Posteriore und fibulare Venen lassen sich von dorsal, die anteriore Venengruppe von ventral untersuchen. Der Fluss in den Beinvenen ist beim liegenden Patienten normalerweise atemmoduliert, mit einem inspiratorischen Stopp und einer Zunahme des nach zentral gerichteten Flusses bei Exspiration. Die Venenklappenfunktion der Mündungsklappe der V. saphena magna und der V. femoralis superficialis wird mittels Valsalva-Pressversuch überprüft. Der Venenklappenschluss weiter distal gelegener Venensegmente kann im PW-Doppler-Modus, durch proximale Kompression überprüft werden.
Bei Verdacht auf eine tiefe Beinvenenthrombose sollte auf ein Valsalva-Manöver verzichtet werden. Bei dieser Fragestellung erfolgt eine systematische Kompressionssonographie bei der das subfasziale Venensystem im Querschnitt, beginnend in der Leiste, repetitiv nach distal komprimiert wird. Bei inkompressibler oder teilkompressibler Vene kann in Verbindung mit den oben beschriebenen Flussphänomenen der distalen Venenabschnitte eine Venenthrombose diagnostiziert werden. Ein weiteres Kriterium ist das gelegentlich sichtbare, flottierende proximale Thrombusende. Sonomorphologisch sind frische Thrombosen häufig echoarm bis echofrei und nur durch ihre fehlende Komprimierbarkeit zu erkennen. Bei venösem Querschnittsverschluss des Beckens bzw. Oberschenkels, kann die Kompression der distalen Gefäßabschnitte durch einen erhöhten intravasalen Füllungsdruck erheblich erschwert werden. Zusätzlich kann es in solchen Situationen aufgrund der venösen Stase Schwierigkeiten bereiten einen Spontanfluss in den distalen Venenabschnitten nachzuweisen. Bei bereits fehlendem Flusssignal in der V. femoralis communis oder einem nicht atemmoduliertem venösen Dauerfluss im Seitenvergleich kann der Verdacht auf eine Beckenvenenthrombose gestellt werden.
Zur Klärung dieses Befundes ist die Untersuchung der Beckenvenen mittels eines 3,5- bis 5-MHz-Sektorschallkopfes im Gefäßlängsschnitt, im Farbmodus hilfreich. Eine Kompression der Beckenvenen im Gefäßquerschnitt kann in Abhängigkeit vom Körperbau des Patienten und der Schmerzhaftigkeit der Untersuchung nur von limitierter Aussagekraft sein. Nach Ausschluss einer Oberschenkel- oder Beckenvenenthrombose erfolgt die weitere Kompressionssonographie der V. poplitea in Bauchlage und der Unterschenkelvenen am sitzenden Patienten, wie oben ausgeführt. Zur Vermeidung einer schmerzhaften Untersuchung und besseren Beurteilbarkeit sollte die Kompression am distalen Oberschenkel und im Bereich der Wade unter Gegendruck mit der freien Hand erfolgen. Die Sensitivität der Kompressionssonographie der proximalen tiefen Beinvenenthrombose liegt bei >95 %. Unter Verwendung neuester Gerätetechnik und in der Hand eines erfahrenen Untersuchers ist die Sensitivität der Kompressionssonographie zur Diagnose einer tiefen Unterschenkelvenenthrombose nur geringfügig geringer.
Zur Abklärung einer Varikose ist die FKDS die aktuell wichtigste Methode. Zunächst gilt es, zwischen einer primären (idiopathischen) und einer sekundären Varikose, wie sie im Rahmen eines postthrombotischen Syndroms auftritt, zu unterscheiden. Zum Ausschluss eines postthrombotischen Syndroms erfolgt eine Kompressionssonographie sowie Prüfung des Venenklappenschlusses des epifaszialen und subfaszialen Venensystems wie oben beschrieben. Dies ist von besonderer Wichtigkeit, da eine sekundäre Varikose auf dem Boden postthrombotischer Veränderungen einen Umgehungskreislauf darstellt und eine chirurgische Entfernung der Varizen oft kontraindiziert ist. Des Weiteren ist die Frage nach dem proximalen Insuffizienzpunkt (Mündungsklappe oder Perforansvene), dem Typ (komplette vs. inkomplette Stammvarikose vs. Seitenastvarikose) sowie dem distalen Insuffizienzpunkt zu klären. Zur Beantwortung dieser Fragen, auf deren Basis die chirurgische Therapie der primären Varikose geplant werden kann, kann es sinnvoll sein, den Patienten nicht nur im Liegen, sondern auch im Stehen zu untersuchen. Bei Vorliegen einer schmerzhaften Entzündung und Thrombosierung von Varizen spricht man von einer Varikophlebitis.
Die Kompressionssonographie der Beinvenen dient in dieser Situation zur Dokumentation der Ausprägung und Beziehung der thrombosierten Varizen zum tiefen Venensystem. Die Entfernung des Thrombus zur venösen Crosse oder zu Perforansvenen sollte in Zentimetern dokumentiert werden. Eine Varikophlebitis ist die häufigste Komplikation einer Varikose und bedarf normalerweise keiner weiteren Abklärung. Liegt eine Entzündung und Thrombose nicht varikös veränderter epifaszialer Venensegmente vor, spricht man von einer Thrombophlebitis. Diese sollte in jedem Fall, besonders aber bei rezidivierenden Thrombophlebitiden (Thrombophlebitis saltans) weiter differenzialdiagnostisch abgeklärt werden, da sie in Verbindung mit Malignomen und entzündlichen Systemerkrankungen auftreten können.
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