Pädiatrie
Autoren
Hans-Iko Huppertz

Amyloidosen bei Kindern und Jugendlichen

Amyloidose ist der Oberbegriff für Krankheiten, die durch die extrazelluläre Ablagerung von Amyloiden bedingt sind, nichtabbaubare fibrilläre Aggregationsprodukte homogen modifizierter Proteine. Die abgelagerten Amyloide schädigen die betroffenen Organe, z. B. Niere, Leber oder ZNS. Charakteristisch ist die Färbbarkeit mit Kongorot. Die Therapie der sehr seltenen kindlichen Amyloidosen besteht im Versuch, die Produktion der Vorläuferproteine zu vermindern.
Definition und Ätiologie
Amyloidose ist der Oberbegriff für Krankheiten, die durch die extrazelluläre Ablagerung von Amyloiden bedingt sind. Amyloide sind fibrilläre Aggregationsprodukte homogen modifizierter Proteine (Abb. 1). Unterschiedliche Proteine produzieren unterschiedliche Amyloide – definitorisch entscheidend ist ihre fibrilläre Anordnung, kristalline Struktur, histochemische Färbbarkeit, z. B. mit Kongorot, und Resistenz gegen proteolytische Eliminationsversuche des Organismus.
Pathogenese
Aggregationsfähige Proteine und damit Amyloidosen entstehen bei vielen Krankheiten. Ihre Pathogenese ist einheitlich: Die gebildeten Amyloidfasern häufen sich extrazellulär an, verdrängen normale Gewebsstrukturen, beeinträchtigen die Zellfunktion und führen letztendlich zum Zelltod. Die einheitliche Pathogenese, Störung der Faltung normalerweise löslicher Proteine, bedingt ähnliche Krankheitsbilder. Klinische Unterschiede erklären sich aus Lokalisation, Menge und Größe der Amyloidfasern.
Klinische Symptome
Lokale Amyloidosen beschränken sich auf bestimmte Organe, z. B. auf das Gehirn bei der familiären Form des Morbus Alzheimer. Systemische Amyloidosen betreffen mehrere Organe, meist mesenchymale Gewebe und innere Organe. Klinische Symptomatik und Laborveränderungen ergeben sich aus dem jeweils betroffenen Organ. Eine spezifische Diagnose ist am Herzen nicht invasiv möglich, sonst durch die Untersuchung bioptisch gewonnenen Materials.
Einige systemische Amyloidosen sind in Tab. 1 aufgeführt. Im Kindesalter relevant sind reaktive Amyloidosen bei ca. 10 % der unbehandelten Patienten mit familiärem Mittelmeerfieber (Kap. „Episodische Fiebersyndrome – autoinflammatorische Syndrome“). Kinder mit Down-Syndrom produzieren und speichern vermehrt β-Amyloid, ein für Entwicklung und Alterung bedeutsames Protein.
Tab. 1
Klassifikation der Amyloidosen
Bezeichnung
Ätiologie
Elementares Protein
Organmanifestation
Behandlungsansätze
Reaktive Amyloidose
Chronische Infektion oder primäre Entzündung bei autoinflammatorischen Erkrankungen (z. B. familiäres Mittelmeerfieber, cryopyrinassoziiertes periodisches Syndrom, Morbus Still)
Serum-Amyloid A
Niere (nephrotisches Syndrom), Leber, Milz
Interleukin-1-Inhibitoren,
TNF-Inhibitoren
Immunglobulin-Amyloidose
Meist bei Myelom, B-Zell-Lymphom, Morbus Waldenström
Leichtketten monoklonaler Immunglobuline
Herz (Kardiomyopathie), Muskeln, Nerven (Neuropathie), Nieren
Gegen Plasmazellen gerichtete Therapien, Proteasome-Inhibitor Bortezomib
β2-Mikroglobulin-Amyloidose
AB-Amyloidose
Chronische Dialyse
β2-Mikroglobulin
Mesenchym (Karpaltunnelsyndrom), Gelenke
Experimentell
Hereditäre Proteindefekt-Amyloidosen
Mutierte Gene kodieren abnorm konfigurierte Proteine
Transthyretin
Apolipoprotein A1, andere
Herz, Nieren, ZNS, periphere Neuropathie
Lebertransplantation, experimentelle Therapien
AS-Amyloidose
β-Amyloid
ZNS (Demenz)
Experimentell
Therapie
Die Behandlung der Amyloidosen ist symptomatisch und versucht darüber hinaus präventiv die Reduktion der Vorläuferproteine.
Weiterführende Literatur
Alghamdi M (2017) Familial mediterranean fever, review of the literature. Clin Rheumatol 36:1707–1713CrossRef
Milani P, Palladini G, Merlini G (2018) New concepts in the treatment and diagnosis of amyloidosis. Expert Rev Hematol 11:117–127CrossRef