Pädiatrie
Autoren
Regina Fölster-Holst, Thomas Bieber und Astrid Steen

Benigne Dermatosen bei Neugeborenen und Säuglingen

Die Haut erfüllt mehrere Funktionen. Sie dient als physikalische und chemische Barriere, produziert Talg und reguliert über die Abdunstung durch Schweißbildung den Wärmehaushalt. Während bei der Geburt die Talgproduktion gut entwickelt ist (außer bei Frühgeborenen), haben die anderen Funktionen noch nicht ihre Reife erreicht. Diese Unreife der kutanen Physiologie hat tief greifende Konsequenzen.

Besonderheiten der Haut bei Neugeborenen und Säuglingen

Die Haut erfüllt mehrere Funktionen. Sie dient als physikalische und chemische Barriere, produziert Talg und reguliert über die Abdunstung durch Schweißbildung den Wärmehaushalt. Während bei der Geburt die Talgproduktion gut entwickelt ist (außer bei Frühgeborenen), haben die anderen Funktionen noch nicht ihre Reife erreicht. Diese Unreife der kutanen Physiologie hat tief greifende Konsequenzen.
Die Barrierefunktion entwickelt sich allmählich während der fetalen Phase. Bei allen Neugeborenen ist sie jedoch noch unreif, sodass sowohl vermehrter transepidermaler Wasserverlust als auch verstärkte Penetration von Fremdsubstanzen in die Haut zu befürchten sind. Diese Gefahren sind bei Frühgeborenen noch ausgeprägter, da das Stratum corneum sehr leicht verletzbar ist.
Die Thermoregulation durch Schweißbildung ist insbesondere beim Frühgeborenen noch nicht voll funktionsfähig. Daher führt eine Erhöhung der Umgebungstemperatur bereits zu einer Hyperthermie. Auf der anderen Seite sind auch die thermoregulatorischen Mechanismen gegen niedrigere Temperaturen nach der Geburt noch wenig wirksam.
Neuerdings wurde auch die Rolle des kutanen Mikrobioms als Bestandteil der Barrierefunktion hervorgehoben. Es entstehen wichtige Signale zwischen diesem Mikrobiom und dem Immunsystem. Diese Zusammensetzung des Mikrobioms ist sehr variabel und wird von genetischen, aber auch Umweltfaktoren (wie z. B. Anwendung von Lokaltherapeutika) stark beeinflusst. Die Diversität des Mikrobioms kann als Marker einer gesunden Haut angesehen werden.
Die perkutane Absorption wird durch mehrere Faktoren bedingt: die physikochemischen Eigenschaften der Substanz, die auf die Haut appliziert wird, ihre Konzentration, die verwendete Grundlage und die intrinsischen Eigenschaften der Haut. Da diese bei Neugeborenen aufgrund der dünnen Hornschicht besonders durchlässig ist, können Wirkstoffe, die auf größere Hautflächen appliziert werden, bereits zu systemischen Wirkungen führen. Die perkutane Absorption ist insbesondere im Genitoanalbereich durch den Okklusionseffekt der Windel verstärkt. Besonders erwähnenswert ist hier die Intoxikation durch Salicylate, die häufig als Keratolytikum eingesetzt werden, z. B. bei Ichthyosen. Deshalb empfiehlt es sich, beim Neugeborenen und beim Säugling keine topischen Salicylsäurepräparate mit einer Konzentration über 2 % aufzutragen, insbesondere nicht auf größere Hautflächen. Ähnliches gilt auch für Glukokortikoide, die neben dem Granuloma gluteale infantum (Abschn. 6) durchaus nach lokaler Applikation einen systemischen Effekt haben können, bis hin zur Induktion eines Cushing-Syndroms. Solche Nebenwirkungen werden jedoch nicht bei Glukokortikoiden der Klasse I (Hydrokortison) zu erwarten sein. Generell sollte somit von der großflächigen Anwendung topischer Steroide der Klassen III und IV bei Neugeborenen und Säuglingen Abstand genommen werden. Generell haben Steroide der Klasse der Diester einen besseren therapeutischen Index.

Erythema toxicum neonatorum

Das Erythema toxicum neonatorum ist eine der häufigsten benignen Krankheiten bei Neugeborenen, 50 % der Kinder in den ersten Lebenstagen sind davon betroffen. Es finden sich meist flächenhafte, konfluierende Erytheme mit zentraler Papel oder Pustel. Nicht selten findet sich auch ein anämischer Randsaum. Befallen sind insbesondere die Brust, der Rücken sowie die Extremitäten, selten jedoch das Gesicht. Die Palmoplantarflächen sind generell ausgespart. Wegen der spontanen Abheilung nach wenigen Tagen ist hier keine Behandlung erforderlich.

Cutis marmorata teleangiectatica congenita

Aufgrund der beim Neugeborenen noch nicht voll ausgebildeten Thermoregulation sieht man oft bei beginnender Auskühlung eine grobmaschige Weißfleckung der Haut. Diese harmlose Cutis marmorata verschwindet schnell, wenn man den Säugling wieder in warme Umgebung bringt. Davon abzugrenzen ist die Cutis marmorata teleangiectatica congenita (Van-Lohuizen-Syndrom), bei der infolge angeborener nävoider Fehlbildung der kutanen Blutgefäße eine besondere Adaptationsschwäche bezüglich der Wärmeregulation besteht. Dies wird bevorzugt bei weiblichen Säuglingen beobachtet und tritt gelegentlich mit Spinnennävi, einem medialen Naevus flammeus der Oberlippe, kleinen Ulzerationen, Hyperkalzämie oder Glaukom auf. In der Regel erfolgt eine spontane Rückbildung bis zum 2. Lebensjahr mit Ausbildung des subkutanen Fettgewebes. Auf sorgfältigen Schutz vor Unterkühlung ist zu achten. Differenzialdiagnostisch kann auch ein Klippel-Trénaunay-Syndrom erwogen werden.

Milien

Milien sind häufig vorkommende stecknadelkopfgroße, mit Hornmaterial gefüllte epidermale Zysten. Sie entstehen nicht selten explosionsartig im Gesichtsbereich der Neugeborenen. Auch hier ist wegen der spontanen Abheilung nach wenigen Tagen keinerlei spezifische Therapie notwendig.

Miliaria

Wie bereits oben erwähnt, ist die Schweißdrüsenfunktion des Neugeborenen noch unzureichend entwickelt. Daher kommt es gelegentlich zur Schweißretention durch Obstruktion der Drüsenausführungsgänge. Solche Veränderungen entstehen insbesondere bei Kindern in warmen Ländern oder sekundär, wenn die Kinder zu warm angezogen werden. Je nach Höhe des Verschlusses entsteht entweder eine Miliaria cristallina (bedingt durch einen sehr oberflächlichen, innerhalb der Hornschicht entstandenen Verschluss) oder eine Miliaria rubra (durch einen Verschluss in tieferen Schichten der Epidermis). Während die Miliaria cristallina innerhalb von 1–2 Tagen abheilt, braucht die Miliaria rubra einige Tage bis zur kompletten Regression der Hautveränderung. Wärmestau sollte vermieden werden, ansonsten ist keine Therapie erforderlich.

Granuloma gluteale infantum

Das Granuloma gluteale infantum wird sehr oft bei oder nach einer Windeldermatitis beobachtet. Häufig ist eine unsachgemäße lokale Kortikosteroidtherapie in der Anamnese zu eruieren. Die rötlich-braunen bis lividen Plaques und Infiltrate sind klinisch einfach zu diagnostizieren und heilen in der Regel nach 2–3 Monaten spontan wieder ab, vorausgesetzt, die Steroidtherapie wurde abgesetzt. Lokal kann die Abheilung durch Applikation von Zinkpaste beschleunigt werden.

Transiente neonatale pustulöse Melanose

Bei der transienten neonatalen pustulösen Melanose (TNPM), einer relativ seltenen Dermatose, finden sich bereits bei Geburt oberflächliche Pusteln am gesamten Integument einschließlich der Palmoplantarregion, sie rupturieren schnell und bilden krustenbedeckte Erosionen. Bräunlich pigmentierte Makulä, die auch zur Bezeichnung "Melanose" geführt haben, verbleiben noch über mehrere Monate.

Windeldermatitis

Die Windeldermatitis, eine sehr häufige irritative Hautentzündung im Windelbereich, ist sehr wahrscheinlich durch die Aktivität von Trypsin und Lipasen im Stuhl sowie durch den sauren pH des Stuhls von gestillten Kindern bedingt. Die durch Okklusion bedingte Mazeration im feuchtwarmen Milieu des Windelbereichs führt zu einer Intertrigo, die typischerweise unter Aussparung der Inguinalfalten ausgebildet ist. Häufig besteht hier auch eine bakterielle oder mykotische Sekundärinfektion, insbesondere durch Candida albicans mit einer typischen Aussaat von kleinfleckigen Erythemen und Pusteln im Randbereich der Windeldermatitisherde.
Neben häufigem Windelwechseln sind hier austrocknende Maßnahmen zum Schutz vor Mazeration von Bedeutung. Die Reinigung sollte möglichst mit klarem und lauwarmem Wasser erfolgen, gegebenenfalls mit Zusatz von synthetischen Gerbstoffen. Schließlich sollte die Haut gut abgetrocknet werden, und bei Bedarf mit anschließender Einlage von Leinenstreifen oder Mullläppchen in die Hautfalten. Im Falle einer Sekundärinfektion mit Candida albicans können antimykotische Externa verabreicht werden.

Seborrhoische Säuglingsdermatitis

Die seborrhoische Säuglingsdermatitis, eine besondere Form des seborrhoischen Ekzems, entsteht meist innerhalb der ersten 3 Monate. Bevorzugt befallen sind das Kapillitium sowie das Gesicht, der Hals und der Stamm mit scharf begrenzten, teils kleinfleckigen, teils flächenhaft konfluierenden Erythemen, die eine fettige Schuppung aufweisen. In der Regel bildet sich dieses Krankheitsbild spontan und ohne Rezidiv innerhalb einiger Wochen wieder zurück.
Therapeutisch empfiehlt sich die Anwendung von 0,5–1 % Salicylöl, unter Berücksichtigung der oben erwähnten Vorsichtsmaßnahmen aufgrund der Absorption von Salicylsäure bei Säuglingen. Die Körperherde können mit schwach wirksamen Glukokortikosteroiden (z. B. Hydrokortison) in einer Cremegrundlage behandelt werden. Auf jeden Fall sollten sämtliche Maßnahmen, die zur weiteren Irritation der Herde führen, vermieden werden.
Weiterführende Literatur
Fölster-Holst R (2016) Differenzialdiagnosen pustulöser Erkrankungen bei Neugeborenen. Kinder- und Jugendarzt 525–536
Fölster-Holst R (2018) Differential diagnoses of diaper dermatitis. Pediatr Dermatol 35(Suppl 1):s10–s18CrossRef
Fritsch P (2004) Dermatologie und Venerologie. Lehrbuch und Atlas. Springer, BerlinCrossRef