Pädiatrie
Autoren
Regina Fölster-Holst, Thomas Bieber und Astrid Steen

Epizoonosen bei Kindern und Jugendlichen

Der ausschließlich anthropophile Milbenbefall durch Sarcoptes scabiei tritt meist epidemieartig in der Bevölkerung auf. Das ca. 0,4 mm große Weibchen legt täglich bis zu 4 Eier in den sog. Milbengängen der Epidermis. Nach Ausreifung über das Larven- und Nymphenstadium entstehen dann weitere geschlechtsreife Milben nach ca. 3 Wochen. Diese Epizoonose ist leicht übertragbar, entweder direkt durch Körperkontakt oder wesentlich seltener indirekt über Bekleidung bzw. Bettwäsche.

Skabies

Definition, Ätiologie und Pathogenese
Skabies ist eine häufige, weltweit vorkommende ausschließlich anthropophile Infestation, die meist epidemieartig in der Bevölkerung auftritt. Das ca. 0,4 mm große Weibchen gräbt im Stratum corneum Gänge und hinterlegt hier täglich bis zu 4 Eier und ihren Kot. Nach Ausreifung über das Larven- und Nymphenstadium entstehen dann weitere geschlechtsreife Milben nach ca. 3 Wochen. Gegen Eier und Kot und gegen die Milben selbst reagiert das menschliche Immunsystem mit einer zellulären Reaktion, die die typischen Ekzemläsionen erklären. Skabies ist durch direkten Körperkontakt übertragbar, selten indirekt über Bekleidung oder Bettwäsche.
Klinische Symptome und Verlauf
Unter Aussparung des Hals- und Kopfbereichs und der Hand- und Fußsohlen können erythematöse Papeln nahezu das gesamte Integument befallen. Jedoch sind im frühen Kindesalter auch ekzematöse Läsionen und Gänge am Kapillitium, Gesicht und palmoplantar auffällig, was therapeutisch zu berücksichtigen ist. Die ekzematösen Veränderungen beinhalten Papeln, Vesikeln, Pusteln sowie Schuppen und Krusten, die der zellulären Immunreaktion entsprechen. Als Prädilektionsstellen im Kindesalter gelten die Axillen sowie Hände und Füße, jedoch sollte nach den pathognomonischen Gängen am gesamten Integument gesucht werden.
Ein wesentliches Symptom der Skabies ist der starke, insbesondere am Abend im Zusammenhang mit der Bettwärme auftretende Juckreiz. Nach erfolgreicher Therapie können postskabiöse Granulome noch über mehrere Wochen persistieren, die nicht fälschlicherweise als Rezidiv interpretiert werden sollten.
Diagnose
Neben dem klassischen klinischen Bild und der Anamnese (Kontaktpersonen auch betroffen) ist der Milbennachweis von Bedeutung. Dieser kann mikroskopisch oder dermatoskopisch geführt werden.
Therapie
Außer bei Säuglingen jünger als 2 Monate gilt Permethrin (Creme 5 %; z. B. Infectoscab) als Therapie der Wahl. Eine Wiederholung nach 8 Tagen ist empfehlenswert. Bei Neugeborenen wird Crotamiton eingesetzt. Generell müssen alle Kontaktpersonen simultan mitbehandelt werden. Das gilt auch für Personen, die aufgrund der langen Sensibilisierungsphase von 2 Wochen noch keine ekzematösen Läsionen aufweisen (sie könnten aber bereits Gänge zeigen).
Bei Nichtansprechen ist Benzylbenzoat als Therapie der 2. Wahl zu nennen. Es sollte jedoch im Neugeborenenalter aufgrund der möglichen Komplikation eines Gasping-Syndroms nicht angewandt werden. Therapie der Wahl ist dann Crotamitex. Sollten diese Lokalmaßnahmen nicht zum Erfolg führen, ist die Verordnung von Ivermectin zu empfehlen, das ebenfalls nach 8 Tagen wiederholt werden sollte. Voraussetzung ist ein Mindestgewicht von 15 kg.

Pediculosis capitis

Der meist epidemieartig auftretende Befall durch die 2–3,5 mm langen Kopfläuse (Pediculus humanus capitis, Abb. 1) ist aufgrund der festhaftenden Nissen und des ausgeprägten Juckreizes im Bereich der Kopfhaut und des Nackens normalerweise leicht zu diagnostizieren. Jedoch ist zur Diagnosestellung der Nachweis einer lebenden Kopflaus zu fordern. Ein Besuch der öffentlichen Einrichtung (Kindergarten, Schule) ist erst nach einer lege artis durchgeführten Therapie gestattet.
Als Therapie stehen Silikonöle (Dimeticone), die physikalisch wirksam sind durch Verkleben der Atemwege der Läuse, und das neurotoxische Permethrin zur Verfügung. Zusätzlich kann ein Auskämmen der Haare mittels feinzinkigem Läuse-/Nissenkamm vorgenommen werden, das sich auch diagnostisch bewährt hat. Eine Wiederholung der Behandlung einer Pediculosis capitis sollte nach 8 Tagen erfolgen.

Trombidiose

Die meist im Spätsommer und Herbst auftretende Trombidiose wird durch den Befall mit lebenden Larven von Trombicula autumnalis verursacht. Diese Larven leben in Gräsern und Sträuchern und können den Menschen als Fehlwirt zwar nicht infizieren, verursachen jedoch meist urtikarielle oder kleinpapulöse Stichreaktionen, die von einem heftigen Juckreiz begleitet sind und in der Regel erst einen Tag nach dem Kontakt mit Sträuchern oder Gras auftreten. Typisch ist die Ansammlung der Hautveränderungen unter eng anliegender Wäsche, insbesondere im Gürtelbereich, aber auch im Bereich der Intertrigines. Die quälenden Hautveränderungen, die häufig über mehrere Wochen persistieren, sollten gegebenenfalls mit glukokortikoidhaltigen Emulsionen oder Cremes behandelt werden. Bei besonders ausgeprägtem Juckreiz können auch systemische Antihistaminika eingesetzt werden.
Weiterführende Literatur
Fölster-Holst (2016) Skabies im Kindes- und Jugendalter. Monatsschr Kinderheilkd 164:1035–1048CrossRef
Fölster-Holst R, Hamm H (2009) Ektoparasitosen im Kindesalter. Hautarzt 60:395–401CrossRef