Pädiatrie
Autoren
Regina Fölster-Holst, Thomas Bieber, Astrid Steen und Rainer König

Genodermatosen bei Kindern und Jugendlichen

In diesem hochkomplexen Bereich der pädiatrischen Dermatologie wurden durch die genetische Forschung in den letzten Jahren erhebliche Fortschritte im Verständnis der Pathophysiologie erzielt. Bei den Genodermatosen handelt es sich in der Regel um monogene Krankheiten, bei denen funktionell relevante Mutationen zur Generierung von abnormen Strukturproteinen führen.

Hereditäre Epidermolysen

Definition
Die heterogene Gruppe der blasenbildenden Genodermatosen umfasst mindestens 15 Typen, wobei die Charakterisierung der Mutation in Zukunft möglicherweise das Zusammenlegen bzw. Abspalten weiterer Subtypen ermöglichen wird.
Klassifikation und Pathogenese
Auf der Grundlage der klinischen, morphologischen und ultrastrukturellen Befunde können die hereditären Epidermolysen in 3 Gruppen eingeteilt werden.
Epidermolysis-bullosa-simplex(EBS)-Gruppe
Bei den intraepidermalen Formen mit einer Spaltbildung oberhalb der Basalmembran konnten Mutationen in den Genen von Keratin 1 und 10 nachgewiesen werden. Bei der besonderen Ichthyosis bullosa Siemens wurden Mutationen im Keratin-2e-Gen festgestellt.
Epidermolysis-bullosa-junctionalis(EBJ)-Gruppe
Bei den junktionalen Epidermolysen findet die Spaltbildung in der Basalmembran auf der Ebene der Lamina lucida statt. Hier wurden Mutationen in den Genen von Lamininketten im Gen der α6/β4-Integrine und im Gen von Kollagen XVII nachgewiesen.
Epidermolysis-bullosa-dystrophica(EBJ)-Gruppe
Bei den dermolytischen dystrophischen Epidermolysen findet die Spaltbildung unterhalb der Basalmembran in der papillären Dermis statt. Hier konnten mehrere Mutationen in den Genen vom Kollagentyp VII festgestellt werden.
Klinische Symptome und Verlauf
Jeder der Subtypen innerhalb der verschiedenen Formen zeichnet sich durch besondere Merkmale aus. In der Regel haben die intraepidermalen Formen eine günstigere Prognose als die junktionalen und dystrophischen Formen, die zum Teil letal verlaufen können. Zu beachten ist die Vielzahl der möglichen assoziierten Fehlbildungen: Nageldystrophien, Syndaktylie, Ösophagusbeteiligung, Skelettdystrophien sowie Alopezien.
Diagnose
Vor der Ära der molekularen Diagnostik wurde eine pränatale Diagnostik auf der Basis einer intrauterinen Hautbiopsie beim Fetus mit anschließender elektronenmikroskopischer Untersuchung angestrebt. Im Zuge der immer detaillierteren Charakterisierung einzelner Mutationen bei den verschiedenen Epidermolysen wird nun die pränatale Diagnostik mittels modernster molekulargenetischer Methoden durchgeführt. Dies ermöglicht ebenfalls eine genauere Charakterisierung der möglichen asymptomatischen Heterozygoten und eine präzise Aufstellung des Stammbaums. Diese Informationen sind für die genetische Beratung von höchster Bedeutung.
Therapie
Prinzipiell ist bei diesen Genodermatosen keine kausale Therapie möglich. Die therapeutischen Bemühungen sollten daher auf eine konsequente und der Krankheit entsprechenden Hautpflege sowie auf die Vermeidung von Superinfektionen ausgerichtet sein. In Zukunft wird es neue gentherapeutische Ansätze mit der Transplantation von autologen transfizierten Keratinozyten geben. Die ersten experimentellen Studien wurden bereits durchgeführt.

Kindler-Syndrom (kongenitale bullöse Poikilodermie)

Hierbei handelt es sich um eine autosomal-rezessiv vererbte Fotodermatose, die auf eine Mutation im KIND1-Gen zurückgeführt wird. Dieses kodiert für das Protein Kindlin 1, das für die Verbindung des Zytoskeletts und der extrazellulären Matrix verantwortlich ist. Fällt es aus, sind Veränderungen der Keratinozyten die Folge, die vor allem apoptotisch werden. Klinisch fallen bereits im Neugeborenenalter Blasen auf, die im weiteren Verlauf weniger häufig auftreten. Charakteristisch sind Pigmentveränderungen und trockene schuppige Haut mit erhöhter Lichtempfindlichkeit und Fragilität der Haut. Darüber hinaus zeigen die Schleimhäute Veränderungen: Parodontose, Erosionen und Fissuren anal und genital, Urethrastenose und Phimose.

Ehlers-Danlos-Syndrom

Das Ehlers-Danlos-Syndrom (EDS) beinhaltet eine heterogene Gruppe von erblichen Bindegewebserkrankungen (autosomal-dominante und -rezessive Formen), die hauptsächlich folgende Organsysteme betreffen: Haut, Gelenke, Gefäße, Herz, Augen, Darm, Uterus. Die Haut ist typischerweise weich, dünn, sehr leicht verschieblich und überdehnbar (Abb. 1). Sie ist fragil, verletzlich; die Wundheilung ist gestört. Unter den vielen Subtypen sind die klassische, vaskuläre und die hypermobile Form am häufigsten. Diagnostisch sind augenärztliche Untersuchungen, Echokardiografie sowie Dopplersonografie der großen Gefäße notwendig. Verifiziert wird das EDS molekulargenetisch. Therapeutisch ist eine interdisziplinäre Zusammenarbeit notwendig.

Neurofibromatose

Die Neurofibromatose 1 (NF1, Kap. „Neurokutane Syndrome bei Kindern und Jugendlichen“) manifestiert sich bereits im frühen Kindesalter mit dem Auftreten von Cafe-au-lait Flecken (> 6, Abb. 2). Hinzu kommen axilläres und/oder inguinales Freckling (bräunliche Sommersprossen-ähnliche Pigmentierung). Zu weiteren Diagnosekriterien gehören >2 Neurofibrome (Abb. 3) oder 1 plexiformes Neurofibrom, >2 Lisch-Knötchen, Knochenbeteiligung (vor allem Kyphoskoliosen), Verwandter 1. Grades auch an NF1 erkrankt. Bei Vorliegen von mindestens 2 der genannten Kriterien, ist die Diagnose einer NF1 sehr wahrscheinlich. Folgende Komplikationen sind zu berücksichtigen: Tumoren von Schilddrüse und Gastrointestinaltrakt, Optikusgliome, ZNS-Defekte (unter anderem Astrozytome, Akustikus- und Trigeminusneurinome, Epilepsien), juvenile myelomonozytäre Leukämie (Risiko nochmals erhöht bei gleichzeitigem Vorliegen von juvenilen Xanthogranulomen). Bei der Betreuung der Patienten ist eine interdisziplinäre Zusammenarbeit unbedingt zu fordern.

Tuberöse Sklerose

Die tuberöse Sklerose (Kap. „Neurokutane Syndrome bei Kindern und Jugendlichen“) ist eine autosomal-dominante Erkrankung, bei der eine Mutation im TSC1- oder TSC2-Gen festzustellen ist. Im frühen Kindesalter finden sich umschriebene hypopigmentierte Flecken („white spots“), die gelegentlich nur mit Wood-UV-Licht gesehen werden. Später treten faziale Angiofibrome (Adenoma sebaceum), Bindegewebsnävi (Chagrin-Flecken) sowie Koenen-Tumoren der distalen Finger- und Zehenglieder subungual auf. Unterschiedliche Organsysteme können ebenfalls betroffen sein: Herz, ZNS (Krampfanfälle). Bei Verdacht auf eine tuberöse Sklerose sollte unbedingt eine Vorstellung bei einem Humangenetiker erfolgen.

Gorlin-Goltz-Syndrom

Das Gorlin-Goltz- oder Basalzellnävussyndrom ist eine auf Chromosom 9 (PATCH-Tumorsuppressorgen) autosomal-dominant vererbte Systemerkrankung (Tab. 3). Die Krankheit zeichnet sich aus durch das Auftreten multipler kutaner Basaliome – Tumoren, die sonst dem höheren Alter zugerechnet werden. Sie entwickeln sich besonders im Stammbereich, aber auch im Gesicht, im Nacken, periaurikulär und perianal. Meistens bestehen Assoziationen mit anderen Fehlbildungen: Kieferzysten mit Neigung zu maligner Entartung, Kyphoskoliose, Gabelrippe, Spina bifida, Hypertelorismus oder Verkalkungen der Falx cerebri.
Die dermatologische Therapie besteht im Wesentlichen in der topischen Applikation von Imiquimod, bei fehlendem Ansprechen sollte eine Exzision der Basaliome angestrebt werden. Aufgrund der assoziierten Fehlbildungen sollte rechtzeitig eine interdisziplinäre Zusammenarbeit erfolgen.

Ichthyosen

Einteilung
Die Ichthyosen (Abb. 4 Tab. 1) bilden eine sehr heterogene Gruppe von Genodermatosen, die im Wesentlichen durch eine Störung der epidermalen Differenzierung mit übermäßiger Xerosis und Schuppenproduktion charakterisiert sind.
Tab. 1
Einteilung der Ichthyosen nach klinischen Gesichtspunkten
Gruppe
Subtypen
Ichthyosis vulgaris
Autosomal-dominante Ichthyosis vulgaris (Gen: Filaggin)
X-chromosomal-rezessive Ichthyosis vulgaris (Gen: Steroidsulfatase)
Ichthyosis congenita
Nichtbullöse lamelläre Ichthyosen
Erythrodermia congenitalis ichthyosiformis non-bullosa
Harlekinfetus
Ichthyosis lamellosa (Gen: Transglutaminase 1)
Bullöse Ichthyosen
Erythrodermia congenitalis ichthyosiformis bullosa (Siemens; Gene: Keratin 1 und Keratin 2)
Syndrome mit Ichthyosen
Sjögren-Larsson (Gen: Aldehyddehydrogenase
Ichthyosis linearis circumflexa (Comèl-Netherton; Gene: SPINKS und LEKT1)
Ichthyosis mit Trichothiodystrophie
Ichthyosis hystrix
Typ Lambert
 
Typ Bäfverstedt
Typ Curt-Macklin
Typ Rheydt
Im Wesentlichen werden die Ichthyosen unterschieden in nichtsyndromale (Ichthyosis vulgaris, X-chromosomal-rezessive Ichthyose, autosomal-rezessive kongenitale Ichthyosis [ARCI, lamelläre Ichthyosis]) und syndromale Ichthyosen (u. a. Netherton-Syndrom, Sjögren-Larsson-Syndrom).
Im Folgenden werden lediglich die Ichthyosis vulgaris, die X-chromosomal rezessive und die lamelläre Ichthyosis dargestellt.
Klinische Symptome und Diagnose
Diagnostisch wird unterschieden in:
Ichthyosis vulgaris
Die Ichthyosis vulgaris ist auf eine Mutation im Filaggrin-Gen (FLG) zurückzuführen und bei einem autosomal-dominanten Erbgang die häufigste Ichthyoseform. Während sich im Neugeborenenalter noch keine Symptome zeigen, entstehen die ersten Hautveränderungen in der frühen Kindheit. Die Haut wird sehr trocken und bildet weiße bis schmutziggraue, haftende Schuppen. Prädilektionsstellen sind insbesondere die Streckseiten der Extremitäten, wobei die großen Beugen entweder ausgespart oder wenig befallen sind. Die Handinnenflächen und Fußsohlen weisen typische verstärkte Handlinienzeichnungen (Ichthyosis-Hand/-Fuß) auf, die diagnostisch wegweisend sind.
X-chromosomal-rezessive Ichthyosis vulgaris (Steroidsulfatase-Mangel-Syndrom)
Aufgrund des Erbgangs ist nur das männliche Geschlecht betroffen. In der Familienanamnese lassen sich Wehenschwächen und Aborte feststellen, bei den Patienten Hornhauttrübung und Kryptorchismus. Die Hautveränderungen manifestieren sich erstmals im Säuglingsalter und sind der der Ichthyosis vulgaris ähnlich. Die Schuppung ist jedoch ausgeprägter, dicker und von schmutziggrauer Farbe. Während die Körperbeugen in der Regel ausgespart sind, bleiben Handinnenflächen und Fußsohlen stets frei Geburtkomplikationen sind typisch.
Lamelläre Ichthyose
Bei der autosomal-rezessiven lamellären Ichthyose bestehen die Hautveränderungen in der Regel bereits bei der Geburt, nicht selten unter dem klinischen Bild eines sog. Kollodium-Babys. Einige Tage post partum bildet sich auf erythrodermatischem Hintergrund eine braune, grob-lamellöse Schuppung. Insbesondere im Gesichtsbereich kommt es zu Narbenzügen mit Ausbildung eines Ektropiums. Bemerkenswert ist auch bei dieser Form eine Neigung zur Hyperpyrexie und das Vorhandensein einer Nageldystrophie.
In schweren Fällen der sog. Ichthyosis congenita gravis tritt häufig bereits intrauterin der Fruchttod ein. Der groteske Anblick durch dicke Hornplatten, Rhagaden und Ektropium prägte den Begriff des Harlekinfetus.
Therapie
Bei allen Formen der Ichthyosis sollten die hautpflegenden Maßnahmen im Vordergrund stehen. Dabei werden in der Regel milchsäure- und später harnstoffhaltige Emollients eingesetzt. Bei ausgeprägtem Befall werden systemische Retinoide (nicht in der Schwangerschaft und im gebärfähigen Alter nur in schweren Fällen und nach detaillierter Aufklärung) bei allen Formen verordnet, wobei besonders auf das Nutzen-Risiko-Verhältnis geachtet werden sollte.

Xeroderma pigmentosum

Definition
Das Xeroderma pigmentosum (XP) ist eine genetisch heterogene Gruppe, die durch eine autosomal-rezessive Vererbung und durch Mutationen in Enzymen charakterisiert ist, die für die DNS-Reparatur zuständig sind. Dadurch entstehen nach UV-Exposition eine vorzeitig gealterte Haut sowie zahlreiche Hauttumoren (Abb. 5).
Ätiologie und Pathogenese
Bislang wurden 7 Formen von Mutationen des DNS-Reparatursystems beschrieben. Diese werden als Komplementationsgruppen A-G bezeichnet. Darüber hinaus wurden auch Mutationen in Enzymen der Postreplikationsreparatur beschrieben, die eine leichtere Form der Krankheit verursachen: die Xeroderma-pigmentosum-Variante (XP-Variante).
Klinische Symptome
Bereits in der Kindheit bilden sich nach Sonnenexposition schwere Sonnenbrände, die relativ rasch zum Bild einer chronisch lichtgeschädigten Haut führen. Hierzu gehören Lentigines, Hypopigmentierungen, Lichenifikationen der Haut, Teleangiektasien sowie zahlreiche aktinische Keratosen und schließlich Karzinome (spinozelluläres Karzinom und Basaliom) sowie Melanome. Begleitend finden sich ebenfalls neurologische Symptome (bis zur geistigen Retardierung) sowie ophthalmologische Symptome (Fotophobie, Ektropium und Keratitis). Darüber hinaus können auch Tumoren der inneren Organe, z. B. in ZNS oder Gastrointestinaltrakt, auftreten.
Diagnose
Das klassische klinische Bild ist diagnoseweisend. Die Diagnose wird verifiziert durch die Bestimmung der Komplementationsgruppen, die in spezialisierten Laboratorien durchgeführt wird.
Therapie
Wegen der fehlenden kurativen Möglichkeiten muss eine lebenslange, sehr strenge Lichtschutzstrategie entwickelt werden. Optimal ist die absolute Meidung von Sonnenlicht durch eine konsequente Umstellung des Lebensrhythmus und durch die Applikation eines hohen Lichtschutzfaktors. Die Lebenserwartung wird im Wesentlichen durch das Auftreten von Karzinomen der Haut und der inneren Organe bedingt. Bestimmte Medikamentengruppen wie Zytostatika, Psoralene oder Chlorpromazin, die ebenfalls die Lichtempfindlichkeit erhöhen, sollten unbedingt gemieden werden.

Okulokutaner Albinismus

Definition
Die mit einer Prävalenz von 1:20.000 relativ seltenen, autosomal-rezessiv erblichen Formen des okulokutanen Albinismus sind durch eine defekte Tyrosinaseaktivität gekennzeichnet. In der Regel unterscheidet man 2 Typen: den tyrosinasepositiven und den tyrosinasenegativen Albinismus. Grundsätzlich ist die Pigmentverdünnung der gemeinsame Nenner aller Formen des okulokutanen Albinismus. Deswegen besteht auch eine starke Lichtempfindlichkeit mit erhöhter Gefahr von Sonnenbränden und folglich auch von Hauttumoren.
Klinische Symptome
Bereits in der frühen Kindheit fallen die hellblonden Haare, die rötliche oder sehr hellblaue Iris, die Fotophobie und der Nystagmus auf. Bei der tyrosinasenegativen Form kommt es nicht selten zur zerebralen Ataxie. Bei der tyrosinasepositiven Form kommt gelegentlich auch eine geistige Retardierung vor.
Diagnose
Die DOPA-Reaktion eines histologischen Präparates der Haut ist bei der tyrosinasenegativen Form stets negativ. Bei der tyrosinasepositiven Form ist die DOPA-Reaktion positiv, es bilden sich jedoch keine reifen Melanosomen.
Therapie
Lichtschutzmaßnahmen stehen auch hier ganz im Vordergrund. Dies gilt für die Haut, aber auch für die Augen (Sonnenbrille).

Vitiligo

Definition
Die Vitiligo ist eine relativ häufige, erworbene Depigmentierung der Haut. Familiäre Häufung kommt vor. Anhand von genomweiten Assoziationsstudien wurden Mutationen in Kandidatengenen identifiziert, die mit Störungen des Immunsystems, Apoptose und Melanozytenfunktion verbunden sind. Interessanterweise haben einige Autoren die inverse Korrelation zwischen Vitiligo und Entwicklung von Hautkrebs hervorgehoben.
Klinische Symptome
Die Vitiligo beginnt häufig im Kindesalter und tritt meist zwischen dem 10. und 30. Lebensjahr auf. Beide Geschlechter sind gleichermaßen betroffen. Zunächst entstehen nur einige kleine depigmentierte Stellen, z. B. periorbital oder im Bereich der Achselfalten. Weitere Prädilektionsstellen sind Kopf, Nacken, Hals, Handrücken, Brustwarzen, Nabel und Anogenitalgegend. Die Herde nehmen dann an Zahl und Größe zu, und es können durch Zusammenfließen bizarre Formen entstehen. Assoziationen mit Uveitiden sowie Autoimmunerkrankungen wie Schilddrüsenstörungen, Diabetes mellitus und weiteren Endokrinopathien wurden beobachtet.
Therapie
In der Anfangsphase können antiinflammatorische Externa wie Kortikosteroide und Calcineurininhibitoren eingesetzt werden. Die Therapie ist aber bis heute unbefriedigend. Versuche mit Lichttherapie führen oft nur zu einer stärkeren Bräunung der nicht betroffenen Herde und damit zu noch stärkerem Kontrast zu den weißen Bezirken. Die wichtigste Maßnahme ist jedoch eine psychologische Beratung einschließlich der Besprechung von möglichen Abdeckmaßnahmen (u. a. Camouflage).

Aplasia cutis congenita

Definition
Bei der Aplasia cutis congenita handelt es sich um seltene, bereits bei der Geburt bestehende, zum Teil mit Fehlbildungen assoziierte umschriebene Defekte der Haut. Die Erkrankung kommt autosomal-dominant und -rezessiv vor.
Klinische Symptome
Meist im Bereich des behaarten Kopfes finden sich runde bis ovaläre Hautdefekte, die zum Zeitpunkt der Geburt entweder wie eine Schürfwunde oder je nach Tiefe des Defekts bei Mitbeteiligung von Muskulatur oder Knochen wie ausgestanzte Löcher wirken. Nach der Geburt kommt es vom Rand her zu einer narbigen Abheilung. Klinisch unterscheidet man 9 Gruppen (Tab. 2), die mit unterschiedlichen Defekten anderer Organe assoziiert sind.
Tab. 2
Klinische Symptome der Aplasia-cutis-congenita-Gruppen
Gruppe
Hauptmerkmale
Assoziierte Defekte
1
Aplasia cutis congenita der Kopfhaut ohne oder nur mit isolierten Anomalien
Cutis mamorata teleangiectatica
Persistierender Ductus arteriosus
Tracheoösophageale Fisteln
2
Aplasia cutis congenita der Kopfhaut mit Extremitätenreduktionsdefekt
Adams-Oliver-Syndrom
- häufig: Gliedmaßendefekte, Cutis marmorata teleangiectatica;
- kann vorkommen: Intelligenzminderung, Augendefekte (Katarakt, Strabismus, Mikroophthalmie), Herzfehler, hepatoportale Sklerose, ZNS-Beteiligung (Hydrozephalus)
3
Aplasia cutis congenita der Kopfhaut mit assoziierten epidermalen Nävi
Naevus sebaceus, Naevus verrucosus
4
Aplasia cutis congenita mit darunterliegenden embryonalen Fehlbildungen
Enzephalozele, Meningozele, Spina bifida, Omphalozele
5
Aplasia cutis congenita mit assoziiertem Fetus papyraceus
 
6
Aplasia cutis congenita mit EB
 
7
Aplasia cutis congenita im Bereich der Extremitäten
Assoziation mit EB simplex, junctionalis oder dystrophica
8
Aplasia cutis congenita in Verbindung mit spezifischen Teratogenen
Methimazol, intrauterine HSV- oder VZV-Infektion
9
Aplasia cutis congenita in Verbindung mit Malformationssyndromen
Trisomie D (Chromosomen 13–15)
Opitz-Syndrom
Goltz-Gorlin-Syndrom
Okulozerebrokutanes Syndrom  =  Delleman- Oorthuys-Syndrom
Therapie
Es besteht eine gute Spontanheilungstendenz. Eine plastische Deckung ist nur bei tiefen Defekten erforderlich.

Incontinentia pigmenti

Definition
Die Incontinentia pigmenti (Tab. 3, Kap. „Neurokutane Syndrome bei Kindern und Jugendlichen“), auch bekannt als Bloch-Sulzberger-Syndrom, ist eine seltene, X-chromosomal-dominant erbliche Genodermatose. Bei Homozygotie (also beim männlichen Geschlecht) stellt sie einen Letalfaktor dar.
Tab. 3
Ausgewählte ektodermale Dysplasien
Krankheit
Symptome
Ätiologie
Lokus
Gen
Clouston-Syndrom
(„ectodermal dyplasia, hydrotic“)
Totale Alopezie, dünne Augenbrauen, schwere Nageldysplasie, palmoplantare Hyperkeratose, Hyperpigmentierungen, verdickte Schädelknochen
AD
13q12
GJB6 (Connexin-30)
Ectrodactyly-ectodermal-dysplasia-clefting-Syndrom
Spalthände und -füße, Syndaktylien, Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalte, seltener Gaumenspalte, dünne Haare, Augenbrauen und Wimpern, hypoplastische Tränenwege, Fotophobie, Hypodontie, konische Zähne, dysplastische Nägel, urogenitale Fehlbildungen, Schwerhörigkeit
AD
3q27, 7q11.2-q21.3
TP63
Goltz-Gorlin-Syndrom
(fokale dermale Hypoplasie)
Hautatrophie, Teleangiektasien, Pigmentstörungen, Fettgewebshernien, Papillome, Reduktionsdefekte der Extremitäten, Hypodontie, Zahndysplasie, Nageldysplasie, fokale Alopezie, Kolobome, Mikrophthalmus, Mikrozephalus, leichte Retardierung
X-gebunden dominant, meist letal bei Jungen
Xp 11.23
PORCN
Hay-Wells-Syndrom
(AEC-Syndrom)
Ankyloblepharon, fehlende oder sehr dünne Haare, Tränengangsanomalien, Gaumenspalte, konische Zähne, fehlende oder dysplastische Nägel, leichte Hypohydrose
AD
3q27
TP63
Incontinentia pigmenti (Bloch-Sulzberger-Syndrom)
Fleckförmige Alopezie, Retinopathie, Katarakt, Hypodontie, konische Zähne, dysplastische Nägel, Hautveränderungen: Erythem  →  Bläschen  →  Hyperkeratose  →  Hyperpigmentierung entlang der Blaschko-Linien, teilweise ZNS-Beteiligung
X-gebunden dominant, letal bei Jungen
Xq28
IKK-γ (NEMO)
Rapp-Hodgkin-Syndrom
Trichodysplasie (z. B. Pili torti), Alopezie, spärliche Augenbrauen, Tränengangsanomalien, Hypodontie, submuköse Gaumenspalte
AD
3q27
TP63
Rothmund-Thomson-Syndrom
Poikilodermie: Erythem, Atrophie, Hyper-, Depigmentierung, Hyperkeratose. Fotosensibilität, Katarakt, Zahndysplasie, Nageldysplasie, radiale Hypoplasie, Minderwuchs
AR
8q24.3
RECQL4
Trichodentoossäres Syndrom
Dichte, kleingelockte Haare, Gesichtsdysmorphien, Taurodontie der Molaren, Schmelzdefekte, Gingivaabzesse, dicke, brüchige Nägel, Osteosklerose
AD
17q21.3–q22
DLX3
AD autosomal-dominant, AR autosomal-rezessiv
Ätiologie und Pathogenese
Bei familiärem Auftreten wurde die Genlokalisation auf dem langen Arm des X-Chromosoms (Xq28) gefunden. Spontanmutationen kommen vor. Es handelt sich um das IKBKG/NEMO-Gen.
Klinische Symptome
Die Krankheit verläuft in 3 Phasen. Das Entzündungsstadium ist gekennzeichnet durch schon in utero und beim Neugeborenen schubweise auftretende, in den Blaschko-Linien angeordnete, lineäre Erytheme mit Blasenbildung. Es besteht keine wesentliche Störung des Allgemeinbefindens, im Blut wird lediglich in der 1. Phase eine ausgeprägte Eosinophilie festgestellt. In manchen Fällen entwickelt sich eine atrophisierende Alopezie in der Scheitelmitte. Typisch für das papuloverruköse Stadium sind meist in der 2.–6. Lebenswoche auftretende verruköse hyperkeratotische Plaques. Nach Rückgang der entzündlichen Veränderungen kommt es im Pigmentierungsstadium zunächst zum Auftreten von lineären, oft bizarr konfigurierten Hyperpigmentierungen, später folgen Hypopigmentierungen. Assoziiert kommen Zahndefekte (60 %), Alopezie (38 %), Augendefekte (35 %), ZNS-Störungen (30 %) und Skelettveränderungen (20 %) vor.
Therapie
Im Entzündungsstadium ist eine symptomatische Therapie angezeigt. Vorrangig ist die Vorstellung bei einem Humangenetiker zur ausführlichen Beratung und die interdisziplinäre Betreuung.

Hypohydrotische ektodermale Dysplasie

Ätiologie
Verantwortlich sind Mutationen im EDA-Gen, das auf dem X-Chromosom im Bereich Xq12–q13 liegt. Das Genprodukt ist ein integrales Membranprotein, das möglicherweise epithelialmesenchymale Signalfunktionen ausübt.
Genetik
Die hypohydrotische ektodermale Dysplasie wird X-gebunden vererbt.
Klinische Symptome
Typisch ist die vorgealtert wirkende Fazies mit stark prominenter Stirn, Hypertelorismus, subokulärer Hautfältelung, tiefer Nasenwurzel, kleinen Nasenflügeln, dicken Lippen, prominentem Kinn und häufig spitz ausgezogenen Ohren. Das Kopfhaar ist dünn, kurz, spärlich, die Augenbrauen und Wimpern sind nur angedeutet vorhanden oder fehlen. Es besteht eine Anodontie oder Hypodontie mit dysplastischen, konischen Zähnen. Die Haut ist trocken und schuppend. Die ekkrinen Schweißdrüsen sind stark hypoplastisch oder fehlend, die apokrinen Duftdrüsen sind weniger betroffen. Da die Körpertemperatur nicht durch Schweißbildung gesenkt werden kann, besteht für nicht diagnostizierte männliche Patienten ein erhebliches Risiko für eine Hyperthermie mit konsekutiven neurologischen Störungen. Die Speichel- und Schleimdrüsen des Mundes, der Nase und der Bronchien sind hypoplastisch, was zu rezidivierenden Infekten der oberen Luftwege und chronischer Otitis media führt. Die Nägel sind nicht betroffen. Viele Frauen sind nicht oder nur leicht betroffen, ein erheblicher Anteil manifestiert aber Teilsymptome, wie Zahndysplasien, dünne, spärliche Haare, sehr trockene Haut mit verminderter Schwitzfähigkeit, Hypoplasie der Mamillen. Einzelne Frauen zeigen das Vollbild der Erkrankung. Es besteht eine große inter- und intrafamiliäre Variabilität. Einige ektodermale Dysplasien werden in Tab. 3 dargestellt.
Diagnose
Die Diagnose ist klinisch zu stellen. Der molekulargenetische Mutationsnachweis ist wichtig für die sichere Diagnostik von Überträgerinnen und zur Abgrenzung der sehr seltenen autosomal-rezessiven Form.
Die Betreuung sollte ebenfalls interdisziplinär erfolgen, wobei die erste Vorstellung bei einem Humangenetiker veranlasst werden sollte.
Weiterführende Literatur
Beighton P, De Paepe A, Steinmann B et al (1998) Ehlers–Danlos Syndrome: revised nosology, Villefranche, 1997. Am J Med Genet 77:31–37CrossRef
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Kartal D, Borlu M, Has C, Fölster-Holst R (2016) A novel mutation in the FERMT1 gene in Turkish siblings with Kindler syndrome. J Eur Acad Dermatol Venereol 30(7):1233–1235CrossRef
Oji V et al (2016) S1 Leitlinie Ichthyosen (Aktualisierung) AWMF
Rosenthal AC, Fölster-Holst R (2017) Incontinentia pigmenti : Herpes simplex infection as an important differential diagnosis in the neonatal period. Hautarzt 68(2):149–152CrossRef
Selbsthilfegruppe Ektodermale Dysplasie e.V., Burk A, Landhausweg 3, D-72631 Aichtal, Tel. +497127-969691. www.​ektodermale-dysplasie.​de
Wu W, 23andMe Research Team, Amos CI, Lee JE, Wei Q, Sarin KY, Han J (2018) Inverse relationship between vitiligo-related genes and skin cancer risk. J Invest Dermatol. (im Druck)