Pädiatrie
Autoren
Regina Fölster-Holst, Thomas Bieber und Astrid Steen

Mykosen der Haut bei Kindern und Jugendlichen

Hefen und Dermatophyten können bei Kindern unterschiedliche Hautkrankheiten auslösen, wobei wie bei Virusinfektionen prädisponierende Faktoren, beispielsweise Diabetes und Immundefizienz unter Umständen eine wichtige Rolle spielen.
Hefen und Dermatophyten können bei Kindern unterschiedliche Hautkrankheiten auslösen, wobei wie bei Virusinfektionen prädisponierende Faktoren, beispielsweise Diabetes und Immundefizienz unter Umständen eine wichtige Rolle spielen.

Kandidose

Wegen seines Tropismus für warme und feuchte Körperregionen wird der Befall mit Candida albicans (Hefepilz, der sich durch Sprossung vermehrt) in der Regel eher auf Schleimhäuten und im Falten- bzw. intertriginösen Bereich anzutreffen sein. Aufgrund der Infektion im Geburtskanal ist Mundsoor beim Neugeborenen eine recht häufige Krankheit, gekennzeichnet durch weißliche, abstreifbare Beläge. Darüber hinaus kommt es auch nicht selten zu einem Befall im Windelbereich. Hier finden sich die typischen Erythemen mit Satellitenpusteln.
Therapeutisch empfehlen sich beim Mundsoor Nystatin-haltige Lösungen, während im feuchtwarmen Milieu des Windelbereichs austrocknende Maßnahmen und die lokale Anwendung von Nystatin-Pasten angebracht sind. In sehr seltenen Fällen ist eine Darmsanierung mit Nystatin oder Amphotericin B indiziert. Bei Risikopatienten (z. B. HIV) haben sich moderne Imidazol-Derivate bewährt. Fluconazol ist für Kleinkinder ab dem 1. Lebensjahr bei Fehlen einer Therapiealternative zugelassen.

Pityriasis versicolor

Definition, Ätiologie und Pathogenese
Die häufig vorkommende Pityriasis versicolor wird durch Malassezia furfur (Pityrosporum ovale) in seiner Myzelform verursacht. Das Wachstum dieses Keims, der in seiner Sprossform zur residenten Flora der Haut gehört, wird durch Schwitzen, insbesondere bei Patienten mit Adipositas, Diabetes mellitus oder Immunsuppression, begünstigt. Darüber hinaus scheint dieser Keim bei einem Großteil der Bevölkerung als Saprophyt auf der behaarten Kopfhaut vorhanden zu sein.
Klinische Symptome und Verlauf
Im Wesentlichen werden 3 unterschiedliche Formen beschrieben: eine depigmentierte Form (achromians), die durch das Auftreten von kleinfleckig-disseminierten Makulä bei Patienten in der Sommerzeit gekennzeichnet ist, eine erythematöse Form und schließlich eine hyperpigmentierte Form, die sehr oft auch eine feine Schuppung aufweist. Bei all diesen Formen ist die mittlere, vordere und hintere Schweißrinne die Prädilektionsstelle.
Diagnose
Neben dem klassischen klinischen Bild wird der Erreger durch ein Nativpräparat oder einen Tesafilm-Abrisstest nachgewiesen.
Therapie
In der Regel reicht eine topische antimykotische Behandlung, z. B. mit Imidazol, aus. Bei manchen therapieresistenten Formen empfiehlt sich auch die Mitbehandlung des Kapillitiums mit einem ketoconazolhaltigen Shampoo bis hin zur systemischen Therapie mit z. B. Fluconazol über 10–14 Tage. Bei Kindern sollte jedoch eine systemische Therapie nur in Ausnahmefällen durchgeführt werden.

Tinea corporis

Definition, Ätiologie und Pathogenese
Die Tinea corporis ist eine Fadenpilzmykose (Epidermophytie oder Trichophytie), die durch verschiedene Erreger wie Trichophyton rubrum, Trichophyton mentagrophytes (auch noch T. interdigitale genannt) oder Microsporum canis ausgelöst werden kann. In der Regel sind Haustiere, streunende Tiere oder Tiere auf einem Bauernhof (sog. Kälberflechte) eine bevorzugte Infektionsquelle, wobei die Hautveränderungen erst nach 2–3 Wochen zum Vorschein kommen.
Klinische Symptome und Verlauf
Typisch für die Tinea corporis sind meist relativ scharf begrenzte, kreisrunde, randbetonte erythematöse Herde, die anfangs solitär und später multipel auftreten. Die Schuppung ist nur geringgradig, klassisch ist jedoch das Auftreten von kleinen Pusteln im Randbereich, begleitet von einer zentralen Abheilung. Wenn keine sachgemäße Therapie stattfindet, kommt es zur raschen Ausbreitung, insbesondere bei unsachgemäßer Anwendung von lokalen Kortisonpräparaten.
Diagnose
Neben dem klassischen klinischen Bild sind auch Nativpräparate und Kulturen von Bedeutung, um den Erreger zu charakterisieren. Selten ist eine Biopsie notwendig, bei der PAS-positive Hyphen sowie neutrophile Granulozyten intrakorneal nachgewiesen werden können.
Therapie
Eine lokale antimykotische Therapie mit Wirkstoffen der Imidazolgruppe kann bei wenig ausgeprägten Fällen durchaus zum Erfolg führen. Erfahrungsgemäß ist jedoch der Einsatz von systemischen Antimykotika (Griseofulvin oder für Kinder zugelassene Imidazole wie Fluconazol) über mindestens 2 Monate sinnvoll. Eine sorgfältige klinische Untersuchung der Familienmitglieder sowie der Haustiere und gegebenenfalls auch Desinfektion von z. B. Bettwäsche oder Polstermöbeln sollte auf jeden Fall erfolgen, um Rezidivsituationen zu vermeiden.

Tinea capitis

Definition, Ätiologie und Pathogenese
Die Tinea capitis (Abb. 1) ist eine oberflächliche, zum Teil jedoch auch tiefe Trichophytie des behaarten Kopfes. Sie tritt sehr oft bei Kindern auf und wird meist durch Microsporum canis, aber auch Trichophyton verrucosum verursacht.
Klinische Symptome und Verlauf
Solitär oder multipel auftretende kreisrunde, haarlose, mit Schuppung versehene Areale stellen den klassischen Befund der Tinea capitis superficialis dar. Bei der tiefen Trichophytie (Tinea capitis profunda, Kerion Celsi) handelt es sich um eine stark entzündliche und infiltrierte Form, die nicht selten zu Fehldiagnosen wie z. B. Furunkel führt und fälschlicherweise antibiotisch bzw. chirurgisch vorbehandelt wird.
Diagnose
Eine mykologische Untersuchung der Schuppen und der epilierten Haare im Nativpräparat und in der Kultur bestätigen den klinischen Verdacht. Bei einem Befall mit Microsporum canis ergeben die Herde eine gelbgrüne Fluoreszenz bei der Wood-Licht-Untersuchung. Nicht selten ist auch der histologische Nachweis von PAS-positiven Hyphen und Sporen in den Haarfollikeln notwendig. Eine unsachgemäße Behandlung der Tinea capitis profunda, z. B. mit Antibiotika. Ohne dass das notwendige Systemische Antimykotika eingesetzt wird führt zur vernarbenden Alopezie.
Therapie
Eine lokale Therapie mit Antimykotika ist nicht ausreichend. Erforderlich ist die Kombination mit einer systemischen Therapie, z. B. mit Terbinafin, das dem in der Kindheit zugelassenen Griseofulvin überlegen ist, bzw. mit Fluconazol oder Itrakonazol.
Weiterführende Literatur
Plewig G, Ruzicka T, Kaufmann R, Hertl M (2018) Braun-Falco´s Dermatologie, Venerologie und Allergologie. Springer, Berlin. (Anmerkung: das kann jeweils so bleiben, da unterschiedliche Kapitel berücksichtigt wurden)CrossRef
Tietz HJ Mykosen im Kindesalter. Konsiliumthemenheft 4/2015