Pädiatrie
Autoren
M. Kersting, H. Przyrembel, K. Baerlocher und K. Zwiauer

Normale Ernährung von Neugeborenen und Säuglingen

Die Entscheidung der Mutter über die Ernährung ihres Säuglings fällt in der Regel schon vor der Geburt. Deshalb sollte im Rahmen der Geburtsvorbereitung von erfahrener Seite auch über Säuglingsernährung aufgeklärt werden. Wer dies tut (Frauenarzt oder Hebamme, Kinderarzt, Kinderschwester oder Laktationsberaterin) spielt keine Rolle, entscheidend sind einvernehmliche umfassende Sachkenntnisse und eine einfühlsame Darstellung. Dazu ist auch eine systematische Weiterbildung des Klinikpersonals und eine entsprechende Betreuung der Mütter während des Klinikaufenthalts unumgänglich. Nur so lassen sich Ängste und Nervosität bei der Mutter und damit Unruhe beim Kind sicher vermeiden, die ein erfolgreiches Stillen gefährden. Eine intensive Stillförderung, wie sie u. a. von WHO und UNICEF mit der weltweiten „Baby-Friendly Hospital Initiative“ eingeleitet wurde und seit 1994 von der Nationalen Stillkommission an die Bedingungen in Deutschland angepasst vertreten wird, verdient jegliche Unterstützung von Seiten der Kinderärzte. Dazu gehören u. a. die Ermöglichung des initialen Hautkontaktes zwischen der Mutter und dem ihr auf den Bauch gelegten Neugeborenen, das Anlegen des Neugeborenen innerhalb der ersten 2 h post partum, die Beschränkung einer Zufütterung auf die wenigen wirklich indizierten Fälle, gemeinsame Unterbringung von Mutter und Kind (Rooming-in) sowie kundige, widerspruchsfreie und warmherzige Beratung und Betreuung.

Muttermilch

Unterrichtung von Mutter und Klinikpersonal

Die Entscheidung der Mutter über die Ernährung ihres Säuglings fällt in der Regel schon vor der Geburt. Deshalb sollte im Rahmen der Geburtsvorbereitung von erfahrener Seite auch über Säuglingsernährung aufgeklärt werden. Wer dies tut (Frauenarzt oder Hebamme, Kinderarzt, Kinderschwester oder Laktationsberaterin) spielt keine Rolle, entscheidend sind einvernehmliche umfassende Sachkenntnisse und eine einfühlsame Darstellung. Dazu ist auch eine systematische Weiterbildung des Klinikpersonals und eine entsprechende Betreuung der Mütter während des Klinikaufenthalts unumgänglich. Nur so lassen sich Ängste und Nervosität bei der Mutter und damit Unruhe beim Kind sicher vermeiden, die ein erfolgreiches Stillen gefährden. Eine intensive Stillförderung, wie sie u. a. von WHO und UNICEF mit der weltweiten „Baby-Friendly Hospital Initiative“ eingeleitet wurde und seit 1994 von der Nationalen Stillkommission an die Bedingungen in Deutschland angepasst vertreten wird, verdient jegliche Unterstützung von Seiten der Kinderärzte. Dazu gehören u. a. die Ermöglichung des initialen Hautkontaktes zwischen der Mutter und dem ihr auf den Bauch gelegten Neugeborenen, das Anlegen des Neugeborenen innerhalb der ersten 2 h post partum, die Beschränkung einer Zufütterung auf die wenigen wirklich indizierten Fälle, gemeinsame Unterbringung von Mutter und Kind (Rooming-in) sowie kundige, widerspruchsfreie und warmherzige Beratung und Betreuung.

Vorteile der Ernährung mit Muttermilch

Die stillende Mutter bildet mit ihrem Kind eine treffend als Mutter-Kind-Dyade bezeichnete Einheit, in der idealerweise von beiden Partnern Signale ausgesendet und empfangen werden, die zu synchroner Synthese bzw. Ausschüttung von vielen verschiedenen Hormonen (darunter Cholezystokinin, Gastrin und Insulin sowie Oxitocin) führt. Insbesondere der Kontakt des kindlichen Mundes mit der Brust der Mutter löst über Oxitocin den Let-down-Reflex aus, der die Freigabe der Milch und bei der Mutter Wohlgefühl bewirkt, während das Saugen an der Brust eine Prolaktinausschüttung zur Folge hat mit Stimulation der Milchproduktion. Die Ernährung mit der immer verfügbaren, richtig temperierten und keimarmen Muttermilch stellt den Kompromiss der Natur zwischen den Bedürfnissen des Kindes und dem Schutz der Mutter gegen Überforderung dar.
Zusammensetzung
Die Zusammensetzung der Muttermilch (Tab. 1 und 2) ändert sich besonders hinsichtlich der Proteine vom immunglobulinreichen Kolostrum (1. Woche) über die transitorische Milch (2. Woche) bis hin zur reifen Muttermilch (ab 3. Woche). Letztere enthält im Prinzip alle erforderlichen Nährstoffe in ausreichenden Mengen. Einschränkungen gelten für die Vitamine K und D sowie bei nicht ausreichend mit Jod versorgten Müttern für Jod und bei Veganerinnen Vitamin B12. Ein Überschuss an Wasser (Kap. Wasser- und Mineralhaushalt von Kindern und Jugendlichen) kommt dem hohen Flüssigkeitsbedarf des Säuglings in gesunden und kranken Tagen entgegen. Die Milchproduktion setzt bei den meisten Müttern erst 2–3 Tage nach der Geburt wirkungsvoll ein. Dennoch erhält das Kind in dieser Zeit in der Regel mit Kolostrum (Tab. 1) ausreichend viel Wasser, Energie und Nährstoffe. Reife Muttermilch ist im Vergleich zu Kuhmilch (Tab. 2), bei gleichem Gehalt an Energie und Fett, eiweiß- und mineralstoffarm, aber laktosereich und hat damit eine sehr niedrige renale Molenlast (Kap. Wasser- und Mineralhaushalt von Kindern und Jugendlichen). Laktose fördert die Resorption von Kalzium. Der Gehalt der Muttermilch an langkettigen mehrfach ungesättigten Fettsäuren (LCPUFA) ist für den Einbau in Membranen im ZNS und für die Synthese von Eikosanoiden (Gewebshormone: Prostaglandine, Thromboxane, Leukotriene) von Bedeutung (Kap. Grundlagen der Ernährung von Kindern und Jugendlichen).
Tab. 1
Proteine und Nichtproteinstickstoff in Muttermilch (pro 100 ml)
 
Kolostrum (~1. Woche)
Transitorische Milch (~2. Woche)
Reife Muttermilch (~ab 3. Woche
Proteinea,b,c,d (g)
>1,4
1,4
0,85
Caseinb (g)
0,4
0,6
0,5
Laktoferrind,e (g)
0,5
0,2
0,1
α-Laktalbumin (g)
0,2
0,2
0,2
Serumalbumin (g)
0,03
0,03
0,03
Immunglobulined,e,f
sIgA (mg)
200
100
50
IgG (mg)
20
10
1
IgM (mg)
20
3
1
Nichtproteinstickstoff (NPN)g (mg)
60
50
40
aWahres Protein (ohne 20–25 % Nichtproteinstickstoff, gesamte Laktationsphase).
bKunz C, Lönnerdal B (1992) Re-evalution of the whey protein/casein ratio of human milk. Acta Paediatr 81: 107–112.
cHarzer G, Haug M, Bindels JG (1986) Biochemistry of human milk in early lactation. Z Ernährungswiss 25: 77–90.
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fJatsyk GV, Kuvaeva IB, Gribkin SG (1985) Immunological protection of the neonatal gastrointestinal tract: the importance of breast feeding. Acta Paediatr Scand 74: 246–249.
gAtkinson SA, Schnurr C, Donovan SM, Lönnerdal B (1989) The non-protein nitrogen components in human milk: Biochemistry and potential functional roles. In: Atkinson SA, Lönnerdal B (eds) Protein and non-protein nitrogen in human milk. CRC Press, Boca Raton, pp 117–172
Tab. 2
Zusammensetzung von reifer Muttermilch (Gehalte pro 100 ml)
Bestandteil
Einheit
Muttermilch Mittelwert
Wasser
g
90,2j
Trockenmasse
g
12,9k
Energie
kJ
280c
kcal
67c
Gesamtstickstoff
mg
200f,i
Gesamteiweiß
g
1,0f,i
Casein
g
0,5h
Molkenproteine gesamt
mg
0,5f,h,i
α-Laktalbumin
mg
200f,i
β-Laktoglobulin
mg
f,i
Laktoferrin
mg
100e,f,i
Lysozym
mg
30i
Serumalbumin
mg
30e,f,i
Immunglobulin A
mg
50e,g
Immunglobulin G
mg
1e,g
Immunglobulin M
mg
2e,g
Andere Proteine
mg
70e,g
Aminosäuren gesamt
g
1,34k
Essenzielle AS
g
0,59k
Alanin
mg
57,7k
Arginin
mg
52,6k
Asparaginsäure
mg
123,7k
Cystin
mg
24,7k
Glutaminsäure
mg
226,8k
Glycin
mg
37,1k
Histidin
mg
32k
Isoleuzin
mg
79,4k
Leuzin
mg
134k
Lysin
mg
88,7k
Methionin
mg
27,7k
Phenylalanin
mg
55,7k
Prolin
mg
123,7k
Serin
mg
60,8k
Threonin
mg
65k
Tryptophan
mg
22,7k
Tyrosin
mg
57,7k
Valin
mg
83,5k
Nichtproteinstickstoff
mg
50a
Freie Aminosäuren
mg
35d
Harnstoff
mg
54a
Harnsäure
mg
1,5a
Kreatin
mg
11,6a
Kreatinin
mg
9,4a
Glukosamin
mg
60,1a
Cholin
μg
7,5a
Kohlenhydrate
  
Laktose
g
6,8b
Oligosaccharide
g
0,6b
Gesamtfette
g
3,45c
Fettsäurenmuster
%
 
Gesättigte Fettsäuren
%
47,1c
C4:0 Buttersäure
%
c
C6:0 Capronsäure
%
c
C8:0 Caprylsäure
%
0,1c
C10:0 Caprinsäure
%
1,2c
C12:0 Laurinsäure
%
4,6c
C14:0 Myristinsäure
%
6,4c
C16:0 Palmitinsäure
%
23,4c
C18:0 Stearinsäure
%
8,6c
Monoensäuren gesamt
%
37,9c
C14:1 Myristoleinsäure
%
0,7c
C16:1 Palmitoleinsäure
%
3,7c
C18:1 Ölsäure
%
33,3c
Polyensäuren gesamt
%
15,0c
C18:2 Linolsäure
%
12,0c
C18:3 Linolensäure
%
1,8c
C20:4 Arachidonsäure
%
0,5j
C22:6 Docosahexaensäure
%
0,2
Cholesterin
mg
20j
Mineralstoffe
g
0,22k
Kalium
mg
48,8k
Kalzium
mg
32,8k
Natrium
mg
13,1k
Magnesium
mg
3,2k
Chlor
mg
41,2k
Phosphor
mg
15,5k
Spurenelemente
  
Chrom
μg
4,2k
Fluor
μg
17,5k
Eisen
μg
59,4k
Jod
μg
6,5k
Kobalt
μg
117,6k
Kupfer
μg
74,5k
Mangan
μg
0,7
Selen
μg
3,4k
Zink
μg
152,6k
Vitamine
  
A
μg
71,1k
Carotin
μg
3,1k
B1 (Thiamin)
μg
15,5k
B2 (Riboflavin)
μg
39,2k
B6 (Pyridoxin)
μg
14k
B12 (Kobalamin)
μg
0,05k
Niacin
μg
115,3k
Folsäure
μg
8,8k
Pantothensäure
μg
216,5k
C (Ascorbinsäure)
mg
4,5k
D (Calciferol)
μg
0,07k
IE
2,8k
E (α-Tocopherol)
μg
271k
IE
0,27k
K
μg
0,49k
Biotin
μg
0,59k
PH
7,01b
mosm/kg H2O
 
300b
aAtkinson SA, Schnurr C, Donovan SM, Lönnerdal B (1989) The non-protein nitrogen components in human milk: biochemistry and potential functional roles. In: Atkinson SA, Lönnerdal B (eds) Protein and non-protein nitrogen in human milk. CRC Press, Boca Raton, pp 117–172
bDocumenta Geigy (1977) Wissenschaftliche Tabellen, 8. Aufl. Ciba-Geigy, Basel.
cDroese W, Pape E, Stolley H (1976) Zur Frage der Versorgung des Säuglings mit Fett und Fettsäuren. Europ J Pediat 122:57–67.
dGaull GE, Rassin DK (1980) Taurine, milk and maturation. In: Freier S, Eidelman AJ (eds) Human milk. Elsevier-North-Holland-Excerpta Medica, Amsterdam, pp 23–27.
eGoldman AS, Garza C, Nichols BL, Goldblum RM (1982) Immunologic factors in human milk during the first year of lactation. J Pediatr 100: 563–567.
fHarzer G, Haug M, Bindels JG (1986) Biochemistry of human milk in early lactation. Z Ernährungswiss 25: 77–90.
gJatsyk GV, Kuvaeva IB, Gribkin SG (1985) Immunological protection of the neonatal gastrointestinal tract: The importance of breast feeding. Acta Paediatr Scand 74: 246–249.
hKünz C, Lönnerdal B (1992) Re-evaluation of the whey protein/casein ratio of human milk proteins. Am J Clin Nutr 42: 1299–1317.
iLönnerdal B (1985) Biochemistry and physiological function of human milk proteins. Am J Clin Nutr 42: 1299–1317.
jRenner E (1982) Milch und Milchprodukte in der Ernährung des Menschen, 4. Aufl. Volkswirtschaftlicher Verlag, München, und Mann, Gelsenkirchen-Buer.
kSouci SW, Fachmann W, Kraut H (1986/87) Die Zusammensetzung der Lebensmittel, Nährwerttabellen. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart (Angaben berechnet pro 100 ml unter Annahme einer Dichte von 1,031 nach b)
Schutzwirkung
Muttermilch bietet einen Schutz gegen zahlreiche infektionsbedingte Krankheiten. Dies ergibt sich aus dem Vorhandensein von zahlreichen „Schutzfaktoren“ in der Milch (Tab. 3) und lässt sich epidemiologisch zeigen. Unter schlechten hygienischen Bedingungen führt der Ersatz von Muttermilch zu einem dramatischen Anstieg von Morbidität und Mortalität. Dabei können der Wegfall der schützenden Muttermilch einerseits und die Folgen einer falsch zusammengesetzten und/oder kontaminierten Nahrung andererseits als Ursachen meist nicht auseinandergehalten werden. Unter guten hygienischen Bedingungen und bei Einsatz von modernen Muttermilchersatznahrungen sind die Morbiditätsunterschiede zwischen gestillten und nichtgestillten Säuglingen gering und können nur mit aufwendigen epidemiologischen Versuchsanordnungen erkannt werden. Erschwerend kommt hinzu, dass bei Muttermilchernährung keine Randomisierung möglich ist. Nach Auffassung der American Academy of Pediatrics führt Muttermilchernährung auch in entwickelten Ländern bei den folgenden Krankheiten zu einer signifikanten Minderung des Risikos: Diarrhö, bronchopulmonale Infektionen, Otitis media, Sepsis, bakterielle Meningitis, Botulismus, Harnwegsinfekte und nekrotisierende Enterokolitis. Schutzeffekte der Muttermilchernährung werden auch gegen nichtinfektiöse Krankheiten diskutiert: plötzlicher Kindstod, Diabetes mellitus Typ I, Morbus Crohn, Colitis ulcerosa, Lymphome, Allergien und Adipositas (in Metaanalysen Risikominderung für Adipositas im Kindesalter um 20 %). Ferner werden fördernde Einflüsse der Muttermilchernährung auf die kognitive Entwicklung behauptet. Gewissheit können hier nur prospektive Langzeitstudien bringen. Dem Stillen wird auch eine Schutzwirkung gegen die Entwicklung einer maxillomandibulären Malokklusion nachgesagt.
Tab. 3
Immunologisch wirksame Substanzen in Muttermilch. (Nach Field et al. 2005)
 
Substanzen
Antimikrobielle Substanzen
Immunoglobuline: sIgA, sIgG, sIgM
Laktoferrin, Laktoferrizin B + H
Lysozym
Laktoperoxidase
Nukleotidhydrolysierende Antikörper
κ-Kasein und α-Laktalbumin
Haptocorrin
Muzine
Laktadherin
Freie sekretorische Komponente
Oligosaccharide
Fettsäuren
Mütterliche Leukozyten und Zytokine
sCD14
Komplement und Komplementrezeptoren
β-Defensin-1
Toll-like-Rezeptoren
Bifidusfaktor
Immunsystementwicklung
Makrophagen
Neutrophile
Lymphozyten
Zytokine
Wachstumsfaktoren
Hormone
Milchpeptide
LCPUFA
Nukleotide
Adhäsionsmoleküle
Antientzündliche Substanzen
Zytokine: IL-10 und TGF-β
IL-1-Rezeptorantagonist
TNF-α und IL-6-Rezeptoren
sCD14
Adhäsionsmoleküle
LCPUFA
Hormone und Wachstumsfaktoren
Osteoprotegerin
Laktoferrin
Toleranzerzeugende Substanzen
Zytokine: IL-10 und TGF-β
Antiidiotypische Antikörper
IL Interleukin; LCPUFAlong chain polyunsaturated fatty acids“; TGF Transforming growth factor; TNF Tumor-Nekrose-Faktor
Weitere Vorteile
Muttermilch bietet geschmackliche Variationen durch Geschmacksstoffe aus der Nahrung der Mutter, die in ihre Milch übergehen. Die Kinder machen auf diese Weise schon frühe sensorische Erfahrungen mit Lebensmitteln aus ihrem späteren Ernährungsumfeld und gestillte Kinder akzeptieren besser neue Geschmackserfahrungen im Zusammenhang mit der Beikosteinführung. Muttermilchernährung fördert auch die Gesundheit der Mutter, u. a. durch beschleunigte Rückbildung des Uterus, verminderten Blutverlust, raschere Rückbildung der schwangerschaftsbedingten Gewichtszunahme, zeitweisen Konzeptionsschutz sowie vermindertes Risiko für Ovarialkrebs und prämenopausalen Brustkrebs. Endlich werden durch Stillen erhebliche Kosten für Säuglingsnahrung gespart und die Umwelt entlastet (Aufwand für Herstellung, Verpackung, Transport, Zubereitung von Säuglingsmilchnahrung in Haushalten).
Schutz- und Immunfaktoren
Die verschiedenen Schutz- und Immunfaktoren in der Muttermilch (Tab. 3) dienen dem Schutz des Kindes und/oder der Brustdrüse. Ihre Konzentration verhält sich umgekehrt proportional zur Produktion durch das Kind und fällt mit deren Anstieg im Laufe der Laktation ab. Im Magen-Darm-Kanal werden sie nicht oder nur teilweise abgebaut. Sie wirken meist synergistisch. Zu den unspezifischen antiinfektiösen Faktoren gehört auch die durch verschiedene Komponenten der Muttermilch geförderte Bifidusflora des Brustkindes, die gramnegative Bakterien und Pilze hemmt. Spezifische antiinfektiöse Faktoren sind die Immunglobuline (Ig). Am wichtigsten ist das sekretorische IgA (sIgA), das sowohl das immunologische Gedächtnis als auch die akut aktivierbare immunologische Kompetenz der Mutter für das unreife Kind verfügbar macht. Geschluckte bzw. eingeatmete Antigene aus dem gemeinsamen Milieu von Mutter und Kind lösen bei der Mutter im lymphatischen System von Magen-Darm- bzw. Bronchialtrakt („gut/bronchus-associated lymphoid tissue“, GALT bzw. BALT) kurzfristig die Bildung spezifischer immunkompetenter Zellen aus. Diese wandern in alle Schleimhäute und in die Brustdrüse (enteromammäres bzw. bronchomammäres System) und sorgen dort für die Synthese spezifischer Antikörper. Anders als das monomere Serum-IgA ist sIgA ein Dimer, das gegen Verdauung geschützt wird. Es bindet Bakterien und Viren und hemmt damit deren Bindung an die Schleimhäute. Einen relativen Schutz gegen die Entwicklung atopischer Symptome (dermal, intestinal, bronchopulmonal) bietet ausschließliches Stillen in den ersten 4–6 Monaten, wahrscheinlich aber nur in Risikokollektiven (mindestens ein Elternteil oder ein Geschwister mit bekannter Allergie). Ein Verzicht der Schwangeren oder Stillenden auf stark allergene Lebensmittel (Kuhmilch, Ei, Zitrusfrüchte, Fisch, Tomaten, Nüsse und Schokolade) zur Allergieprophylaxe wird nicht empfohlen. Kommt es bei ausschließlichem Stillen in seltenen Fällen zu allergischen Reaktionen auf Nahrungsmittel in der Kost der Mutter (Nachweis durch Auslassdiät), kann Abstillen auf eine therapeutische Nahrung oder Aminosäuremischung (s. unten) angezeigt sein.

Fragen und Probleme bei Muttermilchernährung

Hyperbilirubinämie

Die bei Muttermilchernährung aus noch nicht völlig verstandenen Gründen gehäuft und verstärkt auftretende Hyperbilirubinämie des gesunden Neugeborenen (Anstieg erst nach dem 2. Tag, Maximum ca. 3.–5. Tag, meist <12 mg/dl, Dauer 1–2 Wochen) ist ein multifaktorielles Geschehen, an dem u. a. ein vermehrter Abbau von fetalem Hämoglobin, eine Unreife der Glukuronyltransferase in der Leber und eine Reabsorption von bereits in den Darm ausgeschiedenem glukuroniertem Bilirubin nach Spaltung durch die im Neugeborenendarm auftretende β-Glukuronidase ursächlich beteiligt sind. Das früher übliche Abstillen ist nicht erforderlich, vielmehr möglichst frühes und häufiges korrektes Anlegen (10- bis 12-mal/Tag) zur Stimulation der Ausscheidung von Bilirubin mit dem Mekonium und späterem Stuhl (≥2 Stühle/Tag, ab 3. Tag). Dehydratation und Kalorienmangel hemmen die Mekoniumentleerung und verstärken den enterohepatischen Bilirubinkreislauf. Bei ungenügender Milchmenge wird Zufüttern von Nahrung empfohlen, Wasser oder Dextroselösung senkt den Bilirubinspiegel nicht. Mit 2–3 Wochen haben nichtgestillte Säuglinge Bilirubinwerte um 1,3–1,5 mg/dl, gestillte Kinder dagegen noch zu einem Drittel klinisch sichtbare Bilirubinerhöhungen über 5 mg/dl. Dieser Verlauf ist als physiologisch anzusehen. Einzelheiten zu Ätiologie, Verlauf, Kontroll- und ggf. Therapiemaßnahmen Kap. Icterus neonatorum und Hyperbilirubinämie.

Infektionskrankheiten

Schwere Infektionskrankheiten der Mutter erfordern sowohl eine Erwägung der Risiken des Erregerübergangs auf das Kind (prä-, peri- bzw. postnatal, hämatogen, oral, respiratorisch, Kontakt) als auch der Chancen eines Schutzes des Kindes durch mütterliche Antikörper, eine evtl. mögliche passive und/oder aktive Immunisierung und endlich gegebenenfalls eine gleichzeitige Behandlung von Mutter und Kind. Muttermilch schützt in vielen Fällen durch ihren Antikörpergehalt, kann in einigen Fällen aber auch Erreger übertragen. Bei einigen akuten Erkrankungen der Mutter kann fallweise überlegt werden, ob das Kind vorübergehend isoliert und die Muttermilch abgepumpt und pasteurisiert bzw. tiefgefroren werden soll, bis die Therapiemaßnahmen bei Mutter und Kind gegriffen haben und die Antikörpersynthese der Mutter ausreichend ist. Diesbezüglich ist auf die entsprechenden Spezialabschnitte in diesem Buch und in der Literatur hinzuweisen.
Eine absolute Kontraindikation gegen das Stillen besteht in entwickelten Ländern derzeit nur im Falle einer HIV-Erkrankung der Mutter wegen des Erregerübergangs mit Muttermilch und des Fehlens von Immunisierungsmöglichkeiten sowie einer zuverlässig wirkenden Therapie. In unterentwickelten Ländern empfiehlt die WHO dagegen auch bei HIV-Infektion der Mutter dann zu stillen, wenn anzunehmen ist, dass der Säugling durch einen Verzicht auf Muttermilchernährung noch mehr gefährdet würde als durch das Risiko einer HIV-Infektion. Entsprechendes gilt in Ländern, in denen das humane T-lymphotrope Virus (HTLV) endemisch ist (Karibik, Afrika südlich der Sahara, Brasilien, Japan), das eine sich im Erwachsenenalter manifestierende chronisch-lymphatische Leukämie verursachen kann.
Bei offener Tuberkulose muss die Mutter zeitweise vom Kind getrennt werden, die abgepumpte Milch kann aber an das Kind verabreicht werden, wenn die Brust selbst nicht befallen ist. Bei aktiver Lues der Mutter muss das Kind immer als infiziert angesehen und mitbehandelt werden, es darf aber unter diesen Umständen gestillt werden. Zytomegalieantikörper besitzen in Deutschland etwa 50 % der Mütter, Spenderinnenmilch muss davon frei sein. Reife Neugeborene, nicht aber Frühgeborene vor der 28. Schwangerschaftswoche, werden bei Muttermilchernährung durch mütterliche Antikörper geschützt, obwohl Virus ausgeschieden werden kann. Bei Hepatitis B der Mutter kann nach der passiven und aktiven Immunisierung des Neugeborenen gestillt werden. Bei Hepatitis C besteht keine Impfmöglichkeit, das Infektionsrisiko mit Muttermilch ist sehr gering, aber derzeit nicht ganz auszuschließen. Herpes simplex ist nur bei einer Läsion der Brust selbst eine Kontraindikation für Stillen und Muttermilch. Bei Varizellen/Zoster muss das Kind solange von der Mutter getrennt werden, bis diese nicht mehr infektiös ist, Muttermilch kann aber verabreicht werden, sobald das Kind, Varizellen/Zoster-Immunglobulin erhalten hat. Entsprechendes gilt bei akuten Masern der Mutter.

Medikamente, Drogen und Genussmittel

Medikamente, Drogen und Genussmittel sind in entwickelten Ländern die Hauptrisiken des Stillens.
Tabak
Tabakinhaltsstoffe nimmt das Kind einer Raucherin sowohl mit der Muttermilch (Darm) als auch mit der Atemluft (Lunge) auf. Schon weniger als 10 Zigaretten täglich, von der Mutter oder von Dritten im Haushalt geraucht, führen zu einer signifikanten Verkürzung der Stilldauer. Die Risiken für ein Kind in einem Raucherhaushalt bestehen u. a. in vermindertem Milchangebot, verfrühtem Abstillen und Unruhe, in schweren Fällen auch in Übelkeit, Erbrechen, Bauchkrämpfen und Diarrhö. Ferner wurden Zusammenhänge zwischen den Rauchgewohnheiten der Eltern und der Häufigkeit von Pneumonie, Bronchitis und plötzlichem Kindstod im 1. Lebensjahr sowie der Belastung des Kindes mit Kadmium beschrieben. Bei der Mutter steigert Rauchen u. a. den Energieumsatz, senkt den Spiegel von Prolaktin und damit die Milchproduktion und hemmt den Milchausstoßungsreflex. Deshalb sollte keinesfalls kurz vor oder während dem Stillen geraucht werden. Das Kind wird durch das Rauchen dann am wenigsten belastet, wenn die Mutter unmittelbar nach einer Brustmahlzeit raucht, da dann die längste Abklingzeit bis zur nächsten Brustmahlzeit besteht (Halbwertszeit von Nikotin: 95 min). Am besten ist es, wenn beide Eltern das Rauchen schon am Anfang der Schwangerschaft einstellen.
Alkohol
Alkohol ist in der Milch nur wenig geringer konzentriert als im Blut der stillenden Mutter. Das Maximum wird 30–60 min nach Einnahme eines Getränks bzw. nach 60–90 min bei zusätzlichem Verzehr von Speisen erreicht. Eine 60 kg schwere Frau baut 1 Portion Bier oder Wein im Laufe von 2–3 h ab. Allenfalls bei besonderen Anlässen ist ein kleines Glas Wein Bier oder Sekt tolerierbar. Ausgeprägter Alkoholkonsum führt bei der Mutter zu Störungen des Milchausstoßungsreflexes, das Kind trinkt anfangs rascher, aber insgesamt weniger, es kommt zu Störungen des Gewichtszuwachses, der motorischen Entwicklung und zu Schläfrigkeit.
Medikamente
Medikamente, die die Mutter erhält, lassen sich zwar meist auch in der Muttermilch nachweisen, in der Regel ist der Übergang in die Milch und damit die Gefährdung des Kindes aber weit geringer als über die Plazenta. Ist eine Behandlung der Mutter unumgänglich, kann durch sorgfältige Auswahl unter den zur Verfügung stehenden Medikamenten und deren pharmakokinetisch wohlüberlegte Zufuhr das Stillen oder die Ernährung des Kindes mit abgepumpter Milch seiner Mutter in den weitaus meisten Fällen ermöglicht werden (Ausnahmen vor allem Suchtmittel, Zytostatika, Immunsuppressiva, Radiotherapeutika). Da die individuelle Situation des Kindes (besonders Reifegrad, Geburtsbelastung, evtl. Krankheiten) eine wichtige Rolle für die Verträglichkeit einer mütterlichen Medikation darstellt, sollte Letztere zwischen den Ärzten von Mutter und Kind abgestimmt werden (Kap. Grundlagen der Pharmakologie und Arzneimitteltherapie im Kindes- und Jugendalter, Kap. Antimikrobielle Therapie bei Kindern und Jugendlichen, Kap. Schmerztherapie bei Kindern und Jugendlichen, Kap. Fieber und fiebersenkende Maßnahmen bei Kindern und Jugendlichen).
Suchtgifte
Die Einnahme von Suchtgiften nimmt leider zu. Ein besonders schwerwiegendes Problem ist die häufige Beeinträchtigung der Fürsorgefähigkeit süchtiger Mütter. Amphetamine verursachen Unruhe, Reizbarkeit und Schlaflosigkeit. Die aktive Komponente von Haschisch/Marihuana (Cannabis) ist Tetrahydrocannabinol (THC). Es wird in Muttermilch konzentriert, auch beim Passivrauchen aufgenommen, im Urin und Stuhl des Kindes ausgeschieden und kann die motorische Entwicklung des Kindes verzögern. Kokain kann beim gestillten Kind Reizbarkeit, Erbrechen, Pupillenerweiterung, Tremor und Anstieg von Herz- und Atemfrequenz verursachen. Es wurde 36 h nach Exposition in Muttermilch und 60 h nach Exposition im Urin des Säuglings nachgewiesen. Bei allen „Straßendrogen“ sind Verunreinigungen mit anderen Substanzen häufig. Heroin kann auch zur Abhängigkeit des Säuglings führen. Methadon ist die Ersatzdroge zur Behandlung Heroinsüchtiger. Bis zu 20 mg/Tag gelten als vereinbar mit dem Stillen.
Chemische Schadstoffe
Rückstände werden heute weltweit in Muttermilch gefunden. Es handelt sich besonders um chlororganische Verbindungen, u. a. Pflanzenschutzmittel, polychlorierte Biphenyle (PCB) aus technischen Produkten und polychlorierte Dioxine und Dibenzofurane aus Verbrennungsprozessen. Sie alle gelangen als fettlösliche, äußerst langlebige Verbindungen über die Nahrungskette in das Fettgewebe des Menschen und von da aus in das Muttermilchfett. Nach dem Verbot der Herstellung und Verwendung nahezu aller Vertreter dieser Stoffklassen im Bereich der EU findet sich inzwischen bei vielen Verbindungen in der Muttermilch eine deutlich abnehmende Tendenz (um 50–90 %). Einschränkungen des Stillens sind nicht erforderlich.

Milchbildung und Saugen

Das Wachstum der Brust erfolgt während jedes Zyklus unter dem Einfluss von Östrogenen (Milchgänge) und von Progesteron (Alveolen). Während der Schwangerschaft vergrößert sich die Brust unter dem Einfluss von HPL („human placental lactogen“), HCG („human chorionic gonadotropin“), Prolaktin und weiterer Hormone. Die Milchproduktion wird durch das Prolaktin der Adenohypophyse angeregt, das bis zur Geburt durch den „prolactin inhibiting factor“ (PIF) gehemmt wird (Laktogenese I). Die Geburt führt zum raschen Abfall des Progesteronspiegels durch Wegfall der Plazenta, womit die hemmende Wirkung auf die Prolaktinrezeptoren aufgehoben wird, so dass die hohen Prolaktinspiegel wirksam werden können und reichlich Milch produziert wird (Laktogenese II). Der entscheidende Auslösereiz für die Milchbildung im weiteren Verlauf ist das Saugen des Kindes an der Brust, das auf neuralem Wege zur Stimulation des Hypothalamus führt, der seinerseits auf hormonalem Wege die Adenohypophyse zur Synthese von Prolaktin (Milchbildung) und auf neuralem Wege die Neurohypophyse zur Synthese von Oxitocin (Milchausstoßung) anregt.
Beim Saugakt werden zunächst durch den Unterdruck Mamille und Areola zu einer Zitze ausgezogen, die von der Zunge umschieden und vom Unterkiefer gegen den harten Gaumen gepresst wird. Die Milch wird sodann durch Druck einer peristaltischen Welle der Zunge von vorn nach hinten aus der Zitze ausgestrichen, ohne dass sich die Zungenspitze wesentlich bewegt. Der Unterdruck in der Mundhöhle hält die Zitze fest und erleichtert die Wiederfüllung der Milchgänge. Intramammär bewirkt der oxitocinvermittelte Milchejektionsreflex den Milchfluss.

Praktische Stillhinweise

Beginn des Stillens
Stillen muss von Mutter und Kind gelernt werden. Hierbei ist erfahrene Hilfe Abschn. Unterrichtung von Mutter und Klinikpersonal) von großem Wert. Das erste Anlegen sollte innerhalb der ersten 2 h nach der Geburt im Kreißsaal erfolgen, noch bevor das Kind gemessen, gewogen und gebadet wird. Der Saugreflex ist zu diesem Zeitpunkt besonders stark. Zur maximalen Stimulierung der Milchbildung sollte das Neugeborene alle 2–3 h, bzw. immer wenn es unruhig wird, angelegt werden. Nach Kaiserschnitt sollte die Mutter mit dem Stillen beginnen, sobald sie ansprechbar ist. Gesunde reife Neugeborene benötigen bei Stillen nach Bedarf und guter Stillanleitung der Mütter in den ersten 3 Tagen keine Zufütterung, auch nicht von Wasser, Tee oder Kohlenhydratlösung. Hypotrophe Neugeborene (Gewicht <10. Perzentile) brauchen möglichst früh eine vollwertige Nahrung.
Stillrhythmus
Stillen nach Bedarf bewirkt eine angepasste Milchproduktion, Sättigung des Kindes und, nach individuell unterschiedlich langer Zeit, die Herausbildung eines stabilen, individuellen Stillrhythmus mit etwa 5–8 Mahlzeiten/Tag. Wenn möglich, sollte das Kind Tag und Nacht im Zimmer der Mutter sein. Mütter müssen lernen, dass Säuglinge nicht nur wegen Hunger schreien. Für Hunger spricht allmähliche Zunahme der Unruhe im üblichen Abstand von Mahlzeiten und rasche Beruhigung durch Stillvorbereitungen. Schreit das Kind gleich nach dem Stillen, dann hat es meist Luft geschluckt. Daher sollte es nach jeder Mahlzeit mit dem Gesicht zur Mutter auf den Arm genommen und zum ausgiebigen Aufstoßen gegen die rechte Schulter der Mutter bewegt werden, bis die Luft in der Magenblase durch die Kardia entwichen ist.
Trinkmenge und Gewichtszunahme
Die Trinkmenge beträgt in den ersten 5 min 50–60 % der gesamten Milchmenge, nach 10 min wird nur noch wenig getrunken. 20 min pro Mahlzeit sollten im Interesse der Erholung von Mutter und Kind in der Regel nicht überschritten werden. Bis zur 8. Lebenswoche steigt die Milchmenge im Durchschnitt bis auf etwa 750–800 ml/Tag an, danach bleibt sie etwa gleich. Individuelle Unterschiede der produzierten und getrunkenen Milchmenge sind erheblich. Die tägliche Gewichtszunahme des voll gestillten Kindes beträgt im ersten Vierteljahr ca. 25 g, im zweiten Vierteljahr ca. 20 g. Nach dem postnatalen Gewichtsverlust nehmen ausschließlich gestillte Kinder im Vergleich zu nichtgestillten Kindern in den ersten 3(–4) Monaten rascher an Gewicht zu, danach verlangsamt sich ihre Gewichtszunahme gegenüber nichtgestillten Kindern. Kinder, die nach Einführung der Beikost weiter gestillt werden (s. unten), weisen am Ende des 1. Lebensjahres ein geringeres Gewicht auf und haben ein geringer ausgeprägtes Fettgewebe als mit Muttermilchersatz gefütterte Kinder. Frauenmilchstühle (Frequenz: jeden 3. Tag bis 5–6/Tag) sind sauer, pastenartig, gelegentlich dünnflüssig, gold- bis grüngelb und riechen aromatisch. Frühes Durchschlafen lässt sich durch Schreienlassen nicht erzwingen. Etwa nach 3 Monaten schlafen die meisten nach Bedarf gestillten Kinder durch. Tägliches Wiegen ist bei gestillten Kindern nur in den ersten 1–2 Wochen (stets zur selben Zeit vor einer Mahlzeit) erforderlich, später nur noch wöchentlich oder bei Vorsorgeuntersuchungen. Stillproben, d. h. Wiegen vor und nach jeder Mahlzeit über 24 h, sind nur in Ausnahmefällen vom Arzt anzuordnen.
Stilltechnik
Das Kind sollte anfangs an beiden Brüsten, später entsprechend den Wünschen von Mutter oder Kind ein- oder beidseitig angelegt werden. Beim Stillen im Sitzen oder Liegen muss die Mutter eine entspannte Haltung einnehmen. Das Kind wird, von der Mutter mit einem Arm gestützt, an die Brust geführt, die die Mutter mit der anderen Hand C-förmig so umfasst, dass die vier Finger die Brust von unten stützen, während der freie Daumen sie von oben bei Bedarf etwas zurückdrängt. Der Kopf des Kindes muss so an die Brustwarze herangeführt werden, dass der Warzenvorhof mit erfasst wird, was nur bei weit geöffnetem Mund des Kindes geht. Die Nase muss während des Saugens frei bleiben. Nach dem Beenden des Stillens lässt man zur Pflege der Brustwarzen etwas Milch antrocknen. Einmal täglich sollte die Brust abgeduscht werden und an der Luft trocknen.
Zufüttern
Ein Zufüttern von Tee bzw. Glukose-/Polymerlösungen ist bei gesunden reifen Neugeborenen, die häufig (bis zu zweistündlich) und korrekt angelegt werden, nicht nötig. Ein Gewichtsverlust in den ersten 3 Tagen bis zu 7 % des Geburtsgewichtes ist physiologisch. Fällt das Gewicht trotz aller Maßnahmen zur Steigerung der Milchproduktion bzw. des Trinkvolumens weiter, wird spätestens bei einem Gewichtsverlust von 10 % die Zufütterung von Säuglingsanfangsnahrung notwendig. Diese sollte im Falle einer familiären Allergiebelastung (Verwandte 1. Grades mit einer Allergie) statt intaktem hydrolysiertes Protein enthalten. Gestillte Kinder mit (Brech-)Durchfall werden, wenn möglich, weiter gestillt. Verluste an Flüssigkeit und Elektrolyten werden durch eine Rehydratationslösung ausgeglichen. Akute Gewichtsverluste ≥5 % erfordern zusätzliche ärztliche Maßnahmen (Kap. Infusionstherapie und parenterale Ernährung bei Kindern und Jugendlichen).
Ernährung der Mutter
Die Ernährung stillender Mütter soll nach Appetit erfolgen, abwechslungs- und flüssigkeitsreich sein. Dafür eignet sich die optimierte Mischkost (Kap. Normale Ernährung von Kindern und Jugendlichen). Der Mehrbedarf an Energie für die Abgabe von 800 ml Milch/Tag beträgt etwa 530 kcal/Tag; er kann z. B. wie folgt gedeckt werden: 100 ml Milch + 1 Scheibe dunkles Brot + 1 Esslöffel Haferflocken + 2 Kartoffeln + 1 Portion Gemüse/Salat + 1 Portion Obst. Dazu pro Woche 1 Portion Fleisch + 1 Portion Seefisch (fettreich, wegen n-3-Fettsäuren). Der Mehrbedarf an Energie muss nicht vollständig ersetzt werden, da während der Laktation ein Teil der Schwangerschaftsfettdepots abgebaut werden kann. Einzelne Sorten von Obst und Gemüse sowie manche Gewürze sind nur dann wegzulassen, wenn sie ausnahmsweise zu Beschwerden beim Kind führen. Eine diätetische Anregung der Milchproduktion ist nicht möglich.

Stillprobleme

Eine echte Hypogalaktie ist sehr selten, meist ist schlechte Stilltechnik, zu seltenes Anlegen oder Angst und Stress der Mutter die Ursache einer unzureichenden Milchmenge mit abnormalem postpartalem Gewichtsverlust bzw. Gewichtsstillstand nach den ersten 2 Wochen. Echte Saugschwäche kommt vor allem bei unreifen Kindern oder nach Geburtstrauma vor. Infekte des Nasen-Rachen-Raumes behindern die Nasenatmung und damit das Trinken. Hier helfen vor dem Stillen verabreichte abschwellende Nasentropfen. Bei schweren Krankheiten der Luftwege oder des Herzens kann es sein, dass die Milch abgepumpt werden muss. Spaltmissbildungen des weichen und/oder harten Gaumens lassen sich vorübergehend mit besonderen Saugern und Abdeckplatten kompensieren. Manche Stoffwechselkrankheiten, wie die Galaktosämie, erfordern sofortiges Abstillen, während bei anderen Stoffwechselkrankheiten, wie z. B. der Phenylketonurie, ein teilweises Stillen im Anschluss an das Füttern der Spezialdiät möglich ist.
Bei Flach- oder Hohlwarzen der Mutter können sog. Brustschilde (u. U. schon vor der Geburt) helfen. Milchstau, wunde Brustwarzen und beginnende Mastitis werden durch gute Entleerung der Brust (häufigeres kürzeres Anlegen) behandelt. Das beugt auch schmerzhaften und häufig infizierten tiefen Rhagaden vor. Milchstau führt zu einer schmerzhaften Verhärtung der Brust mit Rötung der Haut. Zusätzlich zur häufigen Entleerung der Brust helfen kalte Umschläge zwischen den Brustmahlzeiten und warme Umschläge kurz vor dem Stillen. Milchstau kann zu Mastitis führen. Häufige Erreger sind Staphylokokken, die zur Abszessbildung neigen. Gründe zum Abstillen bei Mastitis sind Abszessbildung oder heftigste Schmerzen beim Stillen. Bei Infektionen des Nasen-Rachen-Raumes der Mutter wird in leichteren Fällen ein Mundtuch empfohlen. Bei schweren Infektionen der Mutter (Tuberkulose, Sepsis, Lues) muss das Kind mitbehandelt werden und gegebenenfalls, vor allem um die Mutter zu schonen, von ihr getrennt werden. Bei konsumierenden Krankheiten der Mutter (z. B. Tumoren, chronische Leber- und Nierenkrankheiten) darf nicht gestillt werden.

Abpumpen, Lagerung und Transport von Muttermilch

Für das Sammeln von Muttermilch für das eigene Kind müssen den Müttern standardisierte schriftliche Anleitungen ausgehändigt werden. Kompetentes Personal muss sie erläutern und ihre Einhaltung überwachen. So gewonnene Muttermilch kann bei Raumtemperatur 6–8 h, bei ununterbrochener Kühlkette (+4 bis +6 °C) bis zu 72 h gelagert bzw. transportiert und bei Tiefkühlung (–18 bis –40 °C) bis zu 6 Monate gelagert werden. Sofern keine besondere Problematik vorliegt, ist bei genauer Einhaltung der oben genannten Vorschriften ein routinemäßiges bakteriologisches Screening und Pasteurisieren von abgepumpter Muttermilch für das eigene Kind nicht erforderlich.
Frauenmilchsammelstellen können in Kliniken die Ernährung kranker oder unreifer Kinder erleichtern. Eine Leitlinie für Einrichtung und Arbeitsweise liegt vor. Die Spenderinnen müssen serologisch negativ für Hepatitis B und C, Lues, HIV und aktive Zytomegalie (IgM) sein. Die Milch jeder Spenderin wird bakteriologisch getestet (gefordert: Gesamtkeimzahl <105/ml, spezielle Keime <104), Poolen ist unzulässig. Geeignete Milch wird pasteurisiert (30 min bei 57–63 °C). Die Lagerung erfolgt tiefgekühlt (bis zu 6 Monate), das Auftauen schonend.

Zufüttern/Abstillen

Die meisten Kinder gedeihen bei ausschließlichem Stillen in den ersten 6 Monaten optimal. Sofern die Muttermilch trotz häufigen Anlegens nicht reichen sollte, kann nach dem Stillen Säuglingsanfangsnahrung mit der Flasche (kleines Saugerloch: Tropfenfolge 1/s) zugefüttert werden (Zwiemilchernährung, Abschn. Säuglingsanfangsnahrung und Folgenahrung). Spätestens ab dem Beginn des 7. Monats, aber keinesfalls vor dem Beginn des 5. Monats (erhöhtes Allergierisiko) benötigt der Säugling zusätzliche Energie und Nährstoffe in Form von Beikost. Mit der Beikost werden nach und nach einzelne Milchmahlzeiten durch eine Breimahlzeit ersetzt (Abschn. Ernährungsplan für das 1. Lebensjahr). Daneben kann solange weiter Teilstillen erfolgen, wie Mutter und Kind es wünschen.

Industriell hergestellte Milchnahrungen in Deutschland

Rechtliche Regelungen

Lebensmittel für Säuglinge (<12 Monate) und gesunde Kleinkinder (1–3 Jahre) gelten lebensmittelrechtlich als diätetische Lebensmittel, deren Zusammensetzung (Tab. 4), Etikettierung und Vertrieb in speziellen EU-Richtlinien geregelt sind. Diese werden in nationales Recht umgesetzt. In Deutschland ist dies vor allem die Diätverordnung (Verordnung über diätetische Lebensmittel von 2010), ferner die Lebensmittelkennzeichnungs- und die Nährwertkennzeichnungs-Verordnung (Österreich und Schweiz Abschn. Industriell hergestellte Milchnahrungen in Österreich und Abschn. Industriell hergestellte Milchnahrungen in der Schweiz).
Tab. 4
Auszüge aus Richtlinien der EU für die Zusammensetzung von Säuglingsanfangsnahrung (2006/141/EG) im Vergleich zu Nährstoffgehalten in der Muttermilch
 
Säuglingsanfangsnahrung pro 100 ga
Folgenahrung pro 100 g
Muttermilch Durchschnitt (Spanne) pro 100 g
Energie (kcal)
60–70
60–70
71
Protein (g)
12–2,0b
1,2–2,3b
1,13 (1,03–1,43)
Fett (g)
2,9,–3,9c
2,6–3,9
4,03 (3,50–4,62)
Kohlenhydrate (g)
5,9–9,1
5,9–9,1
7,0
Laktose (g)
≤2,9
≤2,9
7,0
Modifizierte Stärke
≤2 g/100 ml oder ≤30 % der KH möglich
 
Maltose, Saccharose, Maltodextrine, Glukosesirup-Saccharose
≤20 % der KH
≤20 % der KH
Natrium (mg)
13–39
13–39
13 (12–19)
Kalium (mg)
39–104
39–104
47 (46–64)
Kalzium (mg)
33–91
33–91
32 (25–41)
Phosphor (mg)
16–59
16–59
15 (12–17)
Magnesium (mg)
3,3–9,8
3,3–9,8
3,1 (2,9–5,0)
Eisen (mg)
0,2–0,9d
0,4–1,3d
0,058 (0,026–0,058)
Zink (mg)
0,3–1,0
0,3–1,0
0,148 (0,120–0,390)
Kupfer (μg)
23–65
23–65
72 (24–77)
Jod (μg)
6,5–32,5
6,5–32
6,3 (4,3–9,0)
Selen
0,7–5,9
0,7–5,9
 
Mangan
0,7–65
0,7–65
 
Fluorid
<65
<65
 
Vitamin Ae (μg)
39–117
39–117
69 (52–73)
Vitamin Ef (mg)
≥0,5 mg/g mehrfach ungesättigte Fettsäuren
≥0,5 mg/g mehrfach ungesättigte Fettsäuren
0,28 (0,15–0,54)
Vitamin C (mg)
6,5–19,5
6,5–19,5
4,4 (3,5–5,5)
Vitamin B1 (μg)
39–195
39–195
15 (13–17)
Vitamin B2 (μg)
52–260
52–260
38 (30–44)
Vitamin B6 (μg)
23–114
260–1300
14 (9–17)
Niacin (mg)
0,2–0,98g
0,2–1,0g
0,17 (0,13–0,20)
Folsäure (μg)
6,5–32,5
6,5–32,5
8,5
aAngaben pro 100 kcal wurden umgerechnet unter der Annahme von 65 kcal/100 g
bKuhmilchproteine.
cLinolsäure 0,3–1,2 g/100 kcal; Laurin- und Myristinsäure ≤20 % Fett; Transfettsäuren ≤3 % im Fett; Erucasäure ≤1 % im Fett; α-Linolensäure: Linolsäure = 1:5–1:15; n-3-langkettige Fettsäuren ≤1 %; n-6-langkettige Fettsäuren ≤2 %, Arachidonsäure ≤ 1 % der Gesamtfettsäuren; Eikosapentaensäure (EPA) ≤ DHA; DHA ≤ n-6-LCPUFA
dFür Produkte mit Zusatz des jeweiligen Nährstoffes
eRetinoläquivalente
fTocopheroläquivalente
gNiacinäquivalente
Lebensmittel für Säuglinge und Kleinkinder müssen praktisch rückstandsfrei sein (<10 μg/kg Pestizide) bzw. dürfen nicht aus Zutaten hergestellt werden, die mit bestimmten Schädlingsbekämpfungsmitteln behandelt wurden.

Säuglingsanfangsnahrungen und Folgenahrungen

Für Säuglinge, die nicht oder nicht voll gestillt werden können, stehen heute industriell hergestellte Muttermilchersatzprodukte zur Verfügung, die eine vollwertige und sichere Ernährung ermöglichen (Übersichten zu industriell hergestellten Milchnahrungen in diesem und in den folgenden Abschnitten). Säuglingsanfangsnahrung entspricht für sich allein den Erfordernissen von Neugeborenen und Säuglingen in den ersten 4–6 Lebensmonaten und kann als Milch neben der Beikost bis zum Ende des 1. Lebensjahres beibehalten werden. Folgenahrung stellt den flüssigen Milchanteil neben der Beikost dar.
Industriell hergestellte Milchnahrungen für Säuglinge in Deutschland
  • Säuglingsanfangsnahrungen
    • Säuglingsmilchnahrungen: Produkte mit Laktose als einzigem Kohlenhydrat (Bezeichnung „Pre“):
      Alete Preb, Babylove Bio Anfangsmilch Pre, Babydream Bio Anfangsmilch Pre, Bebivita Pre, Hipp Bio Anfangsmilch Prea, Hipp Bio Combiotik Prea,b,c, Humana Anfangsmilch Pre, Humana Anfangsmilch Prea, Lasana Anfangsmilch Pre, Milasan Pre, Milupa Aptamil Prea,c, Milupa Milumil Prea,c, Nestlé Beba Pro Prea,b, Töpfer Lactana Bio Prea,b
    • Produkte mit Stärke und ggf. weiteren Kohlenhydraten zusätzlich zu Laktose (Bezeichnung „1“):
      Alete 1b, Babylove Bio Anfangsmilch 1, Babydream Bio Anfangsmilch 1, Bebivita 1, Hipp Bio-Dauermilch 1a, Hipp Bio Combiotik 1a,b,c, Holle Bio Säuglingsmilchnahrung 1, Humana Anfangsmilch 1, Humana Anfangsmilch 1a, Lasana Dauermilch 1, Lebenswert Bio Anfangsmilch 1, Milasan 1, Milupa Aptamil 1a,c, Milupa Milumil 1a,c, Nestlé Beba Pro 1a,b, Novalac 1, Sunval Bio Säuglingsmilchnahrung 1, Töpfer Lactana Bio 1a,b
    • Sojanahrungen:
      Humana SL, Milupa Aptamil Soja, Töpfer Lactopriv
    • Proteinhydrolysate (Bezeichnung „HA“):
      Alete HA Preb, Hipp HA Combiotik Prea,b,c, Humana HA Prea, Milupa Aptamil HA Prea,c, Milupa Milumil HA Prea,c, Nestlé Beba HA Prea,b Töpfer Lactana Pre HAa,b
      Alete HA 1a, Babydream HA, Hipp HA Combiotik 1°a,b,c, Humana HA 1a, Milupa Milumil HA 1°a,c, Nestlé Beba HA 1°a,b, Töpfer Lactana HA 1°a,b
  • Folgenahrungen
    • Folgemilch (Bezeichnung „2“, in der Regel ab 5. Monat; Bezeichnung „3“, in der Regel ab 8. Monat):
      Alete 2a,b, 3a,b, Babylove Bio Folgemilch 2, 3, Babydream Bio Folgemilch 2, 3, Bebivita 2, 3d, Hipp Bio-Folgemilch 2, 3d, Kinderfolgemilcha Hipp Bio Combiotik 2b,c,3b,c, Holle Bio Säuglingsfolgemilch 2, 3, Humana Folgemilch 2c, 3c,d, Lebenswert Folgemilch 2, 3, Lasana Folgemilch 2, 3, Milasan 2d, 3d, Milupa Aptamil 2a,c, 3a,c, Milupa Milumil 2c, 3c, Milumil 2c,d, 3cd, Nestlé Beba 2a,b Novalac 2, Sunval Bio Folgemilch 2, 3, Töpfer Lactana Bio 2a,b, 3a,b
    • Folgemilch (Bezeichnung „Kindermilch“, in der Regel ab 12. Monat):
      Alete Kleine Entdecker Kindermilchb,c, Babydream Bio Kindermilch, Bebivita Kindermilch 1d, 2d, Hipp Bio Kindermilchd, Hipp Kindermilch Combiotikb,c,d, Holle Bio Kindermilch 4, Humana Kindermilchc,d, Humana Kindermilch 4d, Lasana Kindermilch, Milasan Kindermilch, Milupa Kindermilch 1 + a,c, 2 + a,c, Milupa Bio Kindermilch, Milupa meine Kindermilch 1 + c,d, 2 + c,d, Milupa Milupino Kindermilchd, Nestlé Beba Kindermilch 1 + b, 2 + b, Töpfer Kinder Bio Folgemilcha,c
    • Proteinhydrolysate (Bezeichnung: „HA“):
      Milupa Aptamil HA 2°a,c, 3a,c, Milupa Milumil HA 2c, 3c, Nestlé Beba HA 2°a,b, 3°a,b
  • Therapeutische Nahrungen (bilanzierte Diäten)
    • Proteinhydrolysate:
      Milupa Aptamil Pregomin, Aptamil Pepti, Nestlé Alfare, Althera, Novalac Allernova
    • Aminosäuremischungen:
      Milupa Pregomin AS, Nutricia Neocate Infant, Neocate Active, Neocate Advanced, Neocate Junior
Anmerkungen:
  • a.Zusatz von LCPUFA.
  • b.Zusatz von Probiotika.
  • c.Zusatz von Präbiotika.
  • d.Zusatz von Geschmacksstoffen, z. B. Vanillin, Fruchtbestandteile.
Produkte, die im Proteinanteil ausschließlich aus Kuhmilchprotein hergestellt sind, werden als Säuglingsmilchnahrung bzw. Folgemilch bezeichnet. Bei den in Deutschland angebotenen Säuglingsmilchnahrungen (Übersicht „Industriell hergestellte Milchnahrungen für Säuglinge in Deutschland“) lassen sich aufgrund der Kohlenhydratkomponenten Produkte mit Laktose als einzigem Kohlenhydrat („Pre“) und Produkte mit zusätzlichem Gehalt an Stärke und ggf. weiteren Kohlenhydraten, meist Maltodextrinen („1“) unterscheiden. Der Begriff „adaptiert“, der sich in den letzten Jahren auf die Proteinkomponente bezog (Protein <2,5 g/100 kcal, Molkenprotein: Kasein ≥1,0) darf nicht mehr verwendet werden.
Säuglingsanfangsnahrungen einschließlich „HA“-Nahrungen mit Laktose als einzigem Kohlenhydrat („Pre“) sind für die eventuelle Zufütterung bei gestillten Säuglingen sinnvoll (Zwiemilch) und bei nicht gestillten Säuglingen als ausschließliche Ernährung in den ersten 4–6 Lebensmonaten und anschließend als Milchnahrung neben der Beikost im 1. Lebensjahr geeignet. Sie sind ähnlich dünnflüssig wie Muttermilch. Auch die etwas konsistenteren stärkehaltigen Nahrungen („1“) sind in den ersten Lebensmonaten vertretbar und wie Anfangsnahrungen im 1. Lebensjahr geeignet. Mütter sprechen ihnen häufig eine bessere Sättigung zu. Kontrollierte Studien hierzu fehlen bisher. In Säuglingsanfangsnahrung zugelassen ist trotz des Risikos einer hereditären Fruktoseintoleranz auch Saccharose, in Folgenahrung zusätzlich Fruktose und Honig.
Folgenahrungen dürfen frühestens ab dem 5. Monat gegeben werden, da sie mit ihrem etwas höheren Protein- und Mineralstoffgehalt die unreife Niere stärker belasten. In der EU wurden Folgenahrungen an die Zusammensetzung der Säuglingsanfangsnahrung weitgehend angeglichen. Eine ernährungsphysiologische Notwendigkeit für Folgenahrungen besteht nicht.
Sogenannte Spezialnahrungen, die für Säuglinge mit leichten Befindlichkeitsstörungen allgemein erhältlich vermarktet werden, sind tatsächlich „diätetische Lebensmittel für besondere medizinische Zwecke“ (bilanzierte Diäten) und als solche unter ärztlicher Überwachung einzusetzen.
Nahrungen mit Zusatz von Probiotika oder Präbiotika werden zunehmend angeboten. Probiotika sind lebende Mikroorganismen (meist Laktobazillen und Bifidobakterien) die der Nahrung zugesetzt werden, um die Zusammensetzung der Darmflora positiv zu beeinflussen. Ein moderater, aber signifikanter Wirksamkeitsnachweis wurde für wenige Keime bei der Prophylaxe und Therapie der infektiösen Diarrhö nachgewiesen. Dagegen gibt es bisher keinen Nachweis für einen längerfristigen klinischen Nutzen durch die Zugabe von Probiotika zu Säuglingsanfangs- oder Folgenahrung und keine Daten zu potenziellen Langzeiteffekten auf die intestinale Kolonisierung und gastrointestinale und immunologische Funktionen. Säuglingsanfangsnahrung mit Zusatz von Probiotika sollte deshalb nur auf den Markt gebracht werden, wenn Nutzen und Sicherheit nach etablierten Prüfregeln evaluiert wurden. Gegen den Zusatz von Probiotika zu Folgenahrung bestehen weniger Vorbehalte. Präbiotika (Galakto- [GOS] und Fruktooligosaccharide [FOS], Inulin) sind nicht verdaubare Nahrungsinhaltsstoffe, die selektiv das Wachstum und/oder die Aktivität bestimmter Bakterienstämme (Bifidobakterien, Laktobazillen) im Darm fördern und damit das Ökosystem des Darms positiv beeinflussen sollen. Erlaubt ist der Zusatz von Oligosacchariden in Säuglingsanfangsnahrung und Folgenahrung (maximal 0,8 g/100 ml, davon 90 % GOS, 10 % FOS). Solange die metabolischen und klinischen Effekte von Präbiotika bei Säuglingen und Kleinkindern nicht ausreichend untersucht sind, wird zu Vorsicht bei Zusätzen zu Säuglings- und Kleinkindernahrung geraten.

Sojanahrungen

Für Säuglingsnahrungen auf der Basis von Sojaproteinisolaten (konzentriertes Sojaprotein) (Übersicht „Industriell hergestellte Milchnahrungen für Säuglinge in Deutschland“) wird zusätzlich zu den Nährstoffanforderungen an Säuglingsmilchnahrungen ein Zusatz von Methionin und Carnitin (≥7,5 μmol/100 kcal) vorgeschrieben. Da Sojanahrungen in Deutschland üblicherweise keine Laktose enthalten, sind sie bei dem extrem seltenen angeborenen Laktasemangel und bei Galaktosämie indiziert, ebenso bei Ablehnung von kuhmilchhaltiger Nahrung (z. B. Veganer) aufgrund von religiösen oder ethischen Überzeugungen . Mögliche Nachteile von Sojanahrungen sind eine geringere Proteinqualität sowie ihre Gehalte an Phytat, Aluminium und Phytoöstrogenen. Sojanahrungen tragen nicht zur Prävention von allergischen Erkrankungen bei. Der Verwendung von Sojanahrungen zur Therapie einer Kuhmilcheiweißallergie steht entgegen, dass hierbei etwa 40 % der Patienten eine kombinierte Kuhmilch-Sojaprotein-Allergie entwickeln. Falls ab dem 2. Lebenshalbjahr Sojanahrung als therapeutische Diät wegen ihrer geringeren Kosten und besseren Akzeptanz erwogen wird, sollte die Toleranz durch eine Belastung unter kontrollierten Bedingungen geprüft werden.

Proteinhydrolysate

In Proteinhydrolysaten wurde die Antigenität des nativen Eiweißes (z. B. Molkenprotein, Kasein, Schweinekollagen) durch enzymatische Hydrolyse, Erhitzung und z. T. Ultrafiltration reduziert. In der Praxis werden Proteinhydrolysate meist nach ihrem Hydrolysegrad in extensiv bzw. hochgradig hydrolysierte Produkte und teilweise bzw. schwach hydrolysierte Produkte (im Handelsangebot in der Regel mit „HA“ bezeichnet) eingeteilt, ohne dass eine einhellige Übereinstimmung über die Kriterien besteht. Allergiepräventive Effekte von Proteinhydrolysaten hängen nicht allein vom Hydrolysegrad oder Ausgangsprotein ab, sondern auch von der Ausprägung des genetischen Risikos eines Kindes. Für HA-Nahrungen („Pre“, „1“, „2“) gelten dieselben Nährstoffregelungen wie für Säuglingsmilchnahrungen bzw. Folgemilch (Ausnahme: höheres Proteinminimum, Zusatz von Carnitin ≥7,5 μmol/100 kcal. Kontrollierte Untersuchungen haben gezeigt, dass bei Säuglingen mit erhöhtem familiären Atopierisiko (ein Elternteil oder Geschwister leiden an Heuschnupfen, Asthma, Ekzem oder Nahrungsmittelallergie) eine ausschließliche Ernährung mit HA-Nahrung in den ersten 4 Lebensmonaten die Häufigkeit allergischer Krankheiten, ähnlich wie ausschließliches Stillen, in den ersten Lebensjahren signifikant vermindern kann. Ob die präventive Wirkung von HA-Nahrungen noch verbessert werden kann, wenn diese über das erste Lebenshalbjahr hinaus gegeben werden, ist derzeit weder ausreichend untersucht noch leicht untersuchbar (Beikost) noch sehr wahrscheinlich. Allergieprävention ist auch mittels hochgradig hydrolysierter Nahrungen möglich, doch sind diese teuer und schmecken bitter. Vorteile hochgradig hydrolysierter Produkte gegenüber mäßig hydrolysierten Produkten für die Prävention sind strittig. Unbestritten ist jedoch die alleinige Eignung hochgradig hydrolysierter Produkte für die Therapie manifester Kuhmilchallergien (s. unten). Generell sollen nur solche Nahrungen für die Prävention und Therapie von Nahrungsmittelallergien eingesetzt werden, deren Eignung in entsprechenden klinischen Studien nachgewiesen wurde.

Therapeutische Nahrungen (bilanzierte Diäten)

Diese hochgradig hydrolysierten Produkte (Übersicht über industriell hergestellte Milchnahrungen) werden seit Jahrzehnten erfolgreich zur Behandlung von Kuhmilcheiweißallergie und Malresorption eingesetzt. Die Proteinkomponente besteht aus Molkenprotein, Kasein oder Schweinekollagen + Soja. Werden auch diese Hydrolysatnahrungen nicht vertragen, kommt der Einsatz von Nahrungen auf der Basis von Aminosäuren in Betracht. Hochgradig hydrolysierte Nahrungen haben einen ausgeprägt bitteren Geschmack, an den sich junge Säuglinge aber gewöhnen.

Industriell hergestellte Milchnahrungen in Österreich

Rechtliche Regelungen

Die maßgebliche Quelle für lebensmittelrechtliche Verordnungen in Österreich ist das „Bundesgesetzblatt für die Republik Österreich“. Kommentare veröffentlicht die Ernährungskommission der Österreichischen Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde.

Säuglingsanfangsnahrungen und Folgenahrungen

Die Einteilung in Säuglingsanfangsnahrungen und Folgenahrungen erfolgt wie in Deutschland; dasselbe gilt für die Definition der Säuglingsanfangsnahrungen entsprechend dem Kohlenhydratanteil (Übersicht).
Industriell hergestellte Milchnahrungen für Säuglinge in Österreich
  • Säuglingsanfangsnahrungen
  • Produkte mit Laktose als einzigem Kohlenhydrat („Pre-Nahrungen“):
    Alete Pre, Aptamil Pre, Beba Pre, Hipp Pre Bio, Hipp Pre Bio Combiotik, Humana Pre, Milumil Pre
  • Produkte mit Stärke und ggf. weiteren Kohlenhydraten zusätzlich zu Laktose („1er Nahrungen“):
    Alete 1, Aptamil 1, Beba 1, Hipp 1 Bio, Hipp 1 Bio Combiotik, Humana 1, Milumil 1, Novolac 1
  • Sojanahrungen:
    Humana SL, Aptamil SOM – milchfrei 1
  • Proteinteilhydrolysate („HA-Pre-“ und „HA-1-Nahrungen“):
    Alete HA Pre, Alete HA 1, Aptamil HA Pre, Beba HA Pre, Beba HA 1, Hipp Pre HA Combiotik, Hipp HA 1 Combiotik, Humana HA Pre, Humana HA 1, Milumil HA Pre, Milumil HA 1, Novolac 2
  • Folgenahrungen
  • Folgemilch („2er Nahrungen“):
    Alete 2, Aptamil 2, Aptamil gute Nacht, Babylove Bio Folgemilch 2, Beba 2, Hipp 2 Bio, Hipp 2 Bio Combiotik, Humana 2, Milumil 2, Milumil mit Karotte, Milumil 2 mit Vanille
  • Proteinteilhydrolysate („HA-2-Nahrungen“):
    Aptamil HA 2, Beba HA 2, Humana HA 2, Hipp HA 2 Combiotik, Milupa HA Brei
  • Folgenahrung auf der Basis von Sojaproteinisolat:
    Aptamil SOM – milchfrei 2, SOM Brei, Sinlac Brei
  • Therapeutische Nahrungen (bilanzierte Diäten)
  • Alfare, Aptamil Pregomin, Aptamil Pepti, Althera, Novalac Allernova
  • Aminosäuremischungen:
    Milupa Pregomin AS, Nutricia Neocate Infant, Neocate Active, Neocate Advanced, Neocate Junior

Sojanahrungen

In Österreich befinden sich insgesamt 4 Säuglingsanfangsnahrungen auf der Basis von Sojaproteinisolaten auf dem Markt, die entsprechend den deutschen Produkten gemäß der Richtlinie der EU für Säuglingsanfangsnahrung und Folgenahrung mit Methionin und Carnitin angereichert sind. Indikationen für die Verabreichung von Sojanahrungen sind der angeborene Laktasemangel und die Galaktosämie. Als relative Indikationen werden aber auch religiöse und ethische Überzeugungen angesehen.

Proteinteilhydrolysate und therapeutische Nahrungen (bilanzierte Diäten)

In Österreich werden Säuglingsanfangsnahrungen auf der Basis von Proteinteilhydrolysaten als „HA-Nahrungen“ bezeichnet. Es wird zwischen einem extensiven und einem partiellen Hydrolysegrad unterschieden.
Während hochgradig hydrolysierte Nahrungen und Aminosäurenahrungen bei der Therapie der Kuhmilchproteinallergie eine gesicherte und anerkannte Behandlungsoption darstellen, sind auf dem österreichischen Markt zudem eine Reihe von sog. FSMP-Nahrungen, Nahrungen für spezielle Bedürfnisse, zu finden. Diese Spezialgruppe von Nahrungen bedarf einer strengen Indikationsstellung und kann bei Refluxproblemen, Verdauungsproblemen wie Koliken, vermehrtem Spucken und Verstopfung ggf. verordnet werden. Die Wirksamkeit dieser Produkte ist teilweise durch Studien belegt, der Evidenzgrad aber durchweg als niedrig zu bewerten.

Industriell hergestellte Milchnahrungen in der Schweiz

Rechtliche Regelungen

In der Schweiz gelten Säuglingsanfangs- und Folgenahrung sowie auch Getreidebeikost und andere Beikost für Säuglinge und Kleinkinder als Lebensmittel, die für eine besondere Ernährung bestimmt sind (Art. 2 Abs. 1 der Verordnung des EDI [Eidgenössisches Departement des Innern] über Speziallebensmittel, gemäß Art. 4 Abs. 1s der Lebensmittel- und Geräteverordnung [LGV]).
Art. 17 regelt die Säuglingsanfangsnahrung, Art. 18 die Folgenahrung, wobei spezielle Kriterien der EU-Richtlinien über Säuglingsanfangsnahrungen (Anhang 2, 2a und 3) und Folgenahrung (Anhang 5) hinsichtlich Zusammensetzung und zulässiger Werbebehauptungen (Anhang 4) erfüllt sein müssen. Bei den Anfangsnahrungen muss als „wichtiger Hinweis die Überlegenheit des Stillens erwähnt sein sowie die Empfehlung, dass das Produkt nur auf Rat unabhängiger Fachleute auf dem Gebiet der Medizin oder der Ernährung oder für die Säuglingspflege zuständiger Personen zu verwenden sei. Neu regelt Art. 11a der LGV die Anpreisungsbeschränkungen für Säuglingsanfangsnahrungen, d. h. es darf keine Werbung außer in wissenschaftlichen Publikationen gemacht werden und die kostenlose Abgabe von Proben oder Werbegeschenke sind verboten. Nach Gesetz obliegt die Kontrolle den Kantons-Chemikern. Der Codexpanel aus Vertretern der Nährmittelhersteller und der Schweizerischen Stiftung zur Förderung des Stillens überwacht zusätzlich diese Regelungen auf freiwilliger Basis.

Säuglingsanfangsnahrungen und Folgenahrungen

In der Schweiz ist die Namensgebung der Säuglingsmilchnahrungen leider nicht so einheitlich wie in Deutschland und Österreich. Milupa und Hipp verwenden die Bezeichnung „Pre“ für Anfangsnahrungen, die ausschließlich Laktose enthalten. Nestlé verwendet den Begriff „Start“. Die Zahl der angebotenen Produkte hat sich weiter erhöht. Anfangs- und Folgemilchen sind mit Zusatz von Probiotika (Nestlé), von Präbiotika (Milupa und Hero [(Adapta]) oder mit beiden (Combiotik, Hipp) im Handel. Neu sind auch Abend-Säuglingsmilchen. Die bisher verwendeten Folgenahrungen mit Zusatz von Gemüse und Früchten (eine alte Schweizer Tradition) sind vom Markt verschwunden. Einzelne Säuglingsmilchnahrungen und Kliniknahrungen werden auch in flüssiger, trinkfertiger Form angeboten. Nestlé hat unter dem Namen BabyNes in der Schweiz ein System entwickelt und auf den Markt gebracht, bei dem einzelne Schoppen mittels Kapseln in einer speziellen Maschine hergestellt werden können. Der Inhalt der Kapseln ist altersbezogen zusammengesetzt und ahmt damit die Dynamik der Muttermilchzusammensetzung, besonders punkto Protein und Energiezufuhr nach. Die 6 verschiedenen Kapseln umfassen die Ernährung für den 1. Monat, den 2. Monat, 3.–6. Monat, 7.–12. Monat, 13.–24. Monat und 25.–36. Monat. Diese etwas teure Art der Ernährung wird wahrscheinlich nur ausgewählten Familien möglich sein.
Industriell hergestellte Milchnahrungen für Säuglinge in der Schweiz
  • Säuglingsanfangsnahrungen
  • Produkte mit Laktose als einzigem Kohlenhydrat:
    Adapta 1, Adapta Bio 1, Aptamil Pre, Beba PRO Starta, Bimbosan Classic, Bimbosan Bio, Bimbosan Super Premium 1, Hipp Pre Bio, Hipp Pre Bio Combiotikb
  • Produkte mit Stärke und ggf. weiteren Kohlenhydraten zusätzlich zu Laktose:
    Adapta 2, Adapta Bio 2, Aptamil 1, Beba PROa 1, Beba 1, Hipp 1 Bio, Hipp 1 Bio Combiotikb, Holle Bio 1, Milupa Milumil 1
  • Sojanahrungen werden nur noch für wenige spezielle Indikationen empfohlen.
    Sojanahrungen: Milupa Milumil Soja, Bimbosan Bisoja
  • Proteinteilhydrolysate („HA-Pre-“ und „HA-1-Nahrungen“):
    Adapta HA 1, Aptamil HA Pre, Aptamil HA 1, Beba H. A. Starta, Beba H. A. 1a, Hipp Pre HA Combiotikb, Hipp HA 1 Combiotikb
  • Folgenahrungen
    Nach 6 Monaten: Adapta 2, Adapta Bio 2, Adapta Bonne Nuit, Aptamil 2, Aptamil Good Night, Beba PRO 2a, Beba 2, Bimbosan Bio Folgemilch, Bimbosan Super Premium 2, Hipp 2 Bio Combiotikb (mit und ohne Stärke), Hipp Gute Nacht, Holle Bio 2, Milupa Milumil 2
    Nach 9/10 Monaten: Adapta 3+, Adapta Bio Junior, Aptamil 3, Beba Pro 3a, Beba 3, Beba 3 Vanille, Hipp 3 Bio Combiotikb, Hipp 3 Bio, Holle Bio 3, Milupa Milumil 3
  • Proteinteilhydrolysate:
  • Nach 6 Monaten: Adapta HA 2, Aptamil HA 2, Beba H. A. 2a, Hipp HA 2 Combiotikb
  • Nach 9 Monaten: Aptamil HA 3, Beba HA 3a, Hipp HA 3 Combiotikb
  • Juniormilchen
  • Nach 12 Monaten: Adapta 3+, Aptamil Junior 12+, Aptamil Junior 12+ Vanille, Beba Junior 12+, Hipp Bio Kindermilch, Hipp Kindermilch Combiotikb, Holle Bio Kindermilch, Milupa Milumil Junior 12+, Nestlé Junior Milk 12+
  • Nach 18/24 Monaten: Adapta 3+,Adapta Bio Junior, Aptamil Junior 18+, Aptamil Junior 18+ Vanille, Beba Junior 18+, Hipp Kindermilch 2+ Combiotikb, Nestlé Junior Milk 18+
  • Therapeutische Nahrungen (Spezialnahrungen)
    Adapta Sensible, AL 110, Aptamil Confort 1 und 2, Aptamil AR1 und 2, Aptamil HN25, Beba Sensitivec, Beba A. R.c, Hipp Anti-Reflux Bio, Hipp Comfort, Hipp Kindermilch Combiotik – Lactosefrei
  • Semielementardiäten (extensiv hydrolysierte Milchen):
    Alfaré, Althera, Damira, Pregomin Pepti
  • Elementardiäten:
    Alfamino, Neocate, Pregomin AS
Anmerkungen:
aenthält BL (Bifidobacterium lactis), benthält Lactobacillus fermentum hereditum, bLactobacillus reuteri.

Proteinteilhydrolysate und therapeutische Nahrungen

Die Ernährungskommission der Schweizerischen Gesellschaft für Pädiatrie bezeichnet die nur für die Prophylaxe einsetzbaren Proteinteilhydrolysate als „partielle“ Hydrolysate (HA-Milchen) und unterscheidet sie von den für die Therapie einer manifesten Kuhmilchallergie allein geeigneten hochgradig oder extensiv hydrolysierten Milchen (Semielementardiäten) oder solchen auf der Basis von Aminosäuren (Elementardiäten).

Selbsthergestellte Säuglingsmilch

Keine Milch von Tieren eignet sich unmodifiziert als Muttermilchersatz.
Selbstherstellung der Säuglingsmilch ist nicht empfehlenswert, da Sicherheit und ernährungsphysiologische Qualität von industriell hergestellter Säuglingsmilch definitiv höher sind. Möchte eine Mutter, die nicht oder nicht voll stillt, trotz ärztlicher Beratung auf die Verwendung industriell hergestellter Produkte verzichten, muss sie sachgerecht über die Selbstzubereitung von Säuglingsmilch informiert werden. Diese erfordert besondere hygienische Sorgfalt und Genauigkeit einschließlich der Benutzung einer Diätwaage.

Kuhmilch

Für die Selbstzubereitung von Säuglingsmilch aus Kuhmilch eignet sich das Rezept einer fett- und kohlenhydratangereicherten Halbmilch nach Droese und Stolley. Kuhvollmilch (3,5 % Fett) wird mit Wasser 1:1 gemischt und mit 2,5 % Stärke (ab 5. Monat Vollkornflocken), 4 % Milchzucker und 1,5 % Öl (möglichst Raps-, Soja-, sonst Sonnenblumen- oder Maiskeimöl) aufgekocht. Zur Deckung des Bedarfs an Vitamin A und C werden ab der 6. Woche pro 200 ml Nahrung je 5 g Karottenpüree und 20 g Orangensaft (oder ein anderer Saft für Säuglinge mit Vitamin-C-Zusatz) zugefügt.
Kuhmilch in unverdünnter Form (pasteurisiert bzw. „Frischmilch“, ultrahocherhitzt bzw. „H-Milch“) ist in Form von Trinkmahlzeiten im 1. Lebensjahr nicht geeignet. Der hohe Gehalt an Protein und Mineralstoffen führt zu einer erhöhten renalen Belastung. Ein Teil der Säuglinge entwickelt okkulte Blutverluste im Stuhl, was zusammen mit dem niedrigen Eisengehalt der Milch die Risiken eines Eisenmangels erhöht. Rohmilch (Ab-Hof-Milch, Vorzugsmilch) darf auf keinen Fall für die Ernährung von Säuglingen und Kleinkindern verwendet werden. Auch bei noch so guter Kontrolle kann ein Infektionsrisiko nicht ausgeschlossen werden, z. B. bezüglich Tuberkulose, Brucellose, Listeriose, Yersiniose und Enteritiden durch Campylobacter oder enterohämorrhagische E. coli. Das zur sicheren Keimabtötung erforderliche Abkochen der Milch im Haushalt führt zu wesentlich höheren Vitaminverlusten als molkereimäßige Behandlung.

Milch anderer Tierarten

Der Nährstoffgehalt von Ziegenmilch entspricht zwar weitgehend demjenigen von Kuhvollmilch, Ziegenmilch hat aber ein ähnlich hohes allergenes Potenzial wie Kuhmilch. Wegen Folsäuremangel (Anämie) ist unveränderte Ziegenmilch nur zusammen mit folsäurereicher Beikost geeignet. Bei der Verwendung von (fettarmer) Stutenmilch muss 2,5 % Speiseöl (z. B. Rapsöl) zugesetzt werden. Schafsmilch ist wegen ihres hohen Fettgehalts problematisch. Generell haben alle selbstzubereiteten Milchmischungen den Nachteil, dass sie nicht mit den erforderlichen Nährstoffen, wie z. B. Jod und Eisen, angereichert sind. In der Allergieprävention oder Therapie der Kuhmilcheiweißallergie sind Nahrungen auf Hydrolysatbasis eindeutig vorzuziehen.

Pflanzliche Nahrungen

In allen Altersstufen gänzlich ungeeignet als Milchersatz sind selbsthergestellte „Milchnahrungen“ aus rein vegetabilen Rohstoffen, wie Mandelmus, nicht für die Ernährung von Säuglingen deklarierte einfache Sojanahrungen, Frischkorngetreide oder Reis, z. B. in Form der sog. makrobiotischen Ernährung oder der „Vollwertkost“ nach Bruker. Aufgrund der geringen biologischen Wertigkeit der Pflanzenproteine, der geringen Energiedichte bei fehlender Fettzugabe, der schlechten Nährstoffausnutzung aus Rohgetreide, des Mangels an Mineralstoffen und Spurenelementen (z. B. Kalzium, Jod, Eisen) sowie an Vitaminen (z. B. B12, D, B2) kann es zu Wachstumsstörungen und teilweise irreparablen Mangelerscheinungen (Eisenmangelanämie, Rachitis, neurologische B12-Mangel-Symptome) kommen. Glutenhaltige Getreide (Weizen, Dinkel, Hafer, Gerste, Roggen) sollen nicht vor dem Alter von 4 Monaten eingesetzt werden, da eine u. U. vorhandene Glutenunverträglichkeit (Zöliakie) sich umso stärker ausprägt, je jünger das Kind ist.

Trinkmengen und Zubereitung der Flaschennahrung

Die Trinkmenge in der ersten Lebenswoche wurde früher an der sog. Finkelstein-Formel orientiert: Trinkmenge = (Lebenstage – 1) × 70 ml. Dem heute erwünschten früheren Fütterungsbeginn wird folgende Formel für die Trinkmenge (ml) besser gerecht:
$$ \mathrm{Trinkmenge}/24\mathrm{h}=20\times \mathrm{kg}\times \mathrm{Lebenstage} $$
Ab der 2. Woche wird die Trinkmenge um etwa 100 ml pro Woche gesteigert bis auf durchschnittlich etwa 800 ml/Tag (maximal 1000 ml/Tag) bzw. 140–180 ml/kg Körpergewicht bzw. etwa 1/6 des Körpergewichts. Zusätzliche Flüssigkeit, z. B. Tee oder andere Getränke, sind nur in Ausnahmesituationen (Hitze, Fieber, Dehydratationszustände) indiziert.
Die Zubereitung der Flaschennahrung sollte gemäß der Anleitung auf der Verpackung (Abstreifen des Messlöffels mit dem Messerrücken!) erfolgen. Die Nahrung sollte aus hygienischen Gründen jeweils unmittelbar vor der Mahlzeit frisch zubereitet, sofort auf Trinktemperatur abgekühlt und unmittelbar verfüttert werden. Nicht verbrauchte Restmengen sind zu verwerfen. Für in Kliniken betreute Neu- und Frühgeborene (erhöhtes Risiko für Infektionen mit Enterobacter ssp., vor allem Cronobacter sakazakii) ist die bevorzugte Verwendung von sterilen, trinkfertig portionierten Flüssignahrungen zu erwägen. In Kliniken und Säuglingsheimen sollte Milchnahrung nach der Zubereitung gekühlt (4–8 °C) bzw. bei Raumtemperatur nicht länger als 4 h (z. B. bei protrahierter Fütterung) aufbewahrt werden. Generell sind gebrauchte Flaschen und Sauger (nach kaltem Vorspülen) mit warmem Wasser, Spülmittel und Bürste zu reinigen und anschließend mindestens 3 min auszukochen. Für die Nahrungszubereitung wird frisch aus der Leitung entnommenes Trinkwasser ohne Verwendung von Wasserfiltern verwendet. Nicht geeignet für die Zubereitung von Säuglingsnahrung ist Leitungswasser, das in Einzelfällen den Höchstwert von 50 mg Nitrat/l überschreitet (Auskunft bei Wasserwerk oder Gesundheitsamt), Wasser aus Bleileitungen sowie Wasser aus Kupferleitungen bei einem Wasserhärtebereich 4 und pH-Wert <7,3 bzw. weicherem Wasser und pH-Wert <7,0. Ist das Leitungswasser nicht geeignet, sollte auf abgepacktes „stilles“ Wasser (Mineral-, Quell- oder Tafelwasser) ausgewichen werden, das als „geeignet für die Zubereitung von Säuglingsnahrung“ deklariert ist und pro Liter maximal 10 mg Nitrat, 0,02 mg Nitrit, 20 mg Natrium, 0,7 mg Fluorid, 0,05 mg Mangan, 0,005 mg Arsen, 0,002 mg Uran und 240 mg Sulfat enthält. Bei Verwendung von Wasser aus Hausbrunnen in Verbindung mit Kupferrohren und Kupfergefäßen mit mehr als 10 mg Cu/l wurden in Einzelfällen Leberzirrhosen bei Säuglingen beobachtet.

Ernährungsplan für das 1. Lebensjahr

Im ersten Lebensjahr sind ernährungs- und entwicklungsphysiologisch drei Abschnitte (Abb. 1) zu unterscheiden.

Ausschließliche Milchernährung

Die allermeisten Säuglinge gedeihen bei ausschließlichem Stillen in den ersten 6 Monaten gut. Nicht- oder teilgestillte Säuglinge erhalten eine geeignete Muttermilchersatznahrung (Abschn. Säuglingsanfangsnahrungen und Folgenahrungen). Limitierend bei Muttermilchernährung wird im Alter von 5–6 Monaten neben Energie und Protein nach Verbrauch der perinatalen Speicher insbesondere Eisen, was im Säuglings- und Kleinkindalter nicht nur zu Anämie, sondern auch zu Beeinträchtigung der psychomotorischen und mentalen Entwicklung führt. Die neurophysiologische Entwicklung ist im Alter von 4–5 Monaten so weit fortgeschritten, dass der Saugreflex und seine Zungenbewegungen abgelöst werden und das Kind die Löffelfütterung akzeptiert. Jetzt kann das Kind aufrecht sitzen, die Kopfhaltung kontrollieren sowie Hunger (Öffnen des Mundes) und Sättigung (Verweigerung) äußern (Kap. Wachstum und Entwicklung im Säuglingsalter).

Schrittweise Einführung von Beikost

Frühestens ab dem Beginn des 5., spätestens ab dem Beginn des 7. Monats beginnt die schrittweise Ergänzung der Milchernährung durch Beikost (Abb. 1). Einführung von Beikost vor dem 5. Monat erhöht das Risiko für atopische Krankheiten. Einführung und Zusammensetzung der Beikost können für Säuglinge ohne und mit Atopiegefährdung nach dem gleichen Ernährungsschema (Abb. 1) gehandhabt werden. Die Beikost wird durch nationale Ernährungsgewohnheiten geprägt. Im deutschen Sprachraum hat sich das in Abb. 1 gezeigte Beikostschema bewährt. Der Beginn mit einem Gemüse-Kartoffel-Fleisch-Brei verbessert insbesondere die Eisenversorgung durch optimal resorbierbares Hämeisen aus Fleisch sowie die Vitaminversorgung (Tab. 5). Der etwa einen Monat später folgende Milch-Getreide-Brei dient vor allem der Versorgung mit Mineralstoffen (besonders Kalzium). Der Milch-Getreide-Brei kann mit einer Säuglingsmilchnahrung oder mit Kuhvollmilch zubereitet werden. Der nach einem weiteren Monat folgende milchfreie (proteinarme) Getreide-Obst-Brei ergänzt die Nährstoffzufuhr. Die Rezepte für die Selbstzubereitung der Beikost (Tab. 5) aus wenigen nährstoffreichen Lebensmitteln in resorptionsfördernden Kombinationen ergänzen sich wie in einem Baukastensystem zu einer Gesamtzufuhr an Nährstoffen gemäß den aktuellen Empfehlungen.
Tab. 5
Mahlzeiten und Lebensmittel in der Beikost. Mengen in Abhängigkeit vom Alter
Gemüse-Kartoffel-Fleisch-Brei
Milch-Getreide-Brei
Getreide-Obst-Brei
Selbst zubereitete Beikostmahlzeiten
90–100 g Gemüse
200 g Milch
20 g Getreideflocken
40–60 g Kartoffeln
20 g Getreideflocken
100 g Obst
15–20 g Obstsafta
20 g Obstsafta, -püree
5 g Rapsöl
20–30 g Fleisch
 
90 g Wasser
8–10 g Rapsöl
  
oder industriell hergestellte Beikostmahlzeiten
Baby-/Junior-Menü (Gläschenkost), Becher
Milchfertigbrei (Trockenprodukte, Gläschenkost)
Getreide-Obst-Brei (Gläschenkost)
aOrangensaft oder anderer Obstsaft für Säuglinge mit Vitamin-C-Zusatz
Bei Verzicht auf Fleisch kann ein vegetarischer Gemüse-Vollkorn-Brei eingesetzt werden. Für die Selbstherstellung eignet sich folgendes Rezept: 100 g Gemüse + 50 g Kartoffeln + 10 g Haferflocken + 30 g Vitamin-C-reicher Obstsaft (-püree) + 20 g Wasser + 8 g Rapsöl. Industriellen Produkten (Gemüse-Vollkorn-Menü) sollte Vitamin C in Form von Obstsaft oder -püree zugegeben werden.
Jod kann nur bei Verwendung von Produkten mit Jodzusatz (kommerzielle Getreidebreie) in empfehlungsentsprechenden Mengen zugeführt werden. Bei der Beikost kann zwischen Selbstzubereitung und Verwendung kommerzieller Produkte frei gewählt werden (Tab. 5). Die gesetzlich geforderte Rückstandsminimierung der kommerziellen Beikost bietet einen zusätzlichen Sicherheitsstandard gegenüber der Selbstzubereitung aus Lebensmitteln des üblichen Verzehrs, führt aber zusammen mit dem höheren Conveniencegrad zu höheren Preisen der Fertigprodukte. Aber auch die Lebensmittel des üblichen Verzehrs sind für die Ernährung von Säuglingen ausreichend sicher. Selbsthergestellte Beikost bietet eine größere Geschmacksvariation und Annäherung an die spätere gemischte Kost der Familie als kommerzielle Produkte. Geschmackliche Vielfalt bei der Einführung der Beikost kann die Akzeptanz neuer Lebensmittel erhöhen.
Neue Lebensmittel sollten nur einzeln im Abstand von mehreren Tagen eingeführt werden. Bei Unverträglichkeitserscheinungen (Haut, Darm) mit Spätreaktionen bis zu 72 h wird das betreffende Lebensmittel abgesetzt und evtl. später unter ärztlicher Aufsicht erneut getestet Die Einführung von Gluten – noch während gestillt wird – vermindert das Zöliakierisiko (Abb. 1, Tab. 5). Auskunft über die Zutaten von kommerziellen Produkten gibt die obligatorische Zutatenliste auf der Verpackung (in absteigender Reihenfolge der Gehalte im Produkt). Aktuelle Produktinformationen zur Beikost finden sich im Internet unter www.verbraucherfenster.hessen.de.

Schrittweise Einführung von Familienkost

Gegen Ende des 1. Lebensjahres gehen die Brei- und Milchmahlzeiten der Säuglingsernährung schrittweise in die Haupt- und Zwischenmahlzeiten der Familienernährung über (Abb. 1). Die Mahlzeiten des Kindes sollten nach Möglichkeit nicht gesalzen und nicht stark gewürzt werden. Am Ende des 1. Lebensjahres verträgt das Kind fast alle Lebensmittel. Vorsicht ist noch geboten bei stark blähenden Lebensmitteln (Hülsenfrüchte, Kohl) und sehr kleinen, harten Lebensmitteln, die beim Verschlucken leicht in die Luftröhre gelangen können (Nüsse). Nach dem 1. Lebensjahr sind spezielle Lebensmittelfertigprodukte für Kleinkinder (z. B. Milchnahrungen, Menüs) nicht mehr erforderlich. Die Kinder können und sollen jetzt aus ernährungserzieherischen Gründen an den Mahlzeiten der Familie teilnehmen.

Supplemente für Säuglinge

Perinatal sollten alle gesunden Säuglinge zur Vorbeugung gegen Vitamin-K-Mangel-Blutungen Vitamin K oral erhalten. Die Empfehlung lautet: je 2 mg Vitamin K (z. B. 2 Tropfen Konakion bzw. Konakion MM) anlässlich der Vorsorgeuntersuchungen U1–U3 am 1. und 2.–7. Tag sowie in der 4.–6. Woche. Bei Anzeichen von gestörter Resorption ist die i.m.- oder s.c.-Gabe (0,1–0,2 mg am 1. Tag) vorzuziehen; weitere Vitamin-K-Gaben (parenteral oder oral) zur Prävention der späten Vitamin-K-Mangel-Blutungen müssen in Abhängigkeit vom klinischen Zustand erfolgen.
Ab der 2. Woche wird während des gesamten 1. Lebensjahres und in den Wintermonaten des 2. Lebensjahres bei jeder Art der Säuglingsernährung (auch beim Stillen!) die Supplementierung von Vitamin D (400–500 IE/Tag in Tablettenform) zur Vorbeugung gegen Rachitis empfohlen. Sie wird mit der Gabe von Fluorid zur Kariesprophylaxe kombiniert (Kap. Zahnärztliche Untersuchung und Prophylaxe bei Kindern und Jugendlichen). Säuglinge und Kleinkinder (≤3 Jahre) erhalten bei einem Fluoridgehalt des Trinkwassers bis maximal 0,3 mg/l (in Deutschland die Regel) täglich 0,25 mg Fluorid als Tabletten, selbst wenn die Familie fluoridiertes Jodsalz verwendet. Bei höherem Fluoridgehalt des Trinkwassers entfällt die Tablettengabe.
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