Pädiatrie
Autoren
Oskar Jenni

Wachstum und Entwicklung im Säuglingsalter

Im 1. Lebensjahr ist das Kind auf vielerlei Weise damit beschäftigt, sich an die neue Umwelt anzupassen: an flüssige und feste Nahrung, an den Tag-Nacht-Wechsel, an die Schwerkraft und den Raum. Vor allem aber muss es mit den Bezugspersonen und der gegenständlichen Umgebung vertraut werden, die sein Gedeihen ermöglichen und seine Entwicklung gewährleisten. Für die Bezugspersonen dominieren in diesem Alter Themen rund um den Schlaf und die Ernährung. Dieses Kapitel beschreibt die wichtigsten Entwicklungsschritte im 1. Lebensjahr
Im 1. Lebensjahr ist das Kind auf vielerlei Weise damit beschäftigt, sich an die neue Umwelt anzupassen: an flüssige und feste Nahrung, an den Tag-Nacht-Wechsel, an die Schwerkraft und den Raum. Vor allem aber muss es mit den Bezugspersonen und der gegenständlichen Umgebung vertraut werden, die sein Gedeihen ermöglichen und seine Entwicklung gewährleisten.

Wachstum

Im Mittel verdreifacht sich das Körpergewicht im 1. Lebensjahr: Die Körperlänge nimmt um 25 cm und der Kopfumfang um 12 cm zu (Abb. 1).

Korrektur der Wachstumsparameter

Bei Frühgeborenen (<37 SSW) ist eine dem Gestationsalter entsprechende Korrektur aller Körpermaße bis mindestens zum 2. Geburtstag vorzunehmen. Dieser Grundsatz gilt auch für andere Entwicklungsbereiche. Beispiel: Wird ein Kind mit 28 SSW geboren, so werden die Körpermaße so eingetragen, dass dem chronologischen Alter 12 Wochen (ca. 3 Monate) abgezogen werden. Ist das Kind also 24 Monate alt, so werden die Maße bei 21 Monaten eingetragen.

Kopfwachstum und Konfiguration

Der Kopfumfang ist der stabilste aller Wachstumsparameter und nimmt bei allen Kindern annähernd parallel zu den Perzentilenkurven zu. Die Kopfform wird durch familiäre Merkmale geprägt. In den ersten Lebensmonaten formt die Schwerkraft den Kopf zusätzlich mit. Säuglinge, die auf dem Rücken schlafen, halten den Kopf überwiegend in einer Mittelstellung und entwickeln einen eher hinten abgeflachten Kopf. Liegt der Säugling auch im Wachen häufig auf dem Rücken, so kann sich daraus ein Plagiozephalus entwickeln. Säuglinge, die auf dem Bauch schlafen, haben den Kopf seitlich gedreht und bekommen eine mehr dolichozephale Kopfform. Bei frühgeborenen Kindern wirkt die Schwerkraft vorzeitig seitlich auf die weichen Schädelknochen ein. Manche ehemals frühgeborene Kinder haben daher einen ausgesprochen schmalen, hohen und nach hinten ausgezogenen Kopf.

Fontanelle

Alle Kinder weisen bei der Geburt eine offene vordere Fontanelle auf, die sehr unterschiedlich groß sein kann. Der Fontanellendurchmesser nimmt in den ersten Lebenswochen nach termingerechter Geburt noch leicht zu, um danach abzunehmen (Abb. 2). Die Fontanelle kann während Monaten in ihrer Größe unverändert bleiben, um sich dann innerhalb weniger Wochen zu verschließen. Der Fontanellenschluss stellt sich bei 50 % der Kinder zwischen dem 9. und 18. Lebensmonat ein. Frühestens kann dies bereits mit 3 Monaten und spätestens erst mit 27 Monaten geschehen.

Zahnentwicklung

Die ersten Zähne (Milchzähne) treten bei den meisten Kindern zwischen 5 und 8 Monaten auf. Sie können bereits bei der Geburt vorhanden sein oder aber erst mit 12–18 Monaten erscheinen. Durchschnittlich brechen die Zähne bei Jungen etwas früher durch als bei Mädchen. Die Reihenfolge, in der die Milchzähne am häufigsten auftreten, ist in Abb. 3 dargestellt.

Motorik

Im Verlauf des 1. Lebensjahres befreit sich das Kind aus seiner anfänglichen motorischen Hilflosigkeit. Als Neugeborenes vermag es seine Körperlage kaum zu verändern. 12 Monate später kann es sitzen, aufstehen und beginnt sich im Raum fortzubewegen.

Reflexverhalten

Die Motorik des Säuglings wird von vielen unterschiedlich komplexen Reflexreaktionen mitbestimmt. Ihre Ausprägung ist vom Reifezustand und der neurologischen Integrität des Kindes abhängig. Die Reflexreaktionen, die im 1. Lebensjahr klinisch bedeutsam sind, gibt Abb. 4 in einer Übersicht wieder.

Haltung

Die erste motorische Aufgabe, die sich dem Säugling stellt, ist sich gegen die Schwerkraft zu behaupten. Eine ausreichende Kopf- und Körperhaltung entwickelt sich in den ersten 6 Lebensmonaten (Abb. 5).
In Bauchlage geht der Säugling von einer Flexions- in eine Extensionshaltung über, in Rückenlage verläuft die Entwicklung genau umgekehrt. Wird das Neugeborene zum Sitzen hochgezogen, fehlt ihm die Kraft, den Kopf gegen die Schwerkraft anzuheben (fehlende Kopfkontrolle). Mit etwa 3 Monaten vermag der Säugling, den Kopf mitzunehmen. Mit 5–6 Monaten hebt er den Kopf spontan von der Unterlage ab, wenn er aufgenommen wird. Im Sitzen kann das Neugeborene den Kopf nur für wenige Sekunden aufrecht halten: Der Kopf fällt nach hinten oder vorn. Im Alter von 3 Monaten hält der Säugling den Kopf im Sitzen und vermag ihn seitwärts zu drehen. Mit 6 Monaten kann er auch nach oben und unten blicken.

Lokomotion

Die Fortbewegung setzt zwischen 6 und 12 Monaten ein. 95 % der Kinder können sich am Ende des 1. Lebensjahres auf irgendeine Weise fortbewegen (Abb. 6).
Die motorische Entwicklung verläuft aber keineswegs immer nach einheitlichen Prinzipien, sondern sie zeigt viele verschiedene individuelle Wege (Abb. 7). Beispielsweise kriecht nicht jedes Kind, bevor es sich in den Stand hochzieht und frei läuft. Eine Reihe von Studien haben gezeigt, dass zwischen 3 % und 12 % aller Kinder vor dem freien Gehen weder robben noch kriechen, sondern sich zuerst am Ort drehen und nach einer bestimmten Zeit direkt zum Rutschen oder Rollen wechseln. Diese Kinder lernen meist erst etwas verzögert frei gehen. Bei einem Teil dieser Kinder hat sich ein Elternteil in der gleichen Art und Weise fortbewegt (durch Rutschen, Rollen oder mit Schlangenbewegungen).

Shuffling: eine Normvariante der Lokomotion

Mit Rutschen (im Englischen Shuffling und im Amerikanischen Scooting genannt, Abb. 8) wird eine spezielle Art der Fortbewegung bezeichnet, bei der die Kinder auf dem Gesäß rutschen und dabei symmetrisch oder einseitig mit den Beinen rudern. Es gibt Kinder, die sich auf diese Weise sehr schnell von einem Ort zum anderen fortbewegen können. Die meisten dieser Kinder lernen später als andere Kinder selbstständig zu gehen. Unabhängig davon, wann die Kinder die ersten freien Schritte machen, zeigen sich bei einigen von ihnen im Säuglings- und Kleinkindalter leichte neurologische Auffälligkeiten, z. B. eine muskuläre Hypotonie.
Primär rutschende Kinder mit fehlenden oder nur geringen neurologischen Auffälligkeiten im Säuglings- und Kleinkindalter holen den motorischen Entwicklungsrückstand der ersten Lebensjahre bis ins Schulalter auf. In diesen Fällen kann Rutschen also als Normvariante betrachtet werden. Diese sog. idiopathischen Rutscher müssen allerdings von den symptomatischen Rutschern abgegrenzt werden. Diese Kinder rutschen infolge einer neurologischen Erkrankung (z. B. Muskelschwäche oder Zerebralparese), die weiter abgeklärt werden muss. Die muskuläre Hypotonie ist bei symptomatischen Rutschern ausgeprägter und oft nicht der einzige klinische Befund. Diese Kinder zeigen meist zusätzliche Auffälligkeiten wie verminderte oder gesteigerte Reflexantwort und abnorme Gelenkbeweglichkeit. Wenn die Hypotonie leicht ist und ausschließlich mit einem motorischen Entwicklungsrückstand einhergeht, darf mit einer weiteren Diagnostik zugewartet werden. Der Entwicklungsverlauf der Kinder zeigt an, ob weitere Untersuchungen indiziert sind.

Entwicklungsneurologische Untersuchung beim Säugling

Die entwicklungsneurologische Untersuchung beinhaltet die Beurteilung von Spontanmotorik, Reflexverhalten und Muskeleigenreflexen, Körperhaltung, Kraft, Muskeltonus, visuellem und auditivem Verhalten, Reaktivität sowie allgemeinem Verhalten. Unter Reaktivität versteht man die Reaktion und Anpassungsfähigkeit des Kindes auf Umgebungsreize, die allgemeine Reizbarkeit und die Reaktion auf fremde und bekannte Personen. Beim allgemeinen Verhalten wird das Interesse an Gegenständen, die Stabilität des Verhaltens, Schreien und Beruhigbarkeit untersucht. Die Aussagekraft von Spontanmotorik (general movements), Körperhaltung und Tonus sowie visuellem und auditivem Verhalten ist bezüglich deren prognostischer Bedeutung in der Regel wichtiger als die von Muskeleigenreflexe und von Primitivreflexen. Für die Frage nach zentral oder peripher bedingter muskulärer Hypotonie beim Neugeborenen und Säugling (Floppy infant), ist die Beurteilung von Kraft und Muskeleigenreflexe jedoch bedeutsam.

Entwicklung der Feinmotorik (Greifverhalten)

Zwischen 4 und 12 Monaten reifen die Greiffunktionen heran. Ihnen voraus gehen die folgenden Verhaltensweisen, durch die sich das Kind mit seinen Händen vertraut macht:
1.
Hände in den Mund (Hand-Mund-Koordination). Der Säugling nimmt die Finger in den Mund und saugt daran.
 
2.
Hände betrachten (Hand-Augen-Koordination). Der Säugling führt eine Hand vor das Gesicht, öffnet die Finger, bewegt sie langsam und schaut sie dabei an.
 
3.
Hände betasten (Hand-Hand-Koordination). Der Säugling bringt die Hände zusammen, die sich gegenseitig betasten.
 
Zwischen 4 und 5 Monaten beginnen die Kinder gezielt zu greifen. Der Greifreflex schwächt sich mit dem Auftreten des Greifens immer mehr ab. Die wichtigsten Stadien der Greifentwicklung sind in Abb. 9 und 10 dargestellt.
Während die Kinder Ende des 1. Lebensjahres großes Geschick im Ergreifen von Gegenständen zeigen, bereitet ihnen das Loslassen von Gegenständen noch Mühe. Erst im Verlauf des 2. Lebensjahres werden die Kinder fähig, Gegenstände gezielt loszulassen.

Beziehungs- und Sozialverhalten

In den ersten Lebenswochen wird der Säugling mit den Personen vertraut, die ihn füttern, pflegen, auf den Arm nehmen, mit ihm plaudern und spielen. Er macht die Erfahrung, dass seine Bedürfnisse zuverlässig befriedigt werden. Wenn er Hunger hat und schreit, bekommt er zu trinken. Wenn er sich unwohl fühlt, nicht mehr allein sein will oder nicht einschlafen kann, steht ihm jemand bei. Zu diesen Personen, für die meisten Kinder die Eltern, entwickelt das Kind eine bedingungslose Bindung.
Ein Gefühl von Nähe und Sicherheit ist für das Kind in den ersten Lebensmonaten eine körperliche Erfahrung: gehalten, getragen und bewegt zu werden. Mit 3–4 Monaten beginnt das Kind, vom Körperkontakt langsam unabhängiger zu werden. Es vermag den Kopf im Liegen und Sitzen anzuheben und einige Zeit hochzuhalten. Sein Sehvermögen hat sich so weit entwickelt, dass es die Eltern auf Distanz wahrnehmen und mit den Augen verfolgen kann, wenn sie herumgehen. Mit diesen neu erworbenen Fähigkeiten fühlt sich das Kind auch ohne direkten Körperkontakt den Eltern nahe.
Etwa im gleichen Alter beginnt es, nach Gegenständen zu greifen. Es kann sich nun alleine beschäftigen und ist nicht mehr ausschließlich auf eine Bezugsperson als Spielpartner angewiesen. Das Kind braucht aber nach wie vor die Nähe einer Bezugsperson. Es erwartet, dass diese jederzeit verfügbar ist. Jede Trennung löst Angst aus. Wird das Kind verlassen, reagiert es mit Angst und Verzweiflung und versucht, sich an die Person zu klammern. Neben der Trennungsangst bindet das Fremdeln das Kind zusätzlich an die Bezugspersonen. Mit der Hinwendung zu vertrauten Menschen stellt sich ein zurückhaltendes Verhalten gegenüber Fremden ein. Im Alter von 6–10 Monaten beginnt das Kind, unbekannte Personen abzulehnen. Das Fremdeln ist im 2. und 3. Lebensjahr besonders ausgeprägt. Es schwächt sich in dem Maße ab, wie das Kind emotional selbstständiger und fähiger wird, Kontakt mit anderen Erwachsenen und Kindern aufzunehmen.
Die Trennungsangst und das Fremdeln setzen in dem Alter ein, in dem das Kind beginnt, sich fortzubewegen. Sie sorgen dafür, dass es in der Nähe vertrauter Personen bleibt und sich nicht ständig Gefahren aussetzt. Trennungsangst und Fremdeln binden das Kind an seine Bezugspersonen, die ihm fortan als sichere Basis dienen, von der aus es seine nähere Umwelt erkunden kann (Abb. 11).
Wenn sich die Eltern mit dem Kind beschäftigen, kommt es immer auch zum Austausch von Zärtlichkeiten. Die Mutter lächelt den Säugling an, er lächelt zurück. Die Mutter plaudert mit ihm, der Säugling antwortet mit Lauten. Sie streichelt und liebkost ihn, der Säugling strampelt vor Freude. Dieser emotionale Austausch und das soziale Spiel geben dem Kind ein Gefühl von Vertrautheit und Angenommensein.
Mit etwa 6–8 Wochen erscheint die erste soziale Form des Lächelns: Der Anblick eines menschlichen Gesichts ruft beim zufriedenen Kind zuverlässig ein Lächeln hervor. Dieses erste Lächeln ist noch ziemlich unspezifisch: Der Säugling lächelt vertraute und fremde Personen gleichermaßen an. Das Lächeln wird anfänglich allein durch die Umrisse des menschlichen Kopfs ausgelöst (Abb. 12). So kann auch ein Luftballon ein Lächeln hervorrufen.
In den folgenden Wochen richtet der Säugling seine Aufmerksamkeit zunehmend auf die Augenpartie. Die Augen und Augenbrauen werden als Auslöser des Lächelns bedeutsam. Mit etwa 20 Wochen beginnt die Mundpartie eine Rolle zu spielen. In den folgenden Wochen lächelt der Säugling fremde Personen zunehmend weniger und schließlich überhaupt nicht mehr an. Spätestens mit einem halben Jahr beginnt er, auf den mimischen Ausdruck eines Gesichts zu achten. Er lächelt nur noch ein freundliches Gesicht an. In der sozialen Interaktion mit seinen Bezugspersonen lernt das Kind, das Lächeln und viele andere Verhalten den sozialen Regeln seines Milieus entsprechend einzusetzen.

Ernährungsverhalten

Physiologische Eigenregulation

Verschiedene Studien haben gezeigt, dass die physiologische Regulation von Hunger und Sättigung bereits in den ersten Lebenstagen funktionstüchtig ist. So zeigen bereits 2 Tage alte Säuglinge nach dem Stillen eine Abneigung gegen Milchgeschmack. Sie sind bei Sättigung also weniger an Nahrung interessiert. Hunger- und Sättigungsregulation wie auch der Nahrungsbedarf sind allerdings bereits in den ersten Lebenstagen von Kind zu Kind sehr unterschiedlich ausgeprägt (Abb. 13a). Auch wenn die Nahrungsmenge auf das Körpergewicht bezogen wird, bleiben die Unterschiede zwischen Kindern bestehen (Abb. 13b). Im Alter von 12 Monaten gibt es Kinder, die mit 60 g Nahrung/kg KG auskommen, während andere bis zu 120 g Nahrung/kg KG zu sich nehmen. Große und schwere Kinder essen und trinken nicht notwendigerweise mehr als leichte und kleine.
Die große Variabilität in der Nahrungsmenge ist besonders durch die unterschiedlichen physiologischen Regulationsmechanismen des Energiehaushaltes von Kind zu Kind bedingt. Es zeigen allerdings nur gestillte Säuglinge eine vollständig eigenregulierte Nahrungsaufnahme, während bei flaschenernährten Säuglingen zum großen Teil die Eltern die Kontrolle über die Ernährung haben. Dies könnte ein Grund sein, weshalb flaschenernährte Kinder ein höheres Risiko für die spätere Entwicklung einer Adipositas zeigen. Das Erkennen von kindlichen Sättigungssignalen durch die Bezugspersonen ist darum eine wichtige Voraussetzung, damit das Kind nicht überfüttert wird.
Grundsätzlich gilt: Wenn ein Kind mehr oder weniger parallel zu den Wachstumskurven wächst und es körperlich gesund ist, dann wird sein Bedarf an Energie und Nährstoffen durch eigenregulative Prozesse und eine angemessene Nahrungsmenge gedeckt.
Das Gedeihen eines Kindes lässt sich weniger an der aufgenommenen Nahrungsmenge als an den folgenden Parametern einschätzen:
1.
Aufmerksamkeit und motorische Aktivität
 
2.
Verlaufskurve von Länge und Gewicht und
 
3.
Urin- und Stuhlausscheidung
 
Im Verlauf des ersten Lebensjahrs wird der Nährstoff- und Energiebedarf mit dem rasch zunehmenden Körpergewicht so groß, dass flüssige Nahrung wie Muttermilch oder Säuglingsmilchnahrung allein nicht mehr ausreicht.

Entwicklungsperioden des Essverhaltens

Es gibt gewisse Voraussetzungen für eine erfolgreiche Umstellung von flüssiger auf feste Nahrung (z. B. Reifung des Stoffwechsels, der Verdauung und der oropharyngealen Fähigkeiten). Damit das junge Kind Brei essen kann, muss es in eine aufrechte und einigermassen stabile Position gebracht werden und die Breinahrung schlucken können, ohne sich zu verschlucken.
Einige wenige Kinder können aufgrund ihrer motorischen Voraussetzungen schon mit 3 Monaten Brei essen. Die meisten schaffen es zwischen dem 4. und 7. Monat, einige brauchen bis zum 9. Lebensmonat. Bereits in diesem Alter nehmen die Kinder auch feste Esswaren, wie z. B. Kekse oder Brot in den Mund. Ab dem 1. Geburtstag beginnen die Kinder zu essen, was auf den Familientisch kommt. Speisen müssen aber auch dann immer noch häufig püriert und zerkleinert werden. Spätestens ab diesem Alter ist eine besondere Kindernahrung wie beispielsweise Juniormilchen, auf die auch zuvor verzichtet werden kann, nicht mehr angezeigt. Eine kindsgerechte Erwachsenenernährung ist ausreichend.
Obwohl sensorische Wahrnehmungsprozesse noch unreif sind, können sich Säuglinge in einem gewissen Maße gustatorisch und olfaktorisch an Nahrung gewöhnen. Nahrungsvorlieben von Schwangeren oder Stillenden beeinflussen das intrauterine Milieu und die geschmackliche Vielfalt der Muttermilch. Tatsächlich kommt die Ablehnung neuer Speisen bei ehemals gestillten Kindern weniger häufig vor als bei flaschenernährten Kindern. Für Eltern besteht demnach die Möglichkeit, die beschriebene Gewohnheit des Sich-Hineinschmeckens auszunutzen, um Kinder an eine gesunde und vielfältige Ernährung heranzuführen.

Essverhalten und Kind-Eltern-Interaktion

Die Eltern-Kind-Interaktion spielt für das kindliche Essverhalten eine zentrale Rolle. So müssen die Erwartungen der Bezugspersonen an ein normales Essverhalten den Entwicklungseigenheiten des Kindes angepasst sein. Werden die kindlichen Bedürfnisse bezüglich Hunger und Sättigung von Bezugspersonen nicht erkannt oder sind die Säuglinge wegen einer Erkrankung nicht in der Lage, ihre Bedürfnisse zu signalisieren, so entwickeln sich Fütter- oder Essstörungen. Eine übermäßige Kontrolle der kindlichen Ernährung unterdrückt die Fähigkeit zur Eigenregulation und kann so zu unkontrolliertem Essen des Kindes führen. Besonders wichtig ist die Anerkennung der Autonomiebedürfnisse des Kindes, das bereits um den 1. Geburtstag oder sogar früher zum Selberessen mit den Fingern bereit ist.
Tatsächlich ist das Bestreben nach Autonomie ein bestimmender Faktor in der Entwicklung des Essverhaltens. Bereits in den ersten Lebenswochen ist das Kind in der Lage, Hunger und Sättigung zu signalisieren (1. Phase). Es hat gelernt, die Aufmerksamkeit genügend lang auf das Trinken zu richten. Ein zu wenig oder zu viel an Wachheit, Aktivität und Aufmerksamkeit (Arousal) kann zu einer Fütterstörung führen. In der Zeit zwischen der 6. Lebenswoche und dem 6. Lebensmonat (2. Phase) setzt der Säugling gezielt Mimik und Vokalisation ein und lernt, sich als aktiven Partner in der Fütterinteraktion wahrzunehmen. Die Kommunikation in dieser Phase läuft ausschließlich dyadisch ab, also in der Regel zwischen Mutter und Kind. Zwischen 7. Lebensmonat und Ende des 3. Lebensjahres (3. Phase) beginnt das Kind nach und nach Bedürfnisse auszuhandeln. Zunächst will es Nahrung selbst in der Hand halten und zum Mund führen. Gegen Ende des 1. Lebensjahres verlangt es, den Löffel selber zu halten.

Schlafverhalten

In den ersten Lebenswochen sind die Dauer des Tagschlafs und diejenige des Nachtschlafs etwa gleich groß (Abb. 14). In den folgenden Monaten nimmt die Dauer des Nachtschlafs immer mehr zu, während der Tagschlaf immer kürzer ausfällt. Mit etwa 12 Monaten ist die Umverteilung des Schlafs im Wesentlichen abgeschlossen.
Ursache für diese Umverteilung ist die Reifung der zirkadianen und homöostatischen Prozesse in den ersten Lebensmonaten, welche ihre Funktionen aufeinander abstimmen (Kap. „Grundlagen der kindlichen Entwicklung“). Tatsächlich hängen Entwicklung und Wechselspiel von innerer Uhr und Schlafhomöostase mit dem Schlaf- und Wachverhalten der ersten Lebensjahre eng zusammen. Die Amplitude der 24-Stunden-Rhythmik wird im Verlauf der ersten Lebenswochen immer größer, d. h. die Stärke des zirkadianen Signals nimmt laufend zu (Abb. 15). So erreicht z. B. die Amplitude des Temperaturrhythmus im Alter von 6–12 Wochen bereits ein Maximum. Weil die Körpertemperatur mit dem Aktivitätsgrad und der Wachheit eines Individuums eng gekoppelt ist, wird mit zunehmender Amplitude des Temperaturrhythmus auch die Aktivität und zirkadiane Wachheit (Alertness) im Verlauf der ersten Lebenswochen immer größer.
Experimentelle Studien weisen darauf hin, dass die homöostatische Schlaf-Wach-Regulation im Gegensatz zum zirkadianen Prozess erst später auftritt. Mit anderen Worten: Neugeborene und junge Säuglinge bauen noch keine Schlafschuld während des Wachseins auf und kompensieren längere Wachzeit nicht mit tiefem oder längerem Schlaf. Dieser Befund deckt sich mit der praktischen Beobachtung, dass Neugeborene auch nach einer längeren Wachphase manchmal nur für kurze Zeit schlafen und nachher wieder wach und aktiv sind. Man kann sie deshalb nicht länger wach halten in der Hoffnung auf eine längere Schlafphase danach. Erst das Einsetzen der homöostatischen Regulation im 2. Lebensmonat führt dazu, dass Säuglinge längere Phasen von aufmerksamen Wachzuständen tagsüber und ruhigen Schlafphasen in der Nacht aufrechterhalten können.
Einige Säuglinge schlafen bereits im ersten, 70 % bis zum dritten und 90 % bis zum fünften Lebensmonat durch (gängige Definition von Durchschlafen: 6–8 Stunden ohne Aufwachen). Je weiter die Reifungsprozesse der Schlafhomöostase fortschreiten, desto weniger schlafen die Kinder tagsüber und desto seltener erwachen sie in der Nacht. Im Gegensatz zu größeren Kindern und Erwachsenen zeigen Säuglinge allerdings noch einen sehr raschen Anstieg und Abbau des homöostatischen Prozesses (d. h. der Schlafschuld), was sich in einem polyphasischen Schlafmuster abbildet.
Die Entwicklung von homöostatischer und zirkadianer Regulation verläuft je nach Kind unterschiedlich schnell. Während die Entwicklung der homöostatischen Regulation nicht wesentlich von außen beeinflusst werden kann, so hilft eine Regelmäßigkeit im äußeren Tagesablauf die innere Uhr „einzustellen“. Es gibt Hinweise dafür, dass soziale Zeitgeber (Ernährung, Pflege, Spiel und soziale Kontakte) bei Säuglingen eine ebenso wichtige Rolle spielen wie das Tageslicht. Unter dem Einfluss dieser sozialen Zeitgeber synchronisieren die Kinder ihr Schlaf-Wach-Verhalten innerhalb der ersten Lebensmonate zunehmend mit dem 24-Stunden-Tag-Nacht-Wechsel.

Schreiverhalten

In den ersten Lebensmonaten teilt der Säugling Bedürfnisse wie Hunger, Unwohlsein, Langeweile oder Müdigkeit seiner Umgebung hauptsächlich durch sein Schreien mit. Er schreit aber auch, ohne dass die Eltern eine eindeutige Ursache ausmachen können. In unserer westlichen Gesellschaft weist dieses unspezifische Schreien in den ersten 3 Lebensmonaten einen charakteristischen Verlauf auf (Abb. 16). Es nimmt von der Geburt bis zur 6. Lebenswoche zu, um danach bis zum 3. Lebensmonat wieder abzunehmen. Bei frühgeborenen Kindern bezieht sich dieser Verlauf nicht auf das Geburtsdatum, sondern auf den errechneten Geburtstermin. Ausmaß und Dauer des Schreiens sind von Kind zu Kind unterschiedlich ausgeprägt. Etwa ein Fünftel aller Kinder werden als ausgesprochene Schreikinder oder Bauchkolik-Kinder bezeichnet. In den letzten Jahren deuten verschiedene Studien darauf hin, dass die Darmflora bei Kolik-Kindern anders zusammengesetzt ist als bei nicht vermehrt schreienden Kindern (z. B. geringere Variabilität der Darmflora, vermehrt Proteobakterien, weniger Laktobazillen und Bifidobakterien). Ob sich aus diesen Studien eine therapeutische Konsequenz ziehen lassen wird, ist noch offen.
Charakteristisch für das unspezifische Schreien ist, dass es überwiegend am späteren Nachmittag und in den Abendstunden auftritt (Abb. 17).
Ausgehend vom 2-Prozess-Modell der Schlafregulation (Kap. „Grundlagen der kindlichen Entwicklung“) lässt sich eine interessante These bezüglich der Ursache des unspezifischen Schreiens in den ersten Lebensmonaten postulieren: Die Schlafhomöostase entwickelt sich bei Kindern mit exzessivem oder persistierendem Schreien verzögert oder gestört und ist mit dem zirkadianen Prozess ungenügend abgestimmt. Das Kind zeigt wechselnde Phasen der Übermüdung und Überreizung, schreit gehäuft in den Abendstunden. Es ist nicht in der Lage einen aufmerksamen Wachzustand aufrechtzuerhalten und erwacht mehrfach in der Nacht. Exzessives Schreien scheint in diesem Kontext also ein erhöhter Wachheitsgrad zu sein, der von der inneren Uhr gesteuert wird und welchem die Schlafhomöostase nur gering oder wegen verzögerter Reifungsentwicklung nicht entgegenwirkt.
Wie viel ein Kind schreit, hängt vor allem von seiner Disposition ab und weniger vom elterlichen Verhalten. Erfahrene Eltern wenden meist nicht mehr Zeit für ihr schreiendes Kind auf als unerfahrene. Sie verstehen es aber besser, die richtige Maßnahme in der richtigen Dosierung zum richtigen Zeitpunkt zu ergreifen.
Vermehrtes Herumtragen (mindestens 4 Stunden pro Tag) kann zu einer erheblichen Verminderung des täglichen Schreiens beitragen. Entscheidend dabei ist, dass der Säugling nicht erst aufgenommen wird, wenn er weint, sondern dass das Herumtragen über den Tag verteilt erfolgt. Wiederholter Körperkontakt und häufige Stimulierung der Gleichgewichts- und Bewegungsorgane scheinen eine rhythmisierende Wirkung auf die Körperfunktionen zu haben und damit zu einer Reduzierung der Schreiperioden zu führen. Eltern können die Schreiperioden verkürzen, wenn auch nicht eliminieren, wenn sie die Kinder regelmäßig über den Tag verteilt herumtragen, sich spielerisch mit dem wachen Kind beschäftigen und einen regelmäßigen Tagesablauf einhalten.

Kognitive Entwicklung

Die kognitive Entwicklung des Säuglings und Kleinkindes ist nach Piaget von der sensorischen Wahrnehmung und vom motorischen Handeln geprägt („Begreifen durch Ergreifen“, Abb. 18). Piaget sah motorische Handlungen als Vorläufer für das später verinnerlichte Handeln und damit als Grundlage für die Denkentwicklung des kleinen Kindes. Tatsächlich ist das dominierende Spielverhalten der ersten 12 Monate das Erkunden von Gegenständen. Sie lassen sich von Kind zu Kind zu unterschiedlichen Zeitpunkten beobachten.

Orales Erkunden

Das Kind nimmt Gegenstände zum Mund und untersucht sie bezüglich Größe, Konsistenz, Form und Oberflächenbeschaffenheit. Dabei vermitteln ihm die Sinneskörperchen der Schleimhäute sowie der Zungen- und Lippenmuskeln Eindrücke über die Beschaffenheit des Gegenstandes (taktil-kinästhetische Wahrnehmung). Das orale Erkunden ist das dominierende Erkundungsverhalten bis zum 8. Monat. Nach dem 18. Lebensmonat kommt es kaum mehr vor.

Manuelles Erkunden

Das Kind bewegt den Gegenstand in der Luft hin und her, schlägt ihn auf die Unterlage oder gegen einen anderen Gegenstand, reibt ihn auf der Unterlage und wirft ihn zu Boden. Das Kind gewinnt mit diesem Verhalten wiederum taktil-kinästhetische Informationen über den Gegenstand. Manuelles Erkunden ist charakteristisch für die 2. Hälfte des 1. Lebensjahrs.

Visuelles Erkunden

Ein eigentliches Betrachten von Gegenständen setzt erst im Alter von 8–9 Monaten ein. Vor diesem Alter benützt das Kind die Augen lediglich dazu, einen Gegenstand zu lokalisieren und die Hand zum Gegenstand zu führen. Beim visuellen Erkunden wird der Gegenstand eingehend betrachtet, in den Händen nach allen Seiten gewendet und mit dem Zeigefinger befühlt.

Entwicklung der Merkfähigkeit

Die Merkfähigkeit des Säuglings wird im 1. Lebensjahr immer besser. Während sich das Kind im Alter von 6 Monaten nur für einige Tage an eine motorische Handlung erinnern kann, so ist es im Alter von 1 Jahr bereits in der Lage, sich diese Handlung für einige Wochen zu merken. Die Entwicklung der Merkfähigkeit lässt sich mit dem Auftreten der Objektpermanenz im Alter von etwa 9 Monaten gut beobachten. Bis zu diesem Alter ist ein Gegenstand, der aus dem kindlichen Blickfeld verschwindet, für das Kind nicht mehr vorhanden (Abb. 19). Die zunehmende Gedächtnisleistung erprobt das Kind auf vielfältige Art, eigenständig und im sozialen Spiel (z. B. im Gugus-Dada-Spiel).

Weitere Denkleistungen des Säuglings

Ein Verständnis für kausale Zusammenhänge erschließt sich dem Säugling auf verschiedene Weise, im Umgang mit Gegenständen und Menschen. Im Verlauf des 1. Lebensjahres beginnt das Kind, die Auswirkungen einfacher Handlungen zu begreifen. So erfasst es durch wiederholtes Schütteln der Glocke den Zusammenhang zwischen seinen Handbewegungen und dem Ertönen der Glocke. Gegen Ende des 1. Lebensjahres beginnt das Kind, einfache Handlungen nachzuahmen. Es winkt auf Wiedersehen, klatscht in die Hände und verweigert seine Zustimmung mit Kopfschütteln. Wenn es einen Gegenstand haben möchte, den es nicht erreichen kann, zeigt es darauf, anfänglich mit der ganzen Hand und dann mit dem Zeigefinger.
In neuerer Zeit erklären Theorien der Informationsverarbeitung die kognitive Entwicklung im Säuglingsalter. Dabei werden Prozesse der Informationsverarbeitung als zentrale Voraussetzungen für die Denkleistungen von Säuglingen und Kleinkindern betrachtet. So bildet die kindliche Betrachtungsdauer von bekannten und unbekannten Bildern (die sog. visuelle Habituation und Dishabituation, d. h. die Fähigkeit Unterschiede zwischen Stimuli zu entdecken) die Geschwindigkeit der Gedächtnisbildung und Aufmerksamkeit ab.
Habituationsleistungen von Säuglingen im 1. Lebensjahr sagen die Intelligenz im Schulalter besser voraus als die heute eingesetzten Spielverhaltenstests. Tatsächlich besteht zwischen dem Grad der Spielentwicklung eines normal entwickelten Kindes im 1./2. Lebensjahr und der Intelligenz im Schulalter nur ein schwacher Zusammenhang. Eine verlässliche Voraussage ist darum nicht möglich. Dieser Umstand gilt aber nicht für Kinder mit Entwicklungsrückstand, denn je ausgeprägter ein Entwicklungsrückstand im frühkindlichen Spielverhalten ist, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass das Kind auch zu einem späteren Zeitpunkt in seiner Entwicklung zurück bleibt.

Sprachentwicklung

Im Säuglingsalter ist die Sprachentwicklung in das Beziehungsverhalten eingebettet. Das Gefühlsmäßige der Sprache und die zwischenmenschliche Beziehung sind für den Säugling die wesentlichen Anteile der Kommunikation. Mit 2–3 Monaten beginnt er, auf den Mund der Mutter zu schauen und auf ihre Lippenbewegungen zu achten, wenn sie mit ihm spricht. Der Säugling wendet sich nicht nur gezielt einer Stimme oder einem Geräusch zu. Er kann akustische Reize auch ignorieren; diese Fähigkeit ist insbesondere beim Schlafen von Bedeutung.
In der 2. Hälfte des 1. Lebensjahrs stellt sich ein erstes Verständnis für Wörter ein. Die Wörter bekommen eine konkrete Bedeutung für das Kind, indem es Namen mit Personen in Verbindung bringt. Wenn es mit seinem Namen angesprochen wird, hält es in seinem Spiel inne. Wenn die Mutter eines der Geschwister ruft, sucht es mit seinen Augen nach dem Geschwister. Etwas später setzt das Kind Wörter mit Gegenständen und Situationen in Beziehung und lernt so Milchflasche oder Schnuller beim Namen kennen. Wenn die Mutter Wörter wie „Essen“, „Baden“, „Spazierengehen“ braucht, weiß es, welche Aktivitäten damit gemeint sind. Das erste Sprachverständnis ist in einem hohen Maße an Erfahrungen gebunden: Das Kind „erlebt“ die Wörter. So versteht es anfänglich das Wort „Spazierengehen“ nur im Zusammenhang mit Jacke-und-Mütze-Anziehen und Ins-Wägelchen-gesetzt-Werden. Einige Zeit später ist das Wort allein von ausreichender Bedeutung.
In den ersten Lebensmonaten ist die Lautproduktion eines Kindes unabhängig von seiner sprachlichen Umgebung. Kinder, die in unterschiedlichen Kulturen aufwachsen, bilden die gleichen Laute. Erst ab 6–8 Monaten kommt es zu einer Spezialisierung der Laute, die nur in der Muttersprache vorkommen. Charakteristisch für das Alter von 3–5 Monaten sind Vokale, Blas-, Reib- und freudige Schreilaute. Nach dem 6. Lebensmonat verwendet der Säugling immer häufiger Konsonanten. Er hängt 2 und mehr Silben aneinander, Lautfolgen wie „bah-bah-bah“, „gah-gah-gah“ oder „ogoo-ogoo-ogoo“ entstehen. Mit 7–8 Monaten setzt die Fähigkeit zur unmittelbaren Nachahmung ein. Der Säugling beginnt, Laute nachzuahmen; zuerst nur solche, die er bereits in seinem Repertoire hat, dann auch Laute, die ihm noch nicht vertraut sind. Aus Silbenfolgen wie „mama-mama“ leitet das Kind die ersten Bezeichnungen für seine Eltern ab. Anfänglich gebraucht es „Mama“ und „Papa“ eher zufällig. Nach kurzer Zeit wendet es sie gezielt an.
Gegen Ende des 1. Lebensjahrs drückt das Kind sein Missbehagen immer weniger durch Schreien und immer mehr mit Lauten aus. Wenn es ein Spielzeug haben will, das es nicht erreichen kann, schimpft es; sein Plappern bekommt einen ärgerlichen Unterton. Will es Zuwendung, schreit es nicht mehr, sondern macht sich mit lockenden oder klagenden Lauten bemerkbar.
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