Pneumonie
Autoren
Santiago Ewig

Ambulant erworbene Pneumonie: Labordiagnostik

In der Diagnostik der ambulant erworbenen Pneumonie tragen konventionelle Laborparameter wenig bei; sie lassen im Wesentlichen lediglich eine Neutropenie sowie extrapulmonale Komplikationen erkennen. Serum-Natrium und -Glucose haben zudem prognostische Aussagekraft.
Alte und neue Biomarker wurden zuletzt hinsichtlich ihrer Bedeutung zur Diagnosestellung, innerhalb eines Therapiealgorithmus für tiefe Atemwegsinfektionen ohne spezifische Diagnosestellung, zur Prognose, zur Begrenzung der antimikrobiellen Therapiedauer sowie zur Diagnose einer schweren Sepsis bzw. eines septischen Schocks untersucht. Obwohl diese Studien überwiegend Ergebnisse hervorgebracht haben, die einen Einsatz von Biomarkern unterstützen, bergen sie dennoch eine Vielzahl von methodischen Limitationen.
Eine Implementation von Biomarkern in der Praxis setzt voraus, dass eine Struktur gegeben ist, die eine zeitnahe Verfügbarkeit dieser Parameter sicherstellt, und dass ein Standard etabliert ist, der die korrekte Nutzung der gemessenen Werte vorgibt. Ein erfahrenes klinisches Urteil bleibt in jedem Fall unverzichtbar, scheint im Vergleich zu Biomarkern allein gar mindestens gleichwertig. Aktuell zeichnet sich noch nicht ab, dass in der Behandlung von Patienten mit ambulant erworbener Pneumonie über das CRP hinaus andere Biomarker einen festen Stellenwert gewinnen werden.

Allgemeine Parameter

Die in der Routine bestimmten Laborparameter tragen wenig zur Diagnose einer ambulant erworbenen Pneumonie bei. Eine Leukozytose kann für eine Infektion bzw. Pneumonie sprechen, ist aber wenig spezifisch. Andererseits definieren Leukozyten- bzw. Neutrophilenzahlen unterhalb von 1000 bzw. 500 μg eine Pneumonie unter Immunsuppression (hier unter Neutropenie).
Parameter wie Transaminasen, Nierenretentionsparameter, Elektrolyte und Blutzucker können Ausdruck einer spezifischen Ätiologie (ohne diese valide prädizieren zu können), des Schweregrades der Pneumonie und/oder der Dekompensation einer Komorbidität sein (Tab. 1).
Tab. 1
Bedeutung verschiedener allgemeiner Laborparameter
Parameter
Spezifische Ätiologie
Schweregrad
Dekompensation der Grundkrankheit(en)
Hämoglobin (Anämie)
Hämopytsen/Hämoptoe
Thrombozyten (Thrombozytopenie)
Schwere Sepsis/Schock
Thormbopenie und Thrombozytose (<100.000/μL bzw. >400.000/μL)
Erhöhtes Risiko für Tod
CK
Legionella spp.
Transaminasen, Cholestaseparameter
Legionella spp.
Mycoplasma spp.
Schwere Sepsis/Schock
Akut auf chronische Herzinsuffizienz
Kreatinin
Schwere Sepsis/Schock
Erhöhtes Risiko für Tod
Natrium
Legionella spp.
Streptococcus pneumoniae
Hypo- und Hypernatriämie (<130 bzw. >150 mmol/L)
Erhöhtes Risiko für Tod
Akut auf chronische Herz-, Nieren-, Leberinsuffizienz
Diabetes mellitus
Kalium (Hyper-, Hypokaliämie)
Akut auf chronische Herz-, Nieren-, Leberinsuffizienz
Diabetes mellitus
Erhöhte Serum-Glucose
Abgestuft erhöhtes Risiko für Tod
Diabetes mellitus
Serum-Natrium und Serum-Glucose sind zudem prognostisch aussagekräftig. Je höher der Blutzucker, desto höher steigt das Letalitätsrisiko. Dies ist auch für Patienten gültig, die keine Diabetiker sind (Abb. 1). Allgemein weisen Diabetiker die schlechtere Prognose auf (Abb. 2).

BiomarkerCharakteristik

Biomarker haben zuletzt ein großes Interesse auf sich gezogen. Sie wurden hinsichtlich ihres Prädiktionswertes für die Diagnose, der zugrundeliegenden Erreger bzw. Erregergruppen, ihres prognostischen Wertes, im Rahmen von Therapiealgorithmen sowie für die Therapiesteuerung (Therapieansprechen und Dauer der antimikrobiellen Therapie) evaluiert. Insbesondere das Prokalzitonin (PCT) ist intensiv untersucht worden und hat bereits vielerorts den Einzug in die klinische Praxis gefunden.

C-reaktives Protein (CRP)

Das CRP ist seit langem in der klinischen Routine verankert. Es handelt sich um ein Akute-Phase-Protein; seinen Namen hat das CRP über die Präzipitation mit dem C-Polysaccharid von Streptococcus pneumoniae.
CRP wird im Rahmen der inflammatorischen Antwort in der Leber vor allem über IL-6 gebildet. Bakterielle Infektionen stellen den stärksten, aber keineswegs einzigen Stimulus dar. Funktionell kann das CRP das Komplementsystem aktivieren.
Die Kinetik des CRPs ist relativ träge und erreicht erst in bis zu 24–48 h nach Beginn der Inflammation ihren Höhepunkt. Die Ausschüttung von CRP wird durch Steroide gehemmt.
Cave
Das CRP stellt keinen „Infektparameter“ dar, wie häufig in der Klinik zu hören. Es handelt sich vielmehr um einen Marker einer Inflammation auf infektiöser, aber auch nicht-infektiöser Grundlage.

Procalcitonin (PCT)

Das PCT ist als 116-Aminosäuren-Peptid ein Prohormon ohne eigene hormonelle Aktivität. Es kann über Endotoxine, Zytokine (IL-1β, TNF-α, IL-6) oder die zelluläre Immunantwort (Monozyten, aktivierte Adipozyten) freigesetzt werden. Umgekehrt kann diese über Interferon-γ gehemmt werden.
PCT-Spiegel sind bei Gesunden sehr niedrig, steigen relativ spezifisch bei bakteriellen Infektionen an, weniger bei viralen Infektionen und anderen inflammatorischen Prozessen.
Gegenüber dem CRP zeigt das PCT den Vorteil eines rascheren Anstiegs mit einem Höhepunkt 12–24 h nach Beginn der Inflammation. Die PCT-Ausschüttung wird durch Steroide weniger gehemmt.

Adrenomedullin (ADM)

ADM wird vor allem in Gefäßwänden bzw. Endothelien, glatten Muskelzellen, Fibroblasten, aber auch in der Lunge und in den Nieren und Nebennieren freigesetzt. Die Wirkungen sind sehr vielfältig und komplex und sicherlich noch nicht vollständig verstanden.
Es handelt sich um ein Peptid mit vasodilatatorischer Wirkung; zudem führt ADM zu einer Reduktion des oxidativen Stresses, hat protektive Effekte gegen Hypoxie und inhibiert die Endothelzell-Apoptose. Im Ergebnis führen diese Effekte zu einer protektiven Wirkung gegen Gefäßschäden bzw. gegen Atherosklerose. Darüber hinaus bestehen Hinweise auf angiogenetische Effekte.

Andere Biomarker

MR-pro AVP (Copeptin)

Copeptin ist ein 39-Aminosäuren Peptid mit hormoneller Wirkung, ähnlich dem Vasopressin (ADH). Es stammt aus dem C-terminalen Ende des Prohormons Vasopressin.
Die Wirkung des Copeptins ist noch nicht eindeutig geklärt. Gegenüber dem ADH besteht der Vorteil vor allem in der Stabilität des Copeptins im Serum oder Plasma über bis zu 7 Tage bei Raumtemperatur.

MR-pro ANP

Natriuretische Peptide werden von Herzmuskelzellen auf den Reiz einer erhöhten Wandspannung hin ausgeschüttet. Das atriale natriuretische Peptid (ANP), das B-Typ natriuretische Peptid (BNP) sowie ihre terminalen Fragmente pro-ANP und pro-BNP sind die wichtigsten Substanzen innerhalb dieser Gruppe. BNP hat einen festen Stellenwert in der Diagnostik der Herzinsuffizienz. ANP hat jedoch nur eine sehr kurze Halbwertszeit von 2–5 Minuten, während pro-ANP stabiler ist. MR-pro ANP ist das für die klinische Routine geeignetste Substrat.

CT-pro ET1

CT-pro-Endothelin-1 ist ein stabiler Vorläufer des Endothelin-1. Dabei handelt es sich um stark vasokonstringierende Peptide, die vor allem im Endothel gebildet werden.

D-Dimere

D-Dimere sind Metaboliten, die im Rahmen der Fibrinentstehung freiwerden. D-Dimere haben einen festen Stellenwert im Rahmen der Diagnostik der Lungenembolie.

BiomarkerAussagekraft bei ambulant erworbener Pneumonie

Biomarker zur Diagnose einer ambulant erworbenen Pneumonie

Spezifische Diagnose einer Pneumonie

Inflammatorische Parameter wie die Leukozytenzahl und das CRP sowie das PCT finden sich in der Regel im Vergleich zu Gesunden erhöht und stützen im Gesamtkontext die Diagnose einer ambulant erworbenen Pneumonie.
Verglichen mit der klinischen Diagnose ist der zusätzliche diagnostische Wert der inflammatorischen Parameter sowie des PCT für die Unterscheidung der Pneumonie von anderen Konditionen unter dem Bild einer tiefen Atemwegsinfektion gering. Während etwa das PCT mit einem Trennwert von 0,25 μg/L rechnerisch die Prädiktion einer Pneumonie verbessert, ist es jedoch als solches keineswegs geeignet, unabhängig von klinischen Kriterien allein eine Pneumonie zu diagnostizieren.
Dies gilt insbesondere für die Diagnostik im ambulanten Bereich bzw. für die Prädiktion leichtgradiger Pneumonien.

Biomarker-gestützter Therapiealgorithmus ohne spezifische Diagnosestellung

Im Hinblick auf die evidente antimikrobielle Übertherapie von tiefen Atemwegsinfektionen (insbesondere akute Exazerbationen der COPD) wurde von der Schweizer Arbeitsgruppe um Beat Müller der viel beachtete Ansatz verfolgt, auf eine diagnostische Differenzierung der unterschiedlichen Entitäten innerhalb des Syndroms der „tiefen Atemwegsinfektion“ zugunsten eines PCT-gesteuerten Algorithmus zu verzichten. In einem solchen ist nicht relevant, ob eine akute Bronchitis, eine akute Exazerbation der COPD, eine Influenzavirusinfektion oder eine ambulant erworbene Pneumonie vorliegt, sondern ob über das Signal des Biomarkers eine antimikrobielle Therapie empfohlen werden soll oder nicht (Abb. 3).
Tatsächlich konnte gezeigt werden, dass durch einen solchen Algorithmus (trotz nicht seltenen „overrulings“, also Überstimmen der Biomarker-gestützten Empfehlung) der Anteil der antimikrobiell behandelten Patienten deutlich reduziert werden kann, ohne dass Patienten ohne antimikrobielle Therapie einen schlechteren Ausgang aufweisen – auch nicht solche mit ambulant erworbener Pneumonie.
Dieser Ansatz ist insofern problematisch, als nicht klar ist, was das PCT eigentlich genau misst, so dass unklar bleibt, ob die Reduktion der antimikrobiellen Therapierate nicht lediglich reflektiert, dass die meisten der untersuchten Patienten tatsächlich überhaupt keine antimikrobielle Therapie brauchen. So gesehen könnte man ähnliche Ergebnisse mit jedem beliebigen Parameter erzielen, solange der Schwellenwert für eine Therapie hoch angesetzt wird. Andererseits reicht die Anzahl der untersuchten Patienten mit tatsächlicher ambulant erworbener Pneumonie nicht aus, um die Sorge auszuräumen, dass diese ohne antimikrobielle Therapie einen schlechteren Ausgang nehmen könnten. Schließlich handelt es sich um Monocenter-Studien, die in dieser Form von keiner anderen Gruppe reproduziert worden sind.

Biomarker zur ätiologischen Differenzierung bei ambulant erworbener Pneumonie

Sowohl Leukozyten als auch CRP und PCT zeigen eine (begrenzte) Spezifität für bakterielle Erreger versus Viren auf. Alle inflammatorischen Parameter weisen bei „typischen bakteriellen“ Erregern, speziell Streptococcus pneumoniae, im Mittel höhere Werte auf als alle andere Erregergruppen bzw. einzelne „atypische bakterielle“ Erreger (Abb. 4 und 5). Jedoch sind diese nicht geeignet, beim individuellen Patienten zwischen unterschiedlichen Erregergruppen trennscharf zu differenzieren. Somit kommt Inflammationsparametern keine klinische Relevanz in der Erregeridentifikation zu.

Prognostischer Wert der Biomarker

Eine Reihe von Biomarkern haben eine gute bis sehr gute prognostische Aussagekraft gezeigt, darunter PCT, MR-pro AVP (Copeptin), MR-pro ANP, MR-pro ADM, CT-pro ET1 sowie D-Dimere. Demgegenüber sind Leukozyten und CRP als prognostische Parameter nicht aussagekräftig.
Innerhalb der Biomarker erwies sich das MR-pro ADM (Adrenomedullin) als bester Prognoseparameter (Abb. 6). Alle Prognoseparameter, so auch MR-pro ADM, zeigen die besten Prädiktionen, wenn sie mit einem klinischen Score, z. B. dem CRB-65, kombiniert werden (Abb. 7).
Schließlich sind auch die Serum-Glucose und das freie Cortisol potente und unabhängige Prädiktoren eines letalen Ausgangs einer ambulant erworbenen Pneumonie (Abb. 8). Auch das Cortisol zeigt die besten Prädiktionswerte zusammen mit dem klinischen CRB-65 Score.
Allerdings muss einschränkend erwähnt werden, dass die Trennwerte für einen schlechten Ausgang mitunter in den Studien unterschiedlich sind und nicht in unabhängigen Populationen validiert bzw. standardisiert worden sind. Zudem konnte gezeigt werden, dass zumindest die Biomarker CRP und PCT ihre prognostische Potenz nach antimikrobieller Vorbehandlung weitgehend einbüßen.

Biomarker zur Bestimmung des Therapieansprechens

Inflammatorische Parameter können eingesetzt werden, um das Therapieansprechen zu überprüfen. Dies gilt sowohl für das CRP als auch für das PCT bei stationären Patienten, im ambulanten Bereich wurde nur das PCT hinreichend untersucht. Beide Parameter können 72 h nach Beginn der antimikrobiellen Therapie bestimmt werden; ein Abfall gegenüber dem Ausgangswert zeigt ein Therapieansprechen an, umgekehrt sollte ein fehlender Abfall Anlass geben, das Bestehen eines Therapieversagens zu erwägen und ggf. entsprechende diagnostische und therapeutische Maßnahmen einzuleiten.
Cave
Der Wert des CRPs kann aufgrund seiner trägeren Kinetik zum Zeitpunkt des Therapiebeginns noch im Aufstieg begriffen und zum Kontrollzeitpunkt noch nicht hinreichend gefallen sein. Dies bedeutet – bei klinischer Stabilität – noch kein Therapieversagen. In diesen Fällen sollte eine dritte Bestimmung weitere 48 h später erfolgen.
Sehr hohe Werte sowohl von CRP als auch PCT stellen einen Risikofaktor für ein Therapieversagen nach 48 h dar. Bei schweren Pneumonien stellt ein Abfall des CRP-Wertes von <60 % nach 72 h und <90 % nach 7 Tagen einen Risikofaktor für eine inadäquate Therapie dar.
Merke
In der Praxis sollte einer der beiden Parameter (CRP oder PCT) bestimmt werden. Die Bestimmung beider Parameter erbringt keine zusätzlichen Informationen.

Biomarker zur Bestimmung der Therapiedauer

Durch den Einsatz von PCT-gesteuerten Algorithmen kann die antimikrobielle Therapiedauer von Patienten mit ambulant erworbener Pneumonie verkürzt werden. Die Ergebnisse eines solchen Algorithmus sind jedoch strikt abhängig vom Vorgehen in der Kontrollgruppe. Vergleicht man diese mit der angemessenen Standardtherapie von 7 Tagen, so finden sich in der Therapiedauer allenfalls Unterschiede in beiden Gruppen von ca. einem bis anderthalb Tagen.
Merke
Ein PCT-gesteuerter Algorithmus ist nicht geeignet, die Therapiedauer relevant zu verkürzen, sofern die 7-Tages-Regel beachtet wird.

Biomarker zur Diagnose einer schweren Sepsis bzw. eines septischen Schocks

Das PCT ist bei hospitalisierten Patienten ein Prädiktor für eine schwere Sepsis bzw. einen septischen Schock. Dabei liegt der Referenzwertbereich deutlich höher als im Rahmen der Diagnostik tiefer Atemwegsinfektionen (schwere Sepsis/septischer Schock ab 2 μg/L). Zuweilen werden extrem hohe Werte im drei- bis vierstelligen Bereich gefunden). Hohe Werte gehen mit einer schlechteren Prognose einher.
Allerdings muss mit ca. 20 % falsch negativen und positiven Ergebnissen gerechnet werden. Zudem kann das PCT nicht hinreichend sicher zwischen infektiöser und nicht-infektiöser Inflammation im Rahmen der Sepsis unterscheiden. Das PCT muss daher auch im intensivmedizinischen Setting im Kontext aller sonstigen Befunde interpretiert werden.

Kritische Wertung

Bis heute ist für viele Biomarker nicht eindeutig geklärt, welche Rolle diese eigentlich in der Pathophysiologie der Pneumonie spielen und welchen Prozess erhöhte Werte reflektieren. Während CRP und D-Dimere Teil der Entzündungsreaktion sind, ist die Bedeutung der Biomarker PCT, aber auch MR-ADM, MR-pro AVP (Copeptin), MR-pro ANP und CT-pro ET1 weniger eindeutig. Obwohl die Schlussfolgerung naheliegt, dass die prognostische Potenz der kardiovaskulären Marker MR-ADM, MR-pro AVP, MR-pro ANP und CT-pro ET1 die kardiovaskulären Komplikationen der Pneumonie reflektiert, ist dies nicht sicher belegt.
Trotz zum Teil beeindruckender Ergebnisse in einer Reihe von Studien bleibt die Bedeutung der Biomarker in der klinischen Praxis begrenzt. Zu beachten ist auch der weitgehende Verlust der prognostischen Potenz der Biomarker (CRP und PCT) nach einer antimikrobiellen Vorbehandlung.
Insbesondere in der ambulanten Praxis sind neue Biomarker praktisch nicht angekommen. Dies gilt auch für die für die Praxis potentiell attraktiven Biomarker-gestützten Therapiealgorithmen. Dies ist nicht zuletzt auf die fehlende Verfügbarkeit bzw mangelnde Validität. Validität von Schnelltests zurückzuführen, aber natürlich auch auf Mängel in der Infrastruktur sowie auf die Kosten. Zudem handelt es sich um komplexe Konstruktionen, denen ein hohes Maß an Skepsis und Widerstand entgegengebracht wird. Gerade im ambulanten Bereich können jedoch Biomarker-gestützte Therapiealgorithmen hilfreich sein, indem sie die Häufigkeit der inadäquaten Verschreibung von antimikrobiellen Substanzen verringern.
Im Krankenhaus ist das CRP etabliert, während die Verbreitung des PCT sehr unterschiedlich ist. Andere Biomarker haben das Stadium der Evaluation noch nicht verlassen.
Cave
Zu warnen ist auf jeden Fall vor einem unkritischen „Glauben“ an Biomarker, insbesondere an das PCT. Biomarker müssen wie jeder andere Befund im klinischen Kontext kritisch interpretiert werden und dürfen keinesfalls als eindeutige Handlungsanweisungen missverstanden werden. Auch innerhalb von Biomarker-gestützten Therapiealgorithmen ist das „overruling“, d. h. die Überstimmung der durch das Ergebnis vorgeschlagenen Handlung im Falle eines konträren klinischen Urteils, konstitutiv vorgesehen!
Tabelle 2 gibt einen Überblick, wie die drei zur Zeit wichtigsten Biomarker sinnvoll eingesetzt werden können. Die prognostische Aussagekraft des ADM ist noch nicht vergleichend mit derjenigen der Serum-Glucose untersucht worden.
Tab. 2
Möglicher Einsatz von Biomarkern in der klinischen Praxis
Biomarker
CRP
PCT
ADM
 
Amb
Stat
Amb
Stat
Amb
Stat
Diagnose Pneumonie
(+)
(+)
(+)
(+)
Prädiktion Erregergruppen im individuellen Fall
Prognose Pneumonie
(+)
+
++
Überprüfung Therapieansprechen
(+)
++
(+)
++
Steuerung antimikrobielle Therapiedauer
+
Sepsis-Diagnose
+
Biomarker-gestützter Therapiealgorithmus
++
+
(+) = Einsatz fraglich bzw. Aussage limitiert oder nicht belegt; + = Einsatz möglich und belegt; ++ = Einsatz sinnvoll und belegt
Amb = im ambulanten Setting; Stat = im stationären Setting

Weiterführende Literatur

Eine der wenigen Arbeiten, die sich mit Auffälligkeiten in der klinischen Laborroutine bei bakteriellen Pneumonien beschäftigt. Hypokaliämie, Hypokalzämie, Hypophosphatämie und Hyperalbuminänie erwiesen sich dabei als Prädiktoren einer schweren Verlaufsform:
  • Sankaran RT, Mattana J, Pollack S, Bhat P, Ahuja T, Patel A, Singhal PC (1997) Laboratory abnormalities in patients with bacterial pneumonia. Chest 111:595–600
Verblüffend kleine und einfache Studie, die zeigt, was andere große Studien bestätigen konnten: das CRP ist als Marker zur Unterscheidung von akuter Exazerbation der COPD und ambulant erworbener Pneumonie ebenso geeignet wie bei letzterer Gruppe zur Überprüfung des Therapieansprechens:
Überzeugender Beleg für den Wert der CRP-Bestimmung zur Überprüfung des Therapieansprechens auch bei Patienten mit schweren ambulant erworbenen Pneumonien:
  • Bruns AHW, Oosterheert JJ, Hak E, Hoepelman AIM (2008) Usefulness of consecutive C-reactive protein measurements in follow-up of severe community-acquired pneumonia. Eur Respir J 32:726–732
Eine Reihe von Arbeiten aus dem CAPNETZ zu Biomarkern bzw. Hormonen bei Patienten mit ambulant erworbener Pneumonie:
  • Krüger S, Ewig S, Giersdorf S, Hartmann O, Frechen D, Rohde G, Suttorp N, Welte T and the CAPNETZ study group (2015) Dysnatremia, vasopressin, and atrial natriuretic peptide in patients with community-acquired pneumonia. Results from the German competence network CAPNETZ 2014. Resp Med 108:1696–1705
  • Lepper PM, Ott S, Nüesch E, von Eynatten M, Schumann C, Pletz MW, Mealing NM, Welte T, Bauer TT, Suttorp N, Jüni P, Bals R, Rohde G; German Community Acquired Pneumonia Competence Network (2012) Serum glucose levels for predicting death in patients admitted to hospital for community acquired pneumonia: prospective cohort study. BMJ 344:e3397
  • Krüger S, Ewig S, Papassotiriou J, Kunde J, Marre R, von Baum H, Suttor N, Welte T; CAPNETZ Study Group (2009) Inflammatory parameters predict etiologic patterns but do not allow for individual prediction of etiology in patients with CAP: results from the German competence network CAPNETZ. Respir Res 10:65
  • Krüger S, Ewig S, Kunde J, Hanschmann A, Marre R, Suttorp N, Welte T; CAPNETZ Study Group (2009) C-terminal provasopressin (copeptin) in patients with community-acquired pneumonia – influence of antibiotic pre-treatment: results from the German competence network CAPNETZ. J Antimicrob Chemother 64:159–162
  • Krüger S, Ewig S, Kunde J, Hartmann O, Suttorp N, Welte T; CAPNETZ Study Group (2010) Pro-atrial natriuretic peptide and pro-vasopressin for predicting short-term and long-term survival in community-acquired pneumonia: results from the German Competence Network CAPNETZ. Thorax 65:208–214
  • Krüger S, Ewig S, Giersdorf S, Hartmann O, Suttorp N, Welte T; GermanCompetence Network for the Study of Community Acquired Pneumonia (CAPNETZ) Study Group (2010) Cardiovascular and inflammatory biomarkers to predict short- and long-term survival in community-acquired pneumonia: results from the German Competence Network, CAPNETZ. Am J Respir Crit Care Med 182:1426–1434
  • Kolditz M, Höffken G, Martus P, Rohde G, Schütte H, Bals R, Suttorp N, Pletz MW; CAPNETZ Study Group (2012) Serum cortisol predicts death and critical disease independently of CRB-65 score in community-acquired pneumonia: a prospective observational cohort study. BMC Infect Dis 12:90
  • Krüger S, Ewig S, Kunde J, Hartmann O, Marre R, Suttorp N, Welte T; CAPNETZ Study Group (2010) Assessment of inflammatory markers in patients with community-acquired pneumonia-influence of antimicrobial pre-treatment: results from the German competence network CAPNETZ. Clin Chim Acta 411:1929–1934
Methodisch beste Arbeit zur Reduktion der Dauer der antimikrobiellen Therapie durch Biomarker. Zwar gelingt der Nachweis, dass eine Biomarker-gesteuerte Strategie eine Verkürzung der Therapiedauer ermöglicht, jedoch nicht in Bereiche, die relevant außerhalb der ohnehin angestrebten Limitation auf maximal 7 Tage liegen:
  • Bouadma L, Luyt CE, Tubach F, Cracco C, Alvarez A, Schwebel C, Schortgen F, Lasocki S, Veber B, Dehoux M, Bernard M, Pasquet B, Régnier B, Brun-Buisson C, Chastre J, Wolff M; PRORATA Trial Group (2010) Use of procalcitonin to reduce patients' exposure to antibiotics in intensive care units (PRORATA trial): a multicentre randomised controlled trial. Lancet 375:463–474