Pneumonie
Autoren
Santiago Ewig und Matthias Bollow

Ambulant erworbene Pneumonie: Radiologische Bildgebung

Der Nachweis einer neu aufgetretenen Verschattung in der Röntgen-Thoraxaufnahme ist für die Diagnose einer ambulant erworbenen Pneumonie von zentraler Bedeutung. Die Untersucher-Variabilität der Röntgen-Thoraxbefunde ist jedoch erheblich, insbesondere bei diskreteren Befunden.
Drei wesentliche Verschattungsmuster sind zu unterscheiden: die Konsolidierung, die Matt- bzw. Milchglasverschattung und die retikuläre Verschattung. Darüber hinaus kann man Lobär- und Bronchopneumonien sowie interstitielle Pneumonien unterscheiden.
Während einzelne Verschattungs- und Pneumonietypen auch bestimmten Erregern zugeordnet werden können, sind diese Zuordnungen weder sensitiv noch spezifisch.
Die Rückbildungszeiten der Infiltrationen sind abhängig vom initialen Schweregrad und von den zugrundeliegenden Erregern und betragen zwischen 14 Tagen und drei Monaten. Die CT-Untersuchung des Thorax ist nur in begründeten Ausnahmefällen indiziert. Demgegenüber nimmt die Bedeutung der Thorax-Sonographie zu, da sie differentialdiagnostisch aussagekräftig ist und beliebig wiederholt werden kann.

Röntgen-Thoraxaufnahme

Allgemeines

Für eine Sicherung der Arbeitsdiagnose einer ambulant erworbenen Pneumonie ist der Nachweis eines (neu aufgetretenen) Infiltrats in einer Röntgen-Thoraxaufnahme erforderlich. Diese sollte immer in zwei Ebenen angefertigt werden.
Die alleinige p.a.-Aufnahme weist besonders im retrokardialen Bereich einen „blinden Fleck“ auf. Daher können Infiltrate übersehen oder in ihrem Ausmaß erheblich unterschätzt werden (Abb. 1).

Befunde in der Röntgen-Thoraxaufnahme

Verschattungsmuster

Die Verschattungsmuster der Pneumonie in der Röntgen-Thoraxaufnahme umfassen die Konsolidierung, die Matt- bzw. Milchglasverschattung sowie die retikulonodulären Verschattungen (Tab. 1).
Tab. 1
Pneumonietypen in der Röntgen-Thoraxaufnahme
Pneumonietyp
Pathologisch-anatomisches Korrelat
Verschattungsmuster und weitere Besonderheiten
Lobärpneumonie
Zentripetal fortschreitende Entzündung in den Alveolen;
Ausbreitung über Atemwege und Kohn´sche Poren
Ausbreitung über den Lungenlappen, respektiert keine Segmentgrenzen
Konsolidierendes Muster
Aerobronchogramm
„bulging fissure sign“ (Lappenvolumenzunahme)
Bronchopneumonie
Ausbreitung über die Bronchien und benachbarte Alveolen
Ausbreitung (multifokal) über mehrere Segmente,
respektiert keine Lappengrenzen
Fleckschatten
Noduli
Umschriebene Konsolidierungen
Milchglasverschattungen
Lappenvolumenverminderung
Interstitielle Pneumonie
Ausbreitung über Alveolarsepten, kleine Atemwege, Alveolen
Retikulo-noduläres Muster
Milchglasverschattungen
Unter einer Konsolidierung versteht man eine vollständige Verschattung des Lungenparenchyms, so dass Gefäße und Bronchien nicht mehr erkennbar sind. Synonym wird der Begriff der „alveolären Verschattung“ verwendet.
Die Matt- bzw. Milchglasverschattung hingegen lässt durch die Verschattung hindurch noch eine Gefäßstruktur erkennen.
Schließlich zeichnet sich die retikulonoduläre Verschattung durch ein Netzmuster zusammen mit kleinen Knötchen (Noduli) aus.
Nicht selten werden Mischbilder dieser drei Verschattungsmuster gesehen (Abb. 2)
Alle drei Verschattungsmuster können mit vergrößerten hilären und/oder mediastinalen Lymphknotenvergrößerungen sowie Pleuraergussbildungen einhergehen.

Pneumonie-Typen

Es werden drei radiologische Manifestationen der Pneumonie unterschieden, die Lobärpneumonie, die Bronchopneumonie sowie die interstitielle Pneumonie, die die genannten Verschattungsmuster in unterschiedlicher Intensität und Kombination beinhalten.
a) Die Lobärpneumonie hat ihr pathologisch-anatomisches Korrelat in einem ausgedehnten entzündlichen Exsudat innerhalb der Alveolen. Die Ausbreitung der exsudativen Inflammationsreaktion breitet sich zentripetal über Atemwege und Kohn´sche Poren (feinste Poren in den Alveolarsepten, die benachbarte Alveolen miteinander verbinden) ohne Respektierung von Segmentgrenzen aus und führt zu homogenen Konsolidierungen des gesamten Lungenlappens oder Teilen des Lappens. Charakteristisch ist die scharfe Lappenbegrenzung der Verschattung.
Ein Charakteristikum der Lobärpneumonie ist das Aerobronchogramm. Dieses kommt durch die Demarkierung von luftgefüllten Bronchien zustande, die von mit Exsudat gefüllten Bronchien umgeben sind. Das Aerobronchogramm ist allerdings kein spezifisches Zeichen einer Lobärpneumonie; differentialdiagnostisch sind Atelektasen, Blutungen sowie das Lungenödem zu berücksichtigen.
Ein weiteres Zeichen der Lobärpneumonie ist das „bulging fissure sign“, eine konvexe Vorwölbung der Lappenspalten durch die Volumenzunahme des betroffenen Lungenlappens.
b) Die Bronchopneumonie breitet sich zunächst entlang der größeren Atemwege aus; dies geschieht häufig multifokal. Es resultiert eine bronchiale sowie peribronchial-alveoläre Entzündung. Wandverdickung der Bronchien und exsudative Entzündung der Alveolen summieren sich zu Fleckschatten, Noduli, umschriebenen Konsolidierungen und Matt- bzw. Milchglasverschattungen. Diese halten sich an die Grenzen der Segmente, nicht jedoch der Lappen. Meist erstreckt sich die Bronchopneumonie über mehrere Lungenlappen.
Ein Aerobronchogramm findet sich nicht, da die Atemwege durch entzündliches Material verlegt sind; dies bedingt auch die Tendenz zur Lungenvolumenminderung.
c) Die interstitielle Pneumonie schließlich ist durch eine Entzündung mit Schwerpunkt in den Alveolarsepten gekennzeichnet. Kleine Atemwege und Alveoli sind in der Regel mitbeteiligt. Es dominiert das retikulonoduläre Verschattungsmuster, zuweilen kommen Matt- bzw. Milchglasverschattungen hinzu.
Die wesentlichen Charakteristika der drei Pneumonietypen sind in Tab. 1 zusammengefasst.
Eine Sonderform der Pneumonie ist die Aspirationspneumonie. Diese manifestiert sich in der Regel als Bronchopneumonie, aber auch als Lobärpneumonie mit Einschmelzung und Abszessbildung. Charakteristischerweise sind die abhängigen Lungensegmente betroffen (rechts häufiger als links; S2, 6, 10) (Abb. 3).
Die „Rundpneumonie“ manifestiert sich als gerundete Konsolidierung, überwiegend im posterioren Unterlappen, und muss differentialdiagnostisch vom Lungentumor unterschieden werden.

Reliabilität der Röntgen-Thoraxaufnahme

Die Röntgen-Thoraxaufnahme gilt als Goldstandard für die Diagnose einer ambulant erworbenen Pneumonie. Dennoch haben Untersuchungen gezeigt, dass eine erhebliche Interobserver-Variabilität in der Detektion und Beschreibung von Infiltraten bei Patienten mit entsprechendem Verdacht besteht. Dies gilt insbesondere in Fällen mit nur geringer Symptomatik und häufig entsprechend diskreten bzw. fraglichen Infiltraten.
In einer entsprechenden Untersuchung fand sich eine vollständige Übereinstimmung der Befunde zweier Radiologen in knapp 60 %, eine vollständige Divergenz in 1,4 % der Fälle (Tab. 2). Eine Übereinstimmung in der Beurteilung, ob ein- oder beidseitige Infiltrate vorlagen, bestand in 41,5 % bzw. 33,9 %, über das Vorhandensein eines Pleuraergusses in 10,7 % (vorhanden) bzw. 73,2 % (nicht vorhanden). Noch geringer war die Übereinstimmung über Verschattungsmuster und das Vorliegen von Aerobronchogrammen. Diese Daten belegen die Grenzen der Röntgen-Thoraxaufnahme für die Sicherung der Arbeitsdiagnose Pneumonie.
Tab. 2
Reliabilität der Pneumoniediagnose in der Röntgen-Thoraxaufnahme. Die fettgedruckten Zahlen zeigen die vollständige Übereinstimmung (Summe = 57,7 %, kappa = 0,38 (95 % KI 0,31–0,46) (nach: Albaum et al. 1996)
n = 282
70 % leichtgradige Pneumonien
Radiologe 1
Radiologe 2
%
Keine Pneumonie
Möglich
Wahrscheinlich
Sicher
Keine Pneumonie
6
6,7
1,8
0
Möglich
2,5
7,4
5,7
2,1
Wahrscheinlich
2,1
3,5
7,1
5,3
Sicher
1,4
3,9
7,1
37,2
Cave
Der Befunder sollte auf der Basis der klinischen Information „Verdacht auf ambulant erworbene Pneumonie“ eine Aussage darüber treffen, ob Verschattungen vorliegen oder nicht, nicht aber, wie immer wieder geschieht, durch Nachfrage, ob Fieber vorliegt oder nicht – diese Nachfrage ist aus oben ausgeführten Gründen inhaltlich fragwürdig und erhöht nicht (wie beabsichtigt) die Vortest-, sondern die Irrtumswahrscheinlichkeit des Befundes.

Typische Verschattungsmuster bei verschiedenen Erregern

Grundsätzlich gilt, dass es nur typische, aber keine spezifischen Verschattungsmuster verschiedener Erreger gibt.

Streptococcus pneumoniae

Das klassische Verschattungsmuster der Pneumokokken-Pneumonie ist ein konsolidierendes im Sinne einer Lobärpneumonie. Die Abb. 4, 5, 6, 7, 8, 9, 10, 11, 12, 13, 14 und 15 lassen erkennen, dass jeder Lungenlappen befallen sein kann.
Schwere Pneumokokken-Pneumonien schreiten häufig rasch fort (Abb. 13). Dies kann an einer fortschreitenden unkontrollierten Inflammationsreaktion liegen; in diesem Fall geht die radiologische Progredienz mit einem Therapieversagen einher. Alternativ kann die Zunahme der Verschattung lediglich eine verzögerte Sichtbarmachung einer vorhandenen, aber kontrollierten Infektion bzw. Inflammation reflektieren; in diesem Fall liegt kein Therapieversagen vor.
Cave
Eine Zunahme der Verschattung kann nur im Kontext der klinischen Situation korrekt interpretiert werden!
Begleitende Ergussbildungen, auch komplizierte parapneumonische Ergüsse und Empyeme sind nicht selten (Abb. 12).
Alle diese Befunde sind ausgeprägter bei bakteriämisch verlaufenden Pneumokokken-Pneumonien.
Seltener manifestieren sich Pneumokokken-Pneumonien als Bronchopneumonien (Abb. 14). In diesem Fall zeigen sich retikulo-noduläre Infiltrate, besonders in den Unterlappen.

Viren

Die Influenzavirus-Pneumonie manifestiert sich typischerweise als interstitielle Pneumonie mit retikulonodulärem Verschattungsmuster. Kommt es jedoch zur bakteriellen Superinfektion, sind Lobär- oder Bronchopneumonien mit Konsolidierungen und Matt- bzw. Milchglasverschattungen möglich (Abb. 16 und 17).

Legionella spp.

Pneumonien durch Legionellen teilen dieselben Befundmuster wie Pneumokokken. Sie sind am häufigsten durch konsolidierende Verschattungen gekennzeichnet (Abb. 18, 19 und 20). Diese können auch einschmelzen bis hin zu Abszessbildungen. Ergüsse sind ebenfalls häufig und bilden sich nicht selten erst im Verlauf.
Ein weiteres Charakteristikum sind rasch progrediente Infiltrate auch unter adäquater Therapie (Abb. 20). Diese gehen (wie bei Pneumokokken) nicht in jedem Fall auch mit einer klinischen Verschlechterung einher.
Cave
Es gibt keine differenten Verschattungsmuster zwischen Pneumokokken und Legionellen. Allein dies macht eine Differentialtherapie auf bildgebender Grundlage unmöglich!

Mykoplasmen und Chlamydien

Mykoplasmen-Pneumonien präsentieren sich typischerweise durch ein interstitielles Infiltrat, vornehmlich im Sinne eines retikulonodulären Verschattungsmusters (Abb. 21 und 22). Chlamydophila pneumophila stellt sich entsprechend dar. Beide Erreger können in der Röntgen-Throaxaufnahme jedoch auch bronchopneumonisch imponieren.

Haemophilus influenzae

Diese präsentieren sich meist als Bronchopneumonie (Abb. 23, 24, 25 und 26). Haemophilus influenzae gehört zu den bevorzugten Erregern der Atemwegsinfektionen. Zuweilen summieren sich ausgeprägte Bronchiolitiden zu fleckförmigen Verschattungen, obwohl streng genommen noch keine Pneumonie vorliegt.

Staphylococcus aureus

Die Variabilität der Verschattungsmuster ist groß und kann alle drei Hauptmuster umfassen (Abb. 27). Charakteristisch, wenngleich weder sensitiv noch spezifisch sind multiple Fleckschatten, die Neigung zur Einschmelzung bzw. Abszessbildung, Pneumatozelen und die Ausbildung eines Pneumothorax.

Klebsiella pneumoniae

Klebsiellen-Pneumonien weisen häufiger multilobäre Infiltrate auf. Die Infiltrate sind Oberlappen-betont und konsolidierend oder entsprechen Matt- bzw. Milchglasverschattungen (Abb. 28 und 29). Allerdings kann jeder Lungenlappen betroffen sein.
Das „bulging fissure sign“ soll bei Klebsiellen-Pneumonien häufiger vorkommen, ist jedoch keinesfalls spezifisch.
In etwa der Hälfte der Fälle liegt ein Abszess vor. Ergüsse sind ebenfalls häufig, in bis zu einem Drittel der Fälle entwickelt sich ein Empyem.

Escherichia coli

Hier findet sich häufig ein fleckförmiges Infiltratmuster der Bronchopneumonie in beiden Unterlappen, aber es kommen auch Milchglasverschattungen vor (Abb. 30, 31 und 32). Abzess- und Empyembildung sind ebenfalls häufig anzutreffen.

Pseudomonas aeruginosa

Die Pseudomonas-Pneumonie wird in ihrer Manifestation häufig überlagert von der meist vorhandenen Lungengrunderkrankung (COPD oder Bronchiektasen). Meist liegt eine Bronchopneumonie mit fleckförmigen Verschattungen vor. Die Pseudomonas-Pneumonie ist häufig rasch progredient, es kommt dabei zu homogenen Verschattungen, Einschmelzungen und Kavitationen.

Synopsis: Vergleiche verschiedener Ätiologien

Vergleicht man die Verschattungsmuster, die mit verschiedenen Erregern einhergehen, so können keine spezifischen Muster identifiziert werden. Versuche, Prädiktionsregeln für bestimmte Erreger zu generieren, sind entsprechend gescheitert.
Eine mögliche Ausnahme kann die Mykoplasmen-Pneumonie beim jungen Patienten sein, sofern sie sich auch klinisch in typischer Weise präsentiert. Dennoch ist es möglich, bestimmte Erreger mit Häufungen bestimmter Verschattungsmuster und der Tendenz zur raschen Zunahme der Verschattung in Verbindung zu bringen. Diese Assoziationen sind in Tab. 3 zusammengefasst.
Tab. 3
Assoziationen von Verschattungsmustern und -ausbreitungen mit Erregern. Dargestellt sind Ränge der Häufigkeitsverteilung (nach Macfarlane et al. 1984)
Erreger
Homogene Verschattung
Multilobäre Ausbreitung
Lymphadenopathie
Rasche Progredienz der Verschattung
Streptococcus pneumoniae
3
2
2
3
Streptococcus pneumoniae (bakteriämischer Verlauf)
2
1
1
2
Legionella pneumophila
1
3
3
1
Mycoplasma pneumoniae
4
4
4
1
4
Chlamydia psittaci
4
4
5
5

Die Röntgen-Thorax-Liegendaufnahme

Bei einigen Patienten mit schwerer ambulant erworbener Pneumonie muss auf eine Röntgen-Thorax-Liegendaufnahme zurückgegriffen werden. Diese weist eine Reihe von erheblichen Nachteilen auf, darunter die Verbreiterung des Herzens (mit Reduktion des beurteilbaren Lungenvolumens) sowie das Fehlen einer zweiten Ebene (mit „toten Ecken“ vor allem links dorsal des Herzens). Eine linksseitige basale Pneumonie geht in der Liegendaufnahme mit einer Trübung des Zwerchfellschattens einher.
In Zweifelsfällen kann daher eine CT des Thorax (ohne Kontrastmittel) indiziert sein.

Die Dynamik der Rückbildung von Verschattungen

Die Rückbildung der Verschattungen im Rahmen einer ambulant erworbenen Pneumonie unterliegt einer Reihe von Einflussfaktoren, darunter Alter, Raucherstatus, Komorbidität, Schweregrad der Pneumonie und Erreger.
Grundsätzlich gilt: je älter der Patient, je komorbider und je ausgedehnter die Pneumonie, desto länger die Rückbildungszeiten. Das Rauchen ist ebenfalls ein nachteiliger Faktor. Es kommen jedoch noch erregerspezifische Faktoren hinzu. Dabei benötigen Verschattungen durch Legionella spp. und Pneumokokken (besonders mit Bakteriämie) länger als solche mit anderen „atypischen“ Erregern wie Mykoplasmen oder Chlamydien (Abb. 33).
Diese Zusammenhänge begründen, warum kurzfristige Kontrollen des Röntgen-Thoraxbildes bei einem Patienten, der auf die Therapie anspricht, nicht indiziert sind.
In der Literatur wird kontrovers diskutiert, ob überhaupt Kontrollaufnahmen im Verlauf bei Patienten mit Therapieansprechen durchgeführt werden sollen. Die Ausbeute pathologischer Befunde bei Nichtrauchern ist tatsächlich gering. Mindestens bei Rauchern sollte jedoch zum Ausschluss eines malignen Geschehens eine Kontrollaufnahme nach ca. 4 Wochen durchgeführt werden.
Merke
Die Diagnose der Pneumonie bleibt aufgrund der möglichen „mimics“ einer Pneumonie (insbesondere möglicher unerkannter maligner Prozesse) bis zur vollständigen Rückbildung der klinischen Symptomatik und der Verschattungen (Ausnahme: eindeutige Residuen) eine begründete Arbeitsdiagnose.

Radiologische Residuen einer Pneumonie

Residuen einer ambulant erworbenen Pneumonie sind mit bis zu ca. 30 % nicht selten und umfassen streifige Verdichtungen sowie pleurale Verdickungen. In der Regel kommt ihnen keine funktionelle Relevanz zu.

CT des Thorax

Allgemeines

Eine CT des Thorax ist aufgrund des Aufwands und der viel höheren Strahlenbelastung in der Regel nicht indiziert. Mögliche Indikationen können unklare Befunde sein, vor allem in der Röntgen-Thorax-Liegendaufnahme, die Differenzierung von Infiltraten und Erguss sowie die Identifizierung von Einschmelzungen und Abszessen. Schließlich ist eine Angio-CT indiziert, wann immer der Verdacht auf eine Infarktpneumonie besteht.

Befunde in der CT in Studien

Die CT ist erwartungsgemäß der Röntgen-Thoraxaufnahme hinsichtlich der Sensitivität in der Identifizierung von Verschattungen überlegen. Des Weiteren erlaubt diese auch eine wesentlich bessere Differenzierung von Verschattungsmustern, insbesondere von retikulonodulären und Milchglasverschattungen (Abb. 2 und 17).
Ausschließlich in der CT sind Verschattungen erkennbar, die Summationen von bronchialen und bronchiolären Entzündungsprozessen darstellen. Es finden sich verdickte Bronchien, „tree in bud“-Muster sowie bronchioläre Verschattungen. Solche Bronchitiden/Bronchiolitiden gehen gehäuft auf Haemophilus influenzae, aber auch auf „atypische“ Erreger wie Mykoplasmen, Chlamydien und Viren zurück (Abb. 26).

Sonographie des Thorax

Die Sonographie des Thorax hat in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen. Sonographisch können nicht nur Pleuraergüsse detektiert und intrapleurale Prozesse wie Membran- und Kammerbildungen abgebildet werden, sondern auch pleuranahe Verschattungen abgegrenzt und charakterisiert werden.

Reichweite der Methode

Die gesunde, normal belüftete Lunge ist aufgrund der Totalreflexion sonographisch nicht zugänglich; mit der Pleura endet die sonographische Reichweite. Ein Schallfenster entsteht jedoch dann, wenn subpleural gelegene luftarme oder luftfreie Prozesse vorliegen.
Grundlage für die sonographische Darstellung von Lungenverschattungen, d. h. eines akustischen Schallfensters, sind die Ausfüllung der Alevoli mit entzündlichem Exsudat. Allerdings sind nur ca. zwei Drittel der Lungenoberfläche einer sonographischen Beurteilung zugänglich; verborgen bleiben vor allem die Lungenhili, die obere Thoraxapertur, das hintere Mediastinum sowie die Paravertebralregion.

Typische Befunde

Parenchymatöse Befunde

Die mit Exsudat gefüllten Alveolen stellen sich als echoarmer, unregelmäßiger Bereich unterschiedlicher Größe und Form dar. Im pleuranahen Bereich lässt sich das Flüssigkeitsalveologramm abbilden, ein homogenes, echoarmes Band. Im entzündeten Lungengewebe imponieren zahlreiche Lufteinschlüsse, dem Bronchopneumogramm entsprechend (Abb. 34 und 35). Zudem kann ein Fluidobronchogramm identifizierbar sein, das sekretgefüllten Bronchien entspricht; eine Abgrenzung gegenüber Gefäßen ist dopplersonographisch möglich.
Im Verlauf der Pneumonie kommt es zu einer zunehmenden Wiederbelüftung, so dass auch zunehmende Luftreflexe darstellbar werden.
Als Residuen einer Pneumonie, die rückgebildet werden, aber auch im Sinne einer Verschwartung verbleiben können, stellen sich Unebenheiten der Pleuraoberfläche mit Wiederholungsechos bzw. Kometenschweifartefakten dar.

Pleurale Befunde

Der im Normalfall starke Pleurareflex, der durch Übergang ins belüftete Lungengewebe entsteht, ist echoärmer und deutlich schmaler. Ein Pleuraerguss ist aufgrund der höheren Sensitivität gegenüber dem Röntgen-Thoraxbild häufig darstellbar.

Vaskuläre Befunde

Pneumonische Verschattungen finden sich häufig gut perfundiert.

Stellenwert der Sonographie des Thorax

Die Sonographie hat trotz ihrer Limitationen zwei große Stärken:
1.
Sie geht ohne Strahlenbelastung einher und ist daher beliebig wiederholbar. Sie eignet sich daher besonders für Situationen, in denen keine zeitnahe Röntgen-Thoraxaufnahme verfügbar ist, für Verlaufsuntersuchungen und für Schwangere.
 
2.
Sie stellt die sensitivste Methode zum Nachweis eines Pleuraergusses sowie eines komplizierten parapneumonischen Ergusses bzw. Empyems dar.
 
Des Weiteren kann sie bei schweren Pneumonien auf der Intensivstation wertvolle Informationen liefern und die Schwächen der Liegendaufnahme zum Teil kompensieren.
Tabelle 4 fasst die sonomorphologischen Kriterien einer Pneumonie zusammen.
Tab. 4
Sonomorphologische Kriterien einer Pneumonie (nach Kroegel und Reißig 1999)
Echogenität
Echoarm
Größe
Variabel
Form
Variabel
Echotextur
Inhomogen
Echostruktur
Grobkörnig
Kontur
Unregelmäßig und unscharf begrenzt
Oberflächenbeschaffenheit
Positives Flüssigkeitsalveologramm
Atemverschieblichkeit
Gegeben
Lufteinschlüsse
Positives Bronchopneumogramm
Fluidobronchogramm
Bei Sekretverhalt
Häufig
Pleuraoberfläche
Unscharf, unregelmäßig; ggf. Kometenschweifphänomen
Perfusion
Gleichmäßige Perfusion aller Bereiche in normal konfigurierten Gefäßen

Weiterführende Literatur

Standard-Lehrbücher der radiologischen und sonographischen Thoraxdiagnostik:
  • Lange S. (2010) Radiologische Diagnostik der Throaxerkrankungen. Ein Lehrbuch und Atlas, 4. Aufl. Thieme Verlag
  • Kroegel C, Reissig A. (1999)Transthorakale Sonographie. Grundlagen und Anwendung. Thieme Verlag
Fünf Arbeiten, die sehr deutlich die diagnostischen Grenzen der Röntgen-Thoraxaufnahme in der Diagnose der ambulant erworbenen Pneumonie beschreiben:
  • Young M, Marrie TJ (1994) Interobserver variability in the interpretation of chest roentgenograms of patients with possible pneumonia. Arch Intern Med 154:2729–2732
  • Albaum MN, Hill LC, Murphy M, Li YH, Fuhrman CR, Britton CA, Kapoor WN, Fine MJ (1996) Interobserver reliability of the chest radiograph in community-acquired pneumonia. PORT Investigators. Chest 110:343–350
  • Hopstaken RM, Witbraad T, van Engelshoven JM, Dinant GJ (2004) Inter-observer variation in the interpretation of chest radiographs for pneumonia in community-acquired lower respiratory tract infections. Clin Radiol 59:743–752
  • Boersma WG, Daniels JM, Löwenberg A, Boeve WJ, van de Jagt EJ (2006) Reliability of radiographic findings and the relation to etiologic agents in community-acquired pneumonia. Respir Med 100:926–932
  • Pauls S, Krüger S, Richter K, Muche R, Marre R, Welte T, Billich C, Gonschior S, Schumann C, Boll D, Aschoff AJ, Suttorp N (2007) Interobserver agreement in the assessment of pulmonary infiltrates on chest radiography in community-acquired pneumonia. Rofo 179:1152–1158
Die einzige Arbeit, die die radiologischen Muster von Pneumonien durch Staphylococcus aureus ausfﺰhrlich beschreibt:
  • Macfarlane J, Rose D (1996) Radiographic features of staphylococcal pneumonia in adults and children. Thorax 51:539–540
Unverändert die beste Arbeit zum Vergleich der Präsentation und Rückbildung von Verschattungen bei ambulant erworbener Pneumonie:
  • Macfarlane JT, Miller AC, Roderick Smith WH, Morris AH, Rose DH (1984) Comparative radiographic features of community acquired Legionnaires' disease, pneumococcal pneumonia, mycoplasma pneumonia, and psittacosis. Thorax 39:28–33
Weitere wichtige Arbeit zur Rückbildungsdynamik von Verschattungen bei ambulant erworbener Pneumonie:
  • Mittl RL Jr, Schwab RJ, Duchin JS, Goin JE, Albeida SM, Miller WT (1994) Radiographic resolution of community-acquired pneumonia. Am J Respir Crit Care Med 149:630–635
Zwei Arbeiten zur CT bei ambulant erworbener Pneumonie; die zusätzliche Information rechtfertigt nicht die hohe Strahlenbelastung dieser Untersuchung:
  • Tanaka N, Matsumoto T, Kuramitsu T, Nakaki H, Ito K, Uchisako H, Miura G, Matsunaga N, Yamakawa K (1996) High resolution CT findings in community-acquired pneumonia. J Comput Assist Tomogr 20:600–608
  • Syrjälä H, Broas M, Suramo I, Ojala A, Lähde S (1998) High-resolution computed tomography for the diagnosis of community-acquired pneumonia. Clin Infect Dis 27:358–363
Aktuell bedeutendste Arbeit zur diagnostischen Aussagekraft der Sonographie des Thorax bei Patienten mit ambulant erworbener Pneumonie bei Erstuntersuchung und im Verlauf:
  • Reissig A, Copetti R, Mathis G, Mempel C, Schuler A, Zechner P, Aliberti S, Neumann R, Kroegel C, Hoyer H (2012) Lung ultrasound in the diagnosis and follow-up of community-acquired pneumonia: a prospective, multicenter, diagnostic accuracy study. Chest 142:965–972