Pneumonie
Autoren
Santiago Ewig

Nosokomiale Pneumonie: Unerwünschte Wirkungen, Interaktionen und Kontraindikationen antimikrobieller Substanzen

Alle Substanzklassen zeichnen sich durch eine insgesamt gute Verträglichkeit aus; dennoch bestehen potenzielle unerwünschte Wirkungen (Toxizitäten und Allergien), einige Interaktionen und (überwiegend relative) Kontraindikationen, die beachtet werden müssen. Ihre Kenntnis ist von Bedeutung sowohl für die Beratung des Patienten als auch für die Prävention und Früherkennung von unerwünschten Wirkungen. Alle antimikrobiellen Substanzen bergen das Risiko sogenannter „Kollateralschäden“, also nachteiliger ökologischer Folgen in Form einer Förderung der Resistenzentwicklung. Grundsätzlich können alle antimikrobiellen Substanzen zu einer pseudomembranösen Clostridium-difficile-Kolitis bis hin zum toxischen Megakolon führen.

Allgemeines

Aufgeführt werden hier die wichtigsten unerwünschten Wirkungen, Interaktionen und Kontraindikationen der bei Patienten mit nosokomialer Pneumonie eingesetzten antimikrobiellen Substanzen. Zusätzliche, sehr seltene unerwünschte Wirkungen sind nur berücksichtigt, wenn diese eine hohe klinische Relevanz haben.
Grundsätzlich können alle antimikrobiellen Substanzen zu einer pseudomembranösen Clostridium-difficile-Kolitis bis hin zum toxischen Megakolon führen.
Zudem wird man aktuell auch alle „Kollateralschäden“, also die ökologischen Folgen der Gabe bestimmter antimikrobieller Substanzklassen, zu den unerwünschten Wirkungen zählen müssen. Diese haben eine solche Wichtigkeit bekommen, dass sie gesondert dargestellt werden.
Insgesamt sind alle aufgeführten Substanzklassen gut verträglich. Dennoch besteht ein Potenzial von unerwünschten Wirkungen, das bei der Therapieplanung und Beratung des Patienten Berücksichtigung finden muss.
Alle Substanzen sind bei bekannter Allergie kontraindiziert.

„Kollateralschäden“ antimikrobieller Substanzen

Grundsätzlich geht jede antimikrobielle Therapie mit dem Risiko von „Kollateralschäden“ einher, d. h. sie fördert die Resistenzentwicklung und -verbreitung.
Dafür sind folgende beiden Mechanismen verantwortlich:
  • Resistenzentstehung bei sensiblen Wildtypen: Dies kann spontan entstehen oder eben unter Einfluss einer antimikrobiellen Therapie. Dieser Mechanismus ist eher selten. Das Paradebeispiel ist die Resistenzentwicklung von Rifampicin in der (kontraindizierten) Monotherapie der Tuberkulose: Die Mutationswahrscheinlichkeit in einer bestimmten Keimzahl reicht aus, dass unter der Monotherapie einzelne (durch Spontanmutation entstandene resistente) Klone selektiert werden. Für die Behandlung der nosokomialen Pneumonie relevante Beispiele für diesen Mechanismus sind in Tab. 1 aufgelistet. Auch wenn Resistenzentstehungen unter antimikrobieller Therapie der individuellen Patienten auf bestimmte Substanzklassen bzw. Mechanismen beschränkt und somit selten bleiben, können sich solche Resistenzen gegenüber bestimmten Substanzen innerhalb einer Population über die Zeit sehr wohl entwickeln. Diese Zeit kann kurz oder länger ausfallen, die Häufigkeit der Gabe antimikrobieller Substanzen entscheidet letztlich, ob diese sich ausbilden. Der Austausch von mobilen Resistenzelementen (z. B. Plasmiden) vollzieht sich besonders in klinischen Settings mit schwerkranken Patienten und häufigem Einsatz antimikrobieller Substanzen, also solchen mit einer hohen Dichte bestimmter Erreger bzw. ihrer Resistenzelemente, typischerweise auf Intensivstationen.
  • Resistenzselektion resistenter Stämme: Dies ist der häufige Mechanismus. Durch Reduktion der kommensalen Mischflora kommt es zur Verschiebung des Gleichgewichts zugunsten resistenter Stämme auf der Haut, im Nasen-Rachen-Raum oder im Darmtrakt. Dies kann auf individueller Ebene stattfinden, aber auch auf der Ebene einer Station, Region oder eines Landes. Nach dem Erwerb resistenter Erreger (z. B. MRSA) führen erneute Gaben von antimikrobiellen Substanzen, die die endogene Flora reduzieren, auch zu einer Erhöhung der Übertragungswahrscheinlichkeit dieser resistenten Erreger, da diese kaum mehr durch Rekonstitution dieser Flora eliminiert werden. In diesem Zusammenhang ist besonders die Gabe von Fluorchinolonen zu nennen, die die Selektion von MRSA begünstigen, grundsätzlich aber auch jede Substanz mit breitem Wirkspektrum.
Tab. 1
Klinisch relevante Beispiele für Mechanismen der Resistenzentstehung unter antimikrobieller Therapie (nach Harbarth 2007)
Erreger
Antimikrobielle Substanz
Mechanismus
Staphylococcus aureus
Ciprofloxacin
Hochregulierter Efflux
Enterobacter spp.
Ceftriaxon
Dereprimierung der chromosomalen Amp-C-Betalaktamase
Imipenem
Porinverlust
Die antimikrobielle Therapie ist allerdings nur eine Ursache der Resistenzausbreitung auf einer (Intensiv-)Station. Hinzu kommt die Übertragung zwischen Patienten sowie der Import von Resistenzen aus anderen Behandlungssettings.

ß-Laktame

ß-Laktame haben allgemein eine große therapeutische Breite. Es besteht eine lange Erfahrung mit dieser Substanzklasse.

Unerwünschte Wirkungen

Allergie
Die häufigste unerwünschte Wirkung betrifft die Sensibilisierung. Sie ist bei Penicillinen am häufigsten (ca. 1 % der Fälle). Penicillin wirkt dabei als Hapten (unvollständiges Antigen); erst die Bildung von Hapten-Protein-Komplexen ruft eine immunologische Reaktion hervor.
Als häufigste (Major) Haptene wirken: Penicilloylsäure, Penicillinsäure; seltener (Minor-Haptene): Benzylpenicilloat, Benzylpenilloat.
Dabei sind folgende Reaktionen zu unterscheiden:
  • Typ-I-Reaktion (IgE-vermittelt): eine vital bedrohliche Sofortreaktion binnen einer Stunde im Sinne einer Anaphylaxie. Diese wird in ca. 0,05 % der Fälle beobachtet.
  • Typ-II-Reaktion (IgG-, IgM-vermittelt): Zytotoxische Reaktionen können sich manifestieren als Hämolyse, Neutro- und Thrombozytopenie, interstitielle Nephritis.
  • Typ-III-Reaktion (lösliche Immunkomplexe): Serumkrankheit
  • Typ-V-Reaktion: idiopathische Reaktionen. Zu diesen gehört auch das Ampicillin-Exanthem.
Sehr selten kann ein Stevens-Johnson- oder ein Lyell-Syndrom auftreten.
Die Penicillinallergie betrifft alle Penicilline. In ca. 5 % der Fälle besteht eine Kreuzallergie gegen Cephalosporine, noch seltener gegen Carbapeneme. Keine Kreuzallergie besteht gegen Monobactame. Sie ist sehr selten bei nicht-IgE-vermittelten allergischen Reaktionen.
Allergien müssen unterschieden werden von Pseudo-Allergien. In bis zur Hälfte der Fälle besteht bei anamnestischer Angabe einer Penicillinallergie lediglich eine Pseudoallergie.
Unter der Therapie mit Aminopenicillinen kommt es in bis zu 20 % der Fälle nach 6–10 Tagen zu einem pseudoallergischen morbilliformen Exanthem (bei Vorliegen einer infektiösen Mononukleose in der Mehrzahl der Fälle).
Manche Autoren haben gefordert, Penicillin-Allergien allergologisch zu überprüfen, um zu vermeiden, dass zu viele Patienten trotz gegebener Indikation fälschlich kein Penicillin bekommen. Eine solche Testung erscheint jedoch nur außerhalb einer akuten Infektion realistisch durchführbar.
Neurotoxizität
Ein neurotoxisches Potenzial bis hin zur Auslösung von Krampfanfällen besteht bei Gabe von > 30 Mega Penicillin G/Tag, insbesondere bei vorbestehender Epilepsie, Meningitis und Urämie.
Hämostasestörungen
Hier sind Thrombozytenfunktionsstörungen zu nennen. Diese treten bevorzugt bei Patienten mit einer Gerinnungsstörung auf.
Besonderheiten der Cephalosporine
Allergische Neutropenie, die nach Absetzen in der Regel rasch reversibel ist.
Besonderheiten der Carbapeneme
Hämatotoxizität und Lebertoxizität, zudem Nierenfunktionsstörungen, jeweils selten.

Interaktionen

Penicilline: Diese betreffen in erster Linie das Gerinnungssystem im Sinne einer Verminderung der Wirksamkeit von Antikoagulantien und Thrombozytenaggregationshemmern.

Kontraindikationen

Keine.

ß-Laktamasehemmer

Unerwünschte Wirkungen

ß-Laktamasehemmer (insbesondere Clavulansäure) können unerwünschte gastrointestinale Wirkungen (Übelkeit, Erbrechen, Diarrhoe, Oberbauchbeschwerden) verursachen. Auch ein cholestatischer Ikterus und Leberfunktionsstörungen bis hin zum Leberversagen mit Notwendigkeit der Transplantation kommen vor, in Einzelfällen sind letale Ausgänge berichtet worden.
Die Lebertoxizität betrifft vor allem die Calvulansäure, weniger Sulbactam und Tazobactam. Die Erfahrungen mit Avibactam sind noch sehr begrenzt.
Cave
Leberfunktionsstörungen beschränken sich nicht auf die Zeit der Therapie, sondern können auch Tage bis Wochen nach Therapie auftreten.

Interaktionen

Gehäuft Exantheme bei gleichzeitiger Gabe von Allopurinol.

Kontraindikationen

1.
Schwangerschaft (keine ausreichenden Erfahrungen)
 
2.
Vorbestehende Hepatopathien (relativ)
 

Fluorchinolone

Unerwünschte Wirkungen

Gastrointestinale unerwünschte Wirkungen
Diese können umfassen: Übelkeit, Erbrechen, Oberbauchbeschwerden, Diarrhöen.
Lebertoxizität
Die Lebertoxizität von Moxifloxacin hat zu einer Zulassungsbeschränkung der EMEA geführt. Diese ist jedoch erwiesenermaßen sehr gering, jedenfalls mindestens vergleichbar mit der von Clavulansäure und Makroliden. Mittlerweile gilt diese Zulassungsbeschränkung auch für Levofloxacin. Tatsächlich dürfte es sich bei der (beschränkten) Lebertoxizität um einen Gruppeneffekt der Chinolone handeln.
Neurotoxizität
Häufiger sind Unruhe, Schlafstörungen, Benommenheit, Schwindel. Schwere neurotoxische Störungen kommen vor, besonders bei älteren Patienten und Patienten mit hirnorganischer Grunderkrankung, psychische Alterationen bis hin zur Psychose und Krämpfe. Das Reaktionsvermögen im Straßenverkehr kann beeinträchtigt sein. Schließlich wurden vorübergehende Sehstörungen berichtet.
Phototoxizität
Diese besteht bei allen Substanzen, allerdings in sehr unterschiedlichem Ausmaße. Diese mögliche unerwünschte Wirkung muss jedem Patienten mitgeteilt werden, der ambulant mit diesen Substanzen behandelt wird.
Kardiotoxizität
Über eine QT-Zeit-Verlängerung können lebensbedrohliche Rhythmusstörungen hervorgerufen werden (ventrikuläre Arrhythmie bzw. Tachykardien und Torsade de pointes Tachykardien).
Chondrotoxizität und Tendopathien
Grundsätzlich besteht ein gewisses chondropathisches Potenzial, das jedoch bei den im Rahmen von Atemwegsinfektionen eingesetzten Substanzen sehr gering ist. Tendopathien im Sinne einer Tendinitis bzw. Achillessehnenruptur sind vor allem bei älteren Patienten und unter gleichzeitiger Therapie mit Steroiden möglich. Diese unerwünschte Wirkung ist vor allem bei Sportlern relevant.
Seltene unerwünschte Wirkungen
Diese betreffen Hörverlust, Blutbildungsstörungen sowie allergische Reaktionen (Douros et al. 2015).

Interaktionen

1.
Mineralische Antacida
 
2.
Verzögerung der hepatischen Elimination von Theophyllin (durch Ciprofloxacin)
 
3.
Glibenclamid (Hypoglykämien)
 

Kontraindikationen

1.
Schwangerschaft und Stillzeit (Chrondropathie) (Yfet et al. 2014)
 
2.
Kinder und Jugendliche bis 16 jahre (Chondropathie); nach neueren Daten zumindest für Ciprofloxacin relativiert
 
3.
Manifeste ZNS-Komorbidität (z. B. Anfallsleiden)
 

Aminoglykoside

Unerwünschte Wirkungen

Aminoglykoside haben grundsätzlich eine geringe therapeutische Breite. Das Toxizitätsrisiko hängt mit der Höhe der Plasmakonzentrationen und – über eine Kumulation in der Nierenrinde – mit der Dauer der Therapie zusammen.
Nephrotoxizität
Die (meist reversible) Nephrotoxizität begünstigt durch Kumulation auch andere Toxizitäten. Das Risiko der Nephrotoxizität erhöht sich bei Kombination mit bestimmten Substanzen (siehe Interaktionen).
Ototoxizität
Hörverlust und Vestibularisschädigung können auftreten. Gefährdet sind insbesondere Intensivpatienten, die aufgrund einer bestehenden Sedation keine Auskunft über Hörstörungen geben können.
Maßnahmen zur Prävention der Toxizität
1.
Einmaldosierung
 
2.
Kontrolle der Infusionsgeschwindigkeit; die Infusionsdauer sollte 1 h nicht unterschreiten.
 
3.
Vermeidung der Gabe bei vorbestehender Niereninsuffizienz
 
4.
Blutspiegel-Monitoring; dieses wird ab dem 3. Behandlungstag erforderlich und sollte 2 bis 3×/Woche durchgeführt werden. Relevant sind die Talspiegel (Gentamicin, Tobramycin: < 2 μg/ml Plasma; Amikacin < 5 μg/l Plasma).
 
Seltene unerwünschte Wirkungen
Neuromuskuläre Blockade, Allergien

Interaktionen

1.
Zunahme der Nephrotoxizität durch Schleifendiuretika, Vancomycin, Amphotericin B, Ciclosporin A
 
2.
Verstärkung der neuromuskulären Blockade durch Muskelrelaxantien
 

Kontraindikationen

1.
Schwangerschaft
 
2.
Vorbestehende Niereninsuffizienz
 
3.
Vorschädigungen des Innenohrs
 

Lincosamide

Unerwünschte Wirkungen

Gastrointestinale unerwünschte Wirkungen
Durch Störung der physiologischen anaeroben Darmflora mit Selektion des resistenten Erregers Clostridium difficile kann eine schwere pseudomembranöse Enterokolitis in Folge des Clostridium-difficile-Enterotoxins auftreten. Das Potenzial für diese Toxizität gilt prinzipiell für alle antimikrobiellen Substanzen, wird aber Clindamycin im Besonderen zugeschrieben.
Unabhängig davon kann es zu leichten Anstiegen des Bilirubins und der Transaminasen kommen.
Überempfindlichkeitsreaktionen
Morbilliformes Exanthem und drug fever.
Hämatologische unerwünschte Wirkungen
Leukozytopenie, Thrombozytopenie

Interaktionen

Muskelrelaxantien.

Kontraindikationen

Schwangerschaft und Stillzeit.

Glykopeptide

Vancomycin

Unerwünschte Wirkungen

Die Wahrnehmung der Toxizität des Vancomycins unterliegt einigen Mythen. Daher lohnt ein Rückblick auf die Geschichte der Substanz.
Vancomycin wurde isoliert aus einer Bodenprobe aus dem Dschungel von Borneo. Die Namensgebung leitet sich aus „vanquish“ ab („bezwingen“). Die Originalpräparation beinhaltete eine Reihe von Verunreinigungen, war braun gefärbt und erhielt daher die Bezeichnung als „Mississippi mud“ (mud = Dreck). Aus dieser Zeit rührt der Ruf der ausgeprägten Nephro- und Ototoxizität, der den Einsatz der Substanz fast zum Erliegen gebracht hätte.
Eine Nachprüfung der Toxizitäten ergab, dass die Rate der unerwünschten Wirkungen in neueren gereinigten Präparationen deutlich geringer ausfiel (Levine 2006).
Die Toxizität kann weiter reduziert werden, wenn die Infusionsgeschwindigkeit reduziert wird, Spiegelbestimmungen zur Vermeidung toxischer Serumspiegel vorgenommen werden und (Kap. Antimikrobielle Therapie: Wirkspektrum, Dosierung und Applikation antimikrobieller Substanzen) die gleichzeitige Gabe nephrotoxischer Medikamente vermieden wird (Moellering 2006; Cano et al. 2012).
Infusionsassoziierte unerwünschte Wirkungen
Venöse Reizungen, Schüttelfrost, Ausschlag. „Red man“ bzw. „red neck“ Syndrom (Erythem, Pruritus, Hypotension, Angioödem). Interessanterweise häufiger bei Gesunden als bei Erkrankten, die Vancomycin erhalten.
Nephrotoxizität
Die Nephrotoxizität von Vancomycin ist geringer als verbreitet angenommen, vorausgesetzt, die Regeln der Applikation werden eingehalten. Insbesondere die gleichzeitige Gabe von Aminoglykosiden erhöht die Toxizität.
Die exakte Rate hängt von der Definition ab; sie beträgt zwischen 5 und 10 %. In der Zephyr-Studie betrug diese 7,3 % (Wunderink et al. 2012). In einer Metanalyse konnte im Vergleich zu Linezolid kein Unterschied in der Rate der Nephrotoxizität gefunden werden (Kalil et al. 2010). Die Nephrotoxizität ist häufig reversibel. Eine interstitielle Nephritis ist selten.
Ototoxizität
Vor allem Tinnitus, Hörverlust. Sehr selten bei Beachtung o. g. Regeln der Applikation.
Hämatotoxizität

Interaktionen

Keine.

Kontraindikationen

2.
Vorsicht bei vorbestehender Hörschädigung
 

Teicoplanin

Teicoplanin ist gut verträglich. Juckreiz, Urtikaria und Exanthem können auftreten, ebenso, selten, eine Ototoxizität. Ansonsten wie Vancomycin.

Oxazolidinone

Nach bisherigen Erfahrungen sind Toxizität, Interaktionen und Kontraindikationen bei Linezolid und Tedizolid ähnlich zu bewerten.

Unerwünschte Wirkungen

Generell sollte die Gabe auf maximal 28 Tage beschränkt werden.
Hemmung der Monoaminooxidase
Hypertonien, Hyperthermie und ZNS-Störungen können durch Hemmung der Monoaminooxidase entstehen.
Hämatotoxizität
Reversible Penie aller drei Blutzellreihen. In der Zephyr-Studie Anämie in 5,2 %, Thrombozytopenie in 1,3 % (Wunderink et al. 2012).
Nephrotoxizität
Diese fiel in einer kontrollierten Studie in 3,7 % der Fälle auf (Wunderink et al. 2012).
Gastrointestinale Wirkungen
Übelkeit, Erbrechen, Diarrhoe.
ZNS-Wirkungen
Neurotoxizität
Polyneuropathie, kann auch den N. opticus einbeziehen

Interaktionen

Vorsichtiges Titrieren von vasoaktiven Substanzen, einschließlich Dopaminergika.

Kontraindikationen

Besondere Vorsicht und Kontrollen bei
  • Leberinsuffizienz,
  • Patienten mit unkontrollierter Hypertonie, Phäochromozytom, Karzinoid, Thyreotoxikose, bipolarer Depression, schizoaffektiver Psychose, akuten Verwirrtheitszuständen,
  • Serotonin-Wiederaufnahmehemmern, trizyklischen Antidepressiva, Serotonin-5HT1-Rezeptoragonisten (Triptane),
  • direkt oder indirekt wirkenden Sympathomimetika (einschließlich adrenerger Bronchodilatatoren, Pseudoephedrin oder Phenylpropanolamin),
  • vasopressorischen Mitteln (z. B. Adrenalin, Noradrenalin),
  • dopaminergen Mitteln (z. B. Dopamin, Dobutamin), Pethidin oder Buspiron.

Andere

Fosfomycin

Unerwünschte Wirkungen

Fosfomycin-Präparationen gehen mit einem hohen Natriumgehalt einher (14,5 mmol Natrium pro Gramm bei Fosfomycin Sandoz). Die mit Fosfomycin verbundene Natriumzufuhr kann über Erhöhung der Kaliumausscheidung auch Kaliumverluste verursachen. Daher wird eine kochsalzarme Diät während der Behandlung empfohlen. Eventuell ist eine Substitution von Kalium erforderlich. Kontrollen des Natrium-Spiegels sind erforderlich.
Allergien bis hin zur Anaphylaxie sind möglich.

Interaktionen

Keine.

Kontraindikationen

1.
Vorbestehende Hypernatriämie
 
2.
 
3.
Unkontrollierte Hypertonie
 

Colistin

Unerwünschte Wirkungen

Nephrotoxizität
Colistin ist ein wiederaufgelegtes älteres Substanzgemisch, dem eine hohe Nephrotoxizität nachgesagt wurde. Neuere Daten bestätigen eine Nephrotoxizität von ca. 30 % bei Patienten mit vorbestehender Niereninsuffizienz, die aber meist reversibel ist. Bei nierengesunden Patienten betrug die Nephrotoxizität nur 3 %.
Wie bei anderen potenziell nephrotoxischen Substanzen auch, sollte die gleichzeitige Gabe von Colistin mit anderen Substanzen, die ein nephrotoxisches Potenzial aufweisen, vermieden werden. Des Weiteren ist das Risiko erhöht bei vorbestehender Niereninsuffizienz und arterieller Hypertonie (Doshi et al. 2011).
Neurotoxizität
Fazial-, oral- oder periorale Parästhesie, Kopfschmerzen und Muskelschwäche. Neuromuskuläre Blockade bis zum Atemstillstand.

Interaktionen

Verstärkung der neuromuskulären Hemmung bei gleichzeitiger Gabe von Muskelrelaxantien.

Kontraindikationen

2.
Schwangerschaft und Stillzeit
 

Cotrimoxazol

Unerwünschte Wirkungen

Gastrointestinale unerwünschte Wirkungen
Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Bauchschmerzen, Anorexie. Lebertoxizität.
Kutane Wirkungen
Erythematöse oder makulopapulöse Ausschläge, Stevens-Johnson-Syndrom, Lyell-Syndrom.
Hämatotoxizität
Anämie, Leukozytopenie (Agranulozytose), Thrombozytopenie.

Interaktionen

1.
Verstärkung der Kumarinwirkung
 
2.
Verstärkung der Wirkung der Sulfonylharnstoffe
 
3.
Erhöhung der Digitalisspiegel
 
4.
Erhöhung der Phenytoinspiegel
 

Kontraindikationen

1.
 
2.
Leberinsuffizienz
 
3.
Glucose-6-Phosphat-Dehydrogenase-Mangel
 
4.
Cave Anämien, Leukozytopenien, Thrombozytopenien
 
5.
 
6.
Erythema exsudativum multiforme
 

Tigecyclin

Unerwünschte Wirkungen

Gastrointestinale unerwünschte Wirkungen
Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Bauchschmerzen, Anorexie.
Erhöhung von Transaminasen und Bilirubin (auch nach Therapieende möglich). Cholestase. Erhöhung der Amylase, Pankreatitis.
Kutane Wirkungen
Pruritus, Ausschlag, Phlebitis. Photosensititvität.
Allergie
Anaphylaktoide Reaktionen, Anaphylaxie.

Interaktionen

Eventuell Reduktion der Clearance von oralen Antikoagulantien, daher Kontrolle während der Therapie erforderlich.

Kontraindikationen

Keine.

Weiterführende Literatur

Grundsätzlich sind für alle Substanzen die Fachinformationen online abrufbar und sicher die exakteste Quelle, um sich über unerwünschte Wirkungen zu informieren.
Deutschsprachiges Standardwerk zur antimikrobiellen Therapie:
Stille W, Brodt HR, Groll AH, Just-Nübling G (2005) Antibiotika-Therapie. Klinik und Praxis der antiinfektiösen Behandlung, 11. Aufl. Schattauer Verlag
Übersicht zu „Kollateralschäden“ antimikrobieller Substanzen:
Harbarth S (2007) Antibiotikaanwendung – Einfluss auf Resistenzbildung und Selektion. Krankenhaushygiene Up2date 2:357–363
Übersicht über unerwünschte Wirkungen der Fluorchinolone; zeigt auf, wie diese weitgehend vermieden werden können:
Douros A, Grabowski K, Stahlmann R (2015) Safety issues and drug-drug interactions with commonly used quinolones. Expert Opin Drug Metab Toxicol 11:25–39
Übersicht zur Toxizität der Fluorchinolone in der Schwangerschaft:
Yefet E, Salim R, Chazan B, Akel H, Romano S, Nachum Z (2014) The safety of quinolones in pregnancy. Obstet Gynecol Surv 69:681–694
Zwei lesenswerte Artikel zur Geschichte des Vancomycins sowie der Rezeption in der medizinischen Gemeinde:
Moellering RC Jr (2006) Vancomycin: a 50-year reassessment. Clin Infect Dis 42(Suppl 1):3–4
Levine DP (2006) Vancomycin: a history. Clin Infect Dis 42 (Suppl 1):5–12
Gründliche Studie zur Vancomycin-Nephrotoxizität. Die Prädiktoren waren Serumspiegel ≥ 15 mg/L, die gleichzeitige Gabe nephrotoxischer Medikamente sowie die Dauer der Gabe:
Cano EL, Haque NZ, Welch VL, Cely CM, Peyrani P, Scerpella EG, Ford KD, Zervos MJ, Ramirez JA, Kett DH, Improving Medicine through Pathway Assessment of Critical Therapy of Hospital-Acquired Pneumonia (IMPACT-HAP) Study Group (2012) Incidence of nephrotoxicity and association with vancomycin use in intensive care unit patients with pneumonia: retrospective analysis of the IMPACT-HAP Database. Clin Ther 34:149–157
Zwei Studien, die die Toxizität des Vancomycins im Vergleich zu Linezolid aufzeigen (erstere ist die sog. Zephyr-Studie):
Wunderink RG, Niederman MS, Kollef MH, Shorr AF, Kunkel MJ, Baruch A, McGee WT, Reisman A, Chastre J (2012) Linezolid in methicillin-resistant Staphylococcus aureus nosocomial pneumonia: a randomized, controlled study. Clin Infect Dis 54:621–629
Kalil AC, Murthy MH, Hermsen ED, Neto FK, Sun J, Rupp ME (2010) Linezolid versus vancomycin or teicoplanin for nosocomial pneumonia: a systematic review and meta-analysis. Crit Care Med 38:1802–1808
Die Nephrotoxizität des Colistins ist im Allgemeinen reversibel:
Doshi NM, Mount KL, Murphy CV (2011) Nephrotoxicity associated with intravenous colistin in critically ill patients. Pharmacotherapy 31(12):1257–1264