Pneumonie
Autoren
Santiago Ewig und Sören Gatermann

Pneumonie unter Immunsuppression: Mikrobiologische Diagnostik

Dem möglichen weiten Umfang des Erregerspektrums von Pneumonien unter Immunsuppression entsprechend sollten geeignete Materialien (Blutkulturen, respiratorische Materialien, Antigentests, Pleuraergussflüssigkeit, ggf. Abstriche) möglichst umfassend bzw. zielgerichtet untersucht werden. Die Beachtung von Standards zur Gewinnung bzw. Lagerung und zum Transport sowie zur Verarbeitung der Proben ist dabei essentiell. Färberische und kulturelle Methoden bleiben Standard und werden ergänzt durch molekularbiologische Verfahren. Bei bestimmten Pilz- und Virusinfektionen ist eine definitive Diagnose weiterhin nur durch eine histo- bzw. zytologische Sicherung möglich.

Allgemeines

Grundsätzlich sollte bei Patienten mit Pneumonie unter Immunsuppression aufgrund des deutlich erweiterten Erregerspektrums die mikrobiologische Diagnostik umfangreicher ausfallen als bei Patienten mit ambulant oder nosokomial erworbener Pneumonie. Dies gilt insbesondere für beidseitige Pneumonien sowie für Pneumonien, die auf eine kalkulierte antibakterielle Therapie nicht angesprochen haben. Ein Erregernachweis sollte in diesen Fällen immer angestrebt werden.
Das mögliche Erregerspektrum umfasst alle Erreger, die auch bei immunkompetenten Patienten zu erwarten sind, sowie zusätzlich sogenannte „opportunistische“ Erreger, die in der Regel nur bei Patienten mit definierter, schwerer Immunsuppression auftreten. Auch wenn sich jedem Typ der Immunsuppression ein spezifisches Erregerspektrum zuordnen lässt, sollten dem Kliniker immer das gesamte Erregerspektrum und die entsprechenden Möglichkeiten der mikrobiologischen Diagnostik vor Augen stehen. Dazu ist die Kenntnis der geeigneten Materialien, der Gewinnung sowie der Verarbeitung der Materialien erforderlich.
Grundsätzlich ist die Angabe des Typs der Immunsuppression auf dem Einsendeschein für die korrekte Verarbeitung durch die Mikrobiologie unverzichtbar.
Merke
Untersuchungsmaterial von Patienten mit Pneumonie unter Immunsuppression ist ein äußerst wichtiges Gut. Der umgehende Transport in die Mikrobiologie sollte daher sichergestellt sein.

Systematik der mikrobiologischen Diagnostik

Bakteriologie

Geeignete Materialien

Geeignete Materialien sind Blutkulturen, respiratorische Sekrete, Urin für Antigentests und Pleuraerguss-Flüssigkeit.
Blutkulturen
Gewinnung
Die korrekte Gewinnung von Blutkulturen hat bei immunsupprimierten Patienten einen besonders hohen Stellenwert, da die Ausbeute relativ hoch ist, andererseits auch fakultativ pathogene Erreger relevant sein können (wie z. B. koagulasenegative Staphylokokken). Die Chancen der Blutkulturdiagnostik sollten daher auf keinen Fall ungenutzt, die Rate an falsch-positiven Nachweisen so gering wie möglich bleiben.
Blutkulturen sollten bevorzugt vor Beginn einer antibakteriellen Therapie abgenommen werden, aber selbstverständlich bei gegebener Indikation auch unter Therapie. Die Abnahme soll unabhängig von Fieber bzw. Fieberanstieg erfolgen.
Blutkulturen sollen an zwei verschiedenen venösen Entnahmestellen abgenommen werden, zum Nachweis von Katheterinfektionen zusätzlich auch aus dem zentralen Katheter.
Insgesamt sollten 2–3 Pärchen gewonnen werden, die aus jeweils einer aeroben und einer anaeroben Flasche bestehen und mit der auf der Flasche angegebenen Menge Blut beschickt werden.
Vor der Abnahme wird eine hygienische Händedesinfektion durchgeführt. Nach Identifikation und Sprühdesinfektion der Punktionsstelle sollte die Vene nicht erneut palpiert werden. Die Gummimembran der Blutkulturfalschen sollte ebenfalls sprühdesinfiziert werden.
Blutkulturen, die nicht umgehend ins Labor gehen, können bei Zimmertemperatur 8 h gelagert werden.
Verarbeitung
Manche Blutkulturflaschen enthalten heute Harz- und Kohleextraktzusätze, die die meisten antimikrobiellen Substanzen absorbieren.
Blutkulturen werden von den meisten Laboratorien nicht mehr konventionell bebrütet, sondern in automatisierten Systemen bearbeitet. Diese messen kolorimetrisch das durch bakteriellen Metabolismus entstehende CO2. Im Falle eines positiven Signals erfolgt eine Gram-Färbung zur orientierenden Differenzierung. Direkt aus der Blutkultur können Tests zur Identifizierung und zum Nachweis einiger Resistenzgene durchgeführt werden. Diese Verfahren sind jedoch nicht in allen Laboratorien verfügbar.
Die Untersuchung der Empfindlichkeit nachgewiesener Erreger bedarf typischerweise einer Subkultur. Verfahren zur Empfindlichkeitstestung direkt aus den Blutkulturflaschen sind noch nicht weit verbreitet und häufig nicht vollständig validiert.
Respiratorische Materialien
Gewinnung
Geeignet sind Sputum, Tracheobronchialsekrete, die bronchoalveoläre Lavageflüssigkeit (BALF) sowie transthorakale Punktionssekrete.
Das Sputum sollte unter Anleitung in Gegenwart einer Pflegekraft gewonnen werden. Wichtig ist die makroskopische Unterscheidung von Speichel und Sekret aus den tiefen Atemwegen sowie die Beurteilung der Sekretfarbe. Sputum sollte in sterilisierte Behältnisse abgehustet werden.
Tracheobronchialsekrete von invasiv beatmeten Patienten sollten nativ in ein steriles Auffangröhrchen abgesaugt werden, nachdem der Tubus selbst vorher abgesaugt und von groben Sekreten befreit worden ist.
Die Gewinnung der BALF ist ausführlich im Kap. Pneumonie unter Immunsuppression: Bronchoskopische Diagnostik dargestellt.
Bei transthorakalen Punktionen ist auf eine Desinfektion der Punktionsstelle und sterile Gewinnung des Sekrets zu achten.
Je invasiver die Materialgewinnung war, desto mehr Wert muss auf einen zügigen und korrekten Transport in die Mikrobiologie geachtet werden. Idealerweise werden die Materialien innerhalb von 4 h verarbeitet, ist dies nicht möglich, werden sie gekühlt (4–8 °C) für max. 24 h gelagert.
Verarbeitung
Die Verarbeitung respiratorischer Materialien sollte binnen 4 h nach Gewinnung erfolgen; andernfalls sinken Sensitivität und Spezifität für den Nachweis bestimmter bakterieller Erreger deutlich.
Es erfolgen Färbungen nach Gram und ggf. Giemsa. In diesen kann sowohl die Qualität des Sputums untersucht als auch nach einer vorherrschenden Erregermorphologie sowie intra- und extrazellulärer Lage beurteilt werden.
Ein Sputum ist qualitativ als gut zu bezeichnen, wenn weniger als 10 Plattenepithelien und mehr als 25 Neutrophile zu erkennen sind (Vergrößerung 400×); liegen nur Plattenepithelien und keine Neutrophilen vor, handelt es sich nicht um Sputum.
In der Regel werden vier Kulturplatten beschickt: Blutagar und Kochblutagar (sogenannte nichtselektive Medien), auf denen die meisten Erreger wachsen; Kochblutagar (fördert das Wachstum von H. influenzae), McConkey Agar (für Gram-negative, wenig anspruchsvolle Bakterien) und Sabauraud Agar (für Hefe- und Schimmelpilze; siehe dort).
Weitere Agars bzw. Anreicherungsmedien werden je nach Verdachtsdiagnose angelegt. Sinnvoll erscheint vor allem ein Holzkohlehefeextrakt-Agar (BCYEA), über den Legionellen kultiviert werden können. Für die Untersuchung sollte das Material möglichst frei von kontaminierender Flora sein, deshalb sind tiefe Sekrete besser geeignet als z. B. Sputum.
Die Identifikation erfolgt vielerorts überwiegend über das MALDI-TOF-System, kann aber auch konventionell oder molekular erfolgen. Bei vielen Erregern ist bereits die Identifizierung für die Therapie wegweisend. Für die Empfindlichkeitsprüfung stehen verschiedene automatisierte und nichtautomatisierte Methoden zur Verfügung.
Die Relevanz einer Quantifizierung der Koloniezahlen in der BALF ist für immunsupprimierte Patienten nicht hinreichend untersucht. Zur Abschätzung der Relevanz unterschiedlicher, in der Kultur nachgewiesener möglicher Erreger erscheint es sinnvoll, wenigstens eine semiquantitative Angabe über Keimzahlen nach Spezies getrennt zu dokumentieren.
Besondere Untersuchungen bei Immunsupprimierten
Über diese Basisuntersuchungen hinaus sind bei immunsupprimierten Patienten mit Pneumonie folgende bakterielle Erreger zu beachten bzw. bei der Untersuchungsanforderung zu benennen:
  • Nokardien: Da diese mindestens 48–72 h für ein Wachstum auf der Platte benötigen, ist eine längerdauernde Bebrütung von bis zu 7 Tagen erforderlich. Da sie zudem häufig von bakteriellen Erregern überwuchert werden, sind ggf. besondere Selektivmedien zu beimpfen. Eine Differenzierung bis zur Speziesebene ist erforderlich.
  • Rhodococcus spp.: Diese können mikroskopisch in der Gram-Färbung vermutet werden; in diesen Fällen ist eine modifizierte säurefeste Färbung möglich. Eine konventionelle Differenzierung ist schwierig.
Antigentests
Etablierte Antigentests sind Schnelltests aus Urin auf Streptococcus pneumoniae und Legionella pneumophila Serogruppe 1. Es soll hier darauf hingewiesen werden, dass andere Legionella spp. als Legionella pneumophila gerade bei Immunsupprimierten vorkommen können, aber nicht vollständig durch die Antigentests erfasst werden. Wenn aufgrund der Anamnese eine Legionelleninfektion vermutet wird, kann diese durch eine PCR aus respiratorischen Materialien nachgewiesen werden.
Pleuraergussflüssigkeit
Gewinnung
Bei der Pleuraergusspunktion sowie bei transthorakalen Aspirationen ist auf eine gute Desinfektion der Punktionsstelle und sterile Gewinnung der Ergussflüssigkeit zu achten.
Verarbeitung
Diese wird analog den respiratorischen Materialien verarbeitet; das Material ist gut für die Kultivierung anerober Erreger geeignet. Zusätzlich zur mikrobiologischen Verarbeitung sollten der pH bestimmt sowie eine laborchemische und zytologische Untersuchung veranlasst werden.

Mykobakteriologie

Geeignete Materialien

Geeignete Materialien sind respiratorische Sekrete und (bei bestimmten Typen der Immunsuppression) Blutkulturen. Medien und Abnahmetechnik der Blutkulturen auf Mykobakterien können von den üblichen Verfahren abweichen; entsprechend sollte Rücksprache mit dem Labor genommen werden. Wenn Biopsien oder Punktate gewonnen werden, stellen auch diese wertvolle Materialien für die Mykobakteriendiagnotik dar.

Respiratorische Materialien (einschließlich Pleuraergussflüssigkeit)

Gewinnung
Zusätzlich zur Gewinnung eines (spontanen) Sputums kann eine Reizinhalation mit 3 % Kochsalzlösung erfolgen.
Magensaft (zur Untersuchung verschluckten Atemwegssekretes) wird heute bei Erwachsenen nur noch in Ausnahmefällen einbezogen. Demgegenüber wird das Postbronchoskopie-Sputum weiterhin empfohlen (Lewinsohn et al. 2017).
Verarbeitung
Zunächst erfolgt die Färbung auf säurefeste Stäbchen nach Ziehl-Neelsen, Kinyoun oder mit einem Fluorochrom.
Zudem werden heute Nukleinsäureamplifikationstests (NAT) eingesetzt, die einen schnellen Nachweis einer Mykobakterieninfektion erlauben. Diese sind für M. tuberculosis gut evaluiert, für andere Mykobakterien weniger sicher. Die NAT auf M. tuberculosis sind mikroskopisch positiven Sputa gleichwertig. Sensitivität und Spezifität bei mikroskopisch negativen Sputa liegen bei 80–90 bzw. 95–99 %.
Die kulturelle Untersuchung bleibt weiterhin unverzichtbar und schließt zur Sicherstellung der höchsten Ausbeute zwei Festmedien und ein Flüssigmedium ein. Ein Wachstum von Mycobacterium tuberculosis ist binnen 10–28 Tagen (bzw. zwei bis vier Wochen) zu erwarten, schnellwachsende nichttuberkulöse Mykobakterien können jedoch auch früher nachgewiesen werden. Ein negativer Befund wird erst nach 6 (Flüssigmedien) bzw. 8 (Festmedien) Wochen Bebrütung ohne Wachstum berichtet. Diverse Flüssigmedien stehen zur Verfügung; diese verkürzen die Nachweisdauer auf im Mittel ca. 10 Tage (bzw. ein bis zwei Wochen).
Die Differenzierung der Mykobakterien erfolgt nicht mehr ausschließlich konventionell (Wachstumscharakteristika, Wachstumsrate und Pigmentbildung sowie biochemisch), sondern auf molekularer Basis durch Gensonden und/oder DNA-Sequenzierung; auch kann das MALDI-TOF-Verfahren verwendet werden. Die konventionelle Resistenztestung ist unverändert erforderlich und erfolgt nach unterschiedlichen Methoden, auch unter Verwendung von Flüssigverfahren.
Darüber hinaus stellt bei M. tuberculosis der molekulare Nachweis der häufigsten Mutationen, die eine Resistenz gegen INH und RMP kodieren, eine Schnellmethode zur Identifikation einer Multiresistenz (MDR) dar. Sie erlaubt somit bei allen im Präparat positiven Patienten die Identifikation einer MDR-Tuberkulose. Auch ein XDR-Test unter Einschluss von Resistenzgenen gegen Fluorchinolone und Aminoglykoside ist verfügbar.

Blutkulturen

Bei bestimmen Typen der Immunsuppression sind Mykobakteriämien durch nichttuberkulöse Mykobakterien und M. tuberculosis möglich; dies betrifft überwiegend Patienten mit AIDS. Da konventionelle Blutkulturen zur Anzucht von Mykobakterien ungeeignet sind, muss vor Abnahme die annehmende Mikrobiolgie kontaktiert werden.

Mykologie

Geeignete Materialien

Diese umfassen respiratorische Sekrete, Blutkulturen und Antigentests aus Blut oder BALF.

Respiratorische Sekrete

Gewinnung
Siehe unter Bakteriologie. Zusätzlich können bronchoskopisch sichtbare Abscheidungsthromben gewonnen und kulturell zum Nachweis einer Schimmelpilzinfektion verarbeitet werden.
Verarbeitung
Mikroskopisch erfolgt eine Untersuchung in der Gram-Färbung. Zusätzlich relevante Färbungen können die Calcoflur- oder PAS-Färbung sein.
Das Standardmedium zum Nachweis von Hefe- und Schimmelpilzen ist der Sabauraud-Agar. Für Cryptococcus neoformans und einige systemische Mykosen können weitere Medien notwendig werden, bei anamnestischem Verdacht auf solche Erreger muss die Verdachtsdiagnose daher der Mikrobiologie mitgeteilt werden.

Blutkulturen

Besondere Blutkulturflaschen sind nicht erforderlich, obgleich Systeme entworfen wurden, die eine höhere Sensitivität für einige Spezies zeigten. Während Candida-Fungämien zunehmend beobachtet werden, werden Schimmelpilz-Nachweise so gut wie nie gesehen.

Antigentests

Zwei Antigentests im Serum sind aktuell relevant: der Galaktomannan- und der D-1,3-ß-Glucan-Test. Ersterer kann auch in der BALF eingesetzt werden.
Eine Limitation beider Tests ist die Reaktivität mit Spuren von Pilzkulturen aus der Herstellung von ß-Laktamen und somit falsch-positiven Befunden.

Pneumocystis jirovecii

Biologie

P. jirovecii (früher P. carinii) wurde wegen der färberischen Ähnlichkeit zu Parasiten lange Zeit als Protozoon betrachtet. Neue, molekulare Techniken haben allerdings gezeigt, dass der Erreger zu den Pilzen gehört. Die Bezeichnungen der verschiedenen Formen des Erregers reflektieren immer noch diese Geschichte.
Geeignete Materialien
Das beste Untersuchungsmaterial ist eine BALF. Bei HIV-infizierten Patienten und leichter bis mittelschwerer Pneumonie ist ggf. auch ein induziertes Sputum (Reizinhalation mit 3 % Kochsalzlösung) möglich.

Verarbeitung

Färbungen
Zu unterscheiden sind nach Seitz (1989) drei Färbemethoden:
Färbung der zellulären Komponenten (May-Grünwald-Giemsa)
Die Giemsa-Färbung stellt die Trophozoiten, nicht jedoch die Zysten dar, da sie die Wände nicht anfärbt. Die Trophozoiten stellen sich als Anhäufungen von schaumigem, Vakuolen-ähnlichem Material dar. Die Kerne erscheinen rot, das Zytoplasma blau. Gelegentlich können alle acht Trophozoiten paarweise im Kreis gruppiert erscheinen.
Die Sensitivität ist hoch (nahe 100 %), die Spezifität deutlich geringer (ca. 75 %)
Färbung der Zystenwände
Grocott bzw. Gomori Methamin-Silber (GMS)
Diese stellt umgekehrt die Zysten, nicht jedoch die Trophozoiten dar. In der Mitte erscheinen zwei symmetrisch zueinander angeordnete klammerartige Strukturen, die viel Silber aufnehmen; diese gehören wahrscheinlich der Wand an. Diese Strukturen sind ähnlich denen von Hefepilzen und bei der Unterscheidung hilfreich. Sensitivität und Spezifität sind sehr hoch (jeweils nahe 100 %), insbesondere in Tropfsaugpräparaten (Seitz 1989).
Toluidinblau
Ähnlich sensitiv, stellt diese jedoch keine Klammern dar, ist daher weniger spezifisch. In einer modifizierten Toluidinblau-Färbung werden Zellen zerstört, wodurch die Differentialdiagnose wieder erleichtert wird.
Färbung durch Immunfluoreszenz
Diese stellt sowohl Trophozoiten als auch Zysten dar.
Die Immunfluoreszenz weist eine hohe Sensitivität auf, muss jedoch von geübten Untersuchern interpretiert werden, um unspezifische Fluoreszenz abgrenzen zu können.
Molekulare Techniken (PCR)
Die PCR weist eine höhere Sensitivität als Färbemethoden auf. Eine positive PCR kann jedoch auch einer Kolonisation entsprechen. Somit sollte eine begleitende Färbemethode erfolgen. Eine quantitative PCR mit hohen Kopienzahlen ist demgegenüber diagnostisch. Bislang ist allerdings kein einheitliches Target-Gen für eine PCR definiert, und es gibt keine allgemein akzeptierten quantitativen Grenzwerte.
Antigentest
Der ß-1,3-Glucan-Antigentest weist eine Sensitivität von über 90 % und eine Spezifität von über 85 % auf. Der Test selbst ist anspruchsvoll in der Durchführung, weswegen er nur in spezialisierten Zentren verfügbar ist.

Virologie

Geeignete Materialien

Diese umfassen die BALF, Serum und Rachenabstriche. Obsolet sind serologische Methoden zum Antikörpernachweis.

Respiratorische Sekrete

Für den Nachweis von Herpesviren ist die BALF das wichtigste Medium. Diese sollte systematisch wie folgt verarbeitet werden:
  • Kultur (konventionelle Zellkultur oder shell vial assay). Die konventionelle Kultur weist einen zytopathischen Effekt in diploiden Fibroblasten nach; dieser stellt sich erst nach Tagen oder Wochen ein. Beim shell vial assay erfolgt eine Antigenfärbung vor Ausbildung eines zytopathischen Effekts und wird innerhalb von 24–48 h positiv.
  • Eine positive Kultur beweist keine Pneumonie durch Herpesviren (z. B. Zytomegalie), sondern lediglich eine Reaktivierung der Virusreplikation.
  • PCR: Diese weist einen hohen negativen, aber niedrigen positiven Prädiktionswert auf.
Beweisend für eine Herpesvirus-Pneumonie sind (neben der Histologie) lediglich die
  • Zytologie (Kap. Pneumonie unter Immunsuppression: Pathologie) und die
  • DNA-Hybridisierung.

Serum

Ein Nachweis einer Virämie bzw. Antigenämie durch Zytomegalie ist möglich über einen Immunoassay (S 65), eine quantitative PCR oder einen CMV Hybrid capture assay. Der Immunoassay weist Antigene in der indirekten Immunfluoreszenz auf peripheren Leukozyten nach.
Auch der Virämie-Nachweis ist nicht beweisend für eine Pneumonie, sondern (meist) lediglich für eine Virus-Reaktivierung.

Rachenabstriche

Gewinnung
Rachenabstriche werden anhand kommerziell erhältlicher Abstrichmaterialien gewonnen und sollten umgehend dem Labor zur Verarbeitung zugeführt werden.
Verarbeitung
Rachenabstriche sind geeignet zum Nachweis von Influenza-, Parainfluenza-, RS-, Adeno-, Rhino- und Metapneumovirus, jeweils durch Nachweis in der PCR.

Parasitologie (Toxoplasma gondii, Kryptosporidien)

Geeignete Materialien

Geeignet ist ausschließlich die BALF . Bei immunsupprimierten Patienten dient die Serologie lediglich dem Nachweis einer früher durchgemachten Erstinfektion.

Verarbeitung

Pulmonale Toxoplasmose: In der Giemsa-Färbung der BALF stellen sich intra- und extrazelluäre Tachyzoiten dar. Auch der Nachweis mit einer PCR ist möglich.
Pulmonale Microsporidiose: In der Giemsa- oder der Calcofluor-Färbung stellen sich die Sporen dar.

Synopsis diagnostische Materialien

In der Zusammenschau ergibt sich folgende Empfehlung für die Gewinnung und Verarbeitung von Proben von Patienten mit Pneumonie unter Immunsuppression (Tab. 1).
Tab. 1
Untersuchungsmaterial für die mikrobiologische Diagnostik bei Patienten mit Pneumonie unter Immunsuppression
Material
Untersuchung auf
Nichtinvasiv gewonnenes Material
Bakterien, Pilze (ggf. Mykobakterien)
Sputum, Tracheobronchialsekret
Bakterien, Mykobakterien, Pilze
Induziertes Sputum
Pneumocystis
Antigentests Serum
Schimmelpilze; Zytomegalie
Antigentests Urin
S. pneumoniae, L. pneumophila Serogruppe 1
Rachenabstriche
Respiratorische Viren
Invasiv gewonnenes Material
BALF
Bakterien, Mykobakterien, Pilze, Pneumocystis, Herpes-Viren
Transthorakale Punktion
Bakterien, Mykobakterien, Pilze
Pleuraergussflüssigkeit
Bakterien, Mykobakterien, Pilze

Synopsis der Kriterien des Erregernachweises

Tab. 2 fasst die Kriterien zusammen, die zur definitiven Diagnose der jeweiligen Ätiologie einer Pneumonie unter Immunsuppression erforderlich sind. Einige Pilz-Pneumonien und Herpesvirus-Pneumonien sind als einzige durch mikrobiologische Kriterien allein nicht zu sichern; hier bedarf es zusätzlich des histo- bzw. zytologischen Nachweises einer entsprechenden Pneumonie.
Tab. 2
Kriterien für die definitive Ätiologie von Pneumonien unter Immunsuppression
 
Mikrobiologische Kriterien
Nachweis in/durch
Histologische Kriterien
Bakterielle Pneumonien
Streptococcus pneumoniae
Staphylococcus aureus
Gramfärbung und Kultur resp. Materialien
Pleuraergussflüssigkeit
Antigentest im Urin (nur S. pneumoniae)
-
Mycoplasma pneumoniae
Legionella spp.
PCR resp. Materialien
Kultur resp. Materialien
PCR resp. Materialien
Antigentest im Urin
(nur L. pneumophila Serogruppe 1)
-
Nocardia spp.
Rhodococcus spp.
Gramfärbung und -Kultur resp. Materialien
-
Mykobakteriosen
Tuberkulose (M. tuberculosis)
Säurefeste Stäbchen und Kultur resp. Materialien
PCR resp. Materialien
Epitheloidzellige Granulome (ggf. mit zentralen Nekrosen; ggf. zusätzlich PCR)
Nichttuberkulöse Mykobakterien
Säurefeste Stäbchen und Kultur resp. Materialien
PCR resp. Materialien
Epitheloidzellige Granulome (ggf. mit zentralen Nekrosen; ggf. zusätzlich PCR)
Pilz-Pneumonien
Candida spp.
Blutkultur (beweist systemische Infektion, nicht Pneumonie durch Candida spp.)
Invasive Infektion durch Sprosspilze
Aspergillus spp., Mucorales
-
Invasive Infektion durch Aspergillus- bzw. Mucorhyphen
Fusarium
Scedosporium
Kultur resp. Materialien
 
Pneumocystis
Pneumocystis jirovecii
Färbung (Giemsa, Grocott, Toluidinblau) von Sputum oder BALF
(quantitative) PCR BALF
Nachweis von Sporozoiten
Virale Pneumonien
Herpesviren
Nachweis der Reaktivierung:
Shell vial culture
Antigentest S 65
(quantitative) PCR
Nachweis der Pneumonie:
Histologie
DNA-Hybridisierung
Influenza- Parainfluenza, RS-Viren
PCR Rachenabstrich
PCR BALF
-
Parasitäre Pneumonien
Toxoplasma gondii
Nachweis von Trophozoiten
Nachweis von Trophozoiten

Weiterführende Literatur

Allgemeine Referenzen:
  • Tille P (2016) Bailey Scott’s diagnostic microbiology, 14. Aufl. Elsevier – Health Sciences Division
  • De la Maza LM, Pezzlo MT, Shigei JT, Tan GL, Peterson EM (2013) Color atlas of medical microbiology, 2. Aufl. American Society for Microbiology
Diagnostik der Tuberkulose:
  • Lewinsohn DM, Leonard MK, LoBue PA, Cohn DL, Daley CL, Desmond E, Keane J, Lewinsohn DA, Loeffler AM, Mazurek GH, O’Brien RJ, Pai M, Richeldi L, Salfinger M, Shinnick TM, Sterling TR, Warshauer DM, Woods GL, Official American Thoracic Society/Infectious Diseases Society of America/Centers for Disease Control and Prevention Clinical Practice Guidelines (2017) Diagnosis of tuberculosis in adults and children. Clin Infect Dis 64:111–115
Färbetechniken zur Diagnose der Pneumocystis Pneumonie:
  • Seitz HM (1989) Technik des mikrobiologischen Nachweises von Pneumocystis carinii. In: Dietrich M (Hrsg) Die Pneumocystis carinii Pneumonie. Klinik, Diagnostik, Therapie, Prophylaxe. Springer, S 147–150