Praktische Krankenhaushygiene und Umweltschutz
Autoren
Thomas Hauer und Eva Fritz

Radiologie / Bildgebende Verfahren: Hygienische Maßnahmen

In der modernen Radiologie wurden neben diversen alten und neuen bildgebenden Verfahren auch eine Reihe invasiver Techniken entwickelt. Neben dem unbestreitbaren Nutzen für die Patienten geht damit aber auch die Möglichkeit zusätzlicher infektiöser Komplikationen einher. Auch das Personal kann beispielsweise durch Stichverletzungen gefährdet sein.

Einleitung

In der modernen Radiologie wurden neben diversen alten und neuen bildgebenden Verfahren auch eine Reihe invasiver Techniken entwickelt. Neben dem unbestreitbaren Nutzen für die Patienten geht damit aber auch die Möglichkeit zusätzlicher infektiöser Komplikationen einher. Auch das Personal kann beispielsweise durch Stichverletzungen gefährdet sein.
Radiologieabteilungen erfahren einen hohen Durchlauf an Patienten aus den verschiedensten Abteilungen. Infektionsprobleme, die sich zum Teil viel später und andernorts manifestieren, werden nicht ohne weiteres mit dem Aufenthalt in der Radiologie in Zusammenhang gebracht. Dies macht bei „Vergessen“ der grundsätzlich im Krankenhaus zu beachtenden Standardhygienemaßnahmen (Kap. Basishygienemaßnahmen im Krankenhaus) die Übertragung von beispielsweise MRE (multiresistente Erreger), Clostridium difficile oder auch Tuberkulose möglich. Daraus ergibt sich die Notwendigkeit, die Mitarbeiter in den Fortbildungsplan der Krankenhaushygiene einzubeziehen sowie die Abteilung in die Hygienestruktur unter anderem mit Zuständigkeit eines hygienebeauftragten Arztes sowie eines Hygienebeauftragten aus der Pflege einzubinden.
Wichtig
Grundsätzlich müssen die Standardhygienemaßnahmen mit besonderer Sorgfalt eingehalten werden. Bei Verdacht auf oder Nachweis bestimmter Erreger können darüber hinaus diagnoseabhängig die „erweiterten Schutzmaßnahmen“ (Kap. Basishygienemaßnahmen im Krankenhaus) vor Kontakt-, Tröpfchen- und aerogener Übertragung erforderlich werden. Dies muss der radiologischen Abteilung mitgeteilt werden.

MRE (MRSA und multiresistente gramnegative Erreger)

Bei mit MRSA und anderen multiresistenten Erregern (MRGN) besiedelten Patienten reduzieren die „Standardhygienemaßnahmen“ (Kap. Basishygienemaßnahmen im Krankenhaus) das Übertragungsrisiko schon weitestgehend. Entscheidend ist die Händedesinfektion (mindestens 30 s) vor und nach Patientenkontakt.
Darüber hinaus sollten nur die Personen, die direkten (Körper-)Kontakt zum Patienten haben, wie beispielsweise beim (Um-)Lagern, Anlegen von Zugängen etc., einen Schutzkittel tragen. Ein Mundschutz ist dann erforderlich, wenn die Möglichkeit besteht, dass man direkt angehustet wird (Gesicht-zu-Gesicht-Kontakt). Handschuhe werden getragen, wenn Kontakt mit Blut, Stuhl oder Urin antizipiert wird. Bei Hände-Haut-Kontakt ist die Händedesinfektion nötig und ausreichend. Eine Händedesinfektion ist zudem auch nach Berührung von Bett oder Oberflächen notwendig, die mit dem Patienten unmittelbar in Berührung kamen.
Wichtig
Bei einem Großteil der mit MRE besiedelten Patienten ist trotz risikobasierter Screeningmaßnahmen der Trägerstatus nicht bekannt. Daraus ergibt sich die Notwendigkeit der konsequenten Einhaltung der Standardhygienemaßnahmen bei allen Patienten. Durch eine sorgfältige Planung der Arbeitsabläufe, zum Beispiel Vorrichten aller benötigten Materialien, kann dies erleichtert werden.

Tuberkulose

Patienten mit offener, also ansteckungsfähiger Lungentuberkulose sollten einen chirurgischen Mundschutz tragen (FFP2-Maske ist beim Patienten nicht erforderlich!) (Kap. Tuberkulose und andere durch Luft übertragbare Infektionserkrankungen: Krankenhaushygiene zur Vermeidung und Eindämmung). Eine spezielle Klimatisierung (d. h. Unterdruck im Verhältnis zu umliegendem Bereich, ausreichender Luftaustausch, 12 Luftwechsel/h) wäre ideal, ist aber in Deutschland in der Regel nicht verfügbar. Sind Untersuchungsräume mechanisch be- und entlüftet, ist die Lüftungsanlage abzustellen, wenn sich kein Schwebstofffilter (Filterklasse H13/H14) in der Abluft befindet. Bei Räumen ohne Lüftungsanlage sollten Tuberkulosepatienten mit Verdacht auf offener Tuberkulose der Atemwege am Schluss des Tagesprogrammes ohne Wartezeit im allgemeinen Wartebereich einbestellt werden. Alle Personen, die sich im gleichen Raum mit dem Patienten befinden, müssen eine Maske der Schutzstufe FFP2 tragen. Beim Anlegen ist auf sorgfältigen Dichtsitz zu achten (vorher trainieren!). Die Türen zum umliegenden Bereich müssen geschlossen gehalten werden. Kann der Patient keinen chirurgischen Mundschutz tragen oder muss ihn während der Untersuchung ablegen, sollten sich auch in benachbarten Räumen keine Patienten mehr aufhalten. Nach Beendigung der Untersuchung kann nach einer ca. 60-minütigen Lüftung wenn möglich bei geöffnetem Fenster von einer ausreichenden Verdünnung eventuell im Raum schwebender infektiöser Tröpfchenkerne ausgegangen werden. Danach kann der Raum wieder normal benutzt werden. Eine Wischdesinfektion der Oberflächen ist nicht routinemäßig, sondern nur nach sichtbarer Kontamination mit beispielsweise Sekret erforderlich.

HIV und Hepatitis B, C

Bei diesen und anderen im Krankenhausbereich durch Blutkontakt übertragbaren Erkrankungen gelten die überall wichtigen universellen Vorsichtsmaßnahmen (Kap. Arbeitsmedizin und Gesundheitsschutz im Krankenhaus) zum Schutz vor Stichverletzungen und sonstigem Blutkontakt einschließlich des Impfschutzes gegenüber Hepatitis B.

Verfahren

Endoskopische Verfahren

Bei Endoskopien sowohl des Intestinaltraktes, der Gallenwege als auch im Bereich der Bronchien kann es zu Infektionsübertragungen kommen, wenn die nötigen Mindestanforderungen an das jeweilige Aufbereitungsverfahren (Kap. Endoskopie: Hygienische Maßnahmen) nicht eingehalten wurden (KRINKO 2012).
Kontaminationen durch Pseudomonas aeruginosa oder atypische Mykobakterien stammen häufig aus dem Leitungswasser, während bei darmpathogenen Erregern oder M. tuberculosis zuvor endoskopierte Patienten die Quelle darstellen. Nach der endoskopisch retrograder Cholangiopankreatikographie (ERCP) kann es zur Bakteriämie mit endogenen Erregern kommen, insbesondere, wenn hinterher keine adäquate Drainage der Gallenwege gegeben ist. Manche Autoren empfehlen daher eine Antibiotikaprophylaxe bei Vorliegen von Risikofaktoren wie Cholestase und bei lebertransplantierten Patienten (Kwak et al. 2013).

Radiologische Verfahren im Bereich der Gefäße

Einfache Angiographien ohne Intervention oder Einbringen von Fremdmaterial sind mit einem sehr geringen Infektionsrisiko behaftet. In Analogie zur Anlage venöser und arterieller Zugänge gelten die Hygienemaßnahmen zur Verhütung venenkatheterassoziierter Infektionen (Kap. Infektionen und Sepsis durch intravaskuläre Katheter). Vor dem Anlegen steriler Handschuhe ist eine hygienische Händedesinfektion (30 s) erforderlich. Zur infektionsprophylaktischen Wirksamkeit von chirurgischer Maske und Mundschutz existieren keine Daten. Sie schützen das Personal jedoch wie im Übrigen auch das Tragen einer Schutzbrille mit Seitenschutz vor Blutspritzern und sind damit empfehlenswert.
Um eine unabsichtliche Kontamination des Katheters an der Kleidung zu vermeiden, kann je nach Verfahren ein steriler Kittel sinnvoll sein.

Interventionelle Angiographie

Nach Angioplastien, Stentimplantationen und Arteriektomien können gelegentlich Infektionen auftreten. Zur Minimierung des Infektionsrisikos sei auch hier auf die Hygienemaßnahmen beim Legen zentraler Zugänge (Kap. Infektionen und Sepsis durch intravaskuläre Katheter) verwiesen. Bei perkutanen Katheterembolisationsverfahren kommen Infektionskomplikationen vor allem im Bereich von Leber und Milz vor. Die Infektionsraten können abhängig von Patientenklientel und insbesondere von der Erfahrung des Operateurs sehr unterschiedlich sein. Eine Antibiotikaprophylaxe bei Embolisation der Milz und anderer Organe mit potenzieller bakterieller Besiedlung (wie z. B. Kolon und Leber) erscheint sinnvoll (Ribner 2004).

Interventionelle radiologische Verfahren außerhalb des Gefäßsystems

Hierunter fallen eine Vielzahl von Eingriffen, die ansonsten nur durch einen offenen chirurgischen Eingriff zu bewältigen wären, wie zum Beispiel die perkutane Abszessdrainage oder die perkutane transhepatische Drainage der Gallenwege. Erwartungsgemäß sind diese mit einem höheren Infektionsrisiko als zum Beispiel eine CT-gesteuerte perkutane Biopsie verbunden. Die Infektionsraten müssen jedoch mit dem alternativ durchzuführenden offen chirurgischen Verfahren verglichen werden, die häufig höher sind. Auch hier sind die Technik und Erfahrung des Arztes in Bezug auf die Infektionsraten entscheidend.
Eine perkutane transhepatische Drainage der Gallenwege wird beispielsweise palliativ bei Tumorpatienten oder präoperativ entlastend bei Obstruktion aufgrund von Cholelithiasis, Strikturen oder Malignomen durchgeführt. Dementsprechend muss mit Cholangitiden und bakterieller Besiedlung der Gallenwege einschließlich Bakteriämien gerechnet werden. Entsprechend hoch ist das Infektionsrisiko nach dem Eingriff, wobei auch eine alternative chirurgische Entlastung in der Hälfte der Fälle eine postoperative Sepsis nach sich ziehen kann.
Perkutane urologische Eingriffe zielen häufig auf die Entlastung einer Obstruktion durch Steine, Strikturen oder Neoplasien. Die Infektionskomplikationen umfassen Septikämien und Pyelonephritiden und sind seltener als im Bereich der Gallenwege (Ribner 2004).

Hygienemaßnahmen in der interventionellen Radiologie

Mit Ausnahme einfacher perkutaner Biopsien sollten die oben genannten invasiven Eingriffe in einem Arbeitsumfeld stattfinden, das OP-Bedingungen entspricht. Bei den Arbeitsabläufen und Hygienemaßnahmen orientiert man sich an offenen chirurgischen Eingriffen (Kap Operative Medizin: Hygienische Maßnahmen).
Hygienemaßnahmen bei invasiven Eingriffen in der Radiologie
  • Chirurgische Händedesinfektion (1,5 min)
  • Sterile Handschuhe
  • Steriler Kittel
  • Mund-Nasen-Schutz
  • Sorgfältige Hautdesinfektion im Bereich des geplanten Eingriffs (90 s)
  • Großflächige sterile Abdeckung des Patienten
  • Ausreichend große steril abgedeckte Flächen zur Bereitstellung der benötigten Instrumente

Klimatisierung und Raumgröße

Ist eine Klimatisierung bzw. mechanische Belüftung gewünscht oder erforderlich, ist auch bei interventionellen radiologischen Verfahren eine zweistufige raumlufttechnische Anlage mit Filtern der Klasse F9 in der 2. Stufe ausreichend (Besonderheiten bei Tuberkulose s. oben). Bei Fensterlüftung der Räumlichkeiten sind dichtsitzende, leicht zu reinigende Fliegengitter an den Fenstern zu installieren. Der Raum sollte groß genug sein, um kollisionsfreies aseptisches Arbeiten zu ermöglichen.

Myelografie

Myelographien sind mit sehr geringen nosokomialen Infektionsraten verbunden. Andererseits verlaufen sie im Bereich der Meningen besonders dramatisch und mitunter tödlich. Analog zu dem Vorgehen bei Lumbal- oder Epiduralpunktionen sollte das Risiko des Einbringens von Keimen der Mund-Rachen-Flora des Untersuchers durch das Tragen eines Mundschutzes und die gleichzeitige Maßgabe, möglichst wenig zu sprechen, minimiert werden.

Radiologische Untersuchungen im Bereich des Gastrointestinaltrakts

Aus früheren Jahren existieren eine Reihe von Berichten über die Übertragung verschiedener Erreger (Darmkeime, Salmonella typhi, Polioviren, Amöben) durch unzureichend aufbereitetes Material bei Barium-Kontrasteinläufen auf nachfolgende Patienten (Ribner 2004). Daher müssen alle Materialien, die für Kontrasteinläufe eingesetzt werden, entweder sicher (vorzugsweise thermisch) desinfiziert werden, oder man muss auf Einmalartikel zurückgreifen.
Bei einem Teil der Patienten kommt es zu transienten Bakteriämien, insbesondere während starker Distention des Kolons. Dadurch bedingte Infektionskomplikationen sind jedoch so selten, dass der theoretisch mögliche Nutzen einer Antibiotikaprophylaxe das damit verbundene Nebenwirkungsrisiko nicht aufwiegen würde.

Hygienische Risiken bei der Applikation von intravenösen Kontrastmitteln

Verschiedene Vorgehensweisen zur Kontrastmittelgabe bergen jeweils unterschiedliche Risiken.
Bei der manuellen Kontrastmittelgabe ist eine besondere Gefahr die Mehrfachentnahme aus größeren Behältnissen (Mattner 2004). Eine zeitlich versetzte Mehrfachentnahme aus größeren Gebinden ist nicht zulässig. Werden aus einem großen Gebinde mehrere Spritzen unmittelbar hintereinander aufgezogen und sind diese für mehrere Patienten vorgesehen, muss die Applikation zeitnah geschehen. Im Umfeld der entsprechenden Untersuchungen erscheint dies jedoch schlecht realisierbar, da die Länge der Untersuchungen und die benötigte Menge an Kontrastmittel variieren können. Werden Kontrastmittel manuell verabreicht, sind entsprechende Einmaldosisbehältnisse einzusetzen, die in unterschiedlichen Größen von den Herstellern zur Verfügung gestellt werden. Ein aseptischer Umgang mit Einzeldosisbehältnissen einschließlich einer hygienischen Händedesinfektion und einer Desinfektion der Arbeitsfläche vor dem Umgang mit Arzneimitteln sind auch hier unverzichtbar.
Bei automatischer Kontrastmittelinjektion stehen entweder Systeme mit Spritzeninjektoren oder Rollenpumpen zur Verfügung.
Hygienische Risiken entstehen, sobald Injektorspritzen nachgefüllt werden und zudem noch für mehrere Patienten Verwendung finden, auch wenn Schlauchsysteme mit eventuell vorhandenen Rückschlagventilen zwischen den Patienten gewechselt werden. In der Vergangenheit gab es Berichte zu Erregerübertragungen über solche Injektionssysteme (Chen et al. 1999).
Zum einen besteht dabei das Risiko der Übertragung von blutübertragenen Krankheitserregern (Hepatitis-Viren, HIV) zwischen verschiedenen Patienten durch retrograde Kontamination; zum anderen gibt es (i. d. R. bakterielle) Kontaminationsmöglichkeiten beim Aufziehen und Vorbereiten der Infusionslösungen bzw. des Systems mit Gefahr der Keimvermehrung in den nicht konservierten Lösungen bei Verwendung über längere Zeit und deren Stand bei Raumtemperatur (Buerke et al. 2008). Dieser Problemstellung wird von Herstellerseite häufig mit der Verwendung eines oder mehrerer Rückschlagventile begegnet, deren Wirksamkeit jedoch nicht sicher belegt ist. Ein mikroskopisch erfolgter Rückfluss mit Diffusion kleinster Partikel (wie z. B. Viren) in die Kontrastmittelspritze kann derzeit trotz Verwendung und Wechsel eines oder mehrerer Rückschlagventile sowie des patientennahen Teils des Zuleitungssystems nicht mit der erforderlichen letzten Sicherheit ausgeschlossen werden (Ellger et al. 2011).
Besondere Kontaminationsrisiken bestehen durch repetitive Manipulationen am System, in besonderem Maße dann, wenn Systeme dazu diskonnektiert und Spritzenkolben wieder befüllt werden (Mattner 2004).
Vor diesem Hintergrund kann die Verwendung derartiger Applikationssysteme aus krankenhaushygienischer Sicht nicht uneingeschränkt empfohlen werden, auch wenn durch den Einsatz mehrerer Rückschlagventile und den Wechsel des patientennahen Schlauchstückes bei jedem neuen Patienten die Vermutung nahe liegt, dass eine Infektionsgefährdung für nachfolgende Patienten gering ist.
Fazit für die Praxis
Sind die Injektorspritzen für Kontrastmittel und NaCl-Lösung herstellerseitig vorgefüllt und werden sie jeweils, ebenso wie das benötigte Schlauchsystem, nur für einen Patienten verwendet, stellt dies die hygienisch sicherste Variante der Kontrastmittelgabe dar. Entscheidet man sich entgegen dieser Empfehlung für ein System, bei dem die Verwendung unter Zwischenschaltung von Rückschlagventilen und Austausch der Infusionsschläuche durch den Hersteller zugelassen ist, müssen Begutachtungen oder Untersuchungen für das System als Ganzes vorliegen, die eine retrograde Kontamination zum Beispiel auch und gerade durch virale Infektionserreger des vorhergehenden Patienten (HIV, HCV etc.) sicher ausschließen (Vermeulen et al. 2015). Darüber hinaus muss eine Konformitätsbewertung für patientenübergreifende Mehrfachanwendung erfolgreich durchgeführt werden. Der Hersteller sowohl des Applikationssystems als auch der des Kontrastmittels muss sich in der Produktinformation unmissverständlich auch zur Mehrfachanwendung äußern.

Impfschutz

Radiologisches Personal sollte über einen ausreichenden Impfschutz gegenüber Hepatitis B, Pertussis und Influenza verfügen (Kap. Arbeitsmedizin und Gesundheitsschutz im Krankenhaus).

Reinigungs- und Desinfektionsplan

Die wichtigsten Reinigungs- und Desinfektionsmaßnahmen werden in Tab. 1 aufgeführt. Grundsätzlich müssen Oberflächen von Mobiliar und Geräten sowie Fußboden und Wände nicht routinemäßig wischdesinfiziert werden. Lediglich bei sichtbarer Kontamination mit potenziell infektiösem Material (Blut, Sekret, Stuhl, Urin) muss dies, dann aber umgehend, geschehen. Eine Ausnahme stellen direkt mit der Haut des Patienten in Kontakt kommende Oberflächen dar. Dazu zählen Röntgentisch (sofern nicht mit Papierrolle abgedeckt), Röntgenplatte und diverse Lagerungshilfsmittel wie Kinn- oder Bruststützen. Diese sollten zwischen den Patienten mit einem VAH-gelisteten Flächendesinfektionsmittel oder 70 %igem Isopropanol abgewischt werden. Computertastaturen sollten mit flexibler abwischbarer Folie abgedeckt sein.
Tab. 1
Reinigungs- und Desinfektionsplan in der Radiologie
Was
Wann
Womit
Wie
Händereinigung
Bei Betreten bzw. Verlassen des Arbeitsbereiches, bei sichtbarer Kontamination der Hände
Flüssigseife aus Spender
Hände waschen, mit Einmalhandtuch abtrocknen
Hygienische Händedesinfektion (30 sec.)
Zum Beispiel vor Patientenkontakt, Verbandswechsel, Injektionen, Blutabnahmen, Anlage von Blasen- und Venenkathetern
Nach Patientenkontakt, Kontamination** (bei grober Verschmutzung vorher Hände waschen), nach Ausziehen der Einmalhandschuhe
Alkoholisches Händedesinfektionsmittel
Ausreichende Menge entnehmen, damit die Hände für die Dauer der Einwirkzeit vollständig benetzt sind*
Chirurgische Händedesinfektion
Vor OP-ähnlichen Eingriffen
alkoholisches Händedesinfektionsmittel: Hände und Unterarme in der Umkleide waschen
Händedesinfektionsmittel während 90 sec* portionsweise auf Händen und Unterarmen verreiben
Hautdesinfektion
Vor Punktionen, bei Verbandwechsel etc.
Zum Beispiel (alkoholisches) Hautdesinfektionsmittel
oder
z. B. Octenidin-Alkohol-Lösung, PVP-Jod-Alkohol-Lösung
Sprühen, wischen, sprühen
Sterilisierter Tupfer
Dauer: 30 s
Vor radiologischen Eingriffen, bei denen der Katheter nur durch eine Punktion eingeführt wird
Mit sterilen Tupfern mehrmals auftragen und verreiben
Dauer: 1 min
Vor radiologischen Eingriffen, bei denen der Zugang zum Gefäß über eine chirurgische Inzision erfolgt
Mit sterilen Tupfern mehrmals auftragen und verreiben
Dauer: 3 min
Schleimhautdesinfektion
Zum Beispiel vor Anlage von Blasenkathetern
Zum Beispiel Octenidin-Lösung ohne Alkohol oder PVP-Jodlösung ohne Alkohol
Unverdünnt auftragen
Dauer: 30 s
Instrumente
Nach Gebrauch
Reinigungs- und Desinfektionsautomat, verpacken, autoklavieren
Nur in Ausnahmefällen/als Havariekonzept manuelle Aufbereitung mit Instrumentendesinfektionsmitteln
 
Blutdruckmanschette
Kunststoff
Nach Gebrauch/Kontamination
Mit (alkoholischem) Flächendesinfektionsmittel
Abwischen, trocknen lassen
Stethoskop
Nach Gebrauch/Kontamination
Alkoholisches Flächendesinfektionsmittel
Abwischen
Geräte, Mobiliar
Einmal täglich
Umweltfreundlicher Reiniger
Abwischen
Beatmungsbeutel
Nach Gebrauch
Reinigungs- und Desinfektionsautomat
 
Röntgentische, Röntgenscheiben, Röntgenkassetten
Nach Patientenkontakt
Nach Kontamination**
Flächendesinfektionsmittel
Abwischen
Waschbecken
Einmal täglich
Umweltverträglicher Reiniger
 
Strahlregler
Halbjährlich, bei sichtbarer Verkalkung häufiger
Reinigen, entkalken (z. B. Essigwasser, Spülmaschine), ggf. Austausch
 
Steckbecken, Urinflasche
Nach Gebrauch
Steckbeckenspülautomat
 
Fußboden
Einmal täglich
Nach Kontamination**
Umweltfreundlicher Reiniger
Flächendesinfektionsmittel
Hausübliches Reinigungssystem
Abfall, bei dem Verletzungsgefahr besteht (z. B. Skalpelle, Kanülen)
Direkt nach Gebrauch (bei Kanülen kein Recapping)
Entsorgung in durchstichsicheren, flüssigkeitsdichten, sicher verschließbaren und bruchfesten Behältern
 
* Herstellerangaben beachten
** Kontamination: Kontakt mit (potenziell) infektiösem Material
Anmerkungen:
– Nach Kontamination mit potenziell infektiösem Material (z. B. Sekreten oder Exkreten) immer sofort gezielte Desinfektion der Fläche
– Beim Umgang mit Desinfektionsmitteln immer mit Haushaltshandschuhen arbeiten (Allergisierungspotenzial)
– Ansetzen der Desinfektionsmittellösung nur in kaltem Wasser (Vermeidung schleimhautreizender Dämpfe)
– Anwendungskonzentrationen beachten
– Einwirkzeiten von Instrumentendesinfektionsmitteln einhalten
– Standzeiten von Instrumentendesinfektionsmitteln nach Herstellerangaben
– Zur Flächendesinfektion nicht sprühen, sondern wischen, Flächendesinfektionsmittel nach Herstellerangaben verwenden
– Nach Wischdesinfektion Benutzung der Flächen sobald wieder trocken
– Benutzte, d. h. mit Blut etc. belastete Flächendesinfektionsmittellösung wechseln
– Haltbarkeit einer unbenutzten dosierten Flächendesinfektionsmittellösung (z. B. 0,5 %ig) in einem verschlossenen (Vorrats-)Behälter (z. B. Spritzflasche) nach Herstellerangaben (meist 14–28 Tage)
– Validierter Reinigungs- und Desinfektionsautomat
Literatur
Buerke B, Mellmann A, Stehling C, Wessling J, Heindel W, Juergens KU (2008) Microbiologic contamination of automatic injectors at MDCT: experimental and clinical investigations. Am J Roentgenol 191(6):W283. doi:10.​2214/​AJR.​07.​3954 CrossRef
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KRINKO (2012) Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention am Robert Koch-Institut (RKI); Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) (2012): Anforderungen an die Hygiene bei der Aufbereitung von Medizinprodukten. Bundesgesundheitsbl 55(10):1244–1310. doi:10.​1007/​s00103-012-1548-6 CrossRef
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