Psychiatrie und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters
Autoren
Michael Kaess und Marialuisa Cavelti

Frühintervention psychischer Störungen

Viele schwere psychische Störungen treten erstmals in der Adoleszenz in Erscheinung. Sie beeinträchtigen oder verhindern wichtige Entwicklungsaufgaben dieser Lebensphase, zeigen eine hohe Persistenz ins Erwachsenenalter und führen zu Leidensdruck und psychosozialer Beeinträchtigung bei den Betroffenen sowie beträchtlichen volkswirtschaftlichen Kosten. Je länger eine psychische Störung unbehandelt bleibt, desto schlechter ist ihre Prognose. Dies hat zu einem Paradigmenwechsel in der klinischen Versorgung und Erforschung psychischer Störungen weg von der herkömmlichen Behandlung hin zur Prävention und Frühintervention geführt. Im vorliegenden Kapitel werden die Chancen und Risiken sowie die aktuelle Evidenzlage der Früherkennung und -behandlung von Personen mit Risikosymptomen oder der Erstmanifestation einer psychischen Störung dargestellt. Diese werden anhand der Beispiele der Schizophrenie und anderer psychotischer Störungen sowie der Borderline-Persönlichkeitsstörung diskutiert.

Adoleszenz als entscheidende Phase für die Frühintervention psychischer Störungen

Häufigkeit, Persistenz und Krankheitslast früher psychischer Störungen

Die Adoleszenz ist die Übergangsphase von der Kindheit zum Erwachsenenalter. Sie umfasst die Zeitspanne vom 10. bis zum 21. Lebensjahr, oder im Sinne der sog. erweiterten Adoleszenz bis zum 25. Lebensjahr. Die Adoleszenz geht mit tief greifenden biologischen und psychosozialen Veränderungen einher. Sie beginnt mit der Geschlechtsreifung, gefolgt von physiologischen Reifungsprozessen von Hirnarealen, die für interpersonelles Verhaltens, die kognitive Kontrolle von Emotionen sowie die Steuerung von Motivationsprozessen (Risiko- und Belohnungsbewertung) verantwortlich sind. Gleichzeitig sehen sich die Jugendlichen mit herausfordernden Entwicklungsaufgaben konfrontiert, wie den Schulabschluss und die Berufswahl, die Ablösung von den Eltern, die Partnersuche, den Ausbau des sozialen Netzes sowie die Entwicklung einer eigenen Identität (einschließlich der sexuellen Identität), von Zukunftsperspektiven und verhaltensleitenden Werten und Moralvorstellungen. Die umfassenden biologischen und psychosozialen Veränderungen dieser Phase stellen zugleich Chance als auch Risiko für die Entwicklung des Individuums dar. Nicht verwunderlich also, dass die Adoleszenz mit einer erhöhten Anfälligkeit für psychische Störungen einhergeht (Paus et al. 2008).
Obwohl Verhaltensstörungen und spezifische Angststörungen sich bereits während der Kindheit zeigen können, treten die psychischen Störungen mit den höchsten Prävalenzraten, wie die affektiven und substanzbezogenen Störungen, sowie psychotische Störungen erstmals während der Adoleszenz und des frühen Erwachsenenalters in Erscheinung (de Girolamo et al. 2012). Zwischen 40–49 % aller Jugendlicher im Alter zwischen 13 und 18 Jahren weisen eine psychische Störung auf (1-Jahres-Prävalenz) (Kessler et al. 2012). Zu den häufigsten psychischen Störungen im Jugendalter zählen Angststörungen, Verhaltensstörungen, affektive Störungen und substanzbezogene Störungen. Etwa ein Drittel der Betroffenen leidet unter zwei oder mehreren psychischen Störungen gleichzeitig (Kessler et al. 2012). Die Ergebnisse verschiedener epidemiologischer Studien legen nahe, dass sich 50 % aller psychischer Störungen, die über die gesamte Lebensspanne auftreten, bis zum 14. Lebensjahr und 79 % bis zum 24. Lebensjahr manifestiert haben (Lambert et al. 2013). Weiterhin spricht die empirische Befundlage dafür, dass sich psychische Störungen bei Kindern und Jugendlichen nicht „auswachsen“, sondern häufig bis ins Erwachsenenalter (episodisch oder chronisch) persistieren (homotypische Kontinuität) oder Vorläufer für eine im frühen Erwachsenenalter auftretende schwere psychische Störung darstellen (heterotypische Kontinuität) (de Girolamo et al. 2012; Lambert et al. 2013).
Psychische Störungen im Jugendalter sind mit einer hohen Krankheitslast, gemessen anhand der Disability-Adjusted Life Years (DALYs), für die Betroffenen verbunden. Ein DALY entspricht dem Verlust eines Jahres mit Gesundheit und ergibt sich aus der Kombination des Verlusts von Jahren aufgrund einer krankheitsbedingten frühen Mortalität (years of life lost, YLLs) und den Lebensjahren mit Behinderung für Inzidenzfälle einer bestimmten Erkrankung oder Verletzung (years lived with disability, YLDs). Gemäß den Ergebnissen der „WHO 2004 Global Burden of Disease“-Studie werden 15,5 % aller DALYs über die gesamte Lebenspanne von Erkrankungen im Alter zwischen 10 und 24 Jahren verursacht, wobei die neuropsychiatrischen Störungen mit 45 % aller YLDs die weitaus häufigste Ursache sind. In der Altersgruppe der 10- bis 24-Jährigen verursachen psychische Störungen einen hohen prozentualen Anteil an allen DALYs, wobei die unipolare Depression den 1. Rang, die Schizophrenie den 3. Rang, die bipolaren Störungen den 4. Rang, alkoholassoziierte Störungen den 6. Rang und selbstverletzendes Verhalten den 8. Rang einnahmen. Zudem werden in der Altersgruppe der 10- bis 24-Jährigen ca. 40 % aller YLDs durch psychische Störungen verursacht (Karow et al. 2013). Diese Ergebnisse sind nicht nur für die Betroffenen von Relevanz, sondern auch für die Gesellschaft, da psychische Störungen im Jugendalter mit hohen direkten Kosten durch medizinische Behandlung und nichtmedizinische Versorgungsmaßnahmen sowie hohen indirekten Kosten infolge von Produktivitätsausfall verbunden sind. 2010 verursachten Hirnstörungen in Europa Gesamtkosten von 798 Mrd. Euro, wovon 37 % durch direkte medizinische Maßnahmen, 23 % durch direkte nichtmedizinische Begleitmaßnahmen und 40 % durch indirekten Produktivitätsausfall verursacht waren. Unter Berücksichtigung aller drei Kostenkomponenten erwiesen sich die affektiven Störungen als die teuersten, gefolgt von der Demenz, psychotischen Störungen, Angststörungen, Abhängigkeitserkrankungen und dem Schlaganfall (Karow et al. 2013).

Hilfesuchendes Verhalten von Jugendlichen und Konsequenzen der Behandlungsverzögerung

Dem hohen Anstieg von Inzidenz und Prävalenz psychischer Störungen in der Adoleszenz sowie der damit verbundenen Belastungen für die Betroffenen, für ihre Angehörigen und die Gesellschaft, steht die Tatsache gegenüber, dass die Inanspruchnahme von Behandlung für psychische Störungen bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen niedrig ist. Sie liegt mit ca. 5–20 % noch deutlich niedriger als bei Erwachsenen, die in ca. 40 % der Fälle professionelle Hilfe aufsuchen (Lambert et al. 2013). Gründe dafür, dass Jugendliche mit psychischen Problemen oder Störungen relativ selten professionelle Hilfe aufsuchen, umfassen Schamgefühle, Angst vor Stigmatisierung, Schwierigkeiten, die Symptome einer psychischen Störung als solche zu erkennen, fehlendes Wissen über Beratungsstellen und Behandlungsangebote sowie das Bedürfnis, Probleme selbstständig zu lösen. Weiterhin scheinen auf Seite der Eltern fehlendes Wissen über psychische Störungen und mögliche Zugangswege zur Behandlung sowie negative Einstellungen und Vorurteile eine Rolle zu spielen (Kaess und Bauer 2019). Weil Jugendliche mit psychischen Problemen oder Störungen relativ selten professionelle Hilfe aufsuchen, erfolgt die erste Behandlung oftmals lange Zeit nach dem Auftreten der ersten Symptome oder Anzeichen. Wissenschaftliche Untersuchungen legen nahe, dass die Behandlung psychischer Störungen bei Kindern und Jugendlichen noch später erfolgt als bei Erwachsenen (Lambert et al. 2013). Eine längere Dauer der unbehandelten Erkrankung (Duration of Untreated Illness, DUI) wurde mit einer Vielzahl negativer Konsequenzen für den Verlauf psychischer Störungen in Zusammenhang gebracht. Diese umfassen ein schlechteres psychosoziales Funktionsniveau (z. B. keinen Schulabschluss, Verlust der Ausbildungs- oder Arbeitsstelle, Obdachlosigkeit, Verlust des sozialen Netzwerks), die Entwicklung komorbider psychischer Störungen, Delinquenz, häufigere Suizidversuche, niedrigere Lebensqualität, seltenere Remission, häufigere Rückfälle sowie höhere direkte und indirekte Kosten für die Gesellschaft (Lambert et al. 2013).

Rationale der Frühintervention psychischer Störungen

Viele der desaströsen Folgen psychischer Störungen ergeben sich aus der Tatsache, dass eine substanzielle Anzahl schwerer psychischer Störungen erstmals in der Adoleszenz auftritt; einer Lebensphase, in der wichtige Entwicklungsschritte anstehen. Die Erstmanifestation einer psychischen Störung in dieser sensitiven Entwicklungsphase birgt das hohe Risiko einer Verzögerung oder Beeinträchtigung der persönlichen, sozialen und beruflichen Entwicklung der Betroffenen, was lebenslängliche negative Konsequenzen (z. B. Arbeitslosigkeit, finanzielle Probleme, gesellschaftliche Ausgrenzung und Einsamkeit) haben kann. Daraus wird deutlich, dass die Adoleszenz eine entscheidende Lebensphase für die Frühintervention psychischer Störungen darstellt. Zusammenfassend lässt sich die Frühintervention psychischer Störungen in der Adoleszenz wie folgt begründen:
  • Viele schwere psychische Störungen treten erstmals in der Adoleszenz auf und zeigen eine hohe episodische oder chronische Persistenz.
  • Sie können die persönliche, berufliche und soziale Entwicklung von Jugendlichen verzögern oder behindern und lebenslängliche negative Folgen für das Individuum und die Gesellschaft haben.
  • Die Inanspruchnahme professioneller Hilfe von Jugendlichen mit psychischen Störungen ist gering.
  • Je später professionelle Behandlung in Anspruch genommen wird bzw. je länger eine psychische Störung unbehandelt bleibt, desto schlechter fallen die Prognose und das Behandlungsergebnis aus.

Was ist Frühintervention?

Die Entstehung einer psychischen Störung wird heute als das Resultat der Interaktion anlagebedingter Vulnerabilitätsfaktoren, umweltbedingter Risikofaktoren und mangelnder protektiver Faktoren gesehen. Psychische Störungen entwickeln sich schleichend, wobei der Erstmanifestation, die der frühestmögliche Zeitpunkt der Diagnosestellung darstellt, zunächst klinisch stumme und dann symptomatische Krankheitsprozesse vorausgehen (Klosterkötter und Maier 2017).
Die Frühintervention, definiert als die frühe Erkennung und Behandlung psychischer Störungen, richtet sich an zwei Zielgruppen: 1) Personen, die an Risikosymptomen oder subklinischen Symptomen leiden, aber die Diagnosekriterien einer psychischen Störung (noch) nicht erfüllen und 2) Personen, die zum ersten Mal das Vollbild einer psychischen Störung (d. h. Erstmanifestation) zeigen.
Bezugnehmend auf die traditionelle Klassifikation der Krankheitsprävention (primär, sekundär, tertiär) (Caplan 1964), welche sich am Krankheitsverlauf – prämorbid, morbid und postmorbid – orientiert, kann die Frühintervention der sekundären Prävention zugeordnet werden. Ziel der sekundären Prävention ist es, eine psychische Störung in einem möglichst frühen Stadium zu erkennen und das weitere Fortschreiten des Krankheitsprozesses zu verhindern.
Bezugnehmend auf die neuere Klassifikation der Krankheitsprävention (universell, selektiv, indiziert) (Gordon 1983), welche die Einteilung der Präventionsstrategien anhand der Zielgruppe vornimmt, wird die Frühintervention psychischer Störungen üblicherweise der indizierten Prävention zugeordnet, welche sich an Personen mit Vorläufer- oder ersten manifesten Symptomen, die die Diagnosekriterien für eine psychische Störung noch nicht erfüllen, richtet (Klosterkötter und Maier 2017).
Somit befindet sich die Frühintervention psychischer Störungen im Spannungsfeld zwischen „echter“ Prävention (also dem Vorbeugen von psychischen Störungen) und der frühen Krankheitsbehandlung (Fegert 2012).

Frühintervention ausgewählter psychischer Störungen

Der Paradigmenwechsel weg von der herkömmlichen Behandlung hin zur Prävention und Frühintervention psychischer Störungen sowie die damit einhergehende Reform der psychiatrischen Versorgungslandschaft wurden wesentlich durch die Schizophrenie-Forschung vorangetrieben. In jüngster Zeit wird das Konzept der Frühintervention auch auf andere psychische Störungen, wie bipolar affektive Störungen (Berk et al. 2010; Malhi et al. 2017), Depressionen (Davey und McGorry 2019) und die Borderline-Persönlichkeitsstörung (Chanen und McCutcheon 2013), angewendet. Im Folgenden werden beispielhaft die Frühintervention für die Schizophrenie und andere psychotische Störungen sowie die Borderline-Persönlichkeitsstörung näher erläutert.

Schizophrenie und andere psychotische Störungen

Die Schizophrenie ist eine schwere psychische Störung, die durch Wahnideen, Halluzinationen, desorganisierte Sprechweise, desorganisiertes oder katatones Verhalten und Negativsymptome (z. B. verminderter emotionaler Ausdruck oder reduzierte Willenskraft) gekennzeichnet ist (American Psychiatric Association 2013). Die Schizophrenie eignet sich besonders als Kandidat für die Frühintervention, weil sie zwar keine häufige, aber dafür eine stark beeinträchtigende psychische Störung ist. Die Lebenszeitprävalenz wird auf 0,2–3,5 % und die jährliche Inzidenz auf 0,01–0,035 % geschätzt. 10–15 % der schizophrenen und anderen psychotischen Störungen manifestieren sich vor dem 18. Lebensjahr und 1–3 % vor dem 13. Lebensjahr, wobei Männer durchschnittlich etwas früher erkranken als Frauen. Negativsymptome und kognitive Störungen (z. B. Beeinträchtigungen der Aufmerksamkeits-, Sprach- und Gedächtnisleistungen, der Exekutivfunktionen, der kognitiven Verarbeitungsgeschwindigkeit sowie der sozialen Wahrnehmung) persistieren häufig über die Phase der akuten Psychose hinaus und tragen zu bedeutsamer psychosozialer Beeinträchtigung bei. Dies ist der Hauptgrund, weshalb diese relativ seltene psychische Störung mit vergleichsweise hohen Verlusten an produktiven Lebensjahren verbunden ist. Die Schizophrenie nimmt Rang 3 der psychiatrischen und neurologischen Ursachen aller DALYs bei Erwachsenen in Europa und Rang 6 weltweit ein. Die jährlichen Gesamtkosten für psychotische Störungen im Jahr 2010 in Europa betrugen 93,9 Mrd. Euro und wurden nur von den Kosten für affektive Störungen und Demenzen übertroffen. Darüber hinaus ist der Leidensdruck der Betroffenen infolge gesellschaftlicher Stigmatisierung und Diskriminierung enorm (Klosterkötter und Müller 2017; Schultze-Lutter et al. 2015).
In 70–100 % der Fälle geht der Erstmanifestation einer psychotischen Störung eine prodromale Phase voraus, die zwischen 5–6 Jahren dauert. Selbst in hoch entwickelten Gesundheitssystemen erfolgt adäquate Behandlung durchschnittlich erst 1 Jahr nach der Erstmanifestation der Psychose. Die Dauer der unbehandelten Psychose (Duration of Untreated Psychosis, DUP) ist mit einem schlechteren Behandlungsergebnis assoziiert (Klosterkötter und Maier 2017). Hier setzt die Frühintervention der Schizophrenie und anderer psychotischer Störungen an mit dem Ziel der Früherkennung und -behandlung der 1) prodromalen Phase, die durch das probabilistische Konzept des klinischen Hochrisikostadiums (Clinical High Risk State for Psychosis, CHR-P) ersetzt wurde, und 2) der psychotischen Erstmanifestation (First Episode Psychosis, FEP).
Das klinische Hochrisikostadium umfasst die präpsychotische Phase von Auftreten erster prodromaler Symptome bis hin zum Vollbild der psychotischen Störung. Gegenwärtig gibt es zwei sich ergänzende Kriteriensätze zu dessen Charakterisierung; die Basissymptome (BS) und die Ultrahochrisiko(UHR)-Kriterien. Die BS sind von den Betroffenen selbst als Defizit wahrgenommene, kognitive Beeinträchtigungen der Denk-, Sprach- und Wahrnehmungsprozesse, die sich phänomenologisch-qualitativ von psychotischen Symptomen unterscheiden (Klosterkötter und Müller 2017). Die UHR-Kriterien umfassen die abgeschwächten positiven Symptome (Attenuated Positive Symptoms, APS), die flüchtigen positiven Symptome (Brief Limited Intermittend Psychotic Symptoms, BLIPS) sowie ein genetisches Psychoserisiko (definiert als Angehöriger 1. Grades mit einer Schizophrenie/schizoaffektiven Störung und/oder das Vorliegen einer schizotypen Persönlichkeitsstörung beim Indexpatienten) in Kombination mit einem kürzlich eingetretenen Funktionsverlust. Im Unterschied zu den BS unterschiedenen sich die UHR-Kriterien nur quantitativ-graduell von psychotischen Symptomen, die die Kriterien für eine psychotische Störung gemäß der aktuellen psychiatrischen Klassifikationssysteme erfüllen (Yung und Nelson 2013). Während die BS bereits früh in der Psychoseentwicklung auftreten, beschreiben die APS und BLIPS Auffälligkeiten, die sich erst später im Verlauf, kurz vor der Erstmanifestation der Psychose, zeigen (Fusar-Poli et al. 2013b). Obwohl das klinische Hochrisikostadium heterogen in Hinblick auf die longitudinalen Diagnosen ist, ist es deutlich stärker mit der Schizophrenie und mit Schizophrenie-Spektrum-Störungen (Übergangsrate 73 %) als mit affektiven Psychosen (Übergangsrate 11 %) assoziiert (Fusar-Poli et al. 2013a). In der Meta-Analyse von Fusar-Poli et al. (2012), die 27 Studien und insgesamt 2500 Personen im klinischen Hochrisikostadium einschloss, betrug das Risiko, das Vollbild einer psychotischen Störung zu entwickeln (Übergangsrisiko) 18 % nach 6 Monaten, 22 % nach 1 Jahr, 29 % nach 2 Jahren und 36 % nach 3 Jahren. Es gibt Hinweise dafür, dass die Übergangsraten in den letzten Jahren abgenommen haben, was als positive Folge des verbesserten Zugangs und Behandlungsangebots für Hochrisikopersonen durch die Eröffnung und Bekanntmachung von spezialisierten Zentren zur Früherkennung und -behandlung von Psychosen interpretiert wird (Klosterkötter und Maier 2017). Schultze-Lutter et al. (2015) fanden in einer kürzlich erschienen Meta-Analyse über 42 Stichproben und insgesamt 4000 Hochrisikopersonen einen signifikanten Alterseffekt bei den Übergangsraten mit geringeren Raten für Kinder und jüngere Jugendliche. Die Autoren schlussfolgerten, dass die Kriterien zur Bestimmung des klinischen Hochrisikostadiums bei älteren Jugendlichen wie bei Erwachsenen angewandt werden sollten, jedoch bei Kindern und jüngeren Jugendlichen Zurückhaltung geboten ist.
Aktuelle Richtlinien zur Behandlung von Personen im Hochrisikostadium für Psychosen empfehlen ein gestuftes Vorgehen unter Berücksichtigung des jeweiligen Nutzens und möglicher Risiken der Behandlungsoptionen (McGorry und Goldstone 2016; Schmidt et al. 2015). Zunächst sollten psychologische Maßnahmen (insbesondere die kognitive Verhaltenstherapie, KVT) angeboten werden. Erst wenn durch diese Maßnahmen keine befriedigende Reduktion der Beschwerden und Verbesserung der psychosozialen Defizite erreicht werden kann, sollten niedrigdosierte Antipsychotika der 2. Generation zum Einsatz kommen, insbesondere bei Personen, die sich im späteren Stadium des klinischen Hochrisikostadiums, das durch APS oder BLIPS gekennzeichnet ist, befinden. Diese Empfehlungen gelten in gesicherter Form für Erwachsene. Zur Anwendung psychologischer und pharmakologischer Maßnahmen bei Kindern und Jugendlichen im klinischen Hochrisikostadium für Psychosen müssen erst noch bessere Beurteilungsgrundlagen geschaffen werden (Schmidt et al. 2015). Empirische Befunde sprechen dafür, dass die Frühintervention durch psychologische und/oder pharmakologische Behandlung den Psychoseausbruch bei Hochrisikopersonen verhindern oder zumindest verzögern kann (Schmidt et al. 2015). In der jüngsten Meta-Analyse von Schmidt et al. (2015) zeigte sich infolge der Frühintervention eine signifikante Reduktion des Übergangsrisikos in der Experimentalgruppe im Vergleich zur Kontrollgruppe um 64 %, 56 % und 59 % nach 6, 12 und 18 Monaten, jedoch keine Verbesserung des psychosozialen Funktionsniveaus. Dabei unterschieden sich psychologische und pharmakologische Maßnahmen nicht in ihrer Wirksamkeit.
Zeigt sich bei einer Person erstmals das Vollbild einer psychotischen Störung, so werden zur Behandlung Antipsychotika der 2. Generation und psychosoziale Interventionen (KVT, Familientherapie, schulische/berufliche Rehabilitationsmaßnahmen) empfohlen (Early Psychosis Guidelines Writing Group and EPPIC National Support Program 2016; NICE 2014). Ziel der Behandlung ist dabei die Verbesserung der sozialen, schulischen, und beruflichen Funktionsfähigkeit – die durch medikamentöse Behandlung alleine oftmals nicht erreicht werden kann – ebenso wie die bloße symptomatische Remission und die Verhinderung von Rückfällen, die sich am häufigsten in den ersten drei bis fünf Jahren nach der Diagnosestellung ereignen (McGorry 2015; McGorry und Goldstone 2016). In den letzten 20–30 Jahren wurden weltweit unter der Bezeichnung „Early Intervention Services“ Zentren, die auf die Früherkennung- und -behandlung von jungen Menschen mit einer Erstpsychose spezialisiert sind, aufgebaut. Die meisten dieser Zentren schließen heute auch die Behandlung von Patient*innen, die sich im Hochrisikostadium für Psychosen befinden, mit ein (Lambert et al. 2013; McGorry 2015). Diese Zentren zeichnen sich nebst den oben beschriebenen evidenzbasierten Methoden zur psychologischen und pharmakologischen Behandlung der akuten Psychose sowie der Verbesserung des psychosozialen Funktionsniveaus durch spezifische Service-Komponenten aus (Addington et al. 2013; Karow et al. 2013; McGorry 2015). Dazu zählen:
  • Aufklärungs-, Entstigmatisierungs- und Fortbildungsprogramme für die Bevölkerung und Fachpersonen (z. B. Lehrer, Hausärzte) mit dem Ziel der Verbesserung der Service-Inanspruchnahme und Verkürzung der Behandlungsverzögerung;
  • Netzwerkbildung zur engen Zusammenarbeit mit Institutionen und Fachpersonen (z. B. bestehende Präventionsprogramme, Beratungsstellen, Jugendhilfe, schulpsychologische Dienste, Schulen, Hausärzt*innen, Kinderärzt*innen, niedergelassene Kinder-, Jugend- und Erwachsenenpsychiater*innen, psychosomatische Medizin) mit dem Ziel definierter und vereinfachter Zugangsmöglichkeiten;
  • gemeindenahe Versorgung nach dem Prinzip „ambulant vor (teil-)stationär“ durch interdisziplinäre Teams und einen individuellen Case-Manager (eine stationäre Behandlung erfolgt nach definierten Aufnahmekriterien und so kurz wie möglich);
  • ein 24 Stunden verfügbares mobiles Triage-Team, das, wenn nötig, Früherkennung, Krisenintervention und Assertive Community Treatment (ACT) zuhause anbietet;
  • enge Zusammenarbeit mit und spezifische Einzel- und Gruppenangebote für Familien und Freund*innen von Betroffenen;
  • Berücksichtigung spezifischer Bedürfnisse von Jugendlichen in der Ausgestaltung des Service (z. B. Hilfesuche über moderne Medien, jugendgerechte Informationen), Einbezug von Jugendlichen als Berater für den Service, Peer-Beratung.
Eine kürzlich erschienene Meta-Analyse, die zehn randomisiert-kontrollierte Studien umfasste, bestätigte frühere positive Befunde bezüglich der Überlegenheit umfassender spezialisierter Frühbehandlung gegenüber der Standardbehandlung von Psychosen. Dies zeigte sich in einer Reduktion der Symptome, des Hospitalisationsrisikos, der Abbruchraten und der Dauer der stationären Behandlung sowie in einer Verbesserung des globalen Funktionsniveaus, der Fähigkeit, einer Ausbildung oder einem Beruf nachzugehen, und der Lebensqualität (Correll et al. 2018). Weitere nachgewiesene Effekte spezialisierter Frühintervention für Psychosen umfassen die Reduktion der Dauer der unbehandelten Störung, der Anstieg der Inanspruchnahme von Behandlung durch Betroffene und deren Angehörigen, die Abnahme komorbider Störungen sowie die Reduktion der Gesamtkosten, die sich aus einer Verschiebung weg von stationärer hin zur ambulanten Behandlung, der Reduktion von Notfallbehandlungen, von rehabilitativen Maßnahmen und der falschen Service-Inanspruchnahme sowie der Abnahme der indirekten Kosten infolge von Produktivitätsausfall ergeben (Fusar-Poli et al. 2017; Karow et al. 2013).

Borderline-Persönlichkeitsstörung

Die Borderline-Persönlichkeitsstörung ist gekennzeichnet durch interpersonelle Instabilität, Störung des Selbstbildes/der Identität, affektive Dysregulation und Impulsivität. Sie verursacht hohen Leidensdruck bei den Betroffenen und ihren Angehörigen (Bailey und Grenyer 2013), wird in der Mehrheit der Fälle von komorbiden psychischen Störungen und/oder somatischen Erkrankungen begleitet und führt bei ca. 8–10 % der Betroffenen zum Tod durch Suizid (Chanen und McCutcheon 2013; Gunderson et al. 2018). Die Prävalenzraten für die Borderline-Persönlichkeitsstörung in der Allgemeinbevölkerung sind relativ niedrig (1,5–1,6 % 2- bis 5-Jahresprävalenz bzw. 5,5–5,9 % Lebenszeitprävalenz). In klinischen Populationen sind die Prävalenzraten um ein Vielfaches höher: Patient*innen mit einer Borderline-Persönlichkeitsstörung machen 15–28 % der Patient*innen im ambulanten psychiatrischen Setting, 40 % der Patient*innen im stationären psychiatrischen Setting, 6 % der Patient*innen in der hausärztlichen Versorgung und 10–15 % der Patient*innen, die eine Notaufnahme eines Krankenhauses aufsuchen, aus. Typischerweise tritt die Borderline-Persönlichkeitsstörung erstmals in der Adoleszenz auf, erreicht ihren Höhepunkt im frühen Erwachsenenalter und nimmt über den weiteren Lebenslauf ab (Kaess et al. 2014). Trotz Remission der Symptome können die sozialen und beruflichen Funktionsdefizite über Jahre hinweg persistieren (Skodol et al. 2005). Entsprechend verursacht die Borderline-Persönlichkeitsstörung hohe volkswirtschaftliche Kosten, wobei die indirekten Kosten durch Produktivitätsausfall 4-mal höher sind als die direkten Kosten, die zu einem größeren Anteil auf Notfallbehandlungen als auf ambulante Therapien zurückzuführen sind (Meuldijk et al. 2017).
Mehrere Gründe sprechen für die Frühintervention bei der Borderline-Persönlichkeitsstörung (Chanen und McCutcheon 2013): Menschen mit einer Borderline-Persönlichkeitsstörung suchen von sich aus professionelle Hilfe und machen einen Großteil der Patient*innen in der psychiatrischen Versorgung aus. Sie haben ein hohes Risiko für Komorbidität, Morbidität sowie schwere und persistierende psychosoziale Funktionseinbußen. Die Störung verursacht viel Leid bei den Betroffenen und ihren Angehörigen sowie hohe Kosten für die Gesellschaft. Entgegen anhaltender Skepsis belegen die Forschungsresultate der letzten 20 Jahre, dass die Borderline-Persönlichkeitsstörung in der Adoleszenz der Borderline-Persönlichkeitsstörung im Erwachsenenalter hinsichtlich der Phänomenologie, Struktur, Häufigkeit und Stabilität ähnlich ist und in dieser Lebensphase genauso reliabel diagnostizieren werden kann (Chanen 2015; Chanen und McCutcheon 2013; Kaess et al. 2014; Sharp und Fonagy 2015). In der Folge hat die Diagnose im Jugendalter Eingang in nationale Behandlungsleitlinien für die Borderline-Persönlichkeitsstörung und aktuelle psychiatrische Klassifikationssysteme gefunden (Chanen 2015; Kaess et al. 2014). Weiterhin gibt es wirksame, psychotherapeutische Behandlungsmethoden für Jugendliche mit einer Borderline-Persönlichkeitsstörung (Chanen et al. 2020). Schließlich gelten Persönlichkeitseigenschaften in frühen Lebensphasen als flexibler und somit durch Therapie leichter veränderbar als in späteren Lebensphasen. Das vielleicht wichtigste Argument ist jedoch, dass die Frühintervention das Potenzial hat, psychosoziale Funktionseinschränkungen frühzeitig zu reduzieren oder gar zu verhindern und dadurch die Lebensläufe der betroffenen jungen Menschen maßgeblich zu verbessern.
Die Frühintervention der Borderline-Persönlichkeitsstörung richtet sich 1) an Personen mit Vorläufer- oder subklinischen Symptomen, und 2) an Personen, die erstmals das Vollbild der Störung zeigen. Zu den Vorläufern der Borderline-Persönlichkeitsstörung zählen Temperamentseigenschaften und psychische Auffälligkeiten in der Kindheit und Jugend, die dem Borderline-Phänotyp ähneln und die Entwicklung der Borderline-Persönlichkeitsstörung im weiteren Verlauf ankünden. Dazu zählen die Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung, oppositionelles und dissoziatives Verhalten, Substanzmissbrauch, Depressionen und nichtsuizidales selbstverletzendes Verhalten; insbesondere dann, wenn solche internalisierenden und externalisierenden Störungen gleichzeitig vorliegen. Subklinische Borderline-Symptome, also das Vorliegen von 1–4 Symptomen gemäß den DSM-5-Kriterien (der Cut-off für die Diagnosevergabe liegt bei 5 Symptomen), haben sich bisher als der beste Prädiktor für die Entwicklung der Borderline-Persönlichkeitsstörung erwiesen, und stellen deshalb aktuell den Hauptansatzpunkt für die indizierte Prävention dar (Chanen und Kaess 2012; Chanen und McCutcheon 2013; Sharp und Fonagy 2015). Wichtig ist die Differenzierung, dass die Behandlung von Jugendlichen mit einer Borderline-Persönlichkeitsstörung nicht mit Frühintervention gleichzusetzen ist. Es handelt sich nur dann um Frühintervention, wenn die Betroffenen subklinische oder Risikosymptome oder eine Erstmanifestation aufweisen, unabhängig ihres Alters oder Entwicklungsstadiums. Ausschlaggebend ist das Krankheitsstadium (Chanen 2015).
Der Schwerpunkt der Frühintervention der Borderline-Persönlichkeitsstörung liegt auf der ambulanten Psychotherapie. Mehrere Therapieformen für Erwachsene mit einer Borderline-Persönlichkeitsstörung wurden für die Anwendung bei Jugendlichen mit Symptomen oder einer Erstmanifestation der Störung angepasst. Zu den an jugendlichen Stichproben evaluierten Therapieformen zählen die kognitiv-analytische Therapie (Cognitive Analytic Therapy, CAT; Chanen et al. 2008), das Emotionsregulationstraining (Emotion Regulation Training, ERT; Schuppert et al. 2009), die mentalisierungsbasierte Therapie (Mentalization-Based Treatment, MBT; Rossouw und Fonagy 2012) sowie die dialektisch-behaviorale Therapie für Adoleszente (DBT-A; von Auer und Bohus 2017). Die Ergebnisse randomisiert-kontrollierter Studien sprechen für die Überlegenheit spezialisierter Psychotherapie gegenüber der Standardbehandlung hinsichtlich der Reduktion der Borderline-Symptomatik (z. B. von nicht-suizidalem selbstverletzendem oder suizidalem Verhalten), wobei auch Nullbefunde berichtet wurden. Die Effekte scheinen wenig stabil über die Zeit hinweg und die Wirksamkeit hinsichtlich einer Verbesserung der psychosozialen Funktionsfähigkeit ist fraglich (Wong et al. 2019). Wirksamkeitsvergleichsstudien sowie Studien zur differenziellen Indikation sind weitgehend ausstehend (für eine Ausnahme siehe Zimmermann et al. 2018). Psychopharmaka sollten im Rahmen der Frühintervention der Borderline-Persönlichkeitsstörung zurückhaltend eingesetzt werden, da es kaum Wirksamkeitsuntersuchungen gibt. Wenn Psychopharmaka eingesetzt werden, dann sollte dies primär zur Behandlung komorbider psychischer Störungen unter Berücksichtigung der entsprechenden Behandlungsleitlinien erfolgen (Fonagy et al. 2015; Kaess et al. 2014).
Nach dem Vorbild der Früherkennungs- und -behandlungszentren für Psychosen wurden in den letzten Jahren in Australien und einigen Ländern Europas spezialisierte Behandlungszentren für die Früherkennung und -behandlung der Borderline-Persönlichkeitsstörung ins Leben gerufen. Das erste dieser Zentren – Helping Young People Early (HYPE) – entstand 1998 in Melbourne, Australien, und bietet ein umfassendes Früherkennungs- und -behandlungsprogramm für junge Menschen im Alter zwischen 15–25 Jahren, die 3 oder mehr Borderline-Persönlichkeitsstörung-Kriterien gemäß DSM-5 erfüllen. Ähnliche Zentren wurden seither in Holland (Schuppert et al. 2009), Deutschland (Kaess et al. 2017) und der Schweiz (Reichl und Kaess 2019) gegründet. Diese Zentren unterscheiden sich hauptsächlich darin, welche der oben genannten Psychotherapien sie anbieten. Zusätzlich zur Psychotherapie beinhalten diese Zentren wichtige Service-Komponenten, die sich wie folgt zusammenfassen lassen (Chanen et al. 2009; Kaess et al. 2014):
  • gründliche diagnostische Abklärung (inklusive der Persönlichkeitspsychopathologie);
  • niederschwelliges Angebot, d. h. liberale Einschlusskriterien ohne Ausschluss von Patient*innen mit komorbiden Störungen oder erhöhten Risiken (z. B. chronische Suizidalität oder Substanzmissbrauch);
  • dimensionaler Ansatz, d. h. sowohl Patient*innen mit subklinischen Symptomen als auch mit dem Vollbild der Störung werden behandelt;
  • flexibles Behandlungsangebot in Bezug auf Zeit und Ort (z. B. aufsuchende Behandlung Zuhause);
  • Psychotherapie in Kombination mit Case-Management und allgemeiner psychiatrischer Behandlung (z. B. Pharmakotherapie komorbider psychiatrischer Störungen);
  • aktiver Einbezug von Angehörigen, Freund*innen, Lehrpersonen und anderen wichtigen Bezugspersonen (z. B. Psychoedukation, Familieninterventionen);
  • ausschließlich zeitbegrenzte und zielorientierte stationäre Behandlung zur Krisenintervention;
  • Supervision der Mitarbeitenden und Qualitätssicherungsprogramme;
  • Zugang zu Programmen, die dem Erhalt oder der Wiederherstellung der schulischen, beruflichen und sozialen Funktionsfähigkeit dienen.
Die Anwendung der Frühinterventionsprogrammatik auf die Borderline-Persönlichkeitsstörung hat zu einer wesentlichen Verbesserung der psychiatrischen Behandlungsangebote für junge Menschen mit einer beginnenden Borderline-Persönlichkeitsstörung beigetragen. Diese Behandlungsangebote vermögen klinisch bedeutsame Veränderungen bei den Betroffenen herbeizuführen (Chanen 2015). Im Gegensatz zur Frühintervention der Schizophrenie mangelt es der Frühintervention der Borderline-Persönlichkeitsstörung jedoch an einer klaren Definition und systematischen Erforschung von Vorläufer- und subklinischen Symptomen und Behandlungszielen, an denen Interventionen gemessen werden könnten.

Chancen und Risiken der Frühintervention psychischer Störungen

Während die Frühintervention schwerer psychischer Störungen, wie der Schizophrenie oder der Borderline-Persönlichkeitsstörung, das Potenzial hat, die mit den Störungen einhergehenden gravierenden Belastungen für die Betroffenen, ihre Angehörigen und die Gesellschaft zu reduzieren, so ist sie nicht ohne Kritik geblieben. Dabei liegt der Schwerpunkt der ethischen Debatte mehr auf der Früherkennung und -behandlung von Personen mit subklinischen oder Risikosymptomen als von Personen mit der Erstmanifestation einer psychischen Störung. Die wichtigsten Kritikpunkte umfassen (McGorry 2015):
  • die Folgen von Stigmatisierung, wie z. B. gesellschaftliche Ausgrenzung und Benachteiligung;
  • die Folgen von Selbststigmatisierung (definiert als die Anwendung gesellschaftlicher Vorurteile auf sich selbst), wie z. B. eine Reduktion des Selbstwerts, Hoffnungslosigkeit, sozialer Rückzug und negative selbsterfüllende Prophezeiungen;
  • die eingeschränkte Fähigkeit zur informierten Einwilligung von minderjährigen Patient*innen, deren Einwilligungsfähigkeit sich mit zunehmendem Alter entwickelt;
  • die mögliche emotionale Belastung durch die diagnostische Abklärung und Aufklärung über die Resultate;
  • die unnötige Behandlung von Personen mit subklinischen oder Risikosymptomen, die auch ohne Behandlung das Vollbild der psychischen Störung nicht entwickeln würden (Falsch-Positiv-Rate);
  • die teilweise ausstehenden Wirksamkeitsnachweise für aktuell verfügbare Behandlungsoptionen (z. B. kaum Untersuchungen zur Frühintervention von Kindern und Jugendlichen mit psychotischen Störungen (Schmidt et al. 2015));
  • Nebenwirkungen von Therapien (z. B. Gewichtszunahme und sexuelle Dysfunktion infolge der Behandlung mit Antipsychotika);
  • die ungerechte Umverteilung finanzieller Mittel im Gesundheitswesen zugunsten der Früherkennung und -behandlung psychischer Störungen auf Kosten von Patient*innen mit schweren, chronischen psychischen Störungen; sowie
  • den eingeschränkten Zugang zu spezialisierten Früherkennungs- und Behandlungszentren infolge geografischer und finanzieller Barrieren.
Bei der ethischen Debatte um die Frühintervention psychischer Störungen geht es im Wesentlichen um ein sorgfältiges Abwägen der Chancen und Risiken, wobei die vier Prinzipien der Medizinethik – Autonomie, Nichtschaden, Fürsorge und Gerechtigkeit – zur Hilfe gezogen werden können. Die Frühintervention richtet sich nicht an gesunde, beschwerdefreie Personen, sondern an Personen mit subklinischen oder Risikosymptomen oder der Erstmanifestation einer psychischen Störung, die von sich aus Hilfe suchen. Diese Personen zeigen zudem häufig komorbide Störungen sowie Einbußen des Funktionsniveaus und der Lebensqualität, die an sich schon Krankheitswert haben. Das Fürsorgeprinzip der Medizinethik verpflichtet unter Berücksichtigung des Autonomieprinzips zur Abklärung und unter Berücksichtigung des Nichtschadensprinzips zur Behandlung von belastenden Symptomen und Beschwerden, selbst dann, wenn die Kriterien für eine psychische Störung noch nicht vollständig erfüllt sind. Hilfesuchenden Personen steht es also zu, über ihre Beschwerden und deren Behandlungsmöglichkeiten informiert zu werden. Bei der Aufklärung von Personen mit subklinischen oder Risikosymptomen für eine psychische Störung ist darauf zu achten, dass sie das probabilistische Konzept des erhöhten Krankheitsrisikos, das keine sichere Prognose erlaubt, verstehen. Weiterhin sollte auf die teils unbefriedigende Evidenzlage für Interventionen sowie auf mögliche Kosten bzw. Nebenwirkungen von Behandlungsoptionen hingewiesen werden. Die Aufklärung sollte in einer Form erfolgen, die dem Alter, dem Entwicklungsstadium und den kognitiven Kapazitäten der Betroffenen (und ihrer Angehörigen) angemessen ist, wobei bei Minderjährigen und Erwachsenen mit eingeschränkter Einwilligungsfähigkeit die Zustimmung eines gesetzlichen Vertreters eingeholt werden muss. Die Befürchtung negativer Stigmatisierungsfolgen wird entkräftet durch Studien, die zeigen, dass Frühinterventionsmaßnahmen eine Reduktion von Symptomen und befremdlichen Verhaltensweisen bewirken können, die unabhängig von der Etikettierung als „psychisch krank“ zu sozialer Ausgrenzung und Benachteiligung führen. Zudem erleben viele Betroffenen die Vermittlung einer Erklärung und der damit verbundenen Behandlungsoptionen für die zuvor als verstörend und unkontrollierbar erlebten Beschwerden als entlastend und sind in der Lage, im Rahmen der Behandlung ihre Selbstwirksamkeit zu erhöhen und Selbststigmatisierungseffekten entgegenzuwirken. Die meisten spezialisierten Zentren zur Früherkennung und -behandlung psychischer Störungen sind an Universitäten in urbanen Gegenden angebunden. Zudem ist in vielen Gesundheitssystemen die Diagnosevergabe Voraussetzung für die Kostenübernahme der Behandlung durch die Krankenkasse, sodass heute viele Betroffene mit subklinischen oder Risikosymptomen die Kosten für Frühinterventionsmaßnahmen selbst tragen müssen. Wir müssen also davon ausgehen, dass der Zugang zu spezialisierter Frühintervention für viele junge Menschen mit psychischen Störungen aus geografischen und finanziellen Gründen noch immer eingeschränkt ist und dieser im Sinne des Gerechtigkeitsprinzips durch entsprechende gesundheitspolitische Maßnahmen verbessert werden sollte. Schließlich konnte gezeigt werden, dass die Frühintervention insgesamt zur Senkung der Gesamtkosten, die durch psychische Störungen verursacht werden, beiträgt und somit Teil der Lösung zur langfristigen Sicherstellung finanzieller Mittel zur Behandlung von schweren, chronischen psychischen Störungen darstellt (McGorry 2015; Schultze-Lutter et al. 2017).

Trends in der Frühintervention psychischer Störungen

Wie anhand des Beispiels der Borderline-Persönlichkeitsstörung gezeigt wurde, wird das Frühinterventionsparadigma, das zunächst hauptsächlich in der Forschung und klinischen Versorgung der Schizophrenie Beachtung gefunden hat, zunehmend auf andere psychische Störungen angewendet. Darüber hinaus sind wesentliche Weiterentwicklungen auf Forschungs-, klinischer und gesundheitspolitischer Ebene im Gange. Drei dieser Trends sollen an dieser Stelle Erwähnung finden; die Individualisierung der Prädiktionsdiagnostik, das klinische Stadienmodell psychischer Störungen („clinical staging model“) und gesundheitspolitische Reformen zur Entwicklung jugendspezifischer Behandlungsangebote.
Im Sinne der personalisierten Medizin sind in der Schizophrenie-Forschung große Bemühungen erkennbar, die Einschätzung des individuellen Risikos, an einer Psychose zu erkranken, zu verbessern. Dazu zählen die Entwicklung von Prognoseindizes, die eine Stratifizierung des Risikos erlauben, die Nutzung neuer Analysemethoden wie maschinelles Lernen, die statistische Schlussfolgerungen auf individueller Ebene (und nicht wie üblicherweise auf Gruppenebene) ermöglichen, und die Entwicklung und Validierung von webbasierten Risikorechnern. Diesen Ansätzen gemeinsam ist der Versuch, durch die Berücksichtigung verschiedenster Indikatoren (z. B. Psychopathologie, soziodemografische Variablen, Funktionsniveau, Neurokognition, Neurophysiologie, Entzündungsparametern des Gehirns, Stresshormone, Genetik) die Prädiktionsleistung für die einzelne Person zu verbessern (Riecher-Rössler und Studerus 2017).
Das klinische Stadienmodell ist eine diagnoseübergreifende Ausweitung der Frühintervention, die auf diagnostische Kategorien und willkürliche Altersgrenzen verzichtet und stattdessen die Behandlung und Prognose am aktuellen Krankheitsstadium entlang des Kontinuums des Krankheitsverlaufs orientiert. Es wird davon ausgegangen, dass Patient*innen in früheren Stadien besser auf Behandlung ansprechen und eine bessere Prognose als Patient*innen in späteren Stadien haben, und Behandlungsoptionen in früheren Stadien weniger (Syndrom-)spezifisch sind und ein besseres Nutzen-Risiko-Verhältnis haben als solche in späteren Stadien. Stadium 0 beschreibt die präsymptomatische Vulnerabilitätsphase, gefolgt vom Stadium 1, das Symptome, Beeinträchtigungen und Behandlungsbedürftigkeit umfasst, die noch nicht die Kriterien für eine psychische Störung erfüllen, und den Stadien 2–5, die ein voll ausgebildetes Syndrom in mittlerem bis spätem Stadium beschreiben. Bei der Beschreibung der Stadien können verschiedenste Parameter (z. B. Psychopathologie, soziale Variablen, Biomarker) mitberücksichtigt werden. Das klinische Stadienmodell trägt der Tatsache Rechnung, dass sich viele der psychischen Störungen in den frühen Krankheitsstadien ähnlich sind und Risikofaktoren, Symptome und Verhaltensweisen mehrheitlich eine niedrige Spezifität aufweisen, sodass die Vorhersage einer bestimmten psychischen Störung als Endpunkt der Entwicklung schwierig ist (Multifinalität), was eine große Herausforderung für die Frühintervention darstellt. Das klinische Stadienmodell ermöglicht die frühzeitige Behandlung von ersten unspezifischen psychischen Auffälligkeiten bei Kindern und Jugendlichen, die als belastend und beeinträchtigend erlebt werden, und somit an sich Krankheitswert haben, ohne dass das psychiatrische Syndrom als Endpunkt der Entwicklung bekannt sein muss (Chanen et al. 2016; McGorry 2010).
Ein Grund für die geringe Inanspruchnahme professioneller Hilfe von Jugendlichen mit psychischen Störungen wird in der Ausgestaltung der aktuellen psychiatrischen Versorgung gesehen, die nicht auf die besonderen kulturellen und entwicklungsbedingten Bedürfnisse der Jugendlichen angepasst ist. In vielen Ländern erfolgt die psychiatrische Versorgung in zwei voneinander getrennten Systemen, nämlich in der Kinder- und Jugendpsychiatrie bis zum vollendeten 17. Lebensjahr und ab dem 18. Lebensjahr in der Erwachsenenpsychiatrie. Der Wechsel von einem System ins andere fällt zeitlich mit der Lebensphase zusammen, in der viele psychische Störungen erstmals auftreten und ihren Höhepunkt erreichen. Die Behandlungskontinuität für die Betroffenen und Angehörigen in dieser kritischen Phase ist häufig nicht gewährleistet. In Australien und einigen Ländern Europas wurden Reformen zur Umgestaltung der psychiatrischen Versorgung angestoßen, um die Behandlungskontinuität vom Jugend- bis ins frühe Erwachsenenalter (25. Lebensjahr) zu gewährleisten und die Behandlungsangebote stärker an die Bedürfnisse der jungen Menschen mit psychischen Störungen anzupassen (z. B. durch Einbezug der Betroffenen als Berater für Behandlungszentren, weg von komplexen, langen Psychotherapien hin zu Stepped-Care-Modellen mit begrenzter Zeitdauer, Schwerpunkt auf der sozialen und beruflichen Integration, Einbezug neuer Medien in der Aufklärung und Behandlung) (Chanen et al. 2017; McGorry et al. 2013).

Fazit

Die Adoleszenz ist diejenige Lebensphase, in der viele schwere psychische Störungen erstmals auftreten, die lebenslängliche negative Folgen haben können, und deshalb ein optimales Zeitfenster für die Frühintervention. Auch wenn die Frühintervention psychischer Störungen nicht ohne Kritik geblieben ist, so belegen empirische Befunde doch, dass sie die Prognose und Lebensqualität junger Menschen mit beginnenden und kürzlich aufgetretenen psychischen Störungen langfristig verbessern kann. Trotzdem ist in vielen Teilen der psychiatrischen Versorgungslandschaft die Frühintervention noch nicht etabliert und viele Betroffene erhalten keine frühzeitige, adäquate Behandlung. Aufklärungsarbeit, nicht zuletzt auch unter Fachpersonen, die häufig eine pessimistische Haltung in Hinblick auf die Verläufe schwerer psychischer Störungen erkennen lassen, sowie tief greifende Reformen der aktuellen psychiatrischen Versorgungssysteme sind notwendig, um die Behandlungs- und Lebenssituation von jungen Menschen mit einer beginnenden oder kürzlich aufgetretenen psychischen Störung anhaltend zu verbessern.
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