Thoraxchirurgie
Autoren
Aris Koryllos und Bernward Passlick

Brustwandtumoren

Brustwandtumoren sind eine sehr heterogene Gruppe onkologischer Entitäten mit unterschiedlichen histologischen Typen. Sie können aus dem primärem Brustwandgewebe entstehen oder als Metastasen von Tumoren anderer Lokalisationen oder als Folge der direkten Infiltration von primären Lungenkarzinomen. Pleurale Metastasen oder Tumoren können auch die Brustwand betreffen. Die chirurgische Behandlung der Brustwandtumoren ist eine Herausforderung für den behandelnden Thoraxchirurgen. Die Komplexität bezieht sich nicht nur auf die technischen Ansprüche der Resektion und Rekonstruktion, sondern auch auf die genaue präoperative Evaluierung und Planung des Eingriffes sowie auf die onkologische Vor- und Nachbehandlung und auf das Management der häufigsten Kurzzeit- und Langzeitkomplikationen. Ziel der wiederherstellenden Maßnahmen ist der Schutz der intrathorakalen Organe sowie der Erhalt der physiologischen Atembewegung und der Form des Brustkorbs.
Brustwandtumoren sind eine sehr heterogene Gruppe onkologischer Entitäten mit unterschiedlichen histologischen Typen. Sie können aus dem primärem Brustwandgewebe entstehen oder als Metastasen von Tumoren anderer Lokalisationen oder als Folge der direkten Infiltration von primären Lungenkarzinomen. Pleurale Metastasen oder Tumoren können auch die Brustwand betreffen. Die chirurgische Behandlung der Brustwandtumoren ist eine Herausforderung für den behandelnden Thoraxchirurgen. Die Komplexität bezieht sich nicht nur auf die technischen Ansprüche der Resektion und Rekonstruktion, sondern auch auf die genaue präoperative Evaluierung und Planung des Eingriffes sowie auf die onkologische Vor- und Nachbehandlung und auf das Management der häufigsten Kurzzeit- und Langzeitkomplikationen. Ziel der wiederherstellenden Maßnahmen ist der Schutz der intrathorakalen Organe sowie der Erhalt der physiologischen Atembewegung und der Form des Brustkorbs.

Benigne Brustwandtumoren

Ca. 45 % aller Brustwandtumoren sind gutartig (Incarbone und Pastorino 2001). Deren Ursprung können Nerven, Blutgefäße, Knorpel, Knochen oder Fett sein (Sabanathan et al. 1997).

Skelettale Läsionen

Osteochondrome sind die häufigsten gutartigen Tumoren des Thorax. Sie treten am häufigsten im Bereich des knorpeligen Übergangs der Rippen oder in der Skapula auf und entsprechen 50 % der gutartigen Rippentumoren. Als Ursache wird ein übermäßiges Wachstum des normalen knorpeligen Gewebes gesehen. Die Tumoren sind häufig mit Schmerzen verbunden, da sie exostotisch langsam wachsen. Die chirurgische Resektion ist die Therapie der Wahl (David und Marshall 2011).
Chondrome entstehen hauptsächlich im Bereich des knorpeligen Teils des sternokostalen Gelenks (Articulatio sternocostalis) und sind langsam wachsende, schmerzarme Tumoren. Sie treten am häufigsten zwischen dem 20. und 30. Lebensjahr auf.
Eine Differenzierung zwischen Chondromen und Chondrosarkomen ist häufig schwierig, deswegen wird eine ausgiebige Resektion mit ausreichenden Exzisionsrändern empfohlen.
Die fibröse Dysplasie ist die dritthäufigste benigne Läsion des knöchernen Thorax und tritt hauptsächlich im lateralen oder posterioren Bereich der Rippen auf. Ein (monoostotische Form) oder mehrere Knochen (polyostotische Form) können betroffen sein. Die meisten Läsionen sind monoostotisch und asymptomatisch. Das normale knöcherne Gewebe wird durch fibröses ersetzt. Dies kann zu pathologischen Frakturen und Schmerzen führen.
Das eosinophile Granulom oder die Langerhans-Zell-Histiozytose ist durch die Proliferation dendritischer, mononukleärer Zellen mit lokaler oder diffuser Infiltration von Organen gekennzeichnet. Die Läsionen sind selten und betreffen am häufigsten die anteriore Brustwand. Typische Läsionen sind als weiche, osteolytische, schmerzhafte Tumoren beschrieben. Die Resektion dient häufig als diagnosestellende Maßnahme und als lokale analgetische Behandlung (David und Marshall 2011).

Weichteilläsionen

Die benignen Weichteilläsionen der Brustwand können Lipome, Hämangiome, Lymphangiome, neurogene Tumoren oder Desmoid-Tumoren sein. Therapie der Wahl ist in der Regel die lokale Exzision im Gesunden, um lokale Rezidive zu vermeiden.
Lipome der Brustwand sind seltene benigne Tumoren und können an der Brustwand, in den Interkostalräumen oder intramuskulär auftreten. Sie sind nicht destruktiv wachsend, allerdings ist für die Planung der operativen Therapie eine Differenzierung von den infiltrativ wachsenden Liposarkomen essenziell (Takamori et al. 2004).
Hämangiome sind gutartige Tumoren, welche aus Blutgefäßen der Brustwand, des Mediastinums oder der Interkostalräume entstehen. Sie treten häufiger bei jüngeren Patienten (<30 Jahre) auf und sind als schmerzhafte Raumforderungen beschrieben. Die Differenzierung von der malignen Variante ist mittels MRT-Darstellung nicht einfach, sodass eine Biopsie erforderlich sein kann. Im Fall von symptomatischen benignen Hämangiomen kann eine chirurgische Therapie erwogen werden, allerdings liegt die Lokalrezidivrate bei >20 % (Griffo et al. 2007).
Lymphangiome können zystisch oder kavernös sein und sind Folge von Entwicklungsmalformationen. Als Lokalisation werden die Brustwand oder das Mediastinum genannt. Die Exzision im Gesunden ist von größerer Bedeutung zur Vermeidung von chronischen, lymphatischen Fisteln. Alternative Therapien mittels Bestrahlung oder Instillation von sklerosierenden Faktoren wurden in der Literatur beschrieben (Yildirim et al. 2004).
Zu den neurogenen Tumoren der Brustwand gehören Neurinome (Schwannome), Paragangliome oder Neurofibrome.
  • Neurinome sind langsam wachsende Tumoren, welche im Bereich der Interkostalnerven oder der paravertebralen Nervenwurzel lokalisiert sein können. Sie entstehen aus den Schwann-Zellen, deren Aufgabe das Umhüllen von Nervenfasern ist. Patienten zwischen 20 und 50 Jahren sind am häufigsten betroffen. Nicht selten ist eine Erosion-Impression der nahliegenden knöchernen Strukturen ohne Destruktion vorhanden, ein typisches Zeichen für langsam wachsende Tumoren. Neuropathisch-artige Schmerzen sind die typische Klinik für Neurinome.
  • Paragangliome entstehen im Bereich der aortopulmonalen oder der paravertebralen aortosympathischen Paraganglien. Der mittlere Thorax im Bereich der 5., 6. oder 7. Rippe mit rechtsseitiger Dominanz ist die häufigste Lokalisation.
  • Neurofibrome sind langsam wachsende, neurogene Tumoren und können zystische oder verkalkte Komponenten enthalten. Sie treten am häufigsten zwischen dem 20. und 30. Lebensjahr auf. In 60–90 % der Fälle sind Neurofibrome mit Neurofibromatose Typ I oder multiplen, plexiformen Neurofibromen assoziiert (Suh et al. 1992; Zhang et al. 2001).
Desmoidtumoren sind myofibroblastische oder fibroblastische Neoplasien und treten häufiger in den Extremitäten und seltener in der Brustwand auf (10–28 %). Obwohl deren histologischer Typ benigne ist, gilt das biologische Verhalten der Desmoidtumoren aufgrund des relativ schnellen Wachstums mit Infiltration der Nachbarstrukturen und Kompressionssymptomatik als maligne (Abb. 1). Sie können auch in voroperierten oder vorbestrahlten Gebieten auftreten. Therapie der Wahl ist die radikale chirurgische Resektion im Gesunden. Eine adjuvante Radiotherapie kann, wenn R0-Resektionen nicht möglich sind, erwogen werden, da die Lokalrezidivrate bei R1-Resektion bei 37–89 % liegt (Abbas et al. 2004).
Die häufigsten benignen Tumoren der skelettalen Brustwand sind die Osteochondrome, die Chondrome und die fibröse Dysplasie. Im Bereich der Weichteile sind Lymphangiome und Lipome die häufigsten Entitäten. Desmoidtumoren, obwohl histologisch gutartig, zeigen ein malignes Verhalten mit Infiltration und Kompression der Nachbarstrukturen und sind mit hohen Rezidivraten verbunden.

Maligne Brustwandtumoren

Bösartige Brustwandtumoren sind in der Regel größer, schneller wachsend und häufiger mit lokaler Schmerzsymptomatik als die benignen assoziiert.

Skelettale Läsionen

Chondrosarkome (Abb. 2) sind die häufigsten primären, malignen Brustwandtumoren (30 %). Sie sind fixierte, schmerzhafte Raumforderungen der ventralen Brustwand im Bereich des Sternums oder des knorpeligen Anteils der Rippen parasternal. Sie sind die maligne Degeneration der benignen Chondrome. Chondrosarkome treten häufig zwischen den 30. und 40. Lebensjahr auf. Therapie der Wahl ist die ausreichende Resektion im Gesunden. Chemotherapeutische Behandlungen sind in der Regel ineffektiv. Eine Bestrahlung wird bei Patienten mit inoperablen oder nicht R0-resektablen Tumoren eingesetzt. Das 5-Jahres-Überleben liegt bei 65–92 %. Lokalrezidive können bei bis zu 75 % der Patienten mit R1-Resektion auftreten (Shah und D’Amico 2010).
Osteosarkome (Abb. 3) sind die zweithäufigsten Tumoren der skelettalen Brustwand (10–15 % der malignen Brustwandtumoren). Als Primärlokalisation sind häufig die Rippen, das Schlüsselbein oder das Schulterblatt beschrieben. Metastasen sind häufig bei der Feststellung der Primärdiagnose vorhanden (pulmonal, hepatisch, lymphonodulär). Die Raumforderungen sind osteodestruktiv, kalzifiziert und gelegentlich sklerotisch in der Bildgebung. Die Therapie der Wahl ist die chirurgische Exzision und die Chemotherapie. Die Präsenz von Metastasen bei der Erstdiagnose ist ein relevanter Faktor für das Gesamtüberleben (5-Jahres-Überleben 50 % ohne Metastasen und 10–20 % bei Metastasen; Shah und D’Amico 2010).
Die dritthäufigsten, malignen skelettalen Tumoren der Brustwand gehören zu der Gruppe der Ewing-Sarkome. Damit sind Ewing-Sarkome, Askin-Tumoren und primitive neuroektodermale Tumoren (PNET) definiert. Diese Gruppe ist die häufigste Brustwandtumorart bei Kindern und Jugendlichen. Ewing-Sarkome sind aggressive Malignome mit hohen Rezidiv- und Metastasen-Raten. Typischerweise ist eine neoadjuvante Chemotherapie mit anschließender Resektion die Therapie der Wahl. Das Ansprechen auf die Chemotherapie ist prognostisch für die Entwicklung von Lokalrezidiven oder Metastasen. Das 5-Jahres-Überleben kann für lokale Läsionen bei bis zu 100 % liegen, allerdings wird dies bei Metastasenpräsenz auf unter 30 % reduziert.
Ein solitäres Plasmozytom ist ein seltener Tumor aus plasmareichen Zellen, wie beim multiplen Myelom, welcher lokalisiert als diskrete, umschriebene Raumforderung in der knöchernen Brustwand auftreten kann. Hauptsächlich sind ältere Männer betroffen. Bei primärer, histologischer Sicherung kommt eine chirurgische Therapie nicht in Frage. Therapie der Wahl ist die lokale Bestrahlung. Das Gesamtüberleben variiert zwischen 40–60 % und ist abhängig von der lokalen Kontrolle sowie von der weiteren Entwicklung eines multiplen Myeloms (Shah und D’Amico 2010).

Weichteilläsionen

Weichteilsarkome sind die häufigsten, malignen Brustwandtumoren und entsprechen ca. 45 % aller malignen Brustwandtumoren, aber nur 6 % aller Weichteilsarkome des Körpers. Männer mittleren Alters sind hauptsächlich betroffen. Rhabdomyosarkome treten häufiger bei Kindern auf.
Maligne fibröse Histiozytome oder Rhabdomyosarkome (Abb. 4) sind häufige Beispiele von Weichteilsarkomen. Sie wachsen zwischen den Muskelfasern oder den muskuloskelettalen Faszien, sodass die Lokalrezidiv-Rate nach Resektion bei 30 % und das Gesamtüberleben bei 38 % liegen (Saenz et al. 1997). Maligne fibröse Histiozytome (MFH) sind häufiger bei älteren Männern mit Bestrahlung in der betroffenen Region in der Vorgeschichte. MFH können als große, nicht schmerzhafte Raumforderungen mit sehr heterogenem computertomografischen Bild diagnostiziert werden.
Liposarkome sind häufige Weichteilsarkome des Körpers, aber selten in der Brustwand. Am häufigsten sind Männer zwischen 40 und 60 Jahren betroffen. Therapie der Wahl ist die lokale Resektion, das 5-Jahres-Überleben entspricht 60 %. Chemotherapie oder Bestrahlung spielen keine relevante Rolle in der Behandlung (Shah und D’Amico 2010).
Neurofibrosarkome sind seltene, maligne Tumoren der Brustwand und sind mit Neurofibromatose verbunden. Sie wachsen häufig entlang der Interkostalnerven. Therapie der Wahl ist die lokale Resektion sowie die adjuvante Bestrahlung unabhängig von R-Status. Das 5-Jahres-Überleben liegt bei 55 % (David und Marshall 2011).
Angiosarkome sind seltene, vaskuläre, maligne Tumoren der Brustwand und treten bei Erwachsenen mit chronischem Lymphödem, vorheriger Bestrahlung oder chemischer Exposition auf. Am häufigsten treten sie bei Patienten 5–10 Jahre nach Bestrahlung bei Behandlung von Mammakarzinom auf. Therapie der Wahl ist die chirurgische Resektion. Lokale Radiatio ist häufig wegen der Vorbehandlung nicht möglich und eine chemotherapeutische Behandlung spielt keine relevante, therapeutische Rolle. Das 5-Jahres-Überleben liegt nur bei 16 % (Styring et al. 2010).
Die häufigsten, malignen Tumoren der skelettalen Brustwand sind die Chondrosarkome, gefolgt von den Osteosarkomen. Die Weichteilsarkome der Brustwand sind häufiger als die skelettalen. Rhabdomyosarkome sind häufiger bei Kindern und Liposarkome sowie maligne, fibröse Histiozytome eher bei Erwachsenen. Angiosarkome der Brustwand treten häufig nach Bestrahlung auf und sind mit einem sehr schlechten Überleben verbunden.

Präoperative Vorbereitung

Die Planung einer Brustwandresektion beginnt mit der klinischen Untersuchung des Patienten. Brustwandtumoren können symptomatisch (z. B. schmerzhaft) oder asymptomatisch sein. Die klinische Beurteilung des Brustkorbes ist essenziell um Defekte, Deformitäten sowie Operationsnarben usw. zu beurteilen. Eine präoperative lungenfunktionelle Diagnostik ist auch bei Patienten ohne Lungentumor sinnvoll, da eine Brustwandresektion häufig Einfluss auf die postoperative FEV1 und Diffusion haben kann (Mansour et al. 2002).
Die präoperative Bildgebung soll eine Computertomografie des Thorax (Pages et al. 2017) beinhalten. Dadurch ist die Beurteilung des Ausmaßes des Tumors sowie der Beteiligung der benachbarten Gefäße und Strukturen möglich. Beides sind wichtige präoperative Informationen für die Planung der Resektion und Rekonstruktion. Die Kernspintomografie (MRT) und die Positronemissionstomografie (PET) können hilfreiche, additive bildgebende Untersuchungen in der präoperativen Evaluierung eines Brustwandtumors sein (Lee und Collins 2008).
Eine präoperative histopathologische Untersuchung des Tumors soll angestrebt werden und ist auch bei typischen radiologischen Befunden (z. B. fibröse Dysplasie) sinnvoll. Brustwandtumoren sind seltene Entitäten mit extrem variablem, histopathologischen Muster, sodass eine histologische Sicherung vor definitiver chirurgischer Therapie ratsam ist. Diese kann per Nadel- oder Stanzbiopsie oder chirurgische Biopsie (seltener wegen breiterer lokaler Gewebekontamination) erfolgen, allerdings soll dies auch anhand der vermuteten Tumorentität und Lokalisation indiziert und geplant werden. Im Fall von Sarkomen oder hoch malignen, infiltrativen Tumoren muss der Biopsie-Kanal aufgrund der lokalen Tumorkontamination ebenso radikal reseziert werden.
Eine interdisziplinäre Besprechung und Planung vor Durchführung einer Brustwandtumorresektion ist heutzutage sinnvoll. Neoadjuvante oder adjuvante onkologische Therapien kommen häufig in Frage (z. B. Ewing-Sarkome, Osteosarkome) sowie komplexere Rekonstruktionen, sodass nicht nur die Expertise der Thoraxchirurgie, sondern auch der Onkologie und plastischen Chirurgie benötigt wird.

Resektion und Rekonstruktion

Resektion

Ziel jeder Brustwandresektion ist die weite Exzision des Tumors mit ausreichenden gesunden Abständen. Dies verbessert das Gesamtüberleben sowie das rezidivfreie Überleben. In Fällen von high-grade, hoch malignen, primären Brustwandtumoren wird eine lokale Exzision mit bis zu 4 cm Abstand empfohlen, obwohl dies von der Lokalisation und vom Typ des Tumors beeinflusst werden kann. Tumoren der oberen Thoraxapertur sind häufiger komplexer zu resezieren und Abstände von 4 cm sind wegen der Nachbarstrukturen (z. B. Plexus brachialis) nicht immer zu erreichen. Dies gilt auch für paravertebrale und Wirbelkörper-infiltrierende Tumoren mit deutlicher Nähe zum Spinalkanal. Für benigne oder Low-grade-Prozesse sind Abstände von 1–2 cm in der Regel ausreichend.
Ziel der Rekonstruktion der Brustwand ist der Schutz der intrathorakalen Organe sowie der Erhalt der physiologischen Atembewegung und der Form des Brustkorbs. Die meisten Chirurgen empfehlen bei ventralen Brustwanddefekten über 4–5 cm eine Art von Rekonstruktion, um das Risiko für paradoxe Atmung und Lungenherniation zu reduzieren (Ferraro et al. 2010). Im Gegensatz dazu können große, apikoposteriore Defekte durch die Skapula und den Schultergürtel gedeckt werden, solange die Skapula nicht in den Defekt reinluxiert, sodass eine Rekonstruktion nicht immer obligatorisch ist (Deschamps et al. 1999).

Stabilisierung der Brustwand nach Resektion

Bis heute wurden unterschiedliche Typen von Materialen (synthetisch, biologisch, metallisch) und deren Kombinationen von Thoraxchirurgen weltweit für die Stabilisierung der Brustwand nach onkologischer Resektion verwandt. Die erwünschten Materialcharakteristika, unabhängig von ihrer Art, sind in der Regel: Rigidität, einfache Verwendung, Integration in das umgebende Weichteilgewebe, Infektionsresistenz sowie reduzierte Fraktur- oder Migrationstendenz (Ferraro et al. 2010). Die Materialien können in 3 große Kategorien unterteilt werden: synthetisch, metallisch und biologisch.
Synthetische Materialien sind semi-rigid. Seit deren Verwendung für die Brustwandrekonstruktion konnte die Dauer der postoperativen Beatmung der Patienten sowie des Krankenhausaufenthaltes signifikant reduziert werden (Kroll et al. 1993). Am häufigsten werden Polypropylene oder Polytetrafluoroethylene (PTFE) benutzt (Abb. 5). Polymethylmethacrylate (PMMA) ist rigider, wird aber heutzutage nicht so häufig benutzt (Arnold und Pairolero 1996; Rathinam et al. 2004). Polypropylen ist ein Polyolefin aus Propen, das thermisch im Bereich von 0–100 °C stabil und flexibel ist. Polypropylen ist resistent gegen Lösungsmittel sowie schwache Säuren und Basen. Das Material wird als Faden zu einem grobmaschigen Netz gestrickt und kann in jeder Form und Größe hergestellt werden. Gleichzeitig sind die Herstellungskosten gering im Vergleich zu Polytetrafluorethylen (PTFE), Metall oder biologischen Implantaten. Obwohl es praktisch unpolar ist, wird die grobporige Struktur effektiv von Narbengewebe durchsetzt und das Material geht eine feste Verbindung mit dem umgebenden Gewebe ein. Dies ist eventuell darauf zurückzuführen, dass die Oberfläche des Netzes im Gewebe oxidiert wird und dadurch polarisiert (Bacakova et al. 2011). Dies unterscheidet das Netz von PTFE oder metallischen Implantaten, die keine oder nur eine geringe Einbindung in das umgebende Gewebe aufweisen und deshalb eher sowohl zu Seromen und Infektionen als auch zur Dislokation neigen. Das Netz ist nicht resorbierbar, sodass im weiteren Verlauf nicht mit Instabilität gerechnet werden muss (Abb. 6; Schroeder-Finckh et al. 2019).
Bezüglich der Verwendung metallischer Implantate, in Kombination mit entweder synthetischen oder biologischen Materialien, beschreiben viele Arbeitsgruppen kontroverse Ergebnisse. De Palma et al. berichteten über Kurz- und Langzeitergebnisse nach Rekonstruktion mittels metallischer Implantate. Eine Dislokationsrate von 11,1 % wurde von der erfahrenen Gruppe angegeben (De Palma et al. 2016). Im Gegensatz zu den oben genannten Titanimplantat-Versagensraten beschrieben Fabre et al. im Jahre 2012 exzellente Ergebnisse nach Brustwandrekonstruktion mittels Titanium und Gore-Tex oder Titan und Vicryl (Fabre et al. 2012). Der Vorteil der metallischen Rekonstruktion liegt in der Rigidität des Materials, allerdings wird dies häufig durch die Nachteile der metallischen Implantate überholt. Metall kann sich in das umliegende Gewebe nicht integrieren, zeigt hohe Dislokationsraten in Langzeitergebnissen und ist nicht infektionsresistent. Diese Eigenschaften können häufig zu sekundären Materialexplantationen führen.
Langzeitergebnisse für die vielversprechenden, biologischen Materialien sind noch zu rar und die höheren Kosten der Rekonstruktion sollten immer betrachtet werden. Biologische Materialien, wie z. B. azelluläre dermale Matrix, können als Allograft (menschliche Herkunft) oder Xenograft (nichtmenschliche Herkunft) benutzt werden. Der Vorteil ist die Integration in das umliegende Gewebe sowie die Revaskularisation des Materials (Campbell et al. 2011). Solche Eigenschaften könnten bei Patienten mit hohem Risiko für lokale Infektionen vom Vorteil sein. Allerdings scheint die Rigidität und die Spannung der biologischen Materialien unabhängig von der Art (z. B. Veritas, PermaCol, AlloDerm, Peri-Guard) ab dem 1. Monat nach Implantation und bis zu 12 Monaten danach rückläufig zu sein (Deeken et al. 2011).

Weichteildeckung

Nach der Stabilisierung der knöchernen Brustwand wird sehr häufig eine Deckung der Weichteile benötigt. Dies hilft das Risiko für Exposition des synthetischen/biologischen/metallischen Materials und der lokalen Infektion zu reduzieren (Arnold und Pairolero 1996). Vorwiegend werden gestielte Muskellappen oder Muskelhautlappen dafür verwendet. Die am häufigsten verwendeten Muskellappen sind Pektoralis-major-, Latissimus-dorsi-, Rektus-abdominis- oder Omentus-majus-Lappen bzw. freie Lappen (Abb. 7; Kap. „Plastisch-chirurgische Verfahren zur Deckung von Defekten der Brustwand und zum intrathorakalen Fistelverschluss“).
Bei malignen Brustwandtumoren wird häufig eine lokale Exzision mit bis zu 4 cm Abstand (wenn möglich) empfohlen. Die meisten Chirurgen empfehlen bei ventralen Brustwanddefekten über 4–5 cm eine Art von Rekonstruktion, um das Risiko für paradoxe Atmung und Lungenhernien zu reduzieren. Die Rekonstruktionsmaterialien können in 3 große Kategorien unterteilt werden: synthetisch, metallisch und biologisch. Nach der Stabilisierung der knöchernen Brustwand wird sehr häufig eine Deckung der Weichteile benötigt. Dies dient dazu das Risiko für Exposition des synthetischen/biologischen/metallischen Materials und der lokalen Infektion zu reduzieren.

Postoperative Komplikationen

Die häufigsten nicht rekonstruktionsbezogenen Komplikationen nach Brustwandresektion sind die pulmonalen. Die Rate an postoperativer Pneumonie kann bis zu 17 % betragen (Hazel und Weyant 2015). Patienten mit reduzierter, präoperativer Lungenfunktion und primärem Extubationsversagen sind Hoch-Risiko-Kandidaten für postoperative Pneumonie und pneumogene Sepsis (Chang et al. 2004).
Die Rate an rekonstruktionsbezogenen Komplikationen liegt zwischen 26 und 46 % (Mansour et al. 2002). Lokale Serome, Infektionen, Dislokationen und Wundheilungsstörungen können häufig zu Revisionseingriffen führen. Auch die Lokalisation des Defektes kann einen Einfluss auf die postoperativen Komplikationen haben. Ventrale Defekte mit Sternumbeteiligung können im Vergleich zu dorsalen Defekten häufiger mit lokalen, rekonstruktionsbezogenen Komplikationen verbunden sein (Deschamps et al. 1999; Nazerali et al. 2015). Der negative Einfluss der ventralen Defekte auf die Atemmechanik könnte eine Erklärung dafür sein. Lokale Komplikationen im Bereich der Weichteildeckung müssen zeitnah behandelt werden. Ischämische Lappen und Wundheilungsstörungen können zu lokaler Materialinfektion und Wunddehiszenz führen. Ischämische Weichteile sollten bis zum Gesunden debridiert werden. Nekrotisches Gewebe im Bereich der Rekonstruktionsstelle fördert weiter die lokale Infektion und kann zum Materialversagen führen.
Die lokalen, rekonstruktionsbezogenen Komplikationen sind die häufigsten nach Brustwandresektion. Pulmonale Komplikationen (Pneumonie) sind die häufigsten nichtlokalen Komplikationen. Ventrale Defekte sind häufiger mit Komplikationen verbunden.
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