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22.09.2017 | Endokrinologische Notfälle | Schwerpunkt: Notfälle in der Endokrinologie/Diabetologie | Ausgabe 10/2017

Der Internist 10/2017

Schilddrüsennotfälle

Thyreotoxische Krise und Myxödemkoma

Zeitschrift:
Der Internist > Ausgabe 10/2017
Autoren:
Prof. Dr. C. Spitzweg, M. Reincke, R. Gärtner
Wichtige Hinweise

Redaktion

H. Lehnert, Lübeck
M. Reincke, München

Zusammenfassung

Schilddrüsennotfälle gehören zu den seltenen, aber lebensbedrohlichen endokrinen Notfallsituationen auf dem Boden einer dekompensierten Thyreotoxikose (thyreotoxische Krise) oder eines ausgeprägten Schilddrüsenhormonmangels (Myxödemkoma). Beide entwickeln sich aus einer schon länger bestehenden, nicht erkannten oder unbehandelten Hyper- bzw. Hypothyreose. Auslösende Faktoren sind meist stressassoziiert, wie z. B. Traumata, Infektionen oder auch psychische Belastungen. Leitsymptome für eine thyreotoxische Krise sind myasthenische Muskelschwäche, kardiovaskuläre Symptome sowie Hyperthermie und zentralnervöse Symptomatik. Die Diagnose stützt sich ausschließlich auf klinische Kriterien, da die Schilddrüsenwerte bei einer thyreotoxischen Krise vergleichbar sind mit einer unkomplizierten Thyreotoxikose. Die Therapie stützt sich neben intensivmedizinischen supportiven Maßnahmen auf die Hemmung der Schilddrüsenhormonsynthese und -sekretion (Thyreostatika, ggf. Irenat®, ggf. Lugolsche Lösung, Colestyramin, Thyreoidektomie) sowie auf die Hemmung der peripheren Schilddrüsenhormonwirkung (β-Blocker, Glukokortikoide).
Leitsymptome eines Myxödemkomas sind Hypothermie, neuropsychiatrische Symptome und alveoläre Hypoventilation mit Gefahr der Bronchopneumonie sowie eine Hyponatriämie. Die Diagnose stützt sich auch hier auf klinische Kriterien, da sich die Schilddrüsenhormonparameter nicht von einer unkomplizierten Hypothyreose unterscheiden. Die Therapie umfasst neben dem Ausgleich des Schilddrüsenhormonmangels (L-T4, ggf. zusätzlich niedrig dosiert L-T3) sowie einer Glukokortikoidsubstitution eine intensivmedizinische Begleittherapie der Hypoventilation und Hyperkapnie, eventuell durch maschinelle Beatmung, und den Ausgleich der Hyponatriämie sowie die Behandlung der Hypothermie.
Die hohe Mortalität beider Schilddrüsennotfallsituationen kann nur durch eine frühzeitige Diagnosestellung auf dem Boden klinischer Parameter und den unverzüglichen Beginn einer multimodalen Therapie, supportive intensivmedizinische Maßnahmen sowie die Behandlung der auslösenden Ursache gesenkt werden.

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