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Über dieses Buch

Dieses Selbsthilfemanual für Menschen mit Zwangsstörungen zeigt Betroffenen anhand zahlreicher unterhaltsamer Beispiele sowie bewährten und neuen Behandlungsstrategien, wie man zwangstypischen „Denkfallen“ (z.B. übermäßige Verantwortungsübernahme, Perfektionismus) entgehen kann.

Eine umfangreiche Materialsammlung leitet Betroffene dazu an, wiederkehrende Denkfallen erst zu erkennen und dann zu „entschärfen“. Alle Materialien sind für die Selbsthilfe erstellt worden, eignen sich jedoch auch als wertvolle Ergänzung für den Einsatz durch Therapeuten. Belege für die Effektivität des Ansatzes wurden bereits in zwei wissenschaftlichen Studien erbracht. Die dritte Auflage wurde um viele neue Übungen erweitert.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Theoretische Ausführungen

Frontmatter

1. Metakognition und Zwang

Das metakognitive Training gegen Zwangsstörungen vermittelt Wissen über zwangstypische Denkverzerrungen sowie Strategien, diese zu bewältigen. Unter Denkverzerrungen werden ungünstige Stile der Aufnahme und Bewertung bestimmter Informationen verstanden, die zur Entstehung oder Aufrechterhaltung von Zwängen beitragen (z. B. die erhöhte Aufmerksamkeit für Gefahrenreize, ein perfektionistischer Leistungsanspruch oder die Übertreibung der eigenen Verantwortung für schlimme Ereignisse). Von einer Denkverzerrung zu unterscheiden sind Verhaltensweisen, die zwar eine gewisse äußere Ähnlichkeit zu Zwängen aufweisen, aber situationsangemessen sind und keinerlei Leidensdruck hervorrufen (z. B. »Zwanghaftigkeit« von Piloten oder Chirurgen bei der Ausübung ihres Berufs, aber nicht in anderen Lebensbereichen).
Steffen Moritz, Marit Hauschildt

Häufige Denkverzerrungen bei Zwang

Frontmatter

2. Denkverzerrung 1: Sind schlechte Gedanken anormal? Verbreitung zwanghafter Befürchtungen

Steffen Moritz, Marit Hauschildt

3. Denkverzerrung 2: Führen schlimme Gedanken zu schlimmen Taten? Denken ≠ Handeln

Steffen Moritz, Marit Hauschildt

4. Denkverzerrung 3: Müssen die Gedanken dem eigenen Willen gehorchen? Die Gedanken sind frei!

Steffen Moritz, Marit Hauschildt

5. Denkverzerrung 4: Ist die Welt gefährlich? Katastrophisieren

Menschen mit Zwängen überschätzen oftmals die Wahrscheinlichkeit schlimmer Ereignisse.
Steffen Moritz, Marit Hauschildt

6. Denkverzerrung 5: Müssen schlechte Gedanken unterdrückt werden? Gedankenkontrolle

Viele Betroffene versuchen, ihre »schlimmen« Gedanken aktiv zu unterdrücken.
Steffen Moritz, Marit Hauschildt

7. Denkverzerrung 6: Signalisieren Gefühle echte Gefahr ? Zwang und Emotion

Zwangsgedanken sind häufig mit Angst verbunden (z. B. der Partner könnte sterben, wenn ein bestimmtes Ritual unterlassen wird), sie können aber auch von ganz anderen Gefühlen begleitet sein, z. B.
Steffen Moritz, Marit Hauschildt

8. Denkverzerrung 7: Vergiften die Zwänge die Gedanken? Das Netzwerk des Zwangs

Menschen mit Zwang weisen vielfach eine einseitige Verarbeitung und Interpretation mehrdeutiger Begriffe auf. So wird die Farbe Rot häufig eher mit Blut als mit Rosen in Verbindung gebracht. Die Zahl 13 löst leicht Ängste vor Unheil aus. Positive Assoziationen (d. h. gedankliche Verknüpfungen) wie z. B. das 13. Monatsgehalt oder das bekannte Kinderbuch Jim Knopf und die Wilde 13 dringen dagegen nicht mehr ins Bewusstsein. Mehr und mehr Wörter erscheinen im Laufe der Zwangserkrankung »vergiftet« und werden zu Auslösern von Zwangsbefürchtungen.
Steffen Moritz, Marit Hauschildt

9. Denkverzerrung 8: Bin ich für alles und jeden verantwortlich? Übertriebenes Verantwortungsempfinden

Wir tragen für unsere Mitmenschen eine gewisse Verantwortung (z. B. sollten wir in Gegenwart von Kindern nicht fluchen oder über eine rote Ampel gehen), aber gleichzeitig sollten wir unser Gefühl der Verantwortung nicht übertreiben.
Steffen Moritz, Marit Hauschildt

10. Denkverzerrung 9: Ist gut nicht gut genug? Perfektionismus

Nennen Sie eine wirklich perfekte Person: der Papst, Mutter Teresa, der USPräsident? Jeder hat Ecken, Kanten und auch Fehler. Personen, die (scheinbar) perfekt aussehen oder reden, werden manchmal sogar als langweilig erlebt oder schrecken ab.
Steffen Moritz, Marit Hauschildt

11. Denkverzerrung 10: Muss ich alles ganz genau wissen? Suche/Sucht nach Wahrheit

Menschen mit Zwang haben oft den Drang, Dingen auf den Grund zu gehen und können Ungewissheit schwer ertragen.
Steffen Moritz, Marit Hauschildt

12. Denkverzerrung 11: Hilft Grübeln, Probleme zu lösen? Gefangen in der Endlosschleife

Nachdenken über sein bisheriges Leben, seine Schwächen oder Sorgen ist prinzipiell sinnvoll. Dabei besteht aber die Gefahr, es zu übertreiben und sich in fruchtlosen Grübeleien zu verstricken (z. B. »Wieso trifft die Erkrankung gerade mich?«). Ob intensives Nachdenken in der jeweiligen Situation zielführend ist und zu Einsicht, planvollem Handeln oder Veränderung führt oder aber im »dumpfen Brüten« steckenbleibt, ist am Anfang nicht immer leicht vorherzusagen. Aber: Wenn Sie feststellen, dass Ihr Denken mehr Fragen als Antworten aufwirft und sich kein Erkenntnisfortschritt einstellt, dann ist es an der Zeit, die Endlosschleife zu durchbrechen.
Steffen Moritz, Marit Hauschildt

13. Denkverzerrung 12: Ist Zwang eine Hirnstörung – kann man da nichts machen? Zwang und Gehirn

Es vergeht kaum eine Woche, in der nicht neue Befunde zu Hirnstörungen bei Zwang in Fachzeitschriften veröffentlicht werden. Die ermittelten Zusammenhänge zwischen Gehirn und Zwang entlasten einige Betroffene (»It’s not me – it’s my OCD«, zu Deutsch etwa: »Das bin nicht ich, sondern mein Zwang«). Wiederum andere resignieren aufgrund dieser Resultate, da der Irrglaube besteht, bei Zwang liege ein irreparabler Defekt vor – wie bei einem kaputten Auto. Diese Annahme beruht auf einer falschen Vorstellung über die Funktionsweise unseres Gehirns, wie im folgenden Abschnitt gezeigt werden soll.
Steffen Moritz, Marit Hauschildt

14. Denkverzerrung 13: Ich kann und bin nichts? Selbstzweifel und Depression

Symptome wie Traurigkeit, Niedergeschlagenheit, Antriebsschwäche und mangelndes Selbstwertgefü hl kommen auch bei den meisten gesunden Personen von Zeit zu Zeit vor, z. B. infolge von akuten Problemen oder Krisen. Bei einer klinischen Depression bestehen diese Symptome jedoch über einen längeren Zeitraum hinweg (mindestens 2 Wochen) und reduzieren die Lebensqualität und Arbeitsfähigkeit nachhaltig.
Steffen Moritz, Marit Hauschildt

15. Denkverzerrung 14: Werde ich nie wieder gesund und am Ende sogar verrückt? Zwang ≠ Psychose

»Verrücktsein « ist keine Diagnose oder wissenschaftliche Bezeichnung. In der Psychologie wird der Begriff Realitätsverlust oder Wahn verwendet. Wahn ist eine falsche, unkorrigierbare Überzeugung, z. B. die 100%-ige Gewissheit, dass der Geheimdienst einen verfolgt, oder die Überzeugung, dass Meldungen aus dem Radio oder Fernsehen verschlüsselte, an einen persönlich gerichtete Drohungen enthalten. Stimmenhören und andere Sinnestäuschungen (Halluzinationen) kommen häufig begleitend vor.
Steffen Moritz, Marit Hauschildt

16. Zu guter Letzt

Noch vor 10–20 Jahren war es im Klinikalltag einer Psychiatrie, aber auch in psychologisch-psychiatrischen Fachbeiträgen üblich, Patienten mit ihrer psychischen Störung mehr oder weniger gleichzusetzen. Es wurde von »Depressiven «, »Zwangskranken«, »Schizophrenen« usw. geredet. Mittlerweile hat sich das in den meisten Einrichtungen geändert, und Autoren von Fachartikeln sind z. B. angehalten, von »Menschen mit einer psychischen Störung« zu sprechen. Das mag auf den ersten Blick politisch überkorrekt und auch ein wenig spitzfindig anmuten. Der Sinn ist jedoch ein tieferer, da auf diese Weise dem impliziten Verständnis vorgebeugt wird, ein Individuum mit einer komplexen Biografie, Stärken, Schwächen und Eigenheiten ausschließlich als krank oder unvollkommen zu betrachten.
Steffen Moritz, Marit Hauschildt

Backmatter

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