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08.05.2019 | Leitthema | Ausgabe 6/2019

Bundesgesundheitsblatt - Gesundheitsforschung - Gesundheitsschutz 6/2019

Europäische Ethikkommissionen im Wandel: Herausforderungen durch neue Rahmenbedingungen

Zeitschrift:
Bundesgesundheitsblatt - Gesundheitsforschung - Gesundheitsschutz > Ausgabe 6/2019
Autor:
Prof. Dr. Dirk Lanzerath

Zusammenfassung

Geleitet durch das Beispiel der Ethikkommissionen in der Medizin weitet sich die ethische Evaluation von Forschungsprojekten in Europa zunehmend auf andere Disziplinen wie Psychologie, Sozialwissenschaften oder Ingenieurswissenschaften aus, vor allem wenn unmittelbar menschliche Probanden involviert oder personenbezogene Daten erhoben werden. Die Verfahren zur ethischen Bewertung sind in den meisten europäischen Ländern jedoch nicht einheitlich geregelt.
Mit der neuen EU-Verordnung No 536/2014, die voraussichtlich im Jahr 2020 in Kraft tritt, wird für klinische Versuche eine Vereinheitlichung der Arbeit der medizinischen Forschungsethikkommissionen beabsichtigt. Klare Fristen und die Nutzung eines zentralen elektronischen EU-Portals werden vorgegeben, auch um aus wirtschaftlichen Gründen die Genehmigungsverfahren zu beschleunigen. Den Mitgliedstaaten werden Freiräume hinsichtlich des Umfangs der ethischen Prüfung gelassen, was aber einer Vereinheitlichung entgegenläuft und dazu führen könnte, dass einige Staaten ein Prüfmodell wählen, das die Bewertung von Methodik und Risiko einer Studie ausschließt und dadurch weniger zum Schutz der teilnehmenden Menschen beiträgt.
Die europäischen Ethikkommissionen arbeiten seit 2005 im European Network of Research Ethics Committees (EUREC) zusammen. Für den Austausch über die Auswirkungen und die Implementierung der neuen EU-Verordnung sowie über den Aufbau des EU-Portals bietet EUREC ein Forum für eine qualifizierte Debatte.
In dieser Umbruchphase ist noch schwierig einzuschätzen, in welche Richtung sich die Ethikkommissionen entwickeln werden. Professionelles Management kann sich positiv auf die Qualität der Ethikprüfung auswirken. Die Marginalisierungstendenz, die der EU-Verordnung inhärent ist, läuft jedoch der zunehmenden Evaluierung nichtmedizinischer Forschungsvorhaben und einem angemessenen Probandenschutz entgegen.

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