Zum Inhalt

Auswirkungen der Qualität der Arzt-Patient-Beziehung auf die Gesundheit von erwachsenen ME/CFS-Erkrankten

Eine qualitative Public-Health-Studie aus Patientensicht

Erschienen in:

ZUSAMMENFASSUNG

Hintergrund: Patientinnen und Patienten mit myalgischer Enzephalomyelitis/chronischem Fatigue-Syndrom (ME/CFS) sind mit der medizinischen Versorgung überwiegend unzufrieden. Sie beklagen u. a. die fehlende ärztliche Anerkennung von ME/CFS als neuroimmunologische Erkrankung und die ärztliche Wahrnehmung der Betroffenen als „schwierige Patienten“.
Methode: Im Rahmen eines explorativen qualitativen Surveys wurden 544 ärztlich diagnostizierte ME/CFS-Erkrankte (> 20 J.; 455 ♀, 89 ♂) nach ihren subjektiven Erfahrungen im Hinblick auf das Arzt-Patient(AP)-Verhältnis zu ihren behandelnden Ärztinnen und Ärzten befragt. Der Fragebogen war analog zu einem fokussierten, standardisierten Leitfadeninterview aufgebaut. Die Auswertung der schriftlichen Antworten erfolgte über eine qualitative Inhaltsanalyse nach Mayring.
Ergebnisse: Die Befragten berichteten von einer deutlichen Verschlechterung ihrer gesundheitlichen Situation und ihrer Lebensqualität infolge von Fehldiagnosen und fehlerhaften Behandlungen, der belasteten AP-Beziehung und der fehlenden Unterstützung seitens der Ärztinnen und Ärzte. Dies alles führe bei ihnen zu Angst vor Arztbesuchen, einem generellen Vertrauensverlust ärztlichem Fachpersonal gegenüber, einem Gefühl der Hilflosigkeit bis hin zu Verbitterung und Resignation - für einige Probandinnen und Probanden mit dem Suizid als letzte gedankliche Möglichkeit, dieser prekären Situation zu entkommen. Andere sprachen bei ärztlichen Konsultationen nur noch Gesundheitsprobleme an, die nicht mit ME/CFS zusammenhingen, gingen nur noch im Notfall zum Arzt oder verzichteten ganz auf Arztkontakte.
Schlussfolgerungen: Die von den Testpersonen als problematisch beschriebene AP-Beziehung hat für die ME/CFS- Erkrankten aus deren Sicht erhebliche negative gesundheitliche Folgen. Es ist daher von großer Dringlichkeit, ein patientenzentriertes Behandlungskonzept zu erarbeiten, in dessen Zentrum die ME/CFS-Patientinnen und -Patienten als Experten ihrer eigenen Erkrankung stehen.
Schlüsselwörter: Myalgische Enzephalomyelitis/Chronisches Fatigue-Syndrom, Arzt-Patient-Beziehung, Gesundheitsfolgen
Eingereicht am 4.5.2023 - Revision akzeptiert am 19.5.2023
Titel
Auswirkungen der Qualität der Arzt-Patient-Beziehung auf die Gesundheit von erwachsenen ME/CFS-Erkrankten
Eine qualitative Public-Health-Studie aus Patientensicht
Verfasst von
Dr. med. Lotte Habermann-Horstmeier, MPH
Dr. Lukas M. Horstmeier
Publikationsdatum
08.12.2023
Verlag
Springer Medizin
Erschienen in
MMW - Fortschritte der Medizin / Ausgabe Sonderheft 5/2023
Print ISSN: 1438-3276
Elektronische ISSN: 1613-3560
DOI
https://doi.org/10.1007/s15006-023-2894-z
Dieser Inhalt ist nur sichtbar, wenn du eingeloggt bist und die entsprechende Berechtigung hast.
Dieser Inhalt ist nur sichtbar, wenn du eingeloggt bist und die entsprechende Berechtigung hast.

Kompaktes Leitlinien-Wissen Allgemeinmedizin (Link öffnet in neuem Fenster)

Mit medbee Pocketcards schnell und sicher entscheiden.
Leitlinien-Wissen kostenlos und immer griffbereit auf ihrem Desktop, Handy oder Tablet.

Neu im Fachgebiet Allgemeinmedizin

Menschen mit Zöliakie haben erhöhtes Risiko für Pankreatitis

Das Risiko, erstmals an einer Pankreatitis zu erkranken, ist für Personen mit einer Zöliakie um über 40% erhöht. Besonders hoch ist es kurz nach der Diagnose. Auf das Rezidivrisiko hat eine Zöliakie aber keinen Einfluss, legt eine Langzeitanalyse aus Schweden nahe.

C. difficile: Besserer Schutz vor Rezidiven durch verlängerte Therapie?

Schützt eine verlängerte Vancomycin-Therapie über insgesamt vier Wochen besser vor Rezidiven einer Clostridioides-difficile-Infektion (CDI) als ein kürzeres Behandlungsschema? Dieser Frage ist ein Team aus Kanada nachgegangen.

Podcast

"Die eGFR allein macht noch keine Nierenkrankheit"

Wann sollte man in der Hausarztpraxis an eine chronische Nierenkrankheit (CKD) denken – und warum sagt die eGFR allein wenig über den Nierenzustand aus? Mit Prof. Dr. med. Jean-François Chenot sprechen wir über die wichtigsten Parameter zur Risikoeinschätzung, aktuelle Studien und ein pragmatisches Vorgehen im Praxisalltag. Eine Podcast-Folge für alle, die CKD schnell und sicher einordnen möchten.


Zeitschrift für Allgemeinmedizin, DEGAM

Bringen 30 Gramm Nüsse am Tag die Spermien in Schwung?

Ein hoher Nussverzehr sorgt möglicherweise für eine gute Spermienqualität: In einer Querschnittsanalyse gingen mindestens 30 g Nüsse pro Tag bei gesunden Männern mit einer besonders hohen Spermienzahl und -konzentration einher.

EKG Essentials: EKG befunden mit System

In diesem CME-Kurs können Sie Ihr Wissen zur EKG-Befundung anhand von zwölf Video-Tutorials auffrischen und 10 CME-Punkte sammeln.
Praxisnah, relevant und mit vielen Tipps & Tricks vom Profi.

Update Allgemeinmedizin

Bestellen Sie unseren Fach-Newsletter und bleiben Sie gut informiert.

Bildnachweise
Die Leitlinien für Ärztinnen und Ärzte, Akute Pankreatitis/© Schreyer, A.G. et al. / all rights reserved Springer Medizin Verlag GmbH, Clostridioides difficile/© Natchooda / stock.adobe.com, ZFA TALKS - Chronische Nierenkrankheit/© (M) angellodeco / stock.adobe.com, Logo: Springer Medizin Verlag GmbH, Schale mit Nüssen/© Amarita / Getty Images / iStock (Symbolbild mit Fotomodell), EKG befunden mit System - EKG Essential/© Springer Medizin Verlag GmbH