Postakute Infektions- und Vakzinierungssyndrome (PAIVS), einschließlich der myalgischen Enzephalomyelitis/des chronischen Fatigue-Syndroms (ME/CFS), betreffen auch Kinder und Jugendliche. Aufgrund heterogener Symptomatik, fehlender Biomarker und Kausaltherapien ist die Versorgung herausfordernd.
Der Beitrag fasst den aktuellen Wissensstand zu PAIVS bei Kindern und Jugendlichen zusammen und liefert praktische Empfehlungen zum klinischen Management. Die Bündelung der Erkenntnisse erfolgte auf Basis internationaler Evidenz und klinischer Erfahrung der Autor*innen. Sie sind Initiator*innen bzw. Partner*innen des neuen, interdisziplinären und multiprofessionellen Projekts Pädiatrisches Netzwerk für die Versorgung und Erforschung von postakuten Folgen von COVID-19, ähnlichen postakuten Infektions- und Impfsyndromen sowie ME/CFS bei Kindern und Jugendlichen (PEDNET-LC), das bundesweit pädiatrische Versorgungs- und Forschungsstrukturen zu PAIVS auf- und ausbaut.
Die PAIVS erfordern eine interdisziplinäre (differenzial-)diagnostische Abklärung. Insbesondere Screenings auf postexertionelle Malaise (PEM) als Kernsymptom von ME/CFS und auf orthostatische Intoleranz sind notwendig. Bei Vorliegen von PEM ist die Vermeidung einer Symptomverschlechterung durch Anpassung der Alltagsaktivitäten (Pacing) essenziell. In der Versorgung haben neben symptomatischen Therapien sozialmedizinische Maßnahmen zur Stärkung von Alltags- und Bildungsteilhabe einen hohen Stellenwert.
Kinder und Jugendliche mit PAIVS benötigen eine individuell zugeschnittene, interdisziplinäre, multiprofessionelle und longitudinale Versorgung. Voraussetzungen sind gute intersektorale Zusammenarbeit sowie umfassende Aufklärung und Fortbildung zum Krankheitsbild. Das PEDNET-LC bietet die Chance, pädiatrische PAIVS-Versorgungs- und Forschungsstrukturen zu harmonisieren und weiterzuentwickeln.