Skip to main content
main-content

Über dieses Buch

Dieses Buch hilft niedergelassenen Gynäkologen sowie klinisch tätigen Ärzten im Umgang mit den kritischen Ereignissen in der Geburtshilfe. Ausgehend von der Darstellung möglicher anatomischer, genetischer, endokrinologischer und/oder immunologischer Grundlagen und Ursachen gehen die Autoren praxisnah auf die diagnostischen und therapeutischen Möglichkeiten ein. Auch erfährt der Leser welche präventiven Maßnahmen und Ansätze zur Vermeidung ergriffen werden können. Neben klinisch-medizinischem Wissen werden auch der psychologische Umgang und die Betreuung von betroffenen Frauen thematisiert.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Grundlagen

Frontmatter

1. Definitionen und Inzidenzen

Im Rahmen der Personenstandsverordnung werden Lebend-, Tot- und Fehlgeburten definiert. Medizinisch gesehen kommen der Begriff der Frühgeburtlichkeit sowie die Unterscheidung zwischen Früh- und Spätaborten hinzu. Aborte sind mit bis zu 80% aller Schwangerschaften ein häufiges Geschehen und können Anlass zu medizinischer Beratung sein. Auch die Frühgeburtenrate hat in den letzten Jahren weltweit zugenommen und ist eine konstante Herausforderung im Bereich der Perinatalmedizin. Totgeburten hingegen sind in Deutschland im internationalen Vergleich ein seltenes Ereignis.
Cordula Franz

2. Fetale Programmierung

Die Zunahme immunologischer und psychischer Erkrankungen in der Bevölkerung kann möglicherweise auf die pränatale Programmierung zurückgeführt werden. Wie Studien am Tiermodell und am Menschen zeigen, stehen mütterliche Umwelt und heranwachsender Fetus in Interaktion. Umwelteinflüsse (z.B. Stress, Hormone, Ernährung), die vor und während der Schwangerschaft ihre Wirkung entfalten, können die vorgeburtliche Entwicklung des Fetus im Hinblick auf ein späteres Krankheitsrisiko beeinflussen.
Petra Clara Arck, Kurt Hecher

3. Die fetomaternale Grenzzone

Die Organismen von Mutter und Fetus werden während der Schwangerschaft durch die fetale Grenzschicht voneinander getrennt. Es wird beschrieben, wie sich diese Grenzschicht auf zellulärer Ebene herausbildet, wobei insbesondere auf Plazentation, Plazenta, extravillöse Trophoblasten und trophoblastäre extrazelluläre Vesikel eingegangen wird. Von der Interaktion von Trophoblastzellen und maternalen uterinen Immunzellen hängen Schwangerschaft und plazentare Entwicklung maßgeblich ab.
Udo R. Markert, Theresa Wagner, Stephanie Biennek, Sebastian Grosse

4. Embryonale Entwicklung

Die humane Ontogenese verläuft in mehreren Stadien. Es wird zwischen Präembryonalperiode, Embryonalperiode und Fetalperiode unterschieden. Sie sind jeweils von bestimmten Entwicklungsvorgängen geprägt. Insgesamt ist die menschliche Entwicklung insbesondere in den ersten zehn Wochen ein hochkomplexer und störungsanfälliger deterministischer Prozess.
Helga Fritsch, Elisabeth Pechriggl, Romed Hörmann

5. Immunologie der Frühschwangerschaft

Der Fetus wird vom mütterlichen Immunsystem – entgegen dem klassischen Modell der Selbst-Fremd-ErkennungSelbst-Fremd-Erkennung – nicht angegriffen, sondern vielmehr in seiner Entwicklung gefördert. Es werden verschiedene immunologische Prozesse beschrieben, die in der Schwangerschaft dafür sorgen, dass das mütterliche Immunsystem zwar weiterhin schädliche Eindringlinge erkennt und bekämpft, dem Fetus gegenüber aber eine Immuntoleranz entwickelt. Bestimmte Erkrankungen der Mutter (z.B. Autoimmunerkrankungen und Infektionen) können die Dämpfung des mütterlichen Immunsystems allerdings außer Kraft setzen.
Christoph Scholz

6. Bedeutung immunologischer Prozesse im 2./3. Trimenon

Störungen immunologischer Prozesse während der Schwangerschaft können Präeklampsien, HELLP-Syndrome, intrauterine Wachstumsretardierungen sowie Fehl- und Frühgeburten verursachen. Es werden verschiedene Proteine und Hormone beschrieben, deren Dysregulation eine Schwangerschaft gefährden können. Zudem werden Marker genannt, die auf einen pathologischen Schwangerschaftsverlauf hinweisen.
Aurelia Vattai, Udo Jeschke

7. Transplantationsimmunologische Aspekte

Bei einer normalen Schwangerschaft besteht eine Toleranz des maternalen Immunsystems gegen die fremden fetalen Gewebemerkmale. Wird diese Toleranz durch verschiedene immunologische Faktoren herabgesetzt, können Schwangerschaftskomplikationen auftreten. So gibt es z.B. Hinweise aus der Forschung, dass ein Teil der rezidivierenden Spontanaborte durch immunologische Abstoßungsreaktionen gegen die paternalen Fremdantigene verursacht wird.
Volker Daniel

8. Präkonzeptionelle Risikoberatung

Eine umfassende diagnostische Abklärung und die Beratung vor dem Eintritt einer Schwangerschaft können dazu beitragen, Schwangerschaftsrisiken zu vermeiden. Die präkonzeptionelle Beratung umfasst konkrete Aspekte, die Einfluss auf die fetale Entwicklung und den Schwangerschaftsverlauf haben, wie z.B. Ernährung, Gesundheitsförderung, Körpergewicht, gesundheitsschädigende Lebensgewohnheiten, Impfungen, chronische Erkrankungen, psychische, soziale und familiäre Belastungen, Trauerreaktionen und die Wartezeit zwischen zwei Schwangerschaften.
Maren Goeckenjan

9. Essstörungen und Stress als Risikofaktoren für geburtshilfliche Komplikationen

In der Schwangerschaft können maternale Essstörungen (z.B. Anorexie, Bulimie) mit verschiedenen geburtshilflichen Komplikationen einhergehen. Insbesondere Stress und Gewichtsabnahme können sich schädlich auf die Entwicklung des Fetus auswirken. Frauen mit Essstörungen sollten während und nach der Schwangerschaft engmaschig betreut werden. Sie sollten z.B. über potenzielle Risiken aufgeklärt und ermutigt werden, ihr Essverhalten der Schwangerschaft anzupassen. Eine interdisziplinäre Begleitung durch Frauenärzte, Hebammen, Pflegekräfte, Psychiater, Psychotherapeuten und Pädiater sowie psychotherapeutische Behandlungen der essgestörten Frauen sollten eingeplant werden.
Stephanie Wallwiener

10. Psychologische Aspekte von Fehl-, Tot- und Frühgeburten

Fehl-, Tot- und Frühgeburten gehen meist mit verschiedenen emotionalen Reaktionen einher, z.B. mit Trauer, Schock, Hilfslosigkeit und Selbstvorwürfen. Komplikationen des Trauerprozesses zeigen sich in depressiven Verarbeitungsmustern, posttraumatischen Belastungsreaktionen und komplizierter Trauer. Die Bewältigung des Verlustes wird durch dysfunktionale Faktoren (wie z.B. Schuldgefühle) beeinträchtigt und durch supportive Faktoren (wie z.B. soziales Netzwerk) gefördert. Es werden Praxistipps gegeben, wie Frauen bzw. Paare nach Fehl-, Tot- und Frühgeburten beraten und begleitet werden sollten.
Tewes Wischmann

Sporadische Fehlgeburten

Frontmatter

11. Diagnostik und Therapie bei sporadischen Fehlgeburten

Etwa ein Viertel aller Frauen im reproduktionsfähigen Alter erlebt mindestens einen Abort. Als weitaus häufigste Ursache für Frühaborte sind spontan entstandene chromosomale Störungen zu nennen. Darüber hinaus können anatomische Fehlbildungen, endokrine, mikrobiologische sowie Umwelt- und Ernährungsfaktoren bei der Pathogenese eine Rolle spielen. Im folgenden Kapitel werden Empfehlungen zu Diagnostik und leitliniengerechter Therapie bei Spontanaborten zusammengefasst.
Catherine Knieper

Rezidivierende Aborte

Frontmatter

12. Genetik

Chromosomenanomalien sind die häufigste Ursache für habituelle Aborte. Am häufigsten treten neu entstandene numerische Chromosomenanomalien auf. Seltener sind strukturelle Chromosomenanomalien, die jedoch auf einer elterlichen Chromosomenstörung beruhen können und dann mit einem erhöhten Risiko für weitere Fehlgeburten sowie möglicherweise für Nachkommen mit einer geistigen Behinderung und/oder Fehlbildungen einhergehen. Zur Diagnostik werden u.a. Chromosomenanalysen der elterlichen Blutproben und des Abortgewebes eingesetzt. Auch einige monogene fetale und maternale Erkrankungen gehen mit einem hohen Abortrisiko einher. Den Eltern können eine vorgeburtliche Diagnostik sowie ggf. eine Präimplantationsdiagnostik angeboten werden.
Christina Evers

13. Anatomische Veränderungen des Uterus

Uterusfehlbildungen können in großer Vielfalt auftreten. In der Befundinterpretation zeigen sich oft erhebliche Unterschiede. Mithilfe der 3D-Sonografie können Fehlbildungen im Einzelfall besser differenziert, Patientinnen schneller selektiert und aufwändige weitere Untersuchungsverfahren reduziert werden. Es werden Operationsindikation und -methoden bei verschiedenen Uterusfehlbildungen beschrieben. Bei RSA-Patientinnen ist grundsätzlich eine (Mini-)HSK sinnvoll. Bei Auftreten von submukösen Myomen, intrauterinen Adhäsionen oder Endometriumpolypen sollte trotz der uneinheitlichen Studienlage eine großzügige Indikation zur operativen Behandlung gestellt werden.
Frank Nawroth

14. Endokrinologie

Hormonelle Störungen stellen eine häufige Ursache für frühe Schwangerschaftsverluste dar. Endokrine Faktoren, die am Abortgeschehen beteiligt sind, sind u.a. Diabetes mellitus, polycystisches Ovar-Syndrom (PCOS), Schilddrüsenfunktionsstörungen, Hyperprolaktinämie und luteale Insuffizienz. Es werden verschiedene Behandlungsmöglichkeiten aufgezeigt und Praxistipps gegeben.
Thomas Strowitzki

15. Vorzeitiger Blasensprung und Amnioninfektionssyndrom

Ein vorzeitiger Blasensprung ist ein Risikofaktor für eine vorzeitige Entbindung. Die Diagnose ist nicht immer einfach, da die Symptome von der Patientin häufig missdeutet werden und sich auch sehr unterschiedlich präsentieren können. Beim Amnioninfektionssyndrom (AIS) handelt es sich um eine Infektion der Eihäute, der Dezidua, des Fruchtwassers und eventuell des Feten mit verschiedenen Erregern. Es stellt eine gefährliche Notfallsituation für Mutter und Kind dar.
Ioannis Mylonas

16. Rezidivierende Aborte und chronische Endometritis

Die chronische Endometritis ist laut aktueller Studienlage mit einem erhöhten Risiko für rezidivierende Aborte assoziiert. Die Diagnostik der chronischen Endometritis stellt eine besondere Herausforderung dar. Es kommen vor allem Verfahren der Immunhistochemie und Hysteroskopie zum Einsatz. Als Ursachen der Erkrankung werden u.a. transvaginale Infektionen, endometriale Polypen und submuköse Leiomyome diskutiert. Zur Behandlung haben sich Antibiotikatherapien bewährt.
Lars Ismail, Bettina Toth

17. Hämostaseologie

Sowohl thrombophilie als auch hämophile Gerinnungsstörungen können bei wiederholten Fehlgeburten eine Rolle spielen. Verschiedene Faktoren erhöhen das Thromboserisiko. Es wird auf die Bedeutung hereditärer und erworbener Thrombophilien und Hämophilie für habituelle Fehlgeburten und Frühaborte eingegangen. Eine Heparinisierung ist bei bestehender maternaler Indikation möglich.
Michael K. Bohlmann

18. Immunologie: Diagnostik und Therapie

Immunologische Veränderungen können bei Frauen mit Fehlgeburten identifiziert werden. Es ist jedoch unklar, ob diese Ursache oder Folge der Fehlgeburt sind. Bei der immunologischen Diagnostik werden verschiedene autoimmune und allogene Faktoren betrachtet. Zur immunmodulierenden Therapie werden u.a. Glucocorticoide, Immunglobuline, Granulocyte-Colony Stimulating Factor, Intralipide und TNF-Inhibitoren eingesetzt. Es fehlt bislang eine eindeutige Zuordnung eines diagnostischen Markers zu einer gezielten immunmodulatorischen Therapie.
Ruben J. Kuon, Bettina Toth

19. Idiopathische rezidivierende Aborte

Der Spontanabort ist die häufigste Komplikation der Frühschwangerschaft. Er wird meist durch zytogenetische Anomalien verursacht. Das Risiko eines Spontanaborts ist vor allem vom mütterlichen Alter abhängig. Idiopathische rezidivierende Spontanaborte (iRSA) werden diagnostiziert, wenn die Ursachen für rezidivierende Spontanaborte (RSA) unbekannt sind. Es kann derzeit keine Empfehlung für eine Standardtherapie bei iRSA ausgesprochen werden.
Clemens Tempfer

20. Chinesische Medizin bei RSA

In der chinesischen Frauenheilkunde werden Schwangerschaftskomplikationen u.a. auf die Disharmonie von Organen (Nieren, Uterus), Leitbahnen, Gefäßen, Blut und Körpersäften zurückgeführt. Für die Patientinnen werden, abhängig vom bisherigen Krankheitsverlauf und den möglichen Ursachen, therapeutische Maßnahmen zusammengestellt, u.a. Akupunktur und individuelle Mischungen aus chinesischen Arzneien. Das therapeutische Handeln orientiert sich an einer klassischen Strategie, am „Li Fa Fang Yao“.
Karin Bervoets

21. Neuraltherapie bei gefährdeter Schwangerschaft

Für die Therapie mit Lokalanästhetika (Neuraltherapie) existieren derzeit noch keine Studiendaten für die Indikation „Abortgeschehen“. Neuraltherapie ist jedoch bei akutem Abortgeschehen und dringlichem Kinderwunsch als individueller Heilversuch zulässig und möglich. Sie kann eine sinnvolle Erweiterung der Therapieoptionen bei gefährdeter Schwangerschaft darstellen.
Stefan Weinschenk

22. Konservatives Vorgehen bei Abort

Bei inkomplettem Abort bzw. Missed abortion wird in Deutschland in der Regel eine Kürettage des Uteruscavums durchgeführt. Die aktuelle Studienlage zeigt, dass konservative Methoden wie ein abwartendes Verhalten oder eine medikamentöse Abortinduktion mit Misoprostol effektive, nebenwirkungsarme Alternativen zum operativen Eingriff darstellen. Dies gilt für den Fall eines frühen Abortes < 12 SSW und der Abwesenheit von Komplikationen wie einer kreislaufrelevanten Blutung oder Infektionszeichen. In diesen Fällen sollte weiterhin eine Kürettage empfohlen werden.
Catherine Knieper

23. Operatives Vorgehen bei Abort

Bei einem Abortus incipiens, Abortus incompletus oder einem verhaltenen Abort stehen die operative und medikamentöse Therapie sowie abwartendes Verhalten als Handlungsoptionen zur Verfügung. Die Effektivität der Methoden ist vergleichbar, daher sollten vor der Wahl der Methode die Vor- und Nachteile mit der Patientin abgewogen werden. Auch sollten die Gesamtsituation und Compliance der Patientin berücksichtigt werden.
Joachim Rom

Frühgeburten

Frontmatter

24. Versorgungsmöglichkeiten: Perinatalzentren unterschiedlicher Versorgungsstufe

Zur Versorgung von Säuglingen und Müttern mit Risikostatus gibt es in Deutschland Perinatalzentren mit vier verschiedenen Versorgungsstufen. Sie unterscheiden sich im Grad der Spezialisierung und sollen gewährleisten, dass Komplikationen rund um die Geburt medizinisch fachgerecht behandelt werden. Die Güte und Effizienz von Perinatalzentren wird jedoch kaum überprüft. Verschiedene Fachgesellschaften haben daher ein Zertifizierungsverfahren entwickelt, um die Qualität von Perinatalzentren zu kontrollieren und ihnen die Möglichkeit zur Zertifizierung zu bieten.
Sven Seeger

25. Rechtliche Aspekte bei Frühgeburten

Sehr früh geborene Kinder leiden mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit unter Behinderungen und haben nur geringe Überlebenschancen. Der Umgang mit ihnen muss deshalb zwischen Eltern und Ärzten einvernehmlich und gemäß rechtlichen und ethischen Vorgaben geregelt werden. Bei drohender Frühgeburt werden Lungenreifeinduktion, Antibiotikatherapie und Tokolyse standardmäßig eingesetzt. Es gibt dabei jedoch einige rechtlich relevante Faktoren (z.B. Off-Label-Use, Aufklärungspflicht), die berücksichtigt werden sollten.
Bernd Gerber, Dirk Olbertz

26. Infektionen

Infektionen in der Schwangerschaft können Kind und Mutter schädigen. Die Mutterschaftsversorgung mit fünf gesetzlich festgelegten infektiologischen Untersuchungen trägt dazu bei, Infektionen frühzeitig zu erkennen und zu behandeln. Die Erreger können u.a. Früh-, Fehl- und Totgeburten verursachen. Virale Infektionen werden z.B. durch das Parovirus B19 und das Zytomegalievirus verursacht. Bakterielle Infektionen werden z.B. durch eine bakterielle Vaginose, eine Chlamydieninfektion und durch Syphilis verursacht.
Ioannis Mylonas

27. Frühgeburten – Anatomie und Zervixlängenmessung

Bei Frauen mit uterinen Anomalien ist das Fehl- und Frühgeburtsrisiko erhöht. Es werden unterschiedliche Therapieempfehlungen abhängig von der Utertusanomalie gegeben, etwa eine Septumresektion. Eine Verkürzung der Zervix uteri kann eine Fehlgeburt auslösen. Sie sollte frühzeitig festgestellt werden, z.B. mittels einer Zervixlängenmessung.
Florian Schütz

28. Nicht-medikamentöse Frühgeburtsprävention: Cerclage, totaler Muttermundverschluss, Pessar

Im Rahmen der nicht-medikamentösen Frühgeburtsprävention kommt u.a. die Cerclage zum Einsatz. Es wird auf Cerclage-Techniken sowie auf die vaginale, abdominale und auf die Notfall-Cerclage näher eingegangen. Darüber hinaus werden der totale Muttermundverschluss und das Arabin-Pessar dargestellt.
Ina Rühl

29. Progesterontherapie zur Prävention der Frühgeburt

Das Hormon Progesteron entfaltet eine Vielzahl von Wirkungen auf Myometrium und Zervix, u.a. eine Hemmung der Myometriumkontraktion und einen zervixstabilisierende Effekt. Es ist daher ein vielversprechender Kandidat zur Prävention der Frühgeburt. Die prophylaktische Gabe von Progesteron ist eine evidenzbasierte Maßnahme zur Prävention der Frühgeburt bei Frauen mit Einlingsschwangerschaft nach vorangegangener Frühgeburt sowie bei Schwangeren mit Einlingsschwangerschaft und Verkürzung der Zervix vor der 24. SSW. Inwieweit weitere Anwendungsmöglichkeiten bestehen (u.a. bei vorzeitiger Wehentätigkeit), wird derzeit in klinischen Studien überprüft.
Ruben J. Kuon

30. Besonderheiten der Frühgeburtsprävention bei Zwillingen und höhergradigen Mehrlingen inklusive selektiver Mehrlingsreduktion

Das Frühgeburtsrisiko ist bei Mehrlingen gegenüber Einlingen erhöht. Die Vorhersage einer Frühgeburt bei einer Mehrlingsschwangerschaft ist kaum möglich. Bekannte Maßnahmen zur Prävention oder Hemmung der Wehentätigkeit wie z.B. Progesteron, Bettruhe, Cerclage und tokolytische Therapie reduzieren die Frühgeburtenrate bei Mehrlingsschwangerschaften nicht. Durch eine selektive Mehrlingsreduktion sollen bei höhergradigen Mehrlingsschwangerschaften Risiken für die Mutter und die verbleibenden Feten vermindert werden. Der selektive Fetozid ist ethisch allerdings äußerst problematisch.
Holger Maul

31. Vorgehen bei PPROM

Mit einem verfrühten vorzeitigen Blasensprung (PPROM) bei einer Frühgeburt gehen verschiedene maternale und fetale Komplikationen wie Infektion, pulmonale Hypoplasie, vorzeitige Plazentalösung und geburtswirksame Wehentätigkeit einher. Es werden Empfehlungen zum initialen und expektativen Management, abhängig von Alter und Lebensfähigkeit des Kindes, gegeben.
Yves Garnier, Julia Yassin

32. Biochemische Tests zur Prädiktion der Frühgeburt

Frühgeburten können unterschiedlichster Genese sein. Der Prävention von Frühgeburten kommt eine große Bedeutung in der Geburtshilfe zu. Zu diesem Zweck wurden verschiedene biochemische Testverfahren entwickelt. Zur Vorhersage einer Frühgeburt wird die Bestimmung verschiedener Proteine aus zervikovaginalem Sekret (fetales Fibronektin, phosphoryliertes Insulin-binding protein 1, placental alpha microglobulin-1) verwendet.
Julia Spratte, Christoph Sohn

33. Medikamentöse Therapie bei drohender Frühgeburt

Die Behandlung der drohenden Frühgeburt dient nicht der Schwangerschaftsverlängerung an sich, sondern der Verbesserung der Chancen des Frühgeborenen für ein möglichst komplikationsfreies Überleben. Eine medikamentöse Wehenhemmung (Tokolyse) ist immer nur eine symptomatische Therapie, zu der als Tokolytika Betamimetika, Oxytozinantagonisten, Kalziumantagonisten, NO-Donoren und Prostaglandinsynthesehemmer eingesetzt werden können. Eine Neuroprotektion erscheint mit Magnesiumsulfat möglich. Es wird jeweils auf Indikation, Kontradindikation, Effektivität, Nebenwirkungen und Therapieempfehlungen eingegangen.
Ekkehard Schleußner

34. Lungenreifeinduktion

Eine pränatale Glukokortikoidgabe wirkt sich positiv auf die fetale Lungenentwicklung aus. Zur RDS-Prophylaxe werden die Kortikosteroide Bethametason und Dexamethason eingesetzt. Von repetitiven Stereoidgaben sollte Abstand genommen werden. Eine einmalige Wiederholung kann im Einzelfall erwogen werden. Die Gabe von antenatalen Steroiden auch nach der 34. vollendeten Gestationswoche ist bei geplanter primärer Sectio am wehenlosen Uterus individuell zu erwägen.
Andreas W. Flemmer

35. Geburtsmodus bei Frühgeburt

Die Entbindung Frühgeborener setzt eine optimale perinatalmedizinische und neonatologische Versorgung voraus. Viele Faktoren müssen zusammenwirken, um ein optimales Outcome der Kinder und Mütter zu erzielen. Es geht dabei nicht nur um den günstigsten Entbindungszeitpunkt, sondern vor allem um die dann zur Verfügung stehende Logistik und fachliche Kompetenz. Ob bei einer Frühgeburt eine vaginale, eine vaginal operative oder eine Schnittentbindung zum Zuge kommen, hängt von der jeweiligen Risikoeinschätzung und Erfahrung des Zentrums ab. In diesem Kapitel wird daher neben dem Geburtsmodus auf die rückenmarksnahe Anästhesie, das Spätabnabeln, die Eltern-Kind-Bindung und auf den postpartalen Zugang zum frühgeborenen Kind eingegangen.
Harald Abele, Markus Hoopman, Karl Oliver Kagan

36. Neuroprotektion

Sehr frühgeborene Kinder sind überproportional häufig von intra- bzw. periventrikulären Hirnblutungen oder einer periventrikulären Leukomalazie betroffen. Magnesiumsulfat vermag das unreife Gehirn vor einer infantilen Zentralparese und Dysfunktionen der Grobmotorik zu schützen. Darüber hinaus reduziert eine verzögerte Abnabelung bei frühgeborenen Kindern die Inzidenz an Hirnblutungen und neonataler Sepsis.
Richard Berger, Carolin Kienast

37. Moderne Neonatologie: Frühgeburten

Verschiedene Faktoren wie der steigende Anteil an Mehrlingen und das steigende Alter der Gebärenden führen in den letzten Jahren zu mehr Frühgeburten. Mit einer Frühgeburt können Entwicklungsverzögerungen u.a. des Gehirns, der Lunge und der Motorik einhergehen. Sehr früh geborene Kinder haben eine erhöhte Morbidität und Mortalität. Mit entsprechenden Schädigungen und Spätfolgen ist zu rechnen. Eltern sollten in einem Gespräch vor Geburt über Morbiditäts- und Mortalitätsrisiken sowie über Behandlungs- und Fördermöglichkeiten aufgeklärt werden.
Johannes Pöschl

Totgeburten

Frontmatter

38. Totgeburten: Risikofaktoren und Klassifikationen

Mögliche Ursachen für Totgeburten können bei Mutter, Fetus und Plazenta liegen. Zu den mütterlichen Risikofaktoren zählen u.a. Hypertonie, Adipositas und Nikotinabusus. Aufgrund der Vielzahl an Risikofaktoren und möglicher Interaktionen ist eine Klassifikation von Totgeburten nur eingeschränkt möglich. Häufig verwendet werden u.a. die Wigglesworth- und die ReCoDe-Klassifikation. Ziel jeder Klassifikation ist es, die Rate an ungeklärten Totgeburten zu reduzieren.
Bettina Toth

39. Diagnostische Abklärung bei Totgeburten

Bei der diagnostischen Abklärung von Totgeburten erfolgt die Untersuchung der Mutter, des Fetus und der Plazenta. Bei der Mutter kommen u.a. gynäkologische und endokrinologische Untersuchungen, Gerinnungsdiagnostik und Infektionsscreening zum Einsatz. Beim Fetus können neben einer Autopsie auch MRT und Röntgenaufnahmen eingesetzt werden. Die Untersuchung der Plazenta umfasst eine histopathologische Aufarbeitung sowie die Messung von Gewicht und Größe.
Riku Togawa, Florian Schütz, Bettina Toth

40. Plazentationsstörungen und fetale Wachstumsretardierung

Plazenta-induzierter Schwangerschaftserkrankungen (z.B. intrauterine Wachstumsretardierung, Präeklampsie und vorzeitige Plazentalösung) werden durch eine fehlerhafte Plazentation ausgelöst. Eine biochemische Möglichkeit zur Differentialdiagnose kann die Bestimmung des sFlt-1/PlGF-Quotienten darstellen. Durch eine fetale Wachstumsretardierung kann es zu Hypoxämie und intrauterinem Fruchttod kommen. Zur Diagnosestellung wird u.a. die Dopplersonografie verwendet.
Julia Spratte, Herbert Fluhr

41. Management von Fehlbildungen und kindlichen Wachstumsstörungen mit erhöhtem Früh-, Fehl- und Totgeburtsrisiko

Die intrauterine Wachstumsretardierung (IUGR) kommt in einer symmetrischen und einer asymmetrischen Form vor. Sie hat verschiedene Ursachen. IUGR-Kinder haben ein erhöhtes Risiko für Asphyxie und später Diabetes und kardiovaskuläre Krankheiten. Zu den fetalen Fehlbildungen, die zum Absterben des Fetus oder zur Frühgeburt führen können, zählen die VACTERL-Assoziation, die thanatophore Dysplasie und das Steißbeinteratom. Chromosomenanomalien, die zu Trisomie 13 und 18 führen, gehen mit einem hohen Sterberisiko einher. Die Fehlbildungen können in der Regel bereits im Mutterleib diagnostiziert werden. Therapien sind nicht immer möglich.
Esther Rieger-Fackeldey

42. Gerinnungsphysiologie bei Totgeburten

Der intrauterine Fruchttod kann verschiedene Ursachen haben. Es werden Ergebnisse aus Studien zum Zusammenhang zwischen dem intrauterinen Fruchttod und hereditären sowie erworbenen Thrombophilien dargestellt. Darüber hinaus werden prophylaktische Optionen diskutiert.
Michael K. Bohlmann

43. Ethische Aspekte und Möglichkeiten der seelsorglichen Begleitung von Paaren mit tot geborenen Kindern

Wenn ein Kind während der Schwangerschaft verstirbt, verlieren Eltern nicht nur das Kind, sondern auch ihre damit verbundenen Wünsche, Träume und Hoffnungen. Es ist für sie eine große Herausforderung, den Verlust zu begreifen, vom Kind Abschied zu nehmen und ihm einen Platz in ihrem Leben zu geben. Der Abschied vom Kind kann unter anderem durch ein Abschiedsritual oder eine Segensfeier gestaltet werden. Grabplätze für stillgeborene Kinder und Trauerfeiern helfen beim Vergewissern sowie beim Verarbeiten und Integrieren des Verlusts in die Biografie der Eltern. Eine gute Begleitung und Unterstützung der Eltern rund um die Geburt und die Verabschiedung sind unerlässlich.
Martina Reiser

44. Psychosozialmedizinische Betreuung – Hilfestellung für Eltern und Angehörige

Eltern, die eine „stille Geburt“ erwarten, sollten bereits vor der Entbindung psychologisch und seelsorgerisch betreut werden, um mögliche psychische Folgeerkrankungen zu verhindern. Eltern sollte auf der geburtshilflichen Station und auch nach der Entlassung aus dem Krankenhaus eine Trauerbegleitung angeboten werden. Sie besteht aus therapeutischen Gesprächen und der Möglichkeit, respektvoll vom verstorbenen Kind Abschied nehmen zu können. Die Begleitung schließt außerdem Beratung zum Mutterschutz bzw. zur Krankschreibung, die Einbindung von Geschwisterkindern, das individuelle und gemeinsame Trauern, das Erkennen pathologischer Trauer sowie das vorsichtige Ansprechen einer Folgeschwangerschaft mit ein.
Christine Klapp

45. Bestattung

Länderspezifische Bestattungsgesetze regeln in Deutschland die Bestattung Fehl- und Totgeborener. Während bei Lebendgeborenen eine Bestattungspflicht besteht, müssen Totgeborene nur unter bestimmten Umständen bestattet werden. Es besteht ein Bestattungsrecht für Kinder, die nicht bestattungspflichtig sind. Die Bestattung Totgeborener kann individuell gestaltet oder als Sammelbestattung stattfinden.
Cordula Franz

46. Vorgehen im Z.n. Totgeburt (Prävention)

Nach einer Totgeburt und vor einer erneuten Schwangerschaft sollten mütterliche Risikofaktoren wie z.B. Adipositas, Hypertonie oder Schilddrüsendysfunktionen im Rahmen einer präkonzeptionellen Beratung angesprochen und behandelt werden. Bei Nachweis von fetalen Chromosomenstörungen sollte eine humangenetische Beratung des Paares vor einer erneuten Schwangerschaft erfolgen. Auch eine psychologische Betreuung kann indiziert sein. Die interkonzeptionelle Phase sollte mindestens sechs Monate betragen.
Franziska Müller, Bettina Toth

Fallsammlung

Frontmatter

47. Fälle Fehlgeburt und Totgeburt

Die nachfolgende Fallsammlung ist aus aktuellen Behandlungsverläufen von Frauen mit Fehl-, Tot- und Frühgeburten zusammengesetzt, welche in der Abteilung für Gynäkologische Endokrinologie und Fertilitätsstörungen bzw. dem Institut für Humangenetik der Universität Heidelberg betreut wurden. Ein Fallbericht wurde von Prof. Frank Nawroth (Hamburg) zur Verfügung gestellt.
Franziska Müller, Frank Nawroth, Ruben Kuon, Bettina Toth, Bettina Toth

Backmatter

In b.Flat Geburtshilfe kompakt enthaltene Bücher

In b.Flat SpringerMedizin.de Gesamt enthaltene Bücher

In b.Flat Gynäkologie & Geburtshilfe 360° enthaltene Bücher

Weitere Informationen

Neu im Fachgebiet Gynäkologie und Geburtshilfe

Meistgelesene Bücher aus dem Fachgebiet

2014 | Buch

Perikonzeptionelle Frauenheilkunde

Fertilitätserhalt, Prävention und Management von Schwangerschaftsrisiken

Ein Praxisbuch für alle, die in der Beratung und Betreuung von Schwangeren und Paaren mit Kinderwunsch tätig sind. Die Herausgeber und Autoren haben alle wichtigen Informationen zusammengetragen, um Frauen sicher zu beraten, zu betreuen und kompetent Verantwortung zu übernehmen.

Herausgeber:
Christian Gnoth, Peter Mallmann

2014 | Buch

Praxisbuch Gynäkologische Onkologie

Das Nachschlagewerk für alle Ärzte in Klinik und Praxis, die Patientinnen mit bösartigen Tumoren des Genitales und der Mamma behandeln. Dieses Buch gibt in kompakter Weise einfach umsetzbare Handlungsanweisungen zum diagnostischen und therapeutischen Vorgehen und Hilfestellungen für die optimale Versorgung der Patientinnen.

Herausgeber:
Edgar Petru, Walter Jonat, Daniel Fink, Ossi R. Köchli

Mail Icon II Newsletter

Bestellen Sie unseren kostenlosen Newsletter Update Gynäkologie und bleiben Sie gut informiert – ganz bequem per eMail.

Bildnachweise