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Fall neu aufgerollt 53-Jährige stirbt bei Sex: War Gewalt im Spiel?

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Der Albtraum des Mannes beginnt, als seine Freundin beim Liebesspiel plötzlich kollabiert. Aus der Scheide kommt Blut, die Frau ist tot. Die Ermittler finden ein Metallrohr im Müll und vermuten ein Gewaltdelikt. Wie es sich wirklich zugetragen hat, kommt erst bei der Revision des Verfahrens heraus.

„Das war kein normaler Sex!“ Der Staatsanwalt ist überzeugt: Im Fall der 53-jährigen Frau, deren Leiche mit blutdurchtränktem Slip auf dem Rücksitz ihres Pkw gefunden wurde, musste Gewalt im Spiel gewesen sein. Tatsächlich spricht eine Reihe von Indizien gegen den Beschuldigten, einen 57-jährigen Dönerverkäufer, den die Frau erst kurz vor ihrem Tod kennengelernt hatte. In ihrer Scheide wird bei der Obduktion ein acht Zentimeter langer Riss festgestellt. Im Hausmüll des Mannes findet sich ein kaputtes Metallrohr. 

Aufgrund des rechtsmedizinischen Gutachtens vermutet die Staatsanwaltschaft, dass die Frau von ihrem Bekannten mit dem Rohr malträtiert worden sei, was zu massiven Blutungen geführt habe. Um die Schreie zu unterdrücken, habe er ihr eine Decke aufs Gesicht gedrückt. Letztlich sei sie offenbar verblutet und/oder erstickt. Das Landgericht folgt dieser Version und verurteilt den Mann zu neun Jahren Haft wegen Totschlags.

Dass es sich so wahrscheinlich nicht zugetragen hat, wird Prof. Bernd Brinkmann, ehemals Leiter der Rechtsmedizin der Universität Münster, bald klar, als er vom Anwalt des Beschuldigten anlässlich einer vom BGH veranlassten Revision die Unterlagen erhält. Der Fall wird noch einmal aufgerollt, alle Indizien geprüft, auch Gewebeproben der Verstorbenen lässt sich Brinkmann kommen. Zuerst der Riss in der Vagina: Ein scharfkantiges Rohr würde ganz andere Verletzungen verursachen, meint der Experte. Dann die Decke: Für ein weiches Ersticken typische Fasern in den Atemwegen wurden nicht gefunden. Auch am Verbluten als Todesursache hat der erfahrene Gerichtsmediziner in diesem Fall seine Zweifel.

Die Schilderung des Angeklagten hält Brinkmann dagegen für plausibel: Demnach hatte das Paar einvernehmlich Sex, erst in Missionarsstellung, später noch einmal von hinten. Dann habe die Frau plötzlich aufgeschrien und sei nach vorn gefallen. Blut sei aus Nase und Mund geflossen. Als der Mann sie umdrehte, war sie tot.

Dass es beim Geschlechtsverkehr zu Einrissen in der Scheidenschleimhaut kommt, ist nach Brinkmann vor allem bei Frauen in der Menopause nicht ungewöhnlich. Daraus lässt sich alles Weitere erklären: Durch den Riss war offenbar Luft in die Gefäße gelangt. Die Pumpbewegungen des Penis hatten möglicherweise zu einem vaginalen Überdruck geführt, welcher bewirkte, dass die Luftbläschen immer weiter Richtung Herz wanderten. 

Die Histologie zeigt im Vaginalgewebe multiple intravenöse Luftblasen. In der Lunge und im Herzen finden sich deutliche Hinweise auf eine Luftembolie mit Gefäßzerreißungen und Emphysemhöhlen (Lunge) bzw. Gefäßobstruktionen und ischämisch-hypoxischen Sarkolysen (Herz). Laut Brinkmann bestand in der Luftembolie höchstwahrscheinlich die Todesursache. Auch diesmal folgt das Gericht der Expertise des Sachverständigen; das Urteil lautet jetzt aber: Freispruch.

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