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01.03.2012 | Leitthema | Ausgabe 3/2012

Der Nervenarzt 3/2012

Friedrich Mauz – T4-Gutachter und Militärpsychiater

Zeitschrift:
Der Nervenarzt > Ausgabe 3/2012
Autoren:
G. Silberzahn-Jandt, Prof. Dr. H.-W. Schmuhl

Zusammenfassung

Friedrich Mauz ist einer jener ärztlichen Täter aus der zweiten Reihe, deren Biographie schwer fassbar ist. Es liegen selbst verfasste Lebensläufe aus drei politischen Systemen – der Weimarer Republik, dem „Dritten Reich“ und dem Nachkriegsdeutschland – vor, in denen er sich immer wieder neu erfand. Betonte er nach 1933 plötzlich seine Beteiligung an den Bürgerkriegswirren der frühen Weimarer Republik und seine nationale Gesinnung, so stilisierte er sich nach 1945 zu einem vom württembergischen Pietismus geprägten, unpolitischen Menschen, der den NS-Staat innerlich abgelehnt, sich aber „zu allerlei demütigenden Zugeständnissen“ bereit gefunden habe. Seiner wissenschaftlichen Linie sei er jedoch stets treu geblieben und habe sich von der psychiatrischen Genetik fern gehalten. Tatsächlich wurde Mauz im Entnazifizierungsverfahren 1946 der Gruppe der „Entlasteten“ zugeordnet, und so konnte er in der Bundesrepublik Deutschland weiter Karriere machen. Liest man die Quellen gegen den Strich, so entsteht jedoch ein anderes Bild: In den 1930er Jahren geriet Mauz‘ Karriere ins Stocken, nicht weil er politisch aneckte, sondern weil sein wissenschaftliches Werk schmal war und als wenig originell galt, er zudem mit der Konstitutionsforschung und der Psychotherapie Interessenschwerpunkte gewählt hatte, die in den 1930er Jahren im Schatten der erbpsychiatrischen Forschung standen. Mauz diente sich der NS-Erbgesundheitspolitik an, beteiligte sich als ärztlicher Gutachter an Verfahren nach dem „Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses“, ließ sich im Rahmen der „Aktion T4“ als Gutachter anwerben, nahm sogar an den Beratungen über ein künftiges „Gesetz über Sterbehilfe“ teil und leistete als Beratender Psychiater der Wehrmacht seinen Beitrag zur Wehrmedizin.

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