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Funktionelle Magen-Darm-Störungen im Kindes- und Jugendalter

Ein Praxismanual

  • 2022
  • Buch

Über dieses Buch

Das Praxismanual bietet sowohl Kinder- und Jugendärzten als auch Kinder- und Jugendpsychiatern und –Psychotherapeuten einen praxisnahen Leitfaden zur interdisziplinären Behandlung von funktionellen Magendarmstörungen im Kindes- und Jugendalter. Dabei werden mit ganzheitlichem Blick und mit Unterstützung von Fallbeispielen sowohl pädiatrische als auch psychosoziale und kinderpsychiatrische Aspekte angesprochen und entsprechende Praxisempfehlungen abgegeben. Besonders hilfreich im klinischen Alltag ist die Materialsammlung zur verhaltensbasierten Behandlung der funktionellen Magendarm-Störungen im Kindes- und Jugendalter. Angesprochen sind Kinder- und Jugendärzte, Kindergastroenterologen, Kinder- und Jugendpsychiater und ärztliche Psychotherapeuten für Kinder- und Jugendliche sowie Psychologische Psychotherapeuten für Kinder- und Jugendliche. Mit Zugang zum eBook und allen Materialien.

Inhaltsverzeichnis

  1. Frontmatter

  2. Stand der Forschung

    1. Frontmatter

    2. 1. Die Physiologie der Verdauung

      Corinne Légeret
      Zusammenfassung
      Der menschliche Verdauungstrakt besteht aus verschiedenen Untereinheiten, welche alle unterschiedliche Funktionen im komplexen Vorgang der Verdauung wahrnehmen. Ziel der Nahrungsverdauung ist es, die drei Hauptenergielieferanten (Proteine, Fette, Kohlenhydrate) mittels mechanischer und chemischer Prozesse in ihre Grundbausteine zu zerlegen, damit sie vom Körper aufgenommen und in Energie umgewandelt werden können. Nahrungsreste, die vom Körper nicht aufgenommen werden können, werden als Stuhl aus dem Körper ausgeschieden. Der Stuhl kann in Abhängigkeit von der Motilität, vom eingenommenen Essen, der bakteriellen Zusammensetzung des Darms etc. bezüglich Farbe, Häufigkeit und Konsistenz enorm unterschiedlich ausfallen und ändert sich auch im Laufe des Lebens.
    3. 2. Psychosoziale Aspekte der Nahrungsaufnahme, Verdauung und Ausscheidung

      Margarete Bolten
      Zusammenfassung
      Der Gastrointestinaltrakt (GIT) ist in seinen Grundfunktionen autonom. Der GIT ist aber sensorisch und motorisch mit dem zentralen Nervensystem (ZNS) verbunden, sodass die gastrointestinalen Grundfunktionen in den Verhaltenskontext eingebunden werden. Besondere Bedeutung haben hier die Warnsysteme, die der Abwehr von Körperschädigungen dienen. Dazu gehören sowohl Spinalnerven, die nozizeptive Reflexe und Schmerzempfindungen auslösen, als auch Vagusafferenzen, die eine Krankheitsreaktion induzieren.
      Aus Studien wissen wir, dass psychische und körperliche Vorgänge im GIT eng miteinander verbunden sind, unter anderem über hormonelle Systeme oder das vegetative Nervensystem mit Sympathikus und Parasympathikus. Solche Zusammenhänge werden sichtbar, wenn wir in angstauslösenden Situationen wiederholt zur Toilette müssen oder Bauchschmerzen bekommen. Im Umkehrschluss können körperliche Beschwerden aber auch Ängste auslösen und bei länger anhaltenden Symptomen zu depressiven Verstimmungen führen. Hierbei spielt die Hirn-Darm-Achse eine wichtige Rolle.
    4. 3. Die Sauberkeitsentwicklung im Kindesalter

      Margarete Bolten
      Zusammenfassung
      Die Sauberkeitsentwicklung stellt einen bedeutenden Schritt in der Autonomieentwicklung eines Kindes dar. Sie ist viel mehr als alleiniges Trocken- oder Saubersein. Ein günstiger Verlauf wirkt sich auf die Körperwahrnehmung, die Autonomieentwicklung und das Selbstvertrauen des Kindes aus. Die Übernahme der Verantwortung für die eigenen Ausscheidungsprozesse kann sich positiv auf das Selbstwertgefühl eines Kindes auswirken. Die Bewältigung der Entwicklungsaufgabe, den Darm und die Blase an den dafür vorgesehenen Orten gezielt zu entleeren, stärkt bei kompetenter Begleitung durch die Eltern bzw. Bezugspersonen das kindliche Körperbewusstsein und Selbstvertrauen. Kinder werden mit und ohne eine sogenannte Sauberkeitserziehung durchschnittlich mit 28 Monaten sauber und trocken, tagsüber etwas früher, nachts etwas später. Den Zeitpunkt der Sauberkeitsentwicklung bestimmen individuelle Reifungsprozesse, die sich nicht durch ein Sauberkeitstraining beeinflussen bzw. beschleunigen lassen. An einem gewissen Punkt dieses Reifungsprozesses nehmen Kinder Urin- und Stuhldrang bewusst wahr und signalisieren dies. Ab diesem Moment brauchen sie Unterstützung durch ihre soziale Umwelt, um Urin oder Stuhl kontrolliert an dafür geeigneten Orten auszuscheiden.
    5. 4. Klinische Symptomatik und Klassifikation funktioneller gastrointestinaler Störungen im Kindes- und Jugendalter

      Corinne Légeret, Margarete Bolten
      Zusammenfassung
      Bei den funktionellen gastrointestinalen Störungen handelt es sich um eine Kombination verschiedener chronischer Beschwerden des Gastrointestinaltrakts, die nicht allein durch strukturelle, organische oder biochemische Ursachen erklärt werden können. Vielmehr lassen sich die Symptome dieses Störungsclusters durch ein Ineinandergreifen organischer und psychosozialer Faktoren erklären. Im vorliegenden Kapitel wird auf die Symptomatik und Klassifikation der funktionellen Magen-Darm-Störungen eingegangen, im Spezifischen auf die klinischen Bilder der funktionellen Defäkationsstörungen bzw. der Enkopresis und der funktionellen abdominellen Schmerzsyndrome mit Reizdarmsyndrom und funktioneller Dyspepsie. Außerdem werden auch das Toilettenverweigerungssyndrom und die Toilettenphobie vorgestellt.
    6. 5. Pathogenese funktioneller gastrointestinaler Störungen

      Corinne Légeret, Margarete Bolten
      Zusammenfassung
      In diesem Kapitel wird die Pathogenese der in diesem Praxisleitfaden behandelten funktionellen gastrointestinalen Störungen (FGIS) dargestellt. Dabei werden sowohl die somatischen als auch die psychosozialen Einflussfaktoren und Entstehungsbedingungen berücksichtigt. Obschon man bei funktionellen Beschwerden davon ausgeht, dass die betroffenen Organe aus medizinischem Gesichtspunkt gesund sind, wird die zu erwartende Funktion nicht wie gewünscht ausgeführt. Die funktionellen Defäkationsstörungen entwickeln sich aus einer Kombination der chronischen Verstopfung und kindlichem Fehlverhalten (Rückhaltemanöver des Stuhls). Die Schmerzwahrnehmung und -interpretation scheint bei Kindern mit funktionellen abdominellen Schmerzsyndromen verändert zu sein. Familiäre Faktoren wie psychische Erkrankungen der Mutter, Krankheitskonzepte der Familie, selektive Aufmerksamkeit, soziales Lernen sowie erlernte Copingstrategien beeinflussen die Manifestation funktioneller abdomineller Schmerzsyndrome ebenfalls.
      Wichtig erscheint im Entstehungsprozess der FGIS, dass eine sehr enge nervale Kommunikation zwischen Gehirn und Darm besteht (vgl. Kap. 2), sodass in die körperlichen gastrointestinalen Empfindungen auch das psychische Befinden mit einfließt.
  3. Praxisteil

    1. Frontmatter

    2. 6. Diagnostik und Differenzialdiagnostik bei funktionellen Darmstörungen

      Corinne Légeret, Margarete Bolten
      Zusammenfassung
      Nur 5 % aller Kinder mit einer Obstipation haben eine zugrunde liegende körperliche Erkrankung. Auch findet sich oftmals bei Kindern mit Bauchschmerzen oder abdominellem Unwohlsein keine rein körperliche Erklärung für die Symptomatik. Per definitionem handelt es sich bei den funktionellen gastrointestinalen Störungen (FGIS) um Syndrome mit körperlichen Beschwerden, für die es keine organische oder biochemische Erklärung gibt. Somit erfolgt bei der Diagnostik der FGIS in erster Linie eine somatische Ausschlussdiagnostik. Im diagnostischen Prozess ist jedoch auch die Beurteilung somatischer, psychologischer und sozialer Entstehungsbedingungen und aufrechterhaltender Faktoren wichtig. Dabei geht es unter anderem um eine Einordnung der verschiedenen Beschwerdeanteile als „organisch“, „psychisch“ oder „funktionell“. Hilfreich in diesem Zusammenhang ist eine „Sowohl-als-auch-Perspektive“, die den gesamten diagnostischen Prozess begleitet, denn eine ausschließliche, vermeintlich „vollständige“ somatische Ausschlussdiagnostik würde eine ungerechtfertigte Nachrangigkeit psychosozialer Aspekte anzeigen.
      Zentral im Rahmen des diagnostischen Prozesses bei FGIS sind die Anamnese, die körperliche Untersuchung und, falls indiziert, ergänzende Untersuchungen. Falls sich in einem dieser Abklärungsschritte Auffälligkeiten zeigen, sind weiterführende diagnostische Untersuchungen (Ultraschall, Röntgenaufnahmen, Rektumbiopsien, Manometrie etc.) nötig, welche alle in diesem Kapitel mit den entsprechenden Indikationen beschrieben werden. Um die funktionellen Beschwerden bzw. den Beschwerdekomplex eines Kindes (differenzial-)diagnostisch einordnen zu können, ist neben der somatischen Diagnostik aber auch eine umfassende Abklärung psychologischer und psychosozialer Begleitumstände notwendig.
    3. 7. Therapieansätze bei funktionellen gastrointestinalen Störungen

      Margarete Bolten, Corinne Légeret
      Zusammenfassung
      In diesem Kapitel werden nicht nur Schritt für Schritt die einzelnen Punkte in der somatischen Behandlung der funktionellen gastrointestinalen Störungen (FGIS) beschrieben, sondern auch die psychologischen Interventionen und Maßnahmen zur Rückfallprophylaxe. Die Behandlung funktionelle gastrointestinaler Störungen ist vielschichtig und intensiv, da es nicht nur die Betreuung des Kindes, sondern auch die Schulung aller involvierten Betreuungspersonen erfordert. Die Behandlung muss immer interdisziplinär unter Einbezug der zwei Hauptprofessionen Pädiatrie und Kinder- und Jugendpsychotherapie, aber auch weiterer Fachdisziplinen erfolgen. Bei den FGIS muss initial der Darm komplett entleert werden, anschließend ist dieser Zustand durch regelmäßige Einnahme von Stuhlweichmacher und ein regelmäßiges Toilettentraining zu erhalten. Bei den funktionellen abdominellen Schmerzsyndromen steht in einem ersten Schritt vor allem die somatische Ausschlussdiagnostik im Vordergrund. Anschließend ist es von äußerster Wichtigkeit, dass der Kindergastroenterologe dem Kind und den Eltern die somatisch harmlose Ätiologie erklärt und Therapieansätze vorstellt. Parallel dazu ist es notwendig, dass auch von psychotherapeutischer Seite der Umgang mit den körperlichen Beschwerden, aber auch allgemeine auslösende und aufrechterhaltende Faktoren, welche im biopsychosozialen Erklärungsmodell der funktionellen abdominellen Schmerzsyndrome eine Rolle spielen, bearbeitet werden.
  4. Praxismaterialien

    1. Frontmatter

    2. 8. Materialien zur Diagnostik bei funktionellen Magen-Darm-Störungen

      Corinne Légeret, Margarete Bolten
      Zusammenfassung
      In diesem Kapitel werden die Materialien für die Diagnostik funktioneller gastrointestinaler Beschwerden vorgestellt und in ihrer Anwendung beschrieben. Diese Materialien sollen Kinderärzten und Kindertherapeuten die Möglichkeit bieten, die einzelnen Diagnose- und Therapieschritte, wie sie im Kap. 6 beschrieben wurden, im klinischen Alltag umzusetzen.
    3. 9. Materialien zur interdisziplinären Behandlung bei funktionellen Magen-Darm-Störungen

      Margarete Bolten, Corinne Légeret
      Zusammenfassung
      In diesem Kapitel werden die psychotherapeutischen Materialien für die Diagnostik und Behandlung funktioneller abdomineller Beschwerden vorgestellt und in ihrer Anwendung beschrieben. Diese Materialien sollen Kinderärzten und Kindertherapeuten die Möglichkeit bieten, die einzelnen Diagnose- und Therapieschritte, wie sie im Kap. 6 und 7 beschrieben wurden, im klinischen Alltag umzusetzen.
  5. Backmatter

In b.Flat SpringerMedizin.de Gesamt enthaltene Bücher

Titel
Funktionelle Magen-Darm-Störungen im Kindes- und Jugendalter
Verfasst von
Margarete Bolten
Corinne Légeret
Copyright-Jahr
2022
Verlag
Springer Berlin Heidelberg
Electronic ISBN
978-3-662-64253-5
Print ISBN
978-3-662-64252-8
DOI
https://doi.org/10.1007/978-3-662-64253-5

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Bildnachweise
Die Leitlinien für Ärztinnen und Ärzte, Mandeln in und neben einem Holzschälchen/© onairjiw / Getty Images / iStock (Symbolbild), Kind erhält Augentropfen/© Nadzeya Haroshka / Getty Images / iStock (Symbolbild mit Fotomodell), Kind benutzt Inhalator gegen Asthma/© M. Dykstra / Fotolia (Symbolbild mit Fotomodell), Urinkatheter/© Sherry Young / stock.adobe.com