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Funktionelle neurologische Störungen

Erkennen, verstehen, behandeln

  • 2024
  • Buch

Über dieses Buch

​Das Gebiet der funktionellen Störungen hat in der Neurologie inzwischen einen festen Platz eingenommen. Um Behandelnden Sicherheit bei der Diagnostik und handfeste Unterstützung bei der Therapie zu bieten, erläutert dieses Buch praxisnah und evidenzbasiert Untersuchungstechniken und klinische Zeichen, die eine frühe und sichere Diagnosestellung jenseits des Ausschlussprinzips möglich machen. Der Autor erklärt die Wirkungsweise verschiedener Therapien und gibt Tipps zur ärztlichen Gesprächsführung sowie konkrete Behandlungsempfehlungen aus der Physiotherapie und Psychotherapie, um die interdisziplinäre Patientenversorgung zu erleichtern.

Die überarbeitete Auflage berücksichtigt aktuelle Entwicklungen aus der klinischen Forschung mit einem Akzent auf praktisch relevanten Aspekten. Neue Kapitel behandeln das pragmatische Management funktioneller neurologischer Störungen in der Notaufnahme und Besonderheiten bei Kindern und Jugendlichen.

Inhaltsverzeichnis

  1. Frontmatter

  2. Kapitel 1. Einleitung und allgemeine Epidemiologie

    Stoyan Popkirov
    Zusammenfassung
    Funktionelle neurologische Störungen sorgen im klinischen Alltag oft für Verunsicherung. Unvollständige oder veraltete Krankheitsvorstellungen lassen Zweifel an der Authentizität der Symptome, deren Behandlungsbedürftigkeit sowie der klinischen Zuständigkeit aufkommen. Ein moderner, ganzheitlicher Blick auf diese Störungsbilder erlaubt jedoch einen sicheren Umgang und eine zielführende Behandlung betroffener Patienten. Zudem sind funktionelle neurologische Störungen keine Seltenheit: Sie bedingen jeden 6. Sprechstundenbesuch und etwa 10 % aller notfallmäßigen oder elektiven Aufnahmen an neurologischen Kliniken. Dieses einleitende Kapitel gibt einen Überblick darüber, welche Bedeutung funktionelle Störungen in der Neurologie haben.
  3. Kapitel 2. Allgemeine pathophysiologische Erklärungsmodelle

    Stoyan Popkirov
    Zusammenfassung
    In diesem Kapitel wird ein kurzer historischer Abriss der Erklärungsmodelle für funktionelle neurologische Störungen sowie deren Bezug zu modernen Entstehungstheorien, neurowissenschaftlichen Erkenntnissen und klinischen Konzepten dargestellt. Bereits in der ersten großen Studie zur Hysterie von Pierre Briquet wurde die Bedeutung emotionaler Belastungen für die Entstehung funktioneller Symptome erkannt. Die Pionierarbeiten von Jean-Martin Charcot und seinen Schülern hat diagnostische Methoden etabliert, die bis heute in der klinischen Praxis Anwendung finden. Charcots Schüler Pierre Janet und Sigmund Freud entwickelten psychologische Theorien, die die Symptomproduktion zu erklären versuchten. Der Beitrag von angeborenen Bewegungs- und Verhaltensschablonen wurde von Ernst Kretschmer hervorgehoben. Hermann Oppenheim vermutete einen Beitrag physikalischer Prozesse. Integrative Erklärungsmodelle, wie das biopsychosoziale Modell nach George L. Engel, erlauben eine ganzheitliche Betrachtung ineinandergreifender Vorgänge auf neurophysiologischer und psychosozialer Ebene.
  4. Kapitel 3. Allgemeines zur Diagnostik

    Stoyan Popkirov
    Zusammenfassung
    Die Diagnose einer funktionellen neurologischen Störung basiert auf der Erkennung spezifischer Charakteristika des Störungsbildes sowie dem Nachweis positiver klinischer Zeichen. In der Gesprächsführung und Anamnese müssen einige krankheitsspezifische und interaktionelle Besonderheiten berücksichtigt werden. Apparative Zusatzdiagnostik sollte nicht ungezielt eingesetzt werden, da Zufallsbefunde und falsch positive Befunde nicht selten die diagnostische Beurteilung erschweren können. Wichtig ist, hierbei zu bedenken, dass die Diagnose einer funktionellen neurologischen Störung in der Regel keine reine Ausschlussdiagnose ist. Die Mitteilung der Diagnose ist ein zentraler Moment in der Behandlung. Die Vermittlung eines nachvollziehbaren Erklärungsmodells sowie die Auslegung eines entsprechenden Behandlungsplanes fördern das Kohärenzgefühl und die Therapiemotivation der Patienten.
  5. Kapitel 4. Grundlagen der Therapie

    Stoyan Popkirov
    Zusammenfassung
    Die Behandlung funktioneller neurologischer Störungen sollte niederschwellig und interdisziplinär erfolgen, wobei verschiedene Therapiemodalitäten wie Psychotherapie, Physiotherapie und Ergotherapie zum Einsatz kommen. Das Engagement des Neurologen sollte nicht abrupt mit der Diagnosemitteilung enden. Eine Behandlung kann je nach den individuellen Bedürfnissen des Patienten und den verfügbaren Versorgungsstrukturen ambulant, teilstationär oder vollstationär erfolgen. Neurologische Rehabilitationskliniken und spezialisierte Zentren spielen bei der Behandlung mancher Krankheitsformen eine wichtige Rolle.
  6. Kapitel 5. Dissoziative Anfälle

    Stoyan Popkirov
    Zusammenfassung
    Dissoziative Anfälle sind plötzlich auftretende und zeitlich begrenzte Störungen der Wahrnehmung und der Bewegungskontrolle, die äußerlich anderen neurologischen Paroxysmen wie epileptischen Anfällen oder Synkopen ähneln können. Allerdings liegt dissoziativen Anfällen weder eine neuronale Hypersynchronisation noch eine zerebrale Minderdurchblutung zugrunde, sondern eine komplexe neurokognitive Dysfunktion. Sie machen etwa 10 % aller „Krampfanfälle“ im Rettungsdienst aus und sind eine häufige Diagnose an Epilepsiezentren. Die Diagnose erfolgt anhand der charakteristischen Semiologie. Entsprechend dem klinischen Bild kann eine weiterführende Diagnostik mittels Video-EEG und Kipptischuntersuchung zur sicheren Abgrenzung von anderen neurologischen Paroxysmen notwendig sein. Die Ätiologie ist multifaktoriell. Moderne Krankheitsmodelle sehen in den Anfällen eine maladaptive Verhaltensschablone, die unter bestimmten Umständen (z. B. Belastung oder Suggestion) reflexartig ausgeführt wird. Psychotherapie gilt als Mittel der Wahl.
  7. Kapitel 6. Funktionelle Paresen und Sensibilitätsstörungen

    Stoyan Popkirov
    Zusammenfassung
    Als funktionelle Parese wird eine lokalisierte Schwäche beschrieben, die nicht auf eine strukturelle Veränderung im motorischen System zurückzuführen ist, sondern auf eine Funktionsstörung der willkürlichen Bewegungskontrolle. Analog dazu können auch im somatosensiblen System nicht-strukturell bedingte Veränderungen der bewussten Wahrnehmung auftreten, die sich als funktionelle Sensibilitätsstörungen manifestieren. Derartige Störungen finden bevorzugt akut statt und machen einen Großteil der Stroke Mimics in der Notfallversorgung aus. Die Diagnose der funktionellen Parese kann mithilfe spezifischer Zeichen und Untersuchungstechniken gestellt werden. Bei der funktionellen Sensibilitätsstörung kommt der apparativen Ausschlussdiagnostik eine wichtige Rolle zu. Neurophysiologisch werden derartige sensomotorische Funktionsstörungen als eine automatische und unwillkürliche Korrektur unbewusst verankerter Vorhersagefehler erklärt. Die Behandlung kann physio-, ergo- und psychotherapeutische Elemente beinhalten.
  8. Kapitel 7. Funktionelle Bewegungsstörungen

    Stoyan Popkirov
    Zusammenfassung
    Funktionelle Bewegungsstörungen umfassen persistierende und paroxysmale, hyper- und hypokinetische Funktionsstörungen der Willkürmotorik. Häufige Ausprägungsformen sind Tremor, Dystonien, Myoklonien und Gangstörungen. Seltener kommt es zu Parkinson- und Tic-artigen Störungen. In diesem Kapitel werden spezielle Untersuchungstechniken und charakteristische Zeichen besprochen, anhand derer die Diagnose klinisch gestellt werden kann. Wichtige Differenzialdiagnosen werden erläutert. Zusätzlich werden Hinweise zur Diagnosevermittlung sowie konkrete physio- und psychotherapeutische Ansätze besprochen. Neurowissenschaftliche Erklärungsmodelle werden vorgestellt.
  9. Kapitel 8. Funktioneller Schwindel

    Stoyan Popkirov
    Zusammenfassung
    Der phobische Schwankschwindel wurde kürzlich mit anderen funktionellen Schwindelsyndromen zusammengeführt und neu als „persistent postural-perceptual dizziness“ (PPPD) definiert. Bei diesem Schwindelsyndrom handelt es sich um eine chronische Fehlanpassung der Haltungskontrolle und Störung der multisensorischen Integration nach einem auslösenden Schwindelereignis. PPPD stellt eine der häufigsten Schwindelformen in Notaufnahmen und Spezialambulanzen dar. Die Diagnose kann anhand der Kriterien der Bárány-Gesellschaft klinisch gestellt werden. Die Therapie sollte Übungen zur Normalisierung der Bewegungskontrolle sowie verhaltenstherapeutische Maßnahmen beinhalten. Eine begleitende Medikation kann bei komorbiden affektiven Störungen hilfreich sein.
  10. Kapitel 9. Funktionelle Sehstörungen

    Stoyan Popkirov
    Zusammenfassung
    Funktionelle Sehstörungen können in Visusstörungen, Gesichtsfeldeinschränkungen, Augenbewegungsstörungen und Empfindungsstörung eingeteilt werden. Sie fallen üblicherweise in das Arbeitsgebiet der Augenheilkunde, sodass in diesem Kapitel vorrangig Symptome und Untersuchungstechniken aus dem neurologischen Alltag beschrieben werden. Konkret werden Testverfahren und Zeichen zur Diagnose der funktionellen Visusminderung und Gesichtsfeldeinschränkung, die klinische Manifestation funktioneller Augenbewegungsstörungen sowie Fotophobie und „visual snow“ vorgestellt.
  11. Kapitel 10. Funktionelle Hörstörungen

    Stoyan Popkirov
    Zusammenfassung
    Funktionelle Störungen des Hörens gehören zum Arbeitsfeld der Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde und führen nur selten zu neurologischen Vorstellungen. In diesem Kapitel werden folgende Themen in Kürze besprochen: funktioneller Hörverlust, die auditive Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörung, Hyperakusis, Phonophobie, Misophonie, Tinnitus, das Brummtonphänomen und das Acoustic-shock-Syndrom. Neben den klinischen Manifestationen wird kurz auf das diagnostische Vorgehen sowie einige pathophysiologische Überlegungen eingegangen.
  12. Kapitel 11. Funktionelle Sprech-, Schluck- und Sprachstörungen

    Stoyan Popkirov
    Zusammenfassung
    Die verbale Kommunikationsfähigkeit kann auf unterschiedlichen Ebenen der Stimm- und Sprachproduktion gestört sein. Wenn die Symptomatik nicht auf strukturelle Schäden zurückzuführen ist, spricht man von einer nicht-organischen, psychogenen oder funktionellen Störung. Im neurologischen Arbeitsfeld können akute funktionelle Sprech- und Sprachstörungen als Stroke Mimic auftreten. Es wird zwischen Störungen des Stimmklangs (Dysphonie), des Redeflusses (Stottern), der Artikulation (Dysarthrie), der Sprachmelodie (Dysprosodie) und der Sprache (Aphasie) unterschieden. Klinisch kann die Diagnose meistens anhand physiologischer Unstimmigkeiten und der Reversibilität der Symptome gestellt werden. Bei funktionellen Schluckstörungen wie dem Globusgefühl ist meistens eine apparative Ausschlussdiagnostik notwendig.
  13. Kapitel 12. Funktionelle kognitive und amnestische Störungen

    Stoyan Popkirov
    Zusammenfassung
    In diesem Kapitel werden funktionelle Gedächtnis- und Konzentrationsstörungen, wie sie in Gedächtnissprechstunden häufig anzutreffen sind, sowie die seltenere dissoziative Amnesie besprochen. Bei der funktionellen kognitiven Störung im engeren Sinne handelt es sich um eine chronische Störung der Aufmerksamkeitskontrolle und des Gedächtnisabrufs, die von einer demenziellen Entwicklung unterschieden werden muss. Das charakteristische klinische Bild sowie spezifische diagnostische Merkmale werden besprochen. Ein neuropsychologisch fundiertes Erklärungsmodell verhilft Behandlern und Betroffenen, die Symptome zu verstehen und einzuordnen. Sonderformen wie die depressive Pseudodemenz und das Ganser-Syndrom werden erläutert. Im zweiten Teil wird auf die dissoziative Amnesie eingegangen, welche von anderen neurologischen Ursachen einer akuten Amnesie unterschieden werden muss. Pathophysiologische Überlegungen und Therapieansätze werden besprochen.
  14. Kapitel 13. Funktionelle Schmerzsyndrome

    Stoyan Popkirov
    Zusammenfassung
    Neben dem nozizeptiven und neuropathischen Schmerz wurde kürzlich der sogenannte noziplastische Schmerz beschrieben, dem eine funktionelle Störung der zentralen Schmerzwahrnehmung zugrunde liegt. Als primäre chronische Schmerzsyndrome werden Krankheitszustände bezeichnet, die in erster Linie durch noziplastische Schmerzen charakterisiert sind und keiner spezifischen strukturellen Läsion oder Anomalie zuzuordnen sind. Patienten mit funktionellen neurologischen Störungen berichten häufig über chronische Schmerzen und komorbide Schmerzsyndrome. In diesem Kapitel wird genauer auf das Fibromyalgiesyndrom und das komplexe regionale Schmerzsyndrom eingegangen. Diagnostische, pathophysiologische und therapeutische Aspekte werden berücksichtigt.
  15. Kapitel 14. Chronische polysymptomatische Syndrome

    Stoyan Popkirov
    Zusammenfassung
    In diesem Kapitel wird eine Auswahl polysymptomatischer Syndrome besprochen, die im neurologischen und neurorehabilitativen Kontext relevant sind. Alle hier besprochenen Syndrome sind Gegenstand kontroverser Debatten. Konkret werden chronische Beschwerden nach Gehirnerschütterung oder Schleudertrauma, das chronische Erschöpfungssyndrom, Syndrome der idiopathischen Umweltunverträglichkeit wie die multiple Chemikaliensensibilität, die elektromagnetische Hypersensitivität und das vibroakustische Syndrom besprochen. Die klinischen Charakteristika und allgemeine pathophysiologische Erklärungsansätze werden dargestellt. Ziel ist es, für die klinische Praxis eine Vertrautheit mit den Krankheitsbildern zu vermitteln, die eine empathische und interdisziplinäre Behandlung möglich macht.
  16. Kapitel 15. Funktionelle neurologische Störungen bei Kindern und Jugendlichen

    Stoyan Popkirov
    Zusammenfassung
    Ebenso wie in der Erwachsenenmedizin sind funktionelle neurologische Störungen auch bei Kindern und Jugendlichen keine Rarität. Ab der mittleren Kindheit (ca. 6. Lebensjahr) können funktionelle neurologische Symptome grundsätzlich beobachtet werden, die meisten pädiatrischen Fälle treten jedoch im Jugendalter auf. Bei etwa 1/4 der Patienten persistiert die Störung ins Erwachsenenalter. Das symptomatische Spektrum funktioneller neurologischer Störungen ist bei Kindern und Jugendlichen ähnlich wie bei Erwachsenen. Familiäre und schulische Belastungsfaktoren sind häufige Risikofaktoren. In der Diagnosevermittlung und der Therapie kommt der Involvierung der Angehörigen eine noch größere Bedeutung als bei Erwachsenen zu.
  17. Kapitel 16. Funktionelle neurologische Störungen in der Notaufnahme

    Stoyan Popkirov
    Zusammenfassung
    Einige akute neurologische Erkrankungen wie der ischämische Schlaganfall oder der Status epilepticus müssen unter großem Zeitdruck diagnostiziert und behandelt werden, da mit jeder zusätzlichen Minute die Gefahr irreversibler Hirnschäden steigt. Die Erkennung und Versorgung funktioneller neurologischer Störungen bedürfen daher im Kontext der medizinischen Notfallversorgung spezieller Beachtung. In diesem Kapitel werden die Epidemiologie und wichtige Aspekte der klinischen Versorgung akuter Ausfälle und anhaltender Anfälle besprochen. Zudem wird auf die Gesprächsführung und Diagnosevermittlung im zeitlich und räumlich begrenzten Rahmen der Notaufnahme eingegangen.
  18. Kapitel 17. Placebo-Effekt und funktionelle Überlagerung

    Stoyan Popkirov
    Zusammenfassung
    Als Placebo-Effekt werden positive Veränderungen der empfundenen oder tatsächlichen Körperfunktion bezeichnet, die ausschließlich durch körpereigene Mechanismen als Reaktion auf eine medizinische Prozedur vermittelt werden. Negative Veränderungen werden als Nocebo-Effekt beschrieben. Der Einsatz von Placebo bei funktionellen neurologischen Störungen wird besprochen, wobei konkret auf diagnostische und therapeutische Anwendungen bei dissoziativen Anfällen und funktionellen Bewegungsstörungen eingegangen wird. Eindrückliche Placebo-Effekte können auch bei diversen anderen neurologischen Erkrankungen beobachtet werden. Diese Beobachtung legt nahe, dass das Krankheitsbild eines jeden Patienten nicht nur durch die strukturell bedingten Funktionsdefizite, sondern auch durch Top-down-Modulation von Wahrnehmung und Verhalten geprägt wird. Wenn derartige Effekte zu deutlich verstärkten oder gänzlich neuen Symptomen führen, spricht man von einer „funktionellen Überlagerung“. Formen der funktionellen Überlagerung werden besprochen.
  19. Kapitel 18. Täuschung und Einbildung

    Stoyan Popkirov
    Zusammenfassung
    Funktionelle neurologische Störungen sind weder vorgetäuscht noch eingebildet. Da sie aber in ihrer Ausprägung teilweise den Krankheitsvorstellungen der Betroffenen entsprechen und anhand ihrer klinischen Unstimmigkeit und Umkehrbarkeit diagnostiziert werden, kann die Unterscheidung von der Simulation und der artifiziellen Störungen einerseits und von der Hypochondrie andererseits bisweilen schwierig sein. In diesem Kapitel soll in Kürze auf die Grenzgebiete „Täuschung“ und „Einbildung“ in Bezug auf funktionelle neurologische Störungen eingegangen werden, um die klinische Unterscheidung zu erleichtern. Konkret werden Simulation und artifizielle Störungen besprochen. Im letzten Teil wird genauer auf die Diagnose und Therapie der hypochondrischen Störung eingegangen.
  20. Kapitel 19. Kulturelle und narrative Aspekte

    Stoyan Popkirov
    Zusammenfassung
    Funktionelle neurologische Störungen werden heutzutage in einem biopsychosozialen Modell verstanden. In letzter Zeit konnten komplexe bildgebende oder elektrophysiologische Methoden zunehmend neurobiologische Aspekte beleuchten. Diese Entwicklung darf jedoch nicht dazu führen, den Einfluss sozialer Interaktion sowie sprachlicher und kultureller Sinngebung zu unterschätzen. In diesem Kapitel werden anhand historischer Beispiele einige soziale Aspekte funktioneller neurologischer Störungen veranschaulicht. Besprochen werden die sogenannten Kriegszitterer des Ersten Weltkriegs, Wunderheilungen neurologischer Krankheiten an Wallfahrtsorten sowie Ausbrüche von Massenhysterie im Mittelalter und in der Gegenwart.
  21. Backmatter

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Titel
Funktionelle neurologische Störungen
Verfasst von
Stoyan Popkirov
Copyright-Jahr
2024
Verlag
Springer Berlin Heidelberg
Electronic ISBN
978-3-662-69215-8
Print ISBN
978-3-662-69214-1
DOI
https://doi.org/10.1007/978-3-662-69215-8

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Bildnachweise
Erschöpfter Mann am Arbeitsplatz/© filadendron / Getty Images / iStock (Symbolbild mit Fotomodell), Hirnmetastase eines nichtkleinzelligen Lungenkarzinoms frontal rechts/© Diehl, C., Combs, S.E. / all rights reserved Springer Medizin Verlag GmbH, Bergwanderer im Schnee auf Gipfeltour/© borchee / Getty Images / iStock (Symbolbild mit Fotomodell)