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Funktionelle Störungen der Nahrungsaufnahme bei Kindern und Jugendlichen

Interdisziplinärer Praxisleitfaden

  • 2024
  • Buch

Über dieses Buch

Das Buch behandelt Beeinträchtigungen bei der Nahrungsaufnahme im Kindes- und Jugendalter, die nicht allein durch organische Ursachen erklärt werden können: frühkindliche Fütter- und Essstörungen, Sondendependenz, funktionelles Erbrechen, Ruminationsstörungen und funktionelle Dysphagien.

Im Sinne einer ganzheitlichen Betrachtung stellt dieser Leitfaden die Entstehungsbedingungen und das interdisziplinäre Vorgehen bei der Diagnostik und Behandlung funktioneller Störungen der Nahrungsaufnahme bei Kindern und Jugendlichen dar.

Das Buch richtet sich an Fachpersonen aus der Kinder- und Jugendmedizin, aus der Psychotherapie, Logopädie, Ergotherapie und Physiotherapie.

Inhaltsverzeichnis

  1. Frontmatter

  2. Grundlagen, Diagnostik und Therapie

    1. Frontmatter

    2. Kapitel 1. Grundlagen der Nahrungsaufnahme im Kindesalter

      Margarete Bolten, Corinne Légeret, Simone Odenheimer
      Zusammenfassung
      Die Aufnahme von Energie via Nahrung ist eine zentrale Funktion zur Lebenserhaltung und entsprechend ist die orale Nahrungsaufnahme auch eine der ersten Aufgaben, welche ein Kind nach seiner Geburt bewältigen muss. Die Entwicklung der Nahrungsaufnahme wird durch genetisch verankerte Programme, als auch durch umweltbedingte Lernerfahrungen gesteuert. In diesem Kontext spielt die Familie bzw. spielen die Eltern eine zentrale Rolle. Sie schaffen Möglichkeiten und den Rahmen, in dem Kinder ihre biologisch verankerten Kompetenzen entwickeln können. Grundlage der Nahrungsaufnahme sind also sowohl anatomische Voraussetzungen als auch psychosoziale Prozesse. In diesem Kapitel werden die Grundlagen der Nahrungsaufnahme aus somatischer, logopädischer und psychosozialer Perspektive beleuchtet. Zudem besprechen wir Faktoren, die zur Entstehung von funktionellen Beschwerden der Nahrungsaufnahme führen können. Voraussetzung für die Nahrungsaufnahme ist ein funktionsfähiger Magendarmtrakt. Die Aufgabe des Verdauungstraktes besteht darin, Nahrungsmittel mittels mechanischer und chemischer Prozesse in ihre Grundbausteine zu zerlegen, damit sie vom Körper aufgenommen und in Energie umgewandelt werden können. Die Nahrungsaufnahme darf jedoch nicht nur auf ihre funktionelle lebenserhaltende Bedeutung reduziert werden. Mahlzeiten und Essen haben für Menschen neben ihrer rein biologisch-funktionellen auch eine psychologische, soziale, kulturelle oder religiöse Bedeutung. Die Nahrungsaufnahme ist im gesamten Lebensverlauf eines der zentralen Lebensthemen. So steht die Muttermilch bzw. die Säuglingsnahrung für das Geben von Liebe, Nähe, Wärme, Zuverlässigkeit und Sicherheit. In der frühen Kindheit verschmelzen Emotionsregulation und Nahrungsaufnahme miteinander. Auch später im Lebensverlauf kann Essen oder Trinken ein Mittel zur Regulation von Gefühlen, Gestaltung sozialer Beziehungen oder religiöser Rituale sein. Durch das gemeinsame Essen und Trinken erleben Menschen ein Band der Solidarität untereinander. Nahrungsmittel können Prestige- und Statussymbole sein, sie können Gruppenkonformität und Solidarität demonstrieren. Bewusst oder unbewusst teilen wir etwas über uns mit, mit dem was, wie und mit wem wir essen.
    3. Kapitel 2. Kulturelle und psychologische Aspekte der Nahrungsaufnahme

      Margarete Bolten, Corinne Légeret, Simone Odenheimer
      Zusammenfassung
      Die Nahrungsaufnahme ist eine zentrale Funktion zur Lebenserhaltung. Sie darf jedoch nicht nur auf ihre funktionelle lebenserhaltende Bedeutung reduziert werden. Mahlzeiten und Essen haben für Menschen neben ihrer rein biologisch- funktionellen auch eine psychologische, soziale, kulturelle oder religiöse Bedeutung. Die Nahrungsaufnahme ist im gesamten Lebensverlauf eines der zentralen Lebensthemen. So steht die Muttermilch bzw. die Säuglingsnahrung für das Geben von Liebe, Nähe, Wärme, Zuverlässigkeit und Sicherheit. In der frühen Kindheit verschmelzen Emotionsregulation und Nahrungsaufnahme miteinander. Auch später im Lebensverlauf kann Essen oder Trinken ein Mittel zur Regulation von Gefühlen, Gestaltung sozialer Beziehungen oder religiöser Rituale sein. Durch das gemeinsame Essen und Trinken erleben Menschen ein Band der Solidarität untereinander. Nahrungsmittel können Prestige- und Statussymbole sein, sie können Gruppenkonformität und Solidarität demonstrieren. Bewusst oder unbewusst teilen wir etwas über uns mit, mit dem was, wie und mit wem wir essen.
    4. Kapitel 3. Symptomatik und Klassifikation funktioneller Störungen der Nahrungsaufnahme

      Margarete Bolten, Corinne Légeret, Simone Odenheimer
      Zusammenfassung
      In den folgenden Abschnitten wird auf die Symptomatik und Klassifikation der, in der kinderärztlichen und kinder-gastroenterologischen Praxis am häufigsten vorgestellten, funktionellen Störungen der Nahrungsaufnahme eingegangen: Die frühkindlichen Fütter- und Essstörungen, die Sondendependenz, Funktionelle Übelkeit und Erbrechen, das Ruminationssyndrom, die Funktionelle Dysphagie und das Globussyndrom. Das Ziel der Klassifikation ist es, die große Zahl klinischer Bilder nach übergeordneten Gesichtspunkten der Ähnlichkeit zu gruppieren und auf eine überschaubare Menge typischer Systemkonstellationen zu reduzieren. Somit dient die Klassifikation der Informationsreduktion, um die Kommunikation zwischen Fachpersonen zu erleichtern und darauf aufbauend einen schnellen Zugriff auf therapeutisches Störungswissen zu ermöglichen. Zur Klassifikation dienen einerseits die Rom-Kriterien, ein spezifisches Klassifikationssystem für funktionelle gastrointestinale Beschwerden bei Kindern und Erwachsenen, andererseits können funktionelle Beschwerden der Nahrungsaufnahme auch mithilfe psychiatrischer Klassifikationssysteme (ICD-11, DSM-5) klassifiziert werden. Dabei ist zu beachten, dass diese Klassifikationssysteme für einige der funktionellen Störungen (Funktionelles Erbrechen, Ruminationssyndrom, Funktionelle Dysphagie) wesentlich weniger spezifisch sind.
    5. Kapitel 4. Differentialdiagnosen funktioneller Störungen der Nahrungsaufnahme

      Margarete Bolten, Corinne Légeret, Simone Odenheimer
      Zusammenfassung
      Die in diesem Leitfaden behandelten funktionellen Störungen der Nahrungsaufnahme sind Ausschlussdiagnosen. Entsprechend ist es im diagnostischen Prozess von größter Wichtigkeit, dass sämtliche infrage kommenden körperlichen Erkrankungen ausgeschlossen werden, bevor die Diagnose einer funktionellen Störung gestellt werden kann. In diesem Kapitel werden alle somatischen und psychiatrischen Krankheitsbilder systematisch vorgestellt, welche die Nahrungsaufnahme, den Schluckakt oder die darin involvierten Prozesse/anatomischen Subgruppen beeinträchtigen können: Frühgeburtlichkeit, anatomische Anomalien, deren assoziierte Syndrome, neuromuskuläre Erkrankungen, Entwicklungsverzögerungen, gastroösophagealer Reflux. Aber auch kurzzeitige virale, bakterielle oder fungale Erkrankungen können zu einer temporären Beeinträchtigung des Schluckaktes führen.
    6. Kapitel 5. Pathogenese funktioneller Störungen der Nahrungsaufnahme im Kindesalter

      Margarete Bolten, Corinne Légeret, Simone Odenheimer
      Zusammenfassung
      Nahrungsaufnahme bedeutet weit mehr als das reine Stillen des Hungers. Damit einhergehend, nehmen gemeinsames Essen und Trinken einen wichtigen Stellenwert in unserem Sozialleben ein. Bei einer zusammen mit anderen Menschen eingenommenen Mahlzeit, tritt die eigentliche Nahrungsaufnahme in den Hintergrund. In den Vordergrund rückt das soziale Zusammensein mit anderen, die Kommunikation und der Genuss. Erst wenn das Schlucken der Nahrung nicht mehr wie gewohnt funktioniert, wird uns bewusst, wie automatisiert der Schluckprozess abläuft. In diesem Kapitel werden sämtliche Voraussetzungen interdisziplinär besprochen, die es braucht, damit ein Kind Nahrungsmittel jeglicher Konsistenz zu sich nehmen kann. Da viele Faktoren ineinandergreifen, um ein genussvolles Essen zu ermöglichen, gibt es viele verschiedene Ursachen, die zu einer Störung diesesVorgangs führen können. Bekannte Risikofaktoren reichen von Frühgeburtlichkeit, Entwicklungsstörungen, über anatomische Anomalien zu chronischen Herz- und Lungenerkrankungen, die wiederum mit einem erhöhten kalorischen Bedarf einhergehen. Damit sich eine Fütterstörung etablieren kann, braucht es psychosoziale Komponenten, genau wie beim funktionellen Erbrechen und der Sondendependenz. Die klassischen Faktoren, die zu einer funktionellen Störung in der Nahrungsaufnahme beitragen können, werden in diesem Kapitel dargestellt.
    7. Kapitel 6. Diagnostik funktioneller Störungen der Nahrungsaufnahme

      Margarete Bolten, Corinne Légeret, Simone Odenheimer
      Zusammenfassung
      Eine vollständige Diagnostik funktioneller Störungen der Nahrungsaufnahme basiert immer auf dem bio-psych-sozialen Modell, welches davon ausgeht, dass psychosomatische oder funktionelle Beschwerden immer durch ein Ineinandergreifen somatischer, psychologischer und sozialer bzw. Umweltfaktoren erklärt werden können. Das Ziel der Diagnostik funktioneller Störungen der Nahrungsaufnahme sollte die Gewinnung eines ganzheitlichen Bildes des betroffenen Kindes und seiner Familie bzw. seines nahen Umfelds sein. Hierfür müssen sowohl somatische Faktoren, welche allein für die Schwierigkeiten bei der Nahrungsaufnahme verantwortlich sein können, ausgeschlossen, als auch begleitende, nicht aber allein ursächliche, somatische Faktoren erfasst und klinisch beurteilt werden. Weiterhin ist es zentral, die gesamte kindliche Entwicklung sowie die Entwicklungsschritte, welche im Rahmen der Essentwicklung vollzogen wurden, zu beurteilen. Das aktuelle Essverhalten, inkl. Kau- und Schluckfähigkeiten, aber auch die Zusammensetzung der Nahrung und das Verhalten in essspezifischen, aber auch alltäglichen Situationen sind Inhalt der Diagnostik bei funktionellen Störungen der Nahrungsaufnahme. Dabei liegt ein besonderer Schwerpunkt auf den Interaktionen des Kindes mit seinen Bezugspersonen (z. B. Eltern, Grosseltern, Erzieher).
    8. Kapitel 7. Therapie bei funktionellen Störungen der Nahrungsaufnahme

      Margarete Bolten, Corinne Légeret, Simone Odenheimer
      Zusammenfassung
      In diesem Kapitel werden die wesentlichen Bausteine der Therapie bei funktionellen Störungen der Nahrungsaufnahme, insbesondere der Fütter- und Essverhaltensstörungen (inkl. Sondendependenz), Funktionelles Erbrechen, Ruminationssyndrom und Funktionelle Dysphagie, beschrieben. Meta-Analysen publizierter Studienergebnisse zur Therapie dieser Störungen bei Kindern und Jugendlichen zeigen, dass es wirksame Therapieprogramme gibt. Die Ausführungen fassen den aktuellen Kenntnisstand und die Empfehlungen der Fachgesellschaften zusammen, die auf der Basis der vorhandenen Studienergebnisse und den Expertisen multidisziplinärer Arbeitsgruppen entwickelt wurden. Da bei der Entstehung und Aufrechterhaltung der funktionellen Störungen sowohl somatische als auch psychosoziale Belastungsfaktoren eine Rolle spielen, ist die Basis der Behandlung das bio-psychosoziale Modell. Dabei wird jeder Patient in einem interdisziplinären Rahmen individuell evaluiert und behandelt. Aufgrund der multifaktoriellen Pathogenese funktioneller Störungen der Nahrungsaufnahme sind auch die therapeutischen Ansätze breit gefächert.
  3. Praxismaterialien

    1. Frontmatter

    2. Kapitel 8. Materialien für Diagnostik und Therapie funktioneller Störungen der Nahrungsaufnahme

      Margarete Bolten, Corinne Légeret, Simone Odenheimer
      Zusammenfassung
      In diesem Kapitel werden Materialien für die Diagnostik und Behandlung funktioneller Störungen der Nahrungsaufnahme vorgestellt und in ihrer Anwendung beschrieben. Diese Materialien sollen Kinderärztinnen und Kindertherapeutinnen (z. B. Psychotherapeutinnen, Logopädinnen) die Möglichkeit bieten, die einzelnen Diagnose- und Therapieschritte, wie sie in Kap. 6 und 7 beschrieben wurden, im klinischen Alltag umzusetzen.
    3. Kapitel 9. Therapiematerialien bei funktionellen Störungen der Nahrungsaufnahme

      Margarete Bolten, Corinne Légeret, Simone Odenheimer
      Zusammenfassung
      In diesem Kapitel werden Materialien für die Behandlung funktioneller Störungen der Nahrungsaufnahme vorgestellt und in ihrer Anwendung beschrieben. Diese Materialien sollen Kinderärzten und Kindertherapeuten die Möglichkeit bieten, die einzelnen Therapieschritte, wie sie im Kap. 7 beschrieben wurden, im klinischen Alltag umzusetzen.
  4. Backmatter

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Titel
Funktionelle Störungen der Nahrungsaufnahme bei Kindern und Jugendlichen
Verfasst von
Margarete Bolten
Corinne Légeret
Simone Odenheimer
Copyright-Jahr
2024
Verlag
Springer Berlin Heidelberg
Electronic ISBN
978-3-662-69606-4
Print ISBN
978-3-662-69605-7
DOI
https://doi.org/10.1007/978-3-662-69606-4

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