Gender-Medizin in der Dermatologie: Warum das Geschlecht die Hautgesundheit prägt
- 05.03.2026
- Online-Artikel
Die Gender-Medizin hat sich in den vergangenen Jahren als wichtiger Bestandteil der klinischen Forschung etabliert. Neben bekannten Beispielen aus der Kardiologie oder Pharmakologie rücken zunehmend auch dermatologische Fragestellungen in den Fokus. Geschlechtsspezifische Unterschiede betreffen zentrale Aspekte wie Wundheilung, Narbenbildung und chronisch-entzündliche Hauterkrankungen, insbesondere die atopische Dermatitis (1–4). Für die dermatologische Praxis ergibt sich daraus die Notwendigkeit, biologisches Geschlecht (Sex) und genderbezogene Einflussfaktoren systematisch in Prävention, Therapie und Nachsorge zu berücksichtigen.
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Hautstruktur und Narbenbildung: geschlechtsspezifische Muster
Die Haut von Männern und Frauen unterscheidet sich in mehreren strukturellen und funktionellen Eigenschaften. Männerhaut ist im Durchschnitt dicker und weist eine höhere Kollagendichte sowie eine stärkere Talgproduktion auf, während bei Frauen unter anderem Unterschiede in Hydratation, transepidermalem Wasserverlust und pH-Wert beschrieben sind (1,3). Frauen zeigen zudem geschlechtsspezifische Besonderheiten der Hautimmunität, die unter anderem mit einer höheren Häufigkeit immunvermittelter Erkrankungen einhergehen (3).
Diese Unterschiede zeigen sich auch in der Narbenbildung. Untersuchungen an postoperativem humanem Hautgewebe zeigen, dass Narben bei Männern häufiger durch eine dichtere, parallel orientierte Kollagen‑I‑reiche Struktur mit vermehrter Elastin-Expression und höherer Myofibroblastenaktivität geprägt sind, während sich bei Frauen im Narbenareal eher ein höherer Kollagen‑III‑Anteil und adipogene Signaturen finden lassen (1). Dadurch sind Narben bei Männern meist rigider, bei Frauen elastischer (1).
Wundheilung: Einfluss von Geschlecht und Entzündungsdynamik
Auch der Verlauf der Wundheilung unterscheidet sich zwischen den Geschlechtern: Präklinische und klinische Daten zeigen, dass das Zusammenspiel von Sexhormonen, Immunzellen und Hautstruktur geschlechtsspezifische Muster der Entzündungs- und Reparaturphase beeinflusst (2–4). In einem diabetischen Mausmodell zeigten männliche Tiere eine stärker entzündlich geprägte Makrophagenantwort mit mehr MMP-9-positiven und weniger AdipoR1-positiven Makrophagen als weibliche Tiere, was mit einer tendenziell schlechteren Wundheilung einherging (2). Besonders relevant ist dies bei Menschen mit Diabetes mellitus: Männer entwickeln häufiger chronische Wunden wie diabetische Fußulzera und zeigen im Mittel schwerere Verläufe, darunter tiefere oder infizierte Ulzera sowie höhere Amputationsraten (2,3). Bei Frauen beeinflussen hingegen hormonelle Veränderungen – wie etwa Östrogenmangel in der Menopause oder Hormontherapien – den Heilungsverlauf und sollten in der dermatologischen Nachsorge berücksichtigt werden (1,3).
Atopische Dermatitis: Unterschiede im Verlauf und Therapieansprechen
Die atopische Dermatitis stellt ein gut untersuchtes Beispiel für geschlechtsspezifische Unterschiede in der Dermatologie dar (3,4). Während die Erkrankung im Kindesalter etwas häufiger bei Jungen auftritt, wenden sich die Prävalenzen nach der Pubertät um – im Erwachsenenalter sind in vielen Kohorten überwiegend Frauen betroffen, insbesondere zwischen 30 und 49 Jahren (4). Diese Frauen berichten zudem häufiger über persistierende und zyklisch schwankende Verläufe, die oft auf hormonelle Veränderungen im Menstruationszyklus oder während einer Schwangerschaft zurückzuführen sind (3,4).
Studien zeigen, dass weibliche Sexualhormone wie Östrogen und Progesteron Entzündungsprozesse und die Barrierefunktion der Haut beeinflussen und damit den Verlauf der atopischen Dermatitis mitprägen. Androgene wirken dagegen eher entzündungshemmend (3,4).
Diese Unterschiede zeigen sich auch im Therapieansprechen: Bei gezielten systemischen Therapien wie Dupilumab erzielen erwachsene Frauen im Mittel höhere Ansprechraten als Männer (4). Entsprechend sollten geschlechtsspezifische Aspekte bei Therapieentscheidung, Monitoring und Beratung berücksichtigt werden – besonders bei Frauen im gebärfähigen Alter sowie in Schwangerschaft und Stillzeit (3,4).
Bedeutung für Hautpflege und Wundmanagement
Die verfügbaren Daten zeigen, dass geschlechtsspezifische Unterschiede in Hautstruktur, Entzündungsneigung und Heilungsverlauf die dermatologische Versorgung maßgeblich beeinflussen (1–4). Vor diesem Hintergrund kommt einer konsequenten, barriereerhaltenden und regenerationsfördernden Hautpflege eine besondere Bedeutung zu – sowohl im Rahmen der Wundnachsorge als auch bei chronisch belasteter oder vorgeschädigter Haut. Eine solche Pflege sollte die individuellen Risikokonstellationen von Patientinnen und Patienten – einschließlich Sex- und Genderaspekten – in den Blick nehmen (3,4).
Bepanthen® Wund- und Heilsalbe wird in der dermatologischen Praxis seit vielen Jahren zur Pflege geschädigter Haut eingesetzt. Dexpanthenol unterstützt die Regeneration der Haut, fördert die Wiederherstellung der Barrierefunktion und trägt zur Reduktion des transepidermalen Wasserverlusts bei. Diese Eigenschaften sind grundsätzlich unabhängig vom Geschlecht relevant und können – vor dem Hintergrund geschlechtsspezifischer Unterschiede in Wundheilung und Narbenbildung – einen wichtigen Beitrag zur unterstützenden Versorgung leisten.
Insbesondere im Anschluss an operative Eingriffe, bei irritierter Haut oder im Rahmen der Wundnachsorge kann eine gut verträgliche, barriereunterstützende Pflege wie die Bepanthen® Wund- und Heilsalbe dazu beitragen, den Heilungsverlauf positiv zu begleiten und die Hautfunktion langfristig zu stabilisieren – als integraler Bestandteil eines ganzheitlichen, geschlechtssensiblen Behandlungsansatzes.
Aknenarben: aktuelle Therapiekonzepte und adäquate Nachsorge |
Zur Therapie von Aknenarben werden u.a. Laser und Microneedling eingesetzt. Die Nachbehandlung der dabei erzeugten Hautschädigung mit Bepanthen® Wund- und Heilsalbe fördert die Regeneration der Hautbarriere und beschleunigt den Wundverschluss. Dexpanthenol-haltige Topika zur Nachsorge ablativer Lasertherapien werden in der Leitlinie empfohlen – Lesen Sie mehr dazu! |
Literatur:
[1] Gawronska-Kozak B, Kopcewicz M, Machcinska-Zielinska S, et al. Gender differences in post-operative human skin. Biomedicines. 2023;11:2653.
[2] Huang CX, Siwan E, Baker CJ, et al. Uncovering sex-related differences in skin macrophage polarization during wound healing in diabetic mice. Front Biosci (Landmark Ed). 2025;30:271–313.
[3] Lagacé F, D’Aguanno K, Prosty C, et al. The role of sex and gender in dermatology: from pathogenesis to clinical implications. J Cutan Med Surg. 2023;27(4):NP1–NP36.
[4] Maurelli M, Gisondi P, Del Giglio M, Girolomoni G. Sex differences in epidemiology, mechanisms, and management of atopic dermatitis. Dermatol Ther. 2025;38:6670747.