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Geschlagen, gekratzt, getreten Gewalt gegen Männer wird unterschätzt

Fälle häuslicher Gewalt gegen Männer scheinen in letzter Zeit zuzunehmen, wie eine Studie aus Rostock nahelegt. Die Forscher fordern, Hilfsangebote speziell für männliche Opfer zu verstärken.

Wer gibt schon gerne zu, dass er von seiner Partnerin geschlagen wird? Männliche Opfer häuslicher Gewalt weigern sich nicht selten aus Scham, professionelle Hilfe zu suchen, berichtete Dr. Verena Blaas vom Institut für Rechtsmedizin der Universität Rostock. Die rechtsmedizinische Ambulanz, in der die Medizinerin tätig ist, bietet Gewaltbetroffenen beiderlei Geschlechts eine Anlaufstelle.

In den letzten fünf Jahren hatten sich in der Ambulanz 16 männliche Gewaltopfer vorgestellt. Diese Zahl erscheine absolut genommen zwar gering, so Blaas, sie sei im Vergleich zu den Vorjahren aber deutlich gestiegen. Mehr als die Hälfte der Betroffenen war über 50 Jahre alt. In allen Fällen hatte es sich um heterosexuelle Beziehungen gehandelt, in über 60% waren die Partner verheiratet.

Die Männer zeigten vor allem Hämatome und Kratzspuren, und zwar überwiegend an der oberen Körperhälfte. Schläge mit der flachen Hand standen im Vordergrund, es wurde aber auch mit Fäusten oder Gegenständen (z. B. Schuhanzieher) geprügelt und auch Tritte, Bisse sowie Gewalt gegen das Genital kamen vor. In zwei Fällen war danach eine stationäre, in zwei weiteren eine ambulante Behandlung erforderlich. Ein Drittel der Männer gab an, ihre Partnerin sei psychiatrisch erkrankt. Dabei handelte es sich zu etwa gleichen Teilen um paranoide Schizophrenie, Depression bzw. Substanzabhängigkeit.

Ein Problem sieht Blaas darin, dass entsprechende Beratungs- und Schutzeinrichtungen in erster Linie auf Frauen ausgerichtet seien: „Der Verein in unserer Region heißt 'Frauen helfen Frauen'. Klar, dass sich die Männer eher schwer tun, sich da Hilfe zu holen!“ Die Expertin geht von einem erheblichen Dunkelfeld an Betroffenen aus. Auch deswegen sei es wünschenswert, Hilfsangebote speziell für Männer zu verstärken. Blaas forderte zudem spezielle Schulungen für das in Rettungsdienst und Notaufnahme tätige Personal: „Viele Männer suchen dort zuerst Hilfe.“

Basierend auf: Blaas V.: „Häusliche Gewalt gegen Männer“, 98. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Rechtsmedizin (DGRM), 17.–21. September 2019 in Hamburg

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