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04.05.2017 | Leitthema | Ausgabe 7/2017

Der Nervenarzt 7/2017

Genetische Grundlagen der bipolaren Störung

Zeitschrift:
Der Nervenarzt > Ausgabe 7/2017
Autoren:
M. Budde, A. J. Forstner, K. Adorjan, S. K. Schaupp, M. M. Nöthen, Prof. Dr. T. G. Schulze

Zusammenfassung

Die bipolare Störung (BD) ist multifaktoriell verursacht, zur Entstehung tragen sowohl genetische als auch Umweltfaktoren bei. Der Durchbruch bei der Identifizierung der verantwortlichen Gene gelang mit genomweiten Assoziationsstudien (GWAS), in denen erstmals replizierbare genetische Risikovarianten für die BD gefunden wurden. Neben den durch die GWAS identifizierten häufigen genetischen Varianten mit kleinen Effekten werden auch seltene Varianten mit höherer Penetranz zur Krankheitsentstehung beitragen. So gibt es erste Hinweise darauf, dass genomische Kopienzahlvarianten mit der Entstehung der BD assoziiert sind, ihr Beitrag zur Krankheitsentstehung ist aber geringer als bei der Schizophrenie oder dem Autismus. Die wenigen bisher bei der BD durchgeführten großflächigen Sequenzierungsstudien deuten auf eine Anreicherung seltener Varianten in zuvor mit der BD assoziierten Stoffwechselwegen und Genen hin. Im Bereich der Pharmakogenetik konnte mit einer großen internationalen GWAS erstmals ein Gen identifiziert werden, welches das individuell unterschiedliche Ansprechen auf Lithium beeinflusst. Die bisher beschriebenen Risikovarianten erklären allerdings einen zu geringen Anteil der phänotypischen Varianz, als dass sie derzeit für eine individuelle Prädiktion des Erkrankungsrisikos, des Krankheitsverlaufs oder des Ansprechens auf Medikamente genutzt werden könnten. Die genetische Forschung wird in Zukunft weitere BD-assoziierte Gene identifizieren und damit das Wissen um die biologischen Grundlagen der BD entscheidend erweitern. Die genetischen Kenntnisse werden u. a. helfen, ätiologische Subgruppen sowie diagnoseübergreifende Krankheitsmechanismen zu identifizieren.

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