Skip to main content
main-content

01.06.2014 | Leitthema | Ausgabe 3/2014

Rechtsmedizin 3/2014

Geschlechtsdiskriminierung und Körperhöhenschätzung anhand des Jochbeins

Zeitschrift:
Rechtsmedizin > Ausgabe 3/2014
Autoren:
A. Walter, F. Ramsthaler, A. Gehl, C.G. Birngruber, J. Krähahn, N. Bächle, M. Obert, Prof. Dr. M.A. Verhoff

Zusammenfassung

Hintergrund

Werden nur einzelne Knochen oder Knochenfragmente einer unbekannten Leiche geborgen, müssen im Rahmen der Identifizierung alternative, insbesondere osteometrische Parameter zur Bestimmung des Geschlechts und der Schätzung der Körperlänge herangezogen werden. Klassische morphologische Merkmale sind aufgrund der Fragmentierung hier oft nicht oder schwierig zu beurteilen.

Ziel der Arbeit

Anhand postmortaler Computertomographie(CT)-Datensätze sollte überprüft werden, ob mithilfe osteometrischer Parameter des Jochbeins eine Geschlechtsdiskriminierung und eine Körperlängenschätzung möglich sind.

Material und Methode

Untersucht wurden postmortale Schädel-CT-Datensätze von 112 weiblichen und 104 männlichen Verstorbenen, die im Hamburger Institut für Rechtsmedizin angefertigt wurden (Schichtdicke 0,63 mm). Alter und Geschlecht der Verstorbenen waren bekannt; die Körperlänge war vor der CT-Untersuchung manuell gemessen worden. Die Daten wurden in das Programm OsiriX importiert. Im 3D-Modus („volume rendering“) wurden die maximalen beidseitigen Höhen, Längen und Dicken des Jochbeins vermessen.

Ergebnisse

Obwohl beidseitige Jochbeinhöhe und -länge einen hochsignifikanten Zusammenhang mit der Körperlänge (p < 0,0001) aufwiesen, wurden nur Korrelationskoeffizienten von etwa 0,45 erreicht. Eine sinnvoll einsetzbare Regressionsformel konnte aufgrund der enormen Standardfehler der Schätzung nicht gebildet werden. Alle 6 Messstrecken waren für sich geeignet, zwischen den Geschlechtern zu trennen. Die höchste diskriminatorische Bedeutung zeigte für beide Seiten die Jochbeinhöhe. Mit einem Klassifikationsmodell unter Einsatz aller 3 Parameter der linken Seite konnte die korrekte Geschlechtsklassifikation in 76,6 % der Fälle und für die rechte Seite in 75,6 % erreicht werden. Wurde nur die linkseitige Jochbeinhöhe (Trennwert 48,53 mm) eingesetzt, gelang die korrekte Geschlechtszuordnung bei 73,2 % der weiblichen und 71,2 % der männlichen Individuen. Für die rechtseitige Jochbeinhöhe (Trennwert 48,56 mm) ergab sich eine korrekte Zuordnung bei 79,5 % der weiblichen und in 70,2 % der männlichen Individuen.

Schlussfolgerung

Die relativ leicht messbare, in der vorliegenden Arbeit erstmals definierte Jochbeinhöhe kann als isolierter Parameter unter einfacher Anwendung eines Trennwerts von 48,5 mm zur Geschlechtsdiskriminierung hilfreich sein.

Bitte loggen Sie sich ein, um Zugang zu diesem Inhalt zu erhalten

★ PREMIUM-INHALT
e.Med Interdisziplinär

Mit e.Med Interdisziplinär erhalten Sie Zugang zu allen CME-Fortbildungen und Fachzeitschriften auf SpringerMedizin.de. Zusätzlich können Sie eine Zeitschrift Ihrer Wahl in gedruckter Form beziehen – ohne Aufpreis.

Weitere Produktempfehlungen anzeigen
Literatur
Über diesen Artikel

Weitere Artikel der Ausgabe 3/2014

Rechtsmedizin 3/2014 Zur Ausgabe
  1. Ich möchte die nächsten 3 Hefte kostenlos testen.

    Wenn mir die Zeitschrift gefällt, beziehe ich nach Erhalt der Probeausgaben Rechtsmedizin 6x pro Jahr für insgesamt 534 € im Inland (Abonnementpreis 505 € plus Versandkosten 29 €) bzw. 552 € im Ausland (Abonnementpreis 505 € plus Versandkosten 47 €).
    Dies entspricht einem Gesamtmonatspreis von 44,50 € im Inland bzw. 46 € im Ausland.

    Sollte ich von dieser Zeitschrift nicht überzeugt sein, informiere ich den Leserservice bis spätestens 14 Tage nach Erhalt des 3. Probeheftes.

    Alle genannten Preise verstehen sich inkl. dt. gesetzl. MwSt. In EU-Ländern gilt die jeweilige gesetzliche Mehrwertsteuer. Dadurch kann es ggf. zu Preisabweichungen bei Bestellungen aus dem Ausland kommen.

    Die Abrechnung erfolgt einmal jährlich zu Beginn des Bezugszeitraumes per Rechnung.

    Die Mindestlaufzeit dieses Abonnements beträgt ein Jahr. Das Abonnement verlängert sich automatisch jährlich um jeweils ein weiteres Jahr, wenn es nicht bis spätestens 30 Tage vor Ablauf der Vertragslaufzeit gekündigt wird. Die Kündigung muss in Textform an den Leserservice erfolgen. Es gilt das gesetzliche Mängelhaftungsrecht.

    Leserservice
    Springer Nature Customer Service Center
    Tiergartenstr. 15
    69121 Heidelberg
    Tel. 06221 345-4303/Fax: 06221 345-4229
    E-Mail: leserservice@springernature.com

    ​​​​​​​

Neu im Fachgebiet Rechtsmedizin

14.03.2019 | Originalien | Ausgabe 2/2019

Medikamentennachweise bei bayerischen Altenheimbewohnern – eine rechtsmedizinische Analyse

Erste Ergebnisse aus Screeninguntersuchungen an Urinproben

07.03.2019 | Mammakarzinom | CME | Ausgabe 2/2019

Update der S3-Leitlinie Mammakarzinom

Was gibt es Neues für Pathologen?

21.02.2019 | Schwerpunkt: Neuropathologie | Ausgabe 2/2019

Neuropathologie der Medulloblastome und anderer embryonaler Tumoren des ZNS

Präzisierung der Diagnostik durch Integration genetischer Marker