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07.07.2017 | Gesundheitspolitik | Nachrichten

Dr. Thomas Fischbach

"Den Zuckeranteil klar kennzeichnen"


Eine Lebensmittelampel könnte Eltern signalisieren, welches Produkt gesund ist, sagt der Präsident des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte, Dr. Thomas Fischbach.


Ärzte Zeitung: Herr Dr. Fischbach, trinken Sie Ihren Kaffee noch mit Zucker?

Dr. Thomas Fischbach: (lacht) Meinen Kaffee trinke ich schwarz. Das hat auch damit zu tun, dass ich auf meine Linie achten muss.

Was spricht aus Sicht des Kinder-arztes für Zuckerreduktion?

Kinder lieben Zucker und bekommen reichlich davon. Die empfohlene Tagesmenge von maximal 25 Gramm wird bei den meisten deutlich überschritten. Was Zucker bewirkt, sehen wir täglich in unseren Praxen: Vierjährige mit schwarzen, faulen Zähnen oder Achtjährige, die so dick sind, dass sie nicht auf einem Bein hüpfen können. Was man äußerlich nicht sieht, sind die stoffwechselbedingten Folgen. So gibt es immer mehr Kinder, die unter ernährungsbedingtem "Altersdiabetes" leiden. Hätte ich bei meiner Facharztprüfung gesagt, Typ-2-Diabetes trete im Kindesalter auf, hätte man mich durchfallen lassen. Heute ist das Realität. Und für die Betroffenen ein Teufelskreislauf.

Inwiefern?

Wenn ein Kind zu dick ist, bewegt es sich weniger. Der Mangel an Bewegung verschärft das Problem des Übergewichts. Das führt zu Frust und dann wird noch mehr Süßes gegessen und getrunken. Weiteres Problem: Die Eltern übergewichtiger Kinder sind oft selber übergewichtig. Hier hat sich in der Familie eine ungesunde Ernährungsstruktur entwickelt. Die zu durchbrechen, ist nicht einfach.

Ärzte sind Multiplikatoren. Auch beim Thema Zuckerreduktion?

Natürlich. Kinder- und Jugendärzte betreiben aktiv Aufklärung und Beratung. Aber wir hätten in Deutschland ja nicht 20 Prozent übergewichtige Menschen, wenn das fruchten würde. Deshalb engagieren wir uns auch dafür, dass der Zuckeranteil in Lebensmitteln klar gekennzeichnet ist. Mit einer Lebensmittelampel könnten sich Eltern schnell und einfach orientieren. Und wir wünschen uns ein Werbeverbot für Kinderlebensmittel. An die freiwillige Zurückhaltung der Lebensmittelindustrie glaube ich nach den Erfahrungen der letzten Jahre nicht mehr. (hom)

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