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02.06.2017 | Gesundheitspolitik | Nachrichten

Krankenhaus-Report 2017

Weitere Indikationen sollten folgen


Mindestmengen gibt es in Deutschland derzeit nur für sieben Eingriffe. Dabei könnten sie laut dem AOK-Krankenhaus-Report für weitere Indikationen sinnvoll sein.

BERLIN. Über die Qualität und Patientensicherheit in deutschen Krankenhäusern wird seit Jahren diskutiert. Ein Mittel für bessere Behandlungsergebnisse und mehr Sicherheit sollen Mindestmengen sein. Dass es tatsächlich einen Zusammenhang zwischen Menge und Qualität gibt, zeigt auch der erst kürzlich veröffentlichte Krankenhaus-Report des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO).

Deutlich sichtbar wird dies beim Hüftgelenksersatz infolge von Arthrose: 134.000 AOK-Patienten erhielten laut Report in den Jahren 2012 bis 2014 in 1064 Krankenhäusern bei Arthrose ein neues Hüftgelenk. In einem Fünftel der Kliniken fanden maximal 38 Op pro Jahr statt. Das Risiko für eine erneute Hüftoperation binnen Jahresfrist war für Patienten dieser Häuser mehr als doppelt so hoch wie für die Patienten, die in dem Fünftel der Kliniken mit den höchsten Fallzahlen operiert wurden. In solchen Zentren fanden 211 oder mehr planbare Hüft-Op statt.

Die Mindestmengen-Regelungen seien daher auf weitere stationäre Leistungen auszuweiten, fordert die AOK. Neben dem beschriebenen Hüftgelenkersatz sind dies insbesondere Schilddrüsen- und Brustkrebs-Op oder die Geburtshilfe.

Dabei werden – so die Autoren des Reports – Mindestmengen aber nicht immer eingehalten. Von den rund 700 Krankenhäuser, die 2014 nahezu 12.000 Bauchspeicheldrüsen-Operationen durchgeführt haben, hätte knapp die Hälfte der Häuser die Mindestmenge von zehn nicht erreicht, heißt es. "Wenn eine Mindestmenge besteht, muss das die Messlatte für alle Kliniken sein, so wie auch Geschwindigkeitsbeschränkungen im Straßenverkehr keine Ausnahmen kennen", so Jürgen Klauber, Geschäftsführer des WIdO und Mitherausgeber des Krankenhaus-Reports. Temporäre Ausnahmeregelungen sind seiner Ansicht nach nur gerechtfertigt, wenn gute strukturelle Gründe vorliegen, beispielsweise gerade eine neue Einheit mit einem neuen Chefarzt aufgebaut werde.(reh)

Lesetipp: Klauber, Jürgen / Geraedts, Max / Friedrich, Jörg / Wasem, Jürgen (Hrsg.): Krankenhaus-Report 2017; 496 Seiten. 59,99 Euro. Schattauer-Verlag, Stuttgart; www.wido.de