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20.05.2019 | Gynäkologische Urologie | Leitthema | Ausgabe 6/2019

Der Urologe 6/2019

„Ins“ und „outs“ in der operativen Therapie der weiblichen Belastungsinkontinenz

Zeitschrift:
Der Urologe > Ausgabe 6/2019
Autor:
Prof. Dr. C. Hampel

Zusammenfassung

Indikationsstellung, präoperative Diagnostik und schlussendliche Therapiewahl unterliegen in der operativen Behandlung der weiblichen Belastungsinkontinenz teils irrationalen Modeströmungen. Urodynamische Untersuchungen werden aus verschiedenen Gründen (nachlassende Interpretationsexpertise, unzureichende Finanzierung, eingeengtes therapeutisches Spektrum) zunehmend für unnötig gehalten und zugunsten der auf wesentlich dünnerer Datenbasis fußenden Perinealsonographie aus der präoperativen Diagnostik verdrängt. Seit der Veröffentlichung der aktuellen AWMF-Leitlinie (Arbeitsgemeinschaft Medizinisch Wissenschaftlicher Fachgesellschaften) ist eine patientenindividualisierte Therapieplanung „out“. Die bedingungslose Leitlinientreue der in Mode gekommenen zertifizierten Beckenbodenzentren verhindert zusätzlich auch durch Mindestzahlenforderungen die untersuchungsadaptierte Spreizung des Therapieangebots. Bei den spannungsfreien alloplastischen Suburethralschlingen erlebt die zeitweilig unmodern gewordene retropubische Variante eine Renaissance auf Kosten der transobturatorischen Version. Die für den ambulanten amerikanischen Markt entwickelten „single-incision slings“ konnten sich wegen der hohen Produktfluktuation und fehlender Überlegenheitsnachweise in Deutschland nicht flächendeckend durchsetzen. Adjustierbare Schlingensysteme offerieren bei insgesamt eingeschränktem Therapiespektrum Behandlungsoptionen für Risikogruppen unter Inkaufnahme höherer Arrosions- und Infektionsraten und sind im Kommen. Seriöse und umfassende präoperative Aufklärung über das gesamte Operationsspektrum mit individuellen Chancen und Risiken ist der beste Garant für die Verhinderung eines drohenden Verbots alloplastischer Implantate in der weiblichen Inkontinenzchirurgie.

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