Zum Inhalt

Was ist gesichert in der Therapie der komplizierten Harnwegsinfektionen

Erschienen in:

Zusammenfassung

Harnwegsinfektionen (HWI) zählen zu den häufigsten bakteriellen Infektionen überhaupt. Schwere Verläufe, aber auch häufige Rezidive von Episoden, die für sich gesehen gut therapierbar sind, treten klassischerweise bei Harnwegsanomalien und Immundefekten auf und sind besondere klinische Herausforderungen. Das klinische Gesamtbild lässt sich kategorisieren durch das englische Akronym ORENUC (O = „no risk“; R = „recurrent“; E = „extraurogenital“; N = „nephropathic“; U = „urologic“; C = „catheter“), das eine Einschätzung der Morbidität erlaubt. Entsprechend umfasst die zusätzliche Diagnostik bei schweren oder ungewöhnlichen Verläufen neben der präzisen Risikofaktoranamnese und klinischen Untersuchung die urologisch-nephrologische Bildgebung primär mit Ultraschall und gegebenenfalls mit Schnittbildgebung, eine laborchemische Abschätzung der systemischen Beteiligung und die Entfernung bzw. den Wechsel von Fremdkörpern. Für die empirische antibiotische Therapie bei unkomplizierter Pyelonephritis werden aktuell Gyrasehemmer oder Cephalosporine empfohlen. Bei komplizierten HWI ist dies aufgrund erhöhter Resistenzraten allerdings nicht mehr so eindeutig. Eine Erregerdiagnostik ist zentral für das konkrete Handeln und die gezielte Reduktion unerwünschter Nebenwirkungen. Es gibt neuere Entwicklungen von Reserveantibiotika, die insbesondere bei nachgewiesenen multiresistenten Erregern zur Anwendung kommen können. Bei rezidivierenden Infekten ist neben der oft nur schwer erreichbaren Besserung lokaler und systemisch-immunologischer Risiken die aktive Mitwirkung der Patienten notwendig, Letzteres im Sinne von Verhaltensanpassungen und gegebenenfalls längerfristiger Einnahme prophylaktischer Medikamente und bei Durchbruchsinfektionen einer prophylaktischen antibiotischen Kurz- oder Langzeittherapie. Die aktuellen Therapiekonzepte für diese Patientengruppe sind insgesamt unzureichend. Zusätzliche alternative Strategien sind dringend notwendig.
Titel
Was ist gesichert in der Therapie der komplizierten Harnwegsinfektionen
Verfasst von
Prof. Dr. Sibylle von Vietinghoff
Prof. Dr. Florian Wagenlehner
Publikationsdatum
27.09.2024
Dieser Inhalt ist nur sichtbar, wenn du eingeloggt bist und die entsprechende Berechtigung hast.

Passend zum Thema

ANZEIGE

Phytotherapie statt Antibiotikum

Viel zu oft werden akute unkomplizierte Harnwegsinfekte mit Antibiotika behandelt, obschon es Alternativen gibt. Doch nun bringen gleich 2 aktuelle Leitlinien Bewegung in das Management unkomplizierter Zystitiden, indem sie sich klar für den Einsatz evidenzbasierter Phytotherapeutika wie der pflanzlichen Dreierkombination BNO 1045 aussprechen, um den Antibiotikaeinsatz zu reduzieren.

ANZEIGE

Starke Evidenz für nicht-antibiotische Therapie

Harnwegsinfektionen (HWIs) gehören weltweit zu den häufigsten bakteriellen Infektionen. Jährlich erkranken etwa 150 Millionen Menschen an einer HWI, wobei Frauen deutlich öfter betroffen sind als Männer. Meist handelt es sich um akute unkomplizierte Zystitiden, bei denen eine Antibiotikagabe häufig nicht erforderlich ist. Hier steht die Linderung der Symptome im Vordergrund.

Mönchspfefferextrakt: zuverlässig statt zufällig wirksam

  • Sonderbericht

Etwa 30–40 % der menstruierenden Frauen leiden an Symptomen eines prämenstruellen Syndroms (PMS). Dazu zählen unterschiedliche physische und psychische Beschwerden, die während der Lutealphase des Menstruationszyklus auftreten und in der Regel mit Einsetzen der Blutung abklingen. Phytopharmaka können in dieser Situation eine wichtige Behandlungsalternative bieten. Entscheidend für ihren Einsatz ist, dass sie eine zuverlässige, klinisch nachgewiesene Wirksamkeit besitzen.

ANZEIGE

Evidenzbasierte Phytotherapie in der Frauenheilkunde

  • Content Hub

Ein Drittel aller menstruierender Frauen hat mit prämenstruellen Beschwerden zu kämpfen. Um Symptome, wie sie beim PMS auftreten, nicht nur symptomatisch zu therapieren, können pflanzliche Präparate mit Mönchspfefferextrakt nachhaltig helfen. Erfahren Sie mehr zur Studienlage und dem Wirkmechanismus.

Bionorica SE

Passend zum Thema

ANZEIGE

Differenziertes Kreislaufmanagement – Herzfrequenz und Kreislauf gezielt stabilisieren

Kritisch kranke Patienten mit hämodynamischer Instabilität stellen besondere Anforderungen an das Kreislaufmanagement. Während beim septischen Schock gezielte Vasopressor-Therapie im Vordergrund stehen, ist bei supraventrikulären Tachykardien ein kontrolliertes Frequenzmanagement entscheidend. Zwei bewährte Strategien – differenziert angewendet.

AOP Health
ANZEIGE

Der kritisch kranke Patient – Frequenz und Blutdruck kontrollieren

Hämodynamische Instabilität ist häufig und prognostisch ungünstig. Kurzwirksame Betablocker ermöglichen eine kontrollierte Frequenzsenkung bei Tachykardien. Im septischen Schock steht hingegen der gezielte Einsatz vasoaktiver Substanzen zur Kreislaufstabilisierung im Vordergrund.

ANZEIGE

Akutsituation Vorhofflimmern

Betablocker sind ein unverzichtbares Tool auf jeder Intensivstation. Ultrakurzwirksame, kardioselektive Substanzen ermöglichen selbst bei reduzierter linksventrikulärer Ejektionsfraktion eine effektive Frequenzkontrolle mit begrenztem Einfluss auf den Blutdruck.

Bildnachweise
Urinbecher und Urinanalyse-Streifen/© RHJ / Stock.adobe.com, Petrischalte mit Bakterienkultur/© Arif Biswas | AdobeStock, Arzt hält Schild mit Aufschrift "Aktualisierte HWI-Leitlinie"/© Bionorica SE, Schild mit Phytotherapie neben Blumen/© Sonja Birkelbach / stock.adobe.com und 大出正一 / stock.adobe.com, Pflanzenzweige in Reagenzgläsern/© chokniti | Adobe Stock, Teaserbild AOP CH/© AOP Health Group, Grafik eines Schalters, der gedreht wird. Overlay mit der Schrift "ICU" und einem Intensivpatienten/© AOP Health, Grafik von einem menschlichen Herzen mit Visualisierung des Herzschlags im Hintergrund/© AOP Health