Hirnstamminfarkte – gezielte Diagnostik als Schlüssel für die Akutbehandlung
- Open Access
- 07.03.2025
- Hirnstamminfarkt
- CME Zertifizierte Fortbildung
Zusammenfassung
Lernziele
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sind Ihnen die grundlegende Anatomie und Physiologie des Hirnstamms geläufig,
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können Sie die klinischen Symptome von Hirnstammläsionen anatomisch zuordnen,
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können Sie die verschiedenen Ursachen für Hirnstammsymptome – ischämisch, hämorrhagisch, entzündlich, neoplastisch – erkennen und differenzieren, um die geeignete Therapie rasch einzuleiten
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kennen Sie die diagnostischen Schritte bei Verdacht auf Hirnstamminfarkt, einschließlich Bildgebung und Liquordiagnostik, sowie die Akuttherapien, wie Thrombolyse und endovaskuläre Therapie,
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können Sie die Langzeitprognose von Patienten mit Hirnstammläsionen und die Bedeutung einer frühzeitigen Rehabilitation zur Minimierung von Defiziten einschätzen.
Hintergrund
Einführung
Anatomie des Hirnstamms
Hirnstammsyndroma | Betroffene Strukturen | Klinische Befunde | Bemerkungen |
|---|---|---|---|
Claude-Syndrom | Dorsale Abschnitte des Mittelhirns | Ipsilaterale Okulomotoriusparese | Ggf. zusätzlicher Tremor kontralateral |
Kontralaterale Extremitätenataxie | |||
Nothnagel-Syndrom | Dorsale Abschnitte des Mesenzephalons | Ipsilaterale Okulomotoriusparese | Ggf. auch bilaterale Okulomotoriusparese |
Variabel: ipsilaterale Extremitätenataxie | |||
Weber-Syndrom | Ventrale Abschnitte des Mesenzephalons | Ipsilaterale Okulomotoriusparese | – |
Kontralaterale Hemiparese | |||
Benedikt-Syndrom | Paramediane Abschnitte des Mesenzephalons | Ipsilaterale Okulomotoriusparese | Tremor/Chorea bedingt durch Läsion des N. ruber |
Kontralaterale Chorea oder Tremor | |||
Parinaud-Syndrom (sog. dorsales Mittelhirnsyndrom) | Dorsale Abschnitte des Mesenzephalons | Vertikale Blickparese („upgaze“ ≫ „downgaze“) | – |
Konvergenzspasmus oder Parese | |||
Licht-Nah-Dissoziation der Pupillen | |||
Lidretraktion | |||
„Square-wave jerks“ | |||
Konvergenz-Retraktions-Nystagmus | |||
„Skew deviation“ | |||
Foville-Syndrom | Dorsale mediale Abschnitte des kaudalen Pons | Ipsilaterale Fazialisparese | Variable klinische Präsentation |
Ipsilaterale Abduzensparese/horizontale Blickparese | |||
Kontralaterale Extremitätenataxie | |||
Kontralaterale Hemiparese | |||
Variabel zusätzlich ipsilateral Horner-Syndrom, Hörminderung, Hypästhesie im Gesicht und Geschmacksstörung | |||
Millard-Gubler-Syndrom | Paramediane Abschnitte des Pons | Ipsilaterale Abduzensparese | Umschriebenere Läsion im Vergleich zum Foville-Syndrom |
Ipsilaterale Fazialisparese | |||
Kontralaterale Hemiparese | |||
Locked-in-Syndrom | Ventraler Pons, kaudales, ventrales Mesenzephalon | Tetraplegie | Erhaltenes Bewusstsein, Sprachverständnis, Orientierung, Gehör, Blinzeln und vertikale Augenbewegungen |
Bulbäre Paralyse | |||
Apnoe/Schädigung des Atemzentrums | |||
Hirnnervenparesen III–VII und IX–XII | |||
Schwindel | |||
(Dorso-)laterales medulläres Syndrom (Wallenberg-Syndrom) | Laterale und dorsale Abschnitte der Medulla oblongata | Ipsilateral eingeschränktes Temperatur- und Schmerzempfinden im Gesicht und kontralateral der Extremitäten/Rumpf | Extremitätenparesen gehören nicht zum Bild eines Wallenberg-Syndroms |
Ipsilaterale Hemiataxie | |||
Ipsilaterales Horner-Syndrom | |||
Ipsilaterales Kulissenphänomen und fehlender Würgreflex | |||
Ipsilateral Geschmacksstörung | |||
Dysphagie, heisere Stimme, Schluckauf | |||
Spontannystagmus (horizontal-torsionell, vertikal, Blickrichtungsnystagmus) | |||
Ipsilaterale okulare Lateropulsion | |||
Mediales medulläres Syndrom (Déjérine-Syndrom) | Paramediane Abschnitte der Medulla oblongata | Kontralaterale Arm- und Beinschwäche | – |
Kontralateral vermindertes Berührungsempfinden, Vibration und Lagesinn | |||
Ipsilaterale Hypoglossusparese | |||
Spontannystagmus (meist Upbeat-Nystagmus) |
Verschiedene Hirnstammsyndrome – charakteristische Befunde bei Ischämien
Akutdiagnostik und -therapie bei Verdacht auf Hirnstamminfarkt, Sekundärprävention
Akutdiagnostik
Akuttherapie
Ursachenabklärung und Sekundärprophylaxe
Prognose
Ausblick
Fazit für die Praxis
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Hirnstammsyndrome können aufgrund der hohen Faser- und Nervenkerndichte bereits durch kleine Läsionen verursacht werden.
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Aufgrund der komplexen Klinik stellen Hirnstammsyndrome eine Herausforderung an die Erstversorgenden dar.
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Hirnstammsyndrome erfordern eine rasche diagnostische Einordnung und Therapie.
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Im Fall ischämischer Insulte bilden die i.v. Thrombolyse und die endovaskuläre Therapie grundlegende Behandlungsoptionen und machen eine Überwachung auf einer Stroke-Unit/in einem „stroke center“ unerlässlich.