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In den letzten 4 Jahren sind in Ländern, wie Arizona (USA), Indien, Saudi-Arabien, Australien und Britisch-Kolumbien (Kanada), extreme lange Hitzewellen von 40 °C und mehr aufgetreten. Die Dauer betrug zwischen 14 Tagen in Kanada und länger als 3 Monate in Arizona. Der „Hitzedom“ („heat dome“) in der Region Vancouver zeigt, dass ähnliche Ereignisse in unseren Breitengraden auftreten können; diese sind in den Planungen in Deutschland noch nicht ausreichend berücksichtigt.
Methoden
Bislang liegen lediglich Peer-Reviewed-Daten aus Kanada vor; andere Ereignisse wurden noch nicht umfassend aufgearbeitet. Bei der Recherche wurde auf Regierungsinformationen und andere amtliche Quellen zurückgegriffen. Ziel ist es, Bereiche, die im bisherigen Diskurs in Deutschland unzureichend berücksichtigt wurden, zu identifizieren.
Ergebnisse
Es wurden Maßnahmen erkannt, die bislang in Deutschland nicht oder kaum berücksichtigt werden, wie die Einrichtung von Krisenstäben, die Vorplanung einer Kommunikationsstrategie sowie eine Festlegung der Zuständigkeiten für Maßnahmen wie Beschäftigungsverbote im Außenbereich, Evakuierung und Urlaubseinschränkungen von Beschäftigten im Gesundheitswesen. Extreme Hitzeereignisse sind als Naturkatastrophen zu definieren, um diese Maßnahmen veranlassen zu können. Viele der Aktionen, die jetzt auf freiwilliger Basis geplant werden, müssten dann verbindlich und – falls nötig – per Verordnung erfolgen.
Schlussfolgerung
Die Planung von Maßnahmen bei extremen Hitzeereignissen muss in Deutschland vielerorts noch erarbeitet werden. In den 25 veröffentlichten Hitzeaktionsplänen werden sie nicht erwähnt. Viele Regionen sind nicht angemessen vorbereitet. Es geht um die Verhinderung Zehntausender Todesfälle, die bei einem solchen Ereignis auftreten könnten.
Der Verlag bleibt in Hinblick auf geografische Zuordnungen und Gebietsbezeichnungen in veröffentlichten Karten und Institutsadressen neutral.
AOK BW
Allgemeine Ortskrankenkasse Baden-Württemberg
BBK
Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe
BIÖG
Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit
BMBF
Bundesministerium für Bildung und Forschung
BMG
Bundesministerium für Gesundheit
BSI
Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik
CDC
Centers for Disease Control and Prevention
DWD
Deutscher Wetterdienst
GKV
Gesetzliche Krankenversicherung
HAP
Hitzeaktionsplan
KLUG e. V.
Deutsche Allianz Klimawandel und Gesundheit
ÖGD
Öffentlicher Gesundheitsdienst
RKI
Robert Koch-Institut
SPV
Soziale Pflegeversicherung
Wie bereitet man sich als Land auf etwas vor, was es so noch nie gab? Wie reagiert man darauf, dass die zuständigen Ansprechpartner meist wegschauen und den Sachverhalt ignorieren?
Weniger als 20 % der deutschen Bevölkerung halten derzeit den Klimawandel und die damit verbundenen Probleme für ein prioritäres Thema. Migration und wirtschaftliche Fehlentwicklungen überdecken das Thema, selbst wenn die Probleme oft eng mit Klimafragen verbunden sind. Der Sommer 2003 mit geschätzten 7600 Toten [1] in Deutschland war nur für wenige Menschen in Deutschland ein Weckruf. In Deutschland blieben das Umweltbundesamt und der DWD einsame Rufer in der „Wüste“. Die in den 1990er-Jahren durchgeführten, vom BMBF finanzierten Forschungsverbünde „Klimazwei“ und „Klimzug“ erzeugten keine nachhaltige Wirkung. Es dauerte mehr als 10 Jahre, bis das Thema im gesellschaftlichen, im medizinischen und im politischen Diskurs ankam. Hitzeaktionspläne waren vor 10 Jahren in den Ländern und Kommunen unbekannt. Derzeit liegen etwa 25 HAP vor (Abb. 1). Diese enthalten jedoch wenige oder keine Angaben zum Umgang mit extremen Hitzeereignissen.
Abb. 1
Übersicht der Standorte mit vorhandenen Hitzeaktionspläne in Deutschland (Stand Feb. 2025). In NRW werden Hitzeaktionspläne gefördert
Neue Projektförderungen des BMG und des BMBF entstanden kurz vor der Pandemie. Das RKI war für die Gesundheitsberichterstattung zu diesem Thema bis vor einigen Jahren gar nicht „zuständig“. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung – jetzt BIÖG – erhielt erst vor wenigen Jahren den Auftrag, zum Thema Hitze zu informieren. Obwohl Deutschland das Sendai Rahmenwerk für Katastrophenvorsorge 2015–2030 der UN unterzeichnet hat, werden extreme Hitzewellen (Infobox) weiterhin nicht als Katastrophen betrachtet; organisatorisch würde für eine angemessene Vorbereitung ein BSI-Standard 100‑4 benötigt. Das Hitzewarnsystem des DWD als einer der wichtigen Akteure in der Kommunikation leistete einen sehr wichtigen Beitrag.
Infobox Besonderheiten des Managements einer extremen Hitzewelle
Etablierung eines Krisenstabs
Klärung der Kompetenzen und Rollen
Kriterien des Ausrufens des Krisenfalls bzw. der besonderen Gefahrenlage
Vorbereitung der Notaufnahmen auf Hitzeschlagpatienten
Kommunikationsstrategie mit Massenmedien und Social Media
Mobile Einsatzteams für besonders gefährdete Personen
Aktivierung der geschulten Laieneinsatzhelfer der Hilfsorganisationen
Planung von Evakuierungen in Hitzeinseln
Beschäftigungsverbote für planbare Außentätigkeiten
Urlaubssperren und Urlaubsabbruch im Gesundheitswesen
Die katastrophale Hitzewelle in Russland 2010 wurde in Deutschland kaum wahrgenommen. Die extremen Hitzeereignisse in Indien [2], Australien [3], den südlichen Bundesstaaten der USA wurden zwar medial in Deutschland registriert, aber kaum weiter analysiert. Auch die dramatischen Ereignisse während der Hadjdj 2024 in Mekka mit mehr als 1000 Toten in kurzer Zeit [4] wurden nicht im Zusammenhang mit möglichen katastrophalen Episoden in Deutschland erkannt. Ebenso wurde die extreme Hitzeperiode im Mittelmeerraum 2023 als regionales Problem in Südeuropa betrachtet.
Der persönliche Weckruf nach 2003, 2010 und 2015 war die extreme Hitzebelastung in Britisch-Kolumbien, Kanada, im Sommer 2021 [5]. Jedem Europäer, der Vancouver im Sommer besucht, ist bekannt, dass es dort zu dieser Zeit eher skandinavisch kühl ist. Temperaturen von mehr als 30 °C sind die absolute Ausnahme. Auf dem Globus sieht man, dass Vancouver auf demselben Breitengrad wie Frankfurt, Mainz und Wiesbaden liegt. Ende Juni 2021 traten fast 2 Wochen lang Temperaturen von 45 °C und mehr auf. Die Spitzenwerte betrugen 49 °C. Dies hatte katastrophale Belastungen der Natur, der vulnerablen Personengruppen und der Tierwelt zur Folge. Auch bei diesem Ereignis erkannten die meisten medizinisch und politisch Verantwortlichen in Deutschland keine Analogie. Der Ehrlichkeit halber muss erwähnt werden, dass in der Zeit der Pandemie vermutlich kein medialer Raum hierfür vorhanden war.
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Das Thema „Hitzedom“ („heat dome“) spielt im Klimadiskurs selbst bei engagierten Gerontologen und Geriatern fast keine Rolle. Extreme Klimaereignisse wie sintflutartiger Starkregen, extreme Dürre, Orkan und Hitzeereignisse, wie ein Hitzedom, bedürfen aber der mehrmonatigen, eher sogar der mehrjährigen Vorbereitung, da die hiermit verbundenen Handlungen nicht in wenigen Tagen oder Wochen umgesetzt werden können. Ein Hitzedom ohne Vorbereitung kann zu mehreren Zehntausend Todesfällen in wenigen Tagen führen und muss zumindest in Regionen wie dem Rheintal, der Kölner Bucht, den Metropolregionen wie München, Stuttgart, Dresden, Berlin, Frankfurt und dem Ruhrgebiet von Krisenstäben vorbereitet werden.
Ein Hitzedom ist ein meteorologisches Phänomen, bei dem eine starke Hochdruckzone in der Atmosphäre eine „Kuppel“, die die Hitze über einem bestimmten Gebiet einschließt, bildet. Dies geht mit lang anhaltenden und extrem hohen Lufttemperaturen, oft verbunden mit Trockenheit, einher. Das starke Hochdruckgebiet setzt sich in der Atmosphäre fest und bewegt sich nur langsam oder gar nicht. Im Zentrum des Hochdruckgebiets sinkt die Luft ab, was eine Erwärmung zur Folge hat. Da die absteigende Luft die Bildung von Wolken hemmt, bleibt die Sonne ungehindert und heizt die Erdoberfläche weiter auf. Die warme Luft wird durch das Hochdruckgebiet „eingefangen“ und kann nicht entweichen, ähnlich wie in einem Treibhaus. Hieraus entstehen über Tage oder Wochen hinweg anhaltende hohe Temperaturen, oft weit über den Durchschnittswerten. Die Verdunstung erhöht sich, was zu Trockenheit und Wassermangel führt. Hitzewellen können Hitzschläge, Dehydratation und andere Gesundheitsprobleme auslösen. Die Trockenheit begünstigt die Entstehung und Ausbreitung von Waldbränden. Das bekannteste Beispiel trat im Sommer 2021 im Westen Nordamerikas auf, dort erreichten Lufttemperaturen in Teilen Kanadas und der USA Rekordwerte von über 49 °C (120 °F).
Im vorliegenden Beitrag wird beschrieben, welche Maßnahmen nötig sind, um die gravierenden Folgen eines Hitzedoms zu verhindern bzw. zu reduzieren. Wir verzichten auf die Wiederholungen von Maßnahmen, die bei Hitzewellen mit Lufttemperaturen unter 38 °C sinnvoll sind.
Methoden
Die Ergebnisdarstellung beginnt mit den Analysen der Hitzekatastrophe 2021 in Britisch-Kolumbien und Griechenland [6, 7], die danach durch die Ergebnisse anderer Regionen ergänzt wird. Ein weiterer Teil der Ereignisse (Indien, Saudi-Arabien, China und USA) hat sich 2024 ereignet; da viele diesbezügliche Publikationen hierzu erst noch erscheinen werden, war eine systematische Literaturrecherche noch nicht möglich,. Hier wurden Quellen aus Regierungsmitteilungen und regierungsnahen Organisationen wie den CDC verwandt. Es wurden ein narratives Review und eine erweiterte Recherche in PubMed durchgeführt. Die Berichterstattung der Lancet Climate Commission [8] wurde gesondert berücksichtigt. Es wurde eine Sichtung der folgenden deutschen Webseiten vorgenommen: BMG, BBK, BIÖG, RKI, DWD, KLUG, AOK BW. Dies erfolgte zuletzt im Januar 2025 mit dem Ziel, geplante und erforderliche Maßnahmen einander gegenüberzustellen. Die Rechercheergebnisse wurde ergänzt durch die aktuelle Stellungnahme des RKI und anderer Akteure [9].
Ergebnisse
Die Region Westkanada und die Stadt Vancouver haben ihre Notfallpläne für extreme Wetterereignisse nach der Hitzewelle im Sommer 2021 deutlich überarbeitet [10]. Insbesondere wurde die Wichtigkeit einer schnelleren und gezielteren Reaktion auf Hitzewellen hervorgehoben [10]. Folgende Personengruppen wurden als besonders vulnerabel erkannt und oft nicht sicher erreicht [5]: ältere Menschen, Personen mit chronischen somatischen und psychiatrischen bzw. psychischen Erkrankungen, Säuglinge und Kleinkinder, Schwangere, Personen, die im Freien arbeiten oder körperlich trainieren sowie v. a. Obdachlose und generell einkommensschwache Haushalte. Als unzureichend wurde z. B. die Kennzeichnung von gekühlten Gebäuden für gefährdete Personen beschrieben [11].
Mittelfristig werden noch andere Ziele der Klimaanpassungsstrategie hervorgehoben, wie die Reduzierung von städtischen „Wärmeinseln“, d. h. Gebieten, die aufgrund von versiegelten Oberflächen und wenig Vegetation mehr Wärme speichern, sowie die Förderung von grünen Infrastrukturen wie Bäumen und Dachgärten, um die Temperaturen in Siedlungsräumen zu senken. Diese Maßnahmen werden auch von chinesischen Autoren hervorgehoben [12].
Die Behörden haben seitdem ihre Hitzewarnsysteme verbessert, um die Bevölkerung besser auf extreme Hitzebedingungen vorzubereiten [7]. Dies umfasst nicht nur die rechtzeitige Information über bevorstehende Hitzewellen, sondern auch eine verstärkte Kommunikation von Gesundheitsempfehlungen, insbesondere für gefährdete Gruppen.
Zudem sollen Maßnahmen verbessert werden, um besonders vulnerable Bevölkerungsgruppen, wie Obdachlose oder einkommensschwache Haushalte (fehlende Luftkühlung, schlechte Wohnbedingungen), besser zu schützen.
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Die extreme Belastung des Stromnetzes während der Hitzewelle hat dazu geführt, dass die Stadt und Provinz ihre Energieinfrastruktur überprüft und anpasst [13]. Dies umfasst die Verbesserung der Widerstandsfähigkeit des Stromnetzes bei extremen Temperaturen und die Förderung von energieeffizienten Bauweisen, die in heißeren Sommern den Temperaturen besser standhalten.
Es werden auch Maßnahmen auf individueller Ebene, die unzureichend umgesetzt wurden, angezeigt. Hervorgehoben werden der „medication review“ und eine vermehrte Flüssigkeitsaufnahme, besonders bei Menschen, die wenig oder kein Durstgefühl haben. Empfohlen wird zukünftig auch kühles Abduschen, wenn möglich mehrfach am Tag.
Die Hilfe und Unterstützung vulnerabler Gruppen wurden hervorgehoben. Familienangehörige, Freunde und Nachbarn („buddies“) sollten früher und gezielter um Hilfe gebeten werden, und die Hilfe sollte am besten im Frühjahr organisiert werden. Weitere Hinweise kommen aus den USA [14]. Dort wird nach Zwischenfällen hervorgehoben, dass Kinder oder Tiere nie allein im Auto zurückgelassen werden sollten. Es wird zu Recht betont, sich überwiegend in verschatteten Räumen aufzuhalten und Räume sehr früh am Morgen zu belüften. Lockere, leichte und helle Kleidung sollte getragen und außerhalb des Hauses Sonnenschutzcreme benutzt werden. Dies betrifft v. a. vulnerable Gruppen und sollte in der öffentlichen Kommunikation wiederholt empfohlen werden. Hierzu gehört auch der Ratschlag, nur die frühen Morgenstunden und den späteren Abend für unverzichtbare außerhäusliche Aktivitäten zu nutzen sowie bei extremer Hitze auf außerhäusliche Aktivitäten zu verzichten. Obwohl viele potenziell gefährdete Personen dies auch ohne Empfehlung automatisch umsetzen, wurden weiter Fälle von „unvernünftigem“ der Hitze nichtangepasstem Verhalten dokumentiert.
Wichtige weitere Hinweis kommen aus Australien [3]. Hierzu gehören Maßnahmen für die Ausübenden extrem exponierter Berufe, die Hitzeexposition nicht vermeiden können (z. B. Reparaturmaßnahmen bei Hochspannungsleitungen während Hitzewellen). Hierfür wurden Kühlwesten und Kopfbedeckungen, die einen ein- bis zweistündigen Aufenthalt ermöglichen, entwickelt und getestet. Es gibt verschiedene Maßnahmen, die bei extremer Hitze oder zum Umgang mit extremer Hitze hilfreich sein könnten. Studien, die untersuchen, wie sich „First-Nation“-Bewohner in Australien bei extremer Hitze verhalten, wurden begonnen.
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Die Analyse der Hitzewelle in Saudi-Arabien im Sommer 2024, die zu weit mehr als 1000 Todesfällen in wenigen Tagen in Mekka geführt hat, ist noch unvollständig und nicht abgeschlossen. Es ist aber offenkundig, dass dieses Ereignis lange absehbar war. In der Zeitschrift Lancet wurde wiederholt ein Szenario beschrieben [15], dass 2024 eingetreten ist. Die Behörden waren hierauf unzureichend vorbereitet. Es war klar, dass die thermische Belastung 2024 mit extremen Problemen einhergehen wird. Die Pilger wurden extremen Belastungen ausgesetzt. Früherkennungsmaßnahmen eines drohenden Hitzekollapses oder Hitzeschlags wurden nicht systematisch durchgeführt.
Diskussion der Konsequenzen für Deutschland
Eine aktuelle Übersicht aus regierungsnahen Organisationen wurde vom RKI zusammengestellt [9]. Extreme Hitzeperioden werden darin nicht diskutiert. Wichtigste Unterschiede zu den bisherigen Hitzewellen und einem „Hitzedom“ sind die Skalierbarkeit der Maßnahmen, die Adhärenz und die Umsetzung („uptake“). Hierfür stehen meist nur wenige Tage zur Verfügung. Für einige der Maßnahmen (u. a. Arbeitsverbote, Urlaubssperren) benötigt es andere Entscheidungswege, die derzeit nicht vorgesehen sind (u. a. Regierungspräsidien, Katastrophenschutz, Krisenstäbe). Die Vorbereitungen, die in einigen Regionen zumindest diskutiert werden (z. B. Landeshauptstadt Stuttgart oder Ruhrgebiet), benötigen mehrere Monate.
Die meisten Maßnahmen im ambulanten Bereich der ärztlichen und pflegerischen Versorgung sind bekannt, werden aber nicht strukturiert umgesetzt. Mithilfe eines „climate medication review“ sollte bereits am Beginn jeder Hitzewelle die Dauermedikation auf potenziell dehydrierende Medikamente überprüft werden. Die Medikamente müssen je nach Möglichkeit angepasst oder pausiert werden. Bei guter Vorbereitung kann eine derartige Maßnahme bereits „präemptiv“ in Medikationsplänen vermerkt werden. Zum Monitoring des Flüssigkeitshaushalts sollten tägliches Wiegen und eine Messung der Körpertemperatur erfolgen. Die frühzeitige Planung, wer verlässlich Hilfe leisten kann, findet ebenfalls kaum statt. Bei Patienten, die von einem Pflegedienst betreut werden, könnten über zusätzliche Verordnungen weitere Leistungen abgestimmt werden. Es gibt in Deutschland bislang keinen Datenabgleich der GKV und SPV. Den Hausärzten ist nicht immer bekannt, wer Leistungen der SPV bezieht, dies wäre aber ein relativ einfacher Weg, Risikopersonen im eigenen Kollektiv zu identifizieren. Die Einbeziehung des Ehrenamts für Besuchsdienste ist von besonderer Bedeutung. Dies geht aber nur, wenn Hitze als Naturkatastrophenfall definiert ist (oder zumindest eine besondere Gefahrenlage ausgerufen wird). Als Notlösung können Maßnahmen zur Raumkühlung installiert werden oder besser beim Umbau Wärmepumpen mit einer Kühlmöglichkeit eingebaut werden. Gekühlte Räume im jeweiligen Stadtteil sollten gekennzeichnet werden. Bei unvermeidbarer Hitzeexposition sollten Kühlwesten und gekühlte Kopfbedeckungen getragen werden.
Krankenhäuser sollten „Heat-stroke-clinic“-Konzepte entwickeln und Schulungen zur Optimierung der Kühlungen durchführen. Interessant kann das Monitoring der Körperkerntemperatur mit Wearables sein, um eine frühzeitige Heat-stroke-Konstellation zur erkennen [16].
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Vertrauenswürdige Organisationen wie das BIGÖ sollten nicht nur klassische Informationen, sondern auch verstärkt Social-Media-Ansätze verfolgen, um jüngere Zielgruppen zu erreichen. Es sollte eine Abstimmung mit den öffentlich-rechtlichen Medien erfolgen, wie bei Extremereignissen informiert wird, um eine angemessene Informationsweitergabe zu ermöglichen und ein „overalerting“ zu vermeiden. Für diese Ereignisse sollten Beiträge vorproduziert werden. Krankenkassen und Pflegekassen sollten ihre Versicherten und Mitglieder vorab informieren.
Das BMG mit den Unterbehörden RKI und BIGÖ sollten mit dem Umweltbundesamt, dem DWD und den Landesbehörden besser abgestimmte HAP und Hitzeschutzpläne vorhalten. Diese müssen auch mit den Regierungspräsidien und dem Innenministerium abgestimmt werden. Eine koordinierte Abstimmung mit dem ÖGD muss zeitnah erfolgen. Auf lokaler Ebene müssen Arbeitsgruppen eingerichtet werden, um die Zuständigkeiten im Vorfeld von Hitzeereignissen festzulegen und auch die nichtweisungsgebundenen Organisationen (z. B. freigemeinnützige Träger) in den Prozess zu integrieren. Ähnlich anderer Katastrophenfälle müssen Krisenstäbe eingesetzt werden, die bei extrem hohen und lang anhaltenden Hitzebelastungen entsprechende Maßnahmen veranlassen (z. B. Bereitstellung von klimatisierten Aufenthaltsräumen). In der aktuellen VDI(Verein Deutscher Ingenieure e.V.)-Expertenempfehlung [17] wird erstmals ein Vorschlag für eine gestufte Maßnahmenplanung in Abhängigkeit von der Dauer und Höhe der thermischen Belastung nach dem amtlichen Warnkonzept des DWD vorgestellt. Die Aktivierung des Krisenstabs wird bei der DWD-Warnstufe II (extreme Wärmebelastung) bei einer Hitzeepisode >2 Tagen empfohlen.
Weitere Bereiche, die mitgeplant werden müssen, sind die Energieversorgung, Beschäftigungsverbote in Bau- und Landwirtschaft, Warnhinweise für bestimmte Bereiche wie Militär und Arbeitsbereiche mit schwerer körperlicher Aktivität. Dies betrifft auch die Bereiche Tourismus und Erholung sowie Breiten- und Leistungssport. Zu den regionalen Aufgaben gehört die Prüfung von Evakuierungsmaßnahmen für bestimmte Personengruppen. Ein Echtzeit-Monitoring durch das RKI unter Beteiligung aller Akteure sollte erfolgen.
Jede Gemeinde und Region sollte festlegen, was im Fall einer Hitzekatastrophe gemacht werden sollte, wer dies machen muss, und wie dies umgesetzt werden soll.
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Resümee
Die Vorbereitung für einen Hitzedom müssen primärpräventiv und nicht sekundärpräventiv erfolgen. Vor allem die Gerontologie und Geriatrie sind gefordert, den öffentlichen Diskurs mitzugestalten. Die HAP müssen weiterentwickelt werden und die genannten Szenarien explizit enthalten.
Fazit für die Praxis
Vorbereitungen auf einen Hitzedom müssen mit einem Vorlauf von mehreren Monaten erfolgen.
Gerontologie und Geriatrie sind gefordert, die öffentliche Debatte mitzugestalten.
Die Hitzeaktionspläne müssen weiterentwickelt werden.
Extreme Krisenszenarien müssen explizit aufgeführt werden.
In den Ballungszentren müssen zentrale Notaufnahmen auf die Versorgung von vielen Patienten mit Hitzeschlag vorbereitet sein.
Die Regierungspräsidien müssen Verordnungen vorbereiten, die Zwangsmaßnahmen wie Beschäftigungsverbote, Urlaubssperren und Evakuierungen beinhalten.
In Zusammenarbeit mit den Massenmedien und Social-Media-Kanälen müssen Kommunikationsstrategien vorgeplant werden.
Ein Datenabgleich der GKV und SPV ist nötig, um Risikopersonen einfach zu erfassen.
Einhaltung ethischer Richtlinien
Interessenkonflikt
C. Becker, T. Griebe und C. Weingart geben an, dass kein Interessenkonflikt besteht.
Für diesen Beitrag wurden von den Autor/-innen keine Studien an Menschen oder Tieren durchgeführt. Für die aufgeführten Studien gelten die jeweils dort angegebenen ethischen Richtlinien.
Hinweis des Verlags
Der Verlag bleibt in Hinblick auf geografische Zuordnungen und Gebietsbezeichnungen in veröffentlichten Karten und Institutsadressen neutral.
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