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Mit den jüngsten Ergebnissen großer Phase-III-Studien rücken immunonkologische Konzepte in den Fokus der kurativen Behandlung lokal fortgeschrittener Plattenepithelkarzinome des Kopf-Hals-Bereichs (LA-HNSCC). Insbesondere die perioperative Immuntherapie, also die Kombination aus neoadjuvanter und adjuvanter Gabe eines Immuncheckpointinhibitors, hat sich als vielversprechender Ansatz zur Verbesserung des ereignisfreien Überlebens etabliert. Im vorliegenden Artikel werden aktuelle Strategien der neoadjuvanten Therapie vorgestellt und systematisch die neoadjuvante mit der rein adjuvanten Immuntherapie im kurativen Setting des HNSCC verglichen sowie die aktuellen Daten der KEYNOTE-689-Studie (perioperatives Pembrolizumab) denen der NIVOPOSTOP-Studie (adjuvantes Nivolumab) gegenübergestellt. Ziel des Beitrags ist es, eine Orientierung zu bieten, welche immunonkologischen Strategien in der Behandlung von HNSCC zur Verfügung stehen und welche Fragen durch zukünftige Studien geklärt werden müssen.
Der Verlag bleibt in Hinblick auf geografische Zuordnungen und Gebietsbezeichnungen in veröffentlichten Karten und Institutsadressen neutral.
Lernziele
Die Lernziele können Ihnen helfen, die wesentlichen Inhalte des Artikels zu verinnerlichen und direkt in Ihre klinische Praxis zu integrieren, um die Behandlungsqualität und die Ergebnisse für Ihre Patienten zu verbessern. Nach Lektüre dieses Beitrags …
können Sie neoadjuvante und perioperative Therapiekonzepte bei Kopf-Hals-Tumoren benennen und deren Ziele aufführen,
sind Sie in der Lagen, Schlüsse aus aktuellen klinischen Studien zur Wirksamkeit und Sicherheit neoadjuvanter Behandlungen zu ziehen,
ist es Ihnen möglich, die Risiken und Vorteile neoadjuvanter Therapien in der multimodalen Behandlung von Kopf-Hals-Tumoren zu beurteilen,
können Sie Limitationen und Herausforderungen der Immuntherapie aufzeigen.
Vergleich neuer Therapieansätze
Die Behandlung von Kopf-Hals-Tumoren stellt aufgrund einer heterogenen Tumorbiologie sowie einer komplexen Anatomie und Vielzahl funktioneller Strukturen eine besondere Herausforderung dar. Neue Studienergebnisse der Phase-III-Studie KEYNOTE-689 (perioperatives Pembrolizumab) und der NIVOPOSTOP-Studie (adjuvantes Nivolumab) zur Immuntherapie im kurativen Setting rücken nun die Immuntherapie als weitere Säule der multimodalen Therapie in den Fokus.
Besonders im Mittelpunkt stehen die neoadjuvante und adjuvante Gabe von Immuncheckpointinhibitoren (ICI) – sie zielen darauf ab, die Tumorgröße zu reduzieren, die Resektabilität zu verbessern, die lokoregionäre Kontrolle zu verbessern, das Auftreten von Tumorrezidiven jeglicher Art (ereignisfreies Überleben, „event-free survival“, EFS) wie das fernmetastasenfreie Überleben („distant metastasis-free survival“, DMFS) und damit das Gesamtüberleben („overall survival“, OS) zu fördern. Zudem können neoadjuvante Ansätze ggf. die Wirksamkeit nachfolgender Therapien erhöhen und die Gesamtprognose der Patienten verbessern. Ziel dieses Beitrags ist es, neue Therapieansätze vergleichend darzustellen, Studiendesigns, klinische Effekte und chirurgische Konsequenzen zu beleuchten und daraus praxisrelevante Implikationen für die multimodale Behandlung von lokal fortgeschrittenen Kopf-Hals-Plattenepithelkarzinomen (LA-HNSCC) abzuleiten.
Fallbeispiel
Ein 70-jähriger Patient stellt sich mit anhaltender Odynophagie und Dysphagie in der HNO-Klinik vor. Eine Biopsie bestätigte ein Plattenepithelkarzinom des Oropharynx cT2, cN1, cM0, für DNA humaner Papillomaviren (HPV-DNA)/p16 negativ. Radiologisch stellte sich ein ausgedehnter Befund des Zungengrunds mit Mittellinienkontakt und Ausdehnung in die Vallecula dar (Abb. 1).
Abb. 1
Bildgebung der Kurzkasuistik. a T1-MRT-Darstellung des Primärtumors und der Lymphknotenmetastase rechts zervikal; b FDG-PET-CT-Darstellung; c prätherapeutische CT-Darstellung des Primärtumors; d postneoadjuvante CT-Darstellung des Primärtumors nach 2 Zyklen Pembrolizumab. CT Computertomographie, FDG-PET-CT Fluordesoxyglukose-Positronenemissionstomographie-Computertomographie, MRT Magnetresonanztomographie
Der Patient wurde in die KEYNOTE-689-Studie aufgenommen. Gemäß Zufallszuweisung erhielt er neoadjuvant Pembrolizumab (200 mg alle 3 Wochen für 2 Zyklen). Die anschließend durchgeführte Computertomographie(CT)-Bildgebung ergab im radiologischen Befundbericht ein diskretes Therapieansprechen des Primärtumors und etwas größenregrediente Lymphknotenmetastasen.
Anschließend erfolgte die transorale Resektion, die selektive Neck-Dissection Level II–IV beidseits und die Defektdeckung mittels eines mikrovaskulär anastomosierten Radialistransplantats. In der postoperativ durchgeführten histologischen Aufarbeitung des Resektats konnte kein vitales Tumorresiduum mehr nachgewiesen werden, bei einer solitären vitalen Lymphknotenmetastase ipsilateral (ypT0 ypN1 (1/62)). Dem Studienschema folgend erhielt der Patient adjuvant eine Radiotherapie mit simultaner Immuntherapie mit 15 Zyklen Pembrolizumab (200 mg) i.v. alle 3 Wochen.
Bei sonst sehr guter Verträglichkeit entwickelte der Patient ein prurigoformes Ekzem am Oberkörper als Nebenwirkung der Immuntherapie, das sich nach Absetzen des Medikaments wieder zurückbildete. Dieses Fallbeispiel verdeutlicht den Einsatz perioperativer Immuntherapie bei einem auf humane Papillomaviren (HPV) negativen Oropharynxkarzinom.
Kopf-Hals-Tumoren und aktuelle Therapiekonzepte
Kopf-Hals-Tumoren umfassen eine heterogene Gruppe von Malignitäten, die in Regionen wie Mundhöhle, Rachen, Kehlkopf und Nasennebenhöhlen auftreten. Die leitliniengerechte Behandlung dieser Tumoren erfordert eine interdisziplinäre und multimodale Herangehensweise, die Chirurgie, Radiotherapie und Chemotherapie kombiniert. Die Therapieentscheidung beim LA-HNSCC richtet sich nach Tumorstadium, Resektabilität und Patientenfaktoren. Nach wie vor gilt die primäre Operation mit risikoadaptierter adjuvanter Therapie als wesentlicher Standard. Bei Vorliegen von Risikofaktoren wie extranodaler Ausbreitung (ENE) oder R1-Resektion wird gemäß den Leitlinien des National Comprehensive Cancer Network (NCCN) und der European Society for Medical Oncology (ESMO) eine adjuvante Radiochemotherapie mit Cisplatin empfohlen.
In Fällen mit intermediärem Risiko (z. B. Lymphknotenbefall ohne ENE, perineurale Invasion) wird eine adjuvante Radiotherapie durchgeführt. Für primär inoperable Tumoren oder wenn der Organerhalt im Vordergrund steht (z. B. Larynx, Hypopharynx), stellt die definitive Radiochemotherapie mit hochdosiertem Cisplatin (100 mg/m2 alle 3 Wochen [q3w] oder 40 mg/m2 wöchentlich) eine weitere Therapieform dar. Die ESMO empfiehlt hierbei ausdrücklich die 3‑monatlich verabreichte Hochdosis, während die NCCN auch das wöchentliche Schema als akzeptabel ansieht [1, 2].
Bei circa 50 % der Patienten tritt ein Rezidiv auf, wodurch sich die 5‑Jahres-Gesamtüberlebensrate (OS) von etwa 50 %, auf ein 1‑Jahres-OS von 15 % und einem medianen OS von 10–14 Monaten reduziert [3]. Die Behandlung von HNSCC ist allgemein mit zahlreichen Herausforderungen verbunden, die sowohl die therapeutische Planung als auch die Durchführung erheblich erschweren. Eine der zentralen Schwierigkeiten liegt in der komplexen Anatomie dieser Region, im Zusammenspiel des Atemwegs, der Schluckstraße, wichtiger Sinnesorgane und Nerven. Dies erschwert die chirurgische Resektion, erhöht jedoch auch das Risiko von Funktionseinschränkungen durch weitere Therapiemodalitäten, wie beispielsweise postradiogene Sprach- und Schluckstörungen, sowie ästhetischen Beeinträchtigungen [1].
Außerdem ist neben der Heterogenität der verschiedenen Tumorentitäten, v. a. die intratumorale Heterogenität der Tumoren ein bedeutendes Hindernis. Diese Vielfalt in Bezug auf das Tumormikromilieu, molekulare Signaturen sowie metabolische und biologische Differenzen zeigt sich auch in unterschiedlichen Ansprechraten, welche sich in individualisierten Behandlungsansätze widerspiegelt [4, 5].
Die Vielfalt der Risikofaktoren und ätiologischen Hintergründe, wie Tabakkonsum, übermäßiger Alkoholkonsum und zunehmende HPV-Assoziation, trägt zusätzlich zur Komplexität der Behandlung bei. Insbesondere HPV-positive Oropharynxkarzinome weisen ein besseres Ansprechen auf Therapien und eine bessere Prognose auf als HPV-negative Tumoren, was klinische Studien zu neuen deeskalierten Therapiekonzepten eröffnet [6, 7].
Ein weiterer signifikanter Aspekt ist die hohe Behandlungsmorbidität. Die derzeitige multimodale Therapie mit Chemotherapie, Radiotherapie und ausgedehnten chirurgischen Eingriffen geht häufig mit schweren Nebenwirkungen einher, die die Lebensqualität der Patienten stark beeinträchtigen können [8].
Nicht zuletzt führen Resistenzmechanismen und geringe Ansprechraten gegen etablierte Therapien zur Notwendigkeit der Entwicklung neuer Therapieansätze, welche in klinischen Studien etabliert werden.
Die Immuntherapie mit Immuncheckpointinhibitoren ist eine neue Therapieoption, welche jedoch aktuell noch ausschließlich in Stadium des Rezidivs/der Fernmetastasierung zugelassen ist. Wirkmechanismus ist die gezielte Blockade des Programmed-Death-1(PD-1)-Rezeptors auf der Oberfläche von Immunzellen, wodurch die immunsuppressive Interaktion mit Tumorzellen verringert wird. Grundlage für die Zulassung der Immuntherapie war dabei die KEYNOTE-040- und KEYNOTE-048-Studie, in welcher sich ein signifikanter Vorteil im OS zeigte, sowohl in der Subgruppe der Studienteilnehmer mit positiver PD-L1-Expression (Combined Positive Score, CPS: ≥ 1) bei Pembrolizumab-Monotherapie als auch in der Gesamtpopulation bei der Kombination von Pembrolizumab mit Chemotherapie im Vergleich zu Cetuximab plus Chemotherapie (EXTREME-Schema) [9, 10, 11].
Merke
Die Therapie fortgeschrittener HNSCC ist multimodal, Immuntherapie ist Standard in der First-Line-Therapie rezidivierter/fernmetastasierter HNSCC.
Neoadjuvante Therapiestrategien
Neoadjuvante Therapien, also Behandlungen, die vor einer meist chirurgischen Haupttherapie eingesetzt werden, haben sich als wichtiger Pfeiler der Therapie in der Onkologie etabliert, u. a. beim Brust‑, Rektum‑, Ösophagus-, und Blasenkarzinom, sowie beim nichtkleinzelligen Lungenkarzinom (NSCLC) und bei Weichteilsarkomen [12, 13, 14, 15]. Wir unterscheiden hierbei verschiedene Ansätze der neoadjuvanten Chemo‑, Radio‑, Radiochemo‑, Immun‑, Hormontherapie sowie Targeted Therapy [14, 16, 17].
Hierbei bieten neoadjuvante Therapiestrategien potenziell zahleiche Vorteile. Sofern die Patienten auf die Therapie ansprechen, kann eine signifikante Tumorreduktion erzielt werden, was insbesondere in der komplexen anatomischen Region des Kopf-Hals-Bereichs von Vorteil wäre. Durch die Verkleinerung des Tumors könnten chirurgische Eingriffe ggf. weniger ausgedehnt gestaltet werden, wodurch die Erhaltung funktioneller Strukturen ermöglicht würde. Man spricht hierbei auch von Chirurgie in „neuen Grenzen“. Allerdings bergen diese „neuen Grenzen“ auch Risiken der ungenügenden Resektion, da erste Studien zeigen, dass die Wirksamkeit der Immuntherapie sehr heterogen im Lymphknoten und primären Tumorgewebe ist [18, 19]. Konventionelle radiologische Untersuchungen sind hierbei recht ungenau, das Therapieansprechen darzustellen, weshalb Methoden der Liquid Biopsy, aber auch invasive Biopsien im ehemaligen Tumorsitus erforderlich sind [1, 20]. Insgesamt ist die Theorie der Resektion in neuen Grenzen derzeit noch ungenügend beforscht und kann daher klinisch nur in Studien eingesetzt werden. Eine sorgfältige Dokumentation der Primärtumoren vor der Induktionstherapie durch grafische Abbildungen, Fotografien usw. ist verpflichtend, um möglichst exakt die alten Grenzen zu identifizieren.
Auch bieten neoadjuvante Ansätze die Möglichkeit, das Tumormikromilieu zu modulieren, was die Effektivität der Therapie steigern kann und zu einer verbesserten Prognose der Patienten beitragen kann. Dies wird auf mehrere günstigen Faktoren zurückgeführt: Unbehandelte Primärtumoren bieten eine vielfältigere Quelle tumorspezifischer Antigene, die eine systemische T‑Zell-Antwort auslösen können [21, 22, 23]. Gleichzeitig ermöglichen intakte Lymphstrukturen und Blutgefäße den Zustrom funktionaler Immunzellen, und der Aufbau eines effektiven Immungedächtnisses gegen mehrere Antigene hilft dabei, einen postoperativen „Immunescape“ zu verhindern [23, 24]. Anders als die Induktionstherapien mit Chemotherapeutika, können neoadjuvante Konzepte mit Immuntherapien das Langzeitüberleben der Patienten, die mit einer Verkleinerung des Tumors ansprechen, erheblich verlängern [25, 26, 27].
Das ermöglicht eine Patientenstratifizierung durch neoadjuvante Therapien. Bereits das Ansprechen auf die präoperative Therapie erlaubt eine Prognoseeinschätzung und individuelle Anpassung der postoperativen Strategie. Dies ermöglicht eine individualisierte Therapieplanung, die sowohl die Prognose als auch das Nebenwirkungsprofil optimiert (Abb. 2).
Abb. 2
Übersicht über den Therapieablauf bei Kopf-Hals-Tumoren mit neoadjuvanten Therapiekonzepten: Therapieschritte von der Patientenstratifizierung bis zur adjuvanten Therapie
Die multimodale Primärbehandlung lokal fortgeschrittener Kopf-Hals-Plattenepithelkarzinome (LA-HNSCC) steht hierbei aufgrund erst kürzlich veröffentlichter Studienergebnisse vor einem Paradigmenwechsel: Immunonkologische Strategien rücken erstmals auch im kurativen Setting in den klinischen Fokus. Aufbauend auf vielversprechenden Ergebnissen aus frühen Phase-I/II-Studien [18, 26] wurden inzwischen erste große randomisierte Phase-III-Studien bei Kopf-Hals-Tumoren durchgeführt, welche den Stellenwert der neoadjuvanten Immuntherapie beim lokal fortgeschrittenen HNSCC im kurativen Setting untersuchen [28, 29].
Im Folgenden wird der aktuelle Stand der klinischen Datenlage zur neoadjuvanten Immuntherapie beim HNSCC dargestellt – mit besonderem Fokus auf Studiendesign, Wirksamkeit, pathologischem Ansprechen und klinischer Relevanz.
Studien zu neoadjuvanter Immun- und Kombinationstherapie
Die Immuntherapie hat in den letzten Jahren Einzug in die Kopf-Hals-Onkologie gehalten und wurde zunächst im Rezidiv-/fernmetastasierten Setting eingesetzt mit Ansprechraten zwischen 15 und 23 %, je nach Combined Positive Score (CPS) und Studie [30]. Diese Erfolge ebneten den Weg für einen neoadjuvanten Setting. In einer ersten multizentrischen Studie von Uppaluri et al. wurde die neoadjuvante und adjuvante Gabe von Pembrolizumab bei resektablem, HPV-negativem HNSCC untersucht [29]. Es konnte ein gutes Sicherheitsprofil nachgewiesen werden, zudem zeigten einzelne Patienten ein deutliches pathologisches Ansprechen. Wise-Draper et al. bestätigten diese Ergebnisse in einer prospektiven Phase-II-Studie mit neoadjuvantem und adjuvantem Pembrolizumab bei lokal fortgeschrittenem HNSCC [31]. Auch hier fand sich ein akzeptables Sicherheitsprofil, und ein relevanter Anteil der Patienten erreichte ein pathologisches Ansprechen. Ergänzend konnte gezeigt werden, dass vorbestehende tumorresidente T‑Zellen mit zytotoxischem Potenzial mit einem Ansprechen auf neoadjuvantes Anti-PD‑1 assoziiert sind, was den translationalen Stellenwert immunologischer Biomarker in diesem Kontext hervorhebt [28]. Diese Arbeiten sind als wesentliche Vorstudien zur weiteren Entwicklung perioperativer Konzepte wie der KEYNOTE-689-Studie einzuordnen.
Ein weiteres Beispiel für die neoadjuvante Monotherapie war hierbei die CheckMate-358-Studie in welcher die neoadjuvante Anwendung von Nivolumab bei Patienten mit resezierbarem Plattenepithelkarzinom der Mundhöhle, des Pharynx oder des Larynx mit T1 oder größerem T‑Stadium und N1 oder höher untersucht wurde. Es ergab sich ein überzeugendes Sicherheitsprofil, und der Einsatz führte zu einer pathologischen Regression bei 23,5 % der eingeschlossenen HPV-positiven und 5,9 % der HPV-negativen Tumoren [32]. In der IMCISION-Studie, einer Phase-Ib/IIa-Studie, wurden 32 Patienten mit lokal fortgeschrittenem HNSCC neoadjuvant mit 2 Zyklen Immuntherapie behandelt. Im Phase-Ib-Arm A erhielten Patienten Nivolumab als Monotherapie (NIVO MONO), während im COMBO-Arm den Patienten eine Kombination aus Nivolumab und Ipilimumab verabreicht wurde. Die primären Endpunkte, die Durchführung der Resektion bis spätestens Woche 6 und das pathologische Ansprechen des Primärtumors, wurden erreicht, wobei schwerwiegende Nebenwirkungen bei 33 % (NIVO MONO) bzw. 38 % (COMBO) der Patienten auftraten. Eine „major pathological response“ (MPR) wurde in 35 % der COMBO-Patienten (17 % bei NIVO MONO) festgestellt, wobei innerhalb von 24 Monaten kein Rezidiv bei den MPR-Patienten auftrat. Herausragend ist, dass einzelne Läsionen bzw. Metastasen differenziert auf die immuntherapeutische Behandlung reagieren, was auf eine erhebliche intratumorale Heterogenität in der Immunantwort mit therapeutischen Implikationen hindeutet [26, 27].
Die auf diesen Vorstudien basierende Phase-III-Studie KEYNOTE-689 untersuchte die perioperative (neoadjuvante und adjuvante) Anwendung der Immuntherapie bei Patienten mit lokal fortgeschrittenem, resektablem Kopf-Hals-Plattenepithelkarzinom (HNSCC) im Stadium III oder IVa. Mit der Veröffentlichung der Ergebnisse dieser Studie und der darauffolgenden FDA-Zulassung im Juni 2025 hat die Immuntherapie nun erstmals Einzug in das kurative Behandlungskonzept des HNSCC gehalten. Das Therapieschema, bestehend aus einer perioperativen Therapie mit dem PD-1-Inhibitor Pembrolizumab – 2 Zyklen vor der Operation und 3 weitere adjuvante Zyklen in Kombination mit einer Radio(chemo)therapie sowie anschließender Erhaltungstherapie – bewirkte eine Verbesserung des ereignisfreien Überlebens („event-free survival“, EFS) im Vergleich zur bisherigen Standardtherapie. Letztere bestand aus chirurgischer Tumorresektion mit nachfolgender risikoadaptierter Radio(chemo)therapie ohne Immuntherapie.
Insgesamt wurden 714 Patienten mit resektablem LA-HNSCC in die multizentrische Studie eingeschlossen. Die Ergebnisse zeigten nach einem medianen Follow-up von 25 Monaten einen signifikanten Vorteil im Pembrolizumab-Arm: Das EFS war mit einer Hazard Ratio (HR) von 0,71 (95 %-Konfidenzintervall, 95 %-KI: 0,56–0,89; p = 0,0029) deutlich verlängert. Besonders profitierten Patienten mit PD-L1-positiven Tumoren. In der Subgruppe mit einem Combined Positive Score (CPS) ≥ 1 reduzierte sich das Risiko für Progression, Rezidiv oder Tod um 34 % (HR 0,66; p = 0,0014), bei einem CPS ≥ 10 ebenfalls um 34 % (HR 0,66; p = 0,0022).
Neben dem Überlebensvorteil konnte ein deutlich verbessertes pathologisches Ansprechen dokumentiert werden: Eine „major pathological response“ (MPR; Tumorregression > 90 %) wurde bei 13,7 % der Patienten mit CPS ≥ 10 und 9,8 % bei Patienten mit CPS ≥ 1 im Pembrolizumab-Arm beobachtet (vs. 0 % im Kontrollarm). Diese histologischen Marker korrelierten mit dem klinischen Outcome und deuten auf eine relevante biologische Tumorantwort hin.
Ein weiterer bemerkenswerter Befund war die Verschiebung der Risikostratifikation im Pembrolizumab-Arm: Bei rund 10 % der ursprünglich als Hochrisikofälle eingestuften Patienten konnte durch die Immuntherapie eine Downstaging-Wirkung erzielt werden, sodass eine adjuvante Chemotherapie nicht mehr erforderlich war. Auch die mediane Gesamtdosis der adjuvanten Strahlentherapie fiel mit 60 Gy im Interventionsarm niedriger aus als im Kontrollarm (66 Gy), was auf ein Deeskalationspotenzial hindeutet.
Die neoadjuvante Immuntherapie zeigte zudem systemische Effekte: So war das metastasenfreie Überleben „(distant metastasis-free survival“, DMFS) im Pembrolizumab-Arm verlängert, was auf eine frühe Kontrolle mikroskopischer Tumorstreuung hinweist. Die Inzidenz sekundärer Malignome – ein besonderes Risiko bei HNSCC – war im Immuntherapiearm ebenfalls niedriger (2,5 % vs. 5,1 %).
Das Sicherheitsprofil der perioperativen Immuntherapie war insgesamt günstig. Es traten keine neuen sicherheitsrelevanten Signale auf, und die Kombination mit der adjuvanten Radio(chemo)therapie erwies sich als praktikabel. Schwerwiegende immunvermittelte Nebenwirkungen waren selten und unterlagen dem bekannten Risikoprofil von Pembrolizumab.
In der Summe dokumentiert die KEYNOTE-689-Studie zum ersten Mal einen signifikanten Überlebensvorteil durch Immuntherapie im kurativen Setting bei Kopf-Hals-Tumoren. Besonders die frühe Einleitung einer Immunantwort im neoadjuvanten Setting, das histologische Therapieansprechen sowie die möglichen Effekte auf die Fernmetastasierung und sekundäre Malignome sprechen für die Integration immunonkologischer Konzepte in multimodale Behandlungsalgorithmen. Dies wird sich voraussichtlich auch in den NCCN und ESMO-EHNS-ESTRO-Guidelines niedergeschlagen, welche zum aktuellen Zeitpunkt den Einsatz perioperativer oder neoadjuvanter Immuntherapien noch als experimentell bewerten und diese Ansätze im Rahmen klinischer Studien empfehlen.
Merke
In der Summe dokumentiert die KEYNOTE-689-Studie zum ersten Mal in einer Phase III Studie einen signifikanten Überlebensvorteil durch Immuntherapie im kurativen Setting.
Unabhängig von der KEYNOTE-689-Studie untersuchen weitere Studien den Einsatz einer kombinierten neoadjuvanten Immunchemotherapie oder neoadjuvanten Radiochemotherapie. Einen Meilenstein stellt hierbei die Phase-II-CheckRad-CD8-Studie dar, welche eine Induktion mit einer Kombination aus Cisplatin, Docetaxel, Durvalumab sowie Tremelimumab bei Kopf-Hals-Karzinomen im Stadium III–IVB untersuchte. Von den 56 behandelten Patienten erreichten 48 % eine mittels Rebiopsie gesicherte pathologische Remission und weitere 45 % wiesen eine um den Faktor 3 gesteigerte CD8⁺-Zelldichte auf. Das Nebenwirkungsprofil umfasste Nebenwirkungen vom Grad 3–4 bei 68 % der Patienten. In der multivariablen Analyse erwies sich zudem die intratumorale CD8⁺-Zelldichte als unabhängiger Prädiktor für ein Remission [25].
Die DEPEND-Studie (NCT03944915), eine Phase-II-Studie zu Nivolumab, Paclitaxel und Carboplatin bei HPV-negativen HNSCC im Stadium IVA–B, zeigte eine Tumorreduktion > 50 % mit Immunchemotherapie bei 54 % der Patienten (95 %-KI: 0,37–0,72). Die objektive Ansprechrate (ORR) betrug 89 %. Gleichzeitig ergab sich eine Möglichkeit zur Patientenstratifizierung mit einer Deeskalation der Strahlendosis bei Patienten mit gutem Therapieansprechen [33].
Studien, die neoadjuvante Chemotherapie basierend auf Docetaxel, Cisplatin und 5‑Fluorouracil (TPF-Schema) sowie Chemotherapie plus zielgerichtete Therapien wie Anti-EGFR bei lokal fortgeschrittenen Kopf-Hals-Plattenepithelkarzinomen untersuchten, zeigten dabei eine geringere lokale Rezidivrate, jedoch keine signifikante Auswirkung auf das Überleben im Vergleich zur primären lokalen Therapie [34, 35, 36, 37]. Aufgrund der signifikanten Nebenwirkungsrate einer neoadjuvanten platinbasierten Chemotherapie, die häufig dazu führt, dass Patienten Schwierigkeiten haben, die Zyklen der adjuvanten (Radio‑)Chemotherapie zu absolvieren, konnte sich die neoadjuvante Radio‑/Chemotherapie trotz zahlreicher Studien nicht in der klinischen Praxis etablieren [38, 39]. Diese Problematik unterstreicht die Notwendigkeit, Behandlungsalgorithmen zu überdenken und alternative, weniger toxische neoadjuvante Strategien zu evaluieren, um eine Balance zwischen Wirksamkeit und Verträglichkeit zu finden. Zur Vollständigkeit ist zudem zu betonen, dass das Feld der perioperativen Immuncheckpointinhibition Immuncheckpointinhibition zahlreiche Medikamente umfasst: Weitere PD-1/PD-L1-Antikörper, wie Cemiplimab (Anti-PD-1) und Atezolizumab (Anti-PD-L1), werden in einer Reihe von frühen klinischen Studien geprüft und liefern ergänzende Daten zur Wirksamkeit, Sicherheit und zu möglichen Kombinationsstrategien [40, 41]. Ebenso relevant sind nationale und regionale Studienkonzepte (z. B. CheckRad-CD8), die alternative Kombinationsansätze, Sequenzierungen mit Radiotherapie oder Chemotherapie sowie biomarkergesteuerte Strategien untersuchen [42, 43].
Studien zur adjuvanten Immuntherapie und Vergleich zum neoadjuvanten Einsatz
Neben der perioperativen Strategie der KEYNOTE-689-Studie, die bereits präoperativ eine Immunaktivierung mittels Pembrolizumab verfolgt, untersuchte die kürzlich publizierte NIVOPOSTOP den Einsatz einer adjuvanten Immuntherapie in Kombination mit einer Standard-Radiochemotherapie bei Patienten mit reseziertem, lokal fortgeschrittenem Kopf-Hals-Plattenepithelkarzinom (LA-HNSCC). Die Standardbehandlung für Hochrisikopatienten – definiert durch extranodales Tumorwachstum (ECE+), positive Resektionsränder (R1), perineurales Wachstum oder ≥ 4 befallene Lymphknoten – bestand bislang in einer adjuvanten Radiochemotherapie mit hochdosiertem Cisplatin. Dennoch bleibt das Risiko für ein Rezidiv oder eine Fernmetastasierung auch unter dieser intensiven Therapie beträchtlich.
In NIVOPOSTOP wurden insgesamt 680 Patienten nach kurativer Tumorresektion randomisiert und in 2 Therapiearme eingeteilt. Der Kontrollarm erhielt die etablierte adjuvante Radiochemotherapie (66 Gy + Cisplatin 100 mg/m2 an den Tagen 1, 22 und 43). Im experimentellen Arm wurde zusätzlich eine Immuncheckpointinhibition mit Nivolumab integriert: zunächst ein Induktionszyklus vor Beginn der Radiotherapie (240 mg alle 2 Wochen), gefolgt von 3 Zyklen Nivolumab (360 mg alle 3 Wochen) parallel zur Radiochemotherapie und abschließend 6 Erhaltungszyklen mit 480 mg alle 4 Wochen. Die Stratifizierung erfolgte nach Zentrum und p16-Status (für Oropharynxkarzinome), um die prognostische Heterogenität zu berücksichtigen.
Beim medianen Follow-up von rund 30 Monaten zeigte sich ein signifikanter Vorteil im krankheitsfreien Überleben (DFS) zugunsten des Nivolumab-Arms: Das 3‑Jahres-DFS betrug 63,1 % im NIVO-Arm vs. 52,5 % im Kontrollarm, mit einer Hazard Ratio von 0,76 (95 %-KI: 0,60–0,98; p = 0,034). Besonders ausgeprägt war der Nutzen in der Subgruppe mit PD-L1-positiven Tumoren, wobei die DFS-Verbesserung unabhängig vom PD-L1-Status signifikant blieb.
Hinsichtlich der Sicherheit zeigte sich ein differenziertes Bild: Zwar war die Gesamtrate schwerwiegender Nebenwirkungen insgesamt moderat, jedoch traten im Nivolumab-Arm mehr therapieassoziierte Grad-4-Nebenwirkungen auf (13,1 vs. 5,6 % innerhalb von 100 Tagen nach Chemoradiotherapie, CRT).
Merke
NIVOPOSTOP stellt eine weniger toxische Alternative zur adjuvanten Radiochemotherapie für ausgewählte Hochrisikopatienten dar.
Im Vergleich zur KEYNOTE-689-Studie, die eine neoadjuvante und adjuvante Pembrolizumab-Therapie prüfte, war das Studiendesign von NIVOPOSTOP klar auf die postoperative Behandlung fokussiert. Beide Studien verfolgen zudem unterschiedliche Ziele: Während KEYNOTE-689 in erster Linie eine systemische Immunaktivierung vor der Resektion anstrebt – mit konsekutiv verlängertem ereignisfreiem Überleben (EFS), reduzierter Fernmetastasierungsrate und geringerer Inzidenz sekundärer Malignome, zielt NIVOPOSTOP primär auf eine Verbesserung der lokoregionären Tumorkontrolle ab.
Ein wesentlicher Unterschied zeigt sich auch in der Definition der Risikokonstellation: Während in KEYNOTE-689 lediglich ECE+ und R1-Resektionen als Hochrisikomerkmale gewertet wurden, inkludierte NIVOPOSTOP zusätzlich Lymphangiose, venöse Invasion, ausgedehnte perineurale Infiltration und ≥ 4 befallene Lymphknoten. Die breitere Risikodefinition könnte dazu beigetragen haben, dass die DFS-Verbesserung in NIVOPOSTOP vorrangig auf eine Verbesserung der lokalen Kontrolle zurückzuführen ist, wohingegen in KEYNOTE-689 ein systemischer Schutz vor Fernmetastasen und Zweittumoren gezeigt wurde (Tab. 1). Anzumerken ist, dass der adjuvante Einsatz von Immuncheckpointinhibitoren (ICI) bislang lediglich auf der nationalen investigatorinitiierten NIVOPOSTOP-Studie basiert. Ob dieser Einsatz langfristig Eingang in die klinische Routine findet, bleibt Gegenstand weiterer Untersuchungen und Leitlinienbewertungen.
Tab. 1
Gegenüberstellung der Charakteristika der NIVOPOSTOP- (Nivolumab adjuvant) und KEYNOTE-689-Studie (perioperatives Pembrolizumab)
KEYNOTE-689 eröffnet neue Perspektiven für eine frühe, systemisch wirksame Immunaktivierung mit langfristiger klinischer Relevanz.
Zudem gilt es, zentrale Limitationen kritisch zu berücksichtigen: Zum einen war die PD-L1-Stratifizierung eingeschränkt, sodass unklar bleibt, welche Subgruppen am stärksten profitieren. Ein Vergleich mit anderen Tumorentitäten zeigt, dass adjuvante Immuntherapie bereits in der klinischen Routine etabliert ist, z. B. beim Melanom [44, 45]. Dort profitieren gerade Hochrisikopatienten mit nodalem Befall oder hohem Rezidivrisiko von einer signifikanten Verbesserung des rezidivfreien Überlebens. Allerdings ist auch in diesen Indikationen die optimale Dauer der Therapie sowie die Balance zwischen Wirksamkeit und Langzeittoxizität weiterhin Gegenstand der Diskussion [45]. Übertragen auf das HNSCC bedeutet dies, dass nicht nur Wirksamkeit, sondern auch Patientenselektion, Dauer und Nebenwirkungsmanagement zentrale Fragen bleiben.
Zudem stellen sich erhebliche Herausforderungen bei der klinischen Umsetzung: Die adjuvanten Protokolle sind komplex und erfordern eine enge und langfristige Taktung zwischen Operation, Wundheilung und Immuntherapie. Während in Studien feste Zeitfenster vorgeschrieben sind, ist dies in der klinischen Routine oft nur schwer zu gewährleisten. Eine Verschiebung der Immuntherapie könnte jedoch die Wirksamkeit beeinträchtigen oder sogar zur Abweichung vom Studienprotokoll führen. In diesem Spannungsfeld zwischen optimalem onkologischem Timing und individueller chirurgischer Realität liegt eine der größten praktischen Hürden für die breite Implementierung.
Merke
Beide Studien markieren entscheidende Meilensteine für den Einsatz immunonkologischer Therapien im kurativen Setting des LA-HNSCC.
Nebenwirkungen der neoadjuvanten und adjuvanten Immuntherapie
Trotz ihrer allgemein guten Verträglichkeit im Vergleich zu platinbasierter Chemotherapie sind ICI mit einer Reihe von Nebenwirkungen verbunden, die als „immune-related adverse events“ (irAE) bezeichnet werden und eine Vielzahl an Organen betreffen können. Diese können jederzeit während des Behandlungsverlaufs eines Patienten auftreten, am häufigsten jedoch in den ersten 3 Monaten der Behandlung, selten jedoch auch lange nachdem ICI abgesetzt wurden [46]. Die Tab. 2 zeigt eine Übersicht der Nebenwirkungen von Immuncheckpointtherapie in einer Metaanalyse mit verschiedenen Tumorentitäten [47]. Sehr häufig sind hierbei dermatologische Nebenwirkungen in Form von Hautausschlägen und Juckreiz, welche in seltenen Fällen bis hin zu einem Stevens-Johnson-Syndrom reichen können [48]. Gastrointestinale Nebenwirkungen wie Diarrhö, und Übelkeit sind ebenfalls häufig, ebenso wie eine endokrine Toxizität unterschiedlicher Ausprägung mit einer Thyreoiditis, Hypophysitis, oder einem Diabetes mellitus. Weitere wichtige Nebenwirkungen betreffen die Lunge, insbesondere in Form einer Pneumonitis mit in schweren Fällen respiratorischer Insuffizienz, aber auch hepatische Nebenwirkungen. Seltener sind renale Nebenwirkungen, welche jedoch eine engmaschige Diagnostik erfordern. Eine allgemein wichtige Maßnahme ist es hierbei bereits vor der ersten Gabe eines ICI die Patienten über den Wirkmechanismus und das klinische Risikoprofil zu informieren, um den Patienten im Rahmen des „shared decision making“ einzubeziehen und zu sensibilisieren [49].
Merke
Wichtig ist es, bereits vor der ersten Gabe eines ICI die Patienten über den Wirkmechanismus und das klinische Risikoprofil zu informieren.
Tab. 2
Häufigkeit der Nebenwirkungen bei Immuncheckpointtherapie in einer Metaanalyse mit verschiedenen Tumorentitäten. (Mod. nach Jayathilka et al. 2024 [47])
Organsystem/Manifestation
Häufigkeit alle Grade (Mittelwert; %)
Haut
(z. B. Exanthem, Juckreiz, Vitiligo, Exanthem)
28,7
Endokrin
(z. B. Hypo‑/Hyperthyreose, Hypophysitis, Nebenniereninsuffizienz, Diabetes)
23,9
Gastrointestinal
(z. B. Diarrhö, Kolitis, Enteritis, Hepatitis, Pankreatitis)
19,4
Pulmonal
(z. B. Pneumonitis, interstitielle Lungenerkrankungen)
18,9
Kardiologisch
(z. B. Myokarditis, Perikarderkrankungen, Arrhythmien, Herzinsuffizienz, Vaskulitis)
18,0
Renal
(z. B. akutes Nierenversagen, Nephritis)
15,5
Muskuloskeletal
(z. B. Myositis, Arthritis, Polymyalgie)
Unbekannt
Neurologisch
(z. B. Myasthenia gravis, Neuropathie, Guillain-Barré, Meningitis, Enzephalitis)
Unbekannt
Dargestellt ist der Mittelwert. Bezüglich der potenziellen muskuloskeletalen und neurologischen Nebenwirkungen besteht hierbei noch keine ausreichende Studienlage.
Merke
Kenntnisse der Nebenwirkungen der Immuncheckpointtherapie sind essenziell, v. a. bezüglich seltener, jedoch schwerwiegender Reaktionen.
Neben diesen häufigen, klinisch jedoch meist milde verlaufenden Nebenwirkungen bestehen lebensbedrohliche Nebenwirkungen bei einer kardialen, neuronalen und pulmonalen Toxizität [49]. Gerade diese Nebenwirkungen erfordern eine interdisziplinäre Zusammenarbeit und eine frühzeitige Intervention. Der Schweregrad und die daraus abgeleitete Art der Therapie ist hierbei in den Common Terminology Criteria for Adverse Events der European Society for Medical Oncology (ESMO) und der American Society of Clinical Oncology (ASCO) zusammengefasst [50, 51]. Bei Grad 1 Nebenwirkungen erfolgt eine konservative Therapie und Fortführung der ICI Therapie, wobei ab Grad 2 ein Therapiestopp und Start einer oralen Prednisolontherapie diskutiert werden sollte. Ab Grad 3 werden systemische Kortikosteroide (Prednison 1 bis 2 mg/kg/Tag oder Methylprednisolon IV 1 bis 2 mg/kg/Tag) eingesetzt. Eine stationäre Aufnahme sollte zudem erwogen werden bei schwereren Verläufen, insbesondere bei Grad ≥ 3-Nebenwirkungen (z. B. schwere Diarrhö, Pneumonitis mit Dyspnoe, Hepatitis mit Transaminasenanstieg oder endokriner Krise), bei neurologischen oder kardialen Symptomen (z. B. Myokarditis, Enzephalitis) sowie bei rascher Progression der Symptome oder unklarer Differenzialdiagnose [52]. Wenn sich die Symptome nach hochdosierter Kortikosteroide nicht verbessern, kann eine immunmodulatorische Therapie mit beispielsweise Infliximab oder Immunglobulin (IVIG) eingeleitet werden [50, 53]. Zudem erfolgt die Kortikosteroidtherapie über mehrere Wochen, wobei die Auswirkungen eines Therapiestopps auf das Therapieansprechen kontrovers diskutiert werden [46]. Wichtig ist es anzumerken, dass die verschiedenen ICI eine unterschiedliche Häufigkeit und Stärke an Nebenwirkungen aufweisen [51, 54]. Eine empfehlenswerte Übersichtsarbeit die sich umfassend mit dem praktischen Management von irAE befasst, sind die Practice Guidelines der ESMO [55]. Dieser Artikel bietet eine weiterführende Darstellung der häufigsten irAE, ihrer klinischen Präsentation, Diagnosemethoden und Therapieansätze.
Merke
Über die Kortikosteroidtherapie hinausgehend werden auch immunmodulatorische Therapeutika eingesetzt.
Herausforderungen und zukünftige Perspektiven
Neben den Erfolgsmeldungen aktueller Studien stehen neoadjuvante Therapiekonzepte bei Kopf-Hals-Karzinomen noch vor vielfältigen Herausforderungen. Gerade die gezielte Auswahl der Patienten bei weiterhin limitierten Ansprechraten ist essenziell. Zentraler Schwerpunkt künftiger Entwicklungen liegt auf der Optimierung von Biomarkern, die das Ansprechen auf neoadjuvante Therapien präziser vorhersagen können. Solche Marker bieten die Möglichkeit, Therapieentscheidungen dynamisch anzupassen und Patienten mit geringem Ansprechen frühzeitig alternativen Behandlungsstrategien zuzuführen.
Die Frage, ob eine Immuntherapie im perioperativen oder rein adjuvanten Setting effektiver ist, stellt derzeit eines der zentralen Forschungsfelder in der immunonkologischen Weiterentwicklung dar – nicht nur beim Kopf-Hals-Karzinom. Während die adjuvante Gabe eines ICI nach vollständiger Tumorresektion darauf abzielt, minimale Resterkrankungen zu eliminieren und ein Rezidiv zu verhindern, verfolgt die perioperative Strategie einen zweigleisigen Ansatz: Durch die zusätzliche Gabe vor der Operation soll eine stärkere systemische Antitumorantwort ausgelöst werden, welche nicht nur auf den Primärtumor, sondern auch auf mikroskopische Fernmetastasen wirkt.
Aufschlussreich ist in diesem Kontext ein randomisierter Vergleich beim malignen Melanom, welcher zeigte, dass die neoadjuvante plus adjuvante Immuntherapie (Nivolumab/Ipilimumab) im Vergleich zur rein adjuvanten Therapie eine signifikant verbesserte rezidivfreie und metastasenfreie Überlebensrate erreichte – bei ähnlicher Verträglichkeit [56]. Die neoadjuvante Gabe ermöglichte zudem eine frühe immunologische Reaktion mit Entwicklung eines T‑Zell-Gedächtnisses, was mit einer dauerhafteren Kontrolle des Tumors assoziiert war. Diese Ergebnisse unterstützen die Hypothese, dass das „intakte Tumorantigenreservoir“ im neoadjuvanten Setting eine essenzielle Rolle bei der Effizienz der Immuntherapie spielt. Für das Kopf-Hals-Plattenepithelkarzinom (HNSCC) gibt es bislang jedoch keine randomisierte Head-to-Head-Studie, die eine rein adjuvante Immuntherapie direkt mit einer perioperativen Strategie vergleicht. Randomisierte Studien, die perioperative und adjuvante Konzepte direkt vergleichen, sind notwendig, um valide Erkenntnisse über die optimale Sequenz und Dauer immunonkologischer Therapien zu gewinnen. Darüber hinaus könnten translational orientierte Studiendesigns, die das immunologische Tumormikromilieu prä- und postoperativ analysieren, helfen, Biomarker für Therapieansprechen und Langzeitwirkung zu identifizieren. Neben dem in Studien bereits viel diskutierten PD-L1 (häufig über den Combined Positive Score, CPS) als prädiktivem Faktor sowie dem HPV/p16-Status des Tumors bestehen weitere potenzielle Biomarker als Zeichen der Tumorimmunität, wie z. B. CD8+-T-Zell-Infiltrate, Expressionsprofile inflammatorischer Gene, Tumormutationslast (TMB) und Liquid-Biopsy-Marker wie zirkulierende Tumor-DNA (ctDNA) [57]. Bestandteil zukünftiger Studien muss daher zudem eine integrierte Biomarkerstrategie mittels eines multiparametrischen Profils sein, welche in prospektiven Studien validiert wird, bevor Selektionsalgorithmen in die klinische Routine übernommen werden.
Die Einführung neoadjuvanter Therapiekonzepte verändert nicht nur systemische Therapieziele, sondern hat auch weitreichende Konsequenzen für die chirurgische Behandlung lokal fortgeschrittener Kopf-Hals-Tumoren. Während bislang das chirurgische Ziel primär in der vollständigen Tumorresektion mit adäquatem Sicherheitsabstand lag, eröffnet das präoperative Tumoransprechen möglicherweise die Option, Resektionen weniger ausgedehnt durchzuführen. Dies wird zunehmend als „Chirurgie in neuen Grenzen“ beschrieben [58, 59].
Durch die vorangehende Tumorreduktion durch eine neoadjuvante Therapie können potenziell kleinere Resektionsareale ausreichen, um onkologische Sicherheit zu gewährleisten, insbesondere bei Tumoren in anatomisch und funktionell kritischen Regionen wie dem Kehlkopf, der Mundhöhle oder dem Zungengrund.
Allerdings bringt diese Entwicklung auch neue Herausforderungen mit sich. Die Beurteilung des tatsächlichen Therapieansprechens präoperativ bleibt schwierig. Das Risiko besteht hierbei darin, weiterhin tumorinfiltriertes Gewebe aufgrund von residualen Tumorzellen fälschlich als therapiert und damit „tumorfrei“ zu interpretieren, was im Umkehrschluss das Risiko einer R1-Resektion erhöhen kann. Hinzu kommt, dass es teilweise auch zu einem kompletten pathologischen Ansprechen kommen kann, wie dies in ersten Studien und Fallbeispielen berichtet wurde. Dies wirft auch eine erhebliche ethische Fragestellung auf: Patienten werden trotz eines histologisch nicht nachweisbaren Resttumors einer potenziell morbiditätsreichen Operation unterzogen. Für den klinischen Alltag ergibt sich damit die Frage, wie in solchen Situationen vorzugehen ist und inwiefern neue diagnostische Verfahren eine sichere Identifikation kompletter Responder ermöglichen können. Eine wichtige Komponente hierbei spielt voraussichtlich die Liquid Biopsy zur Detektion minimaler Resterkrankung (MRD) und zur Früherkennung eines Rezidivs. Ergänzend können gezielte Rebiopsien aus dem Tumorbett helfen, das Ansprechen histologisch zu verifizieren [59].
Darüber hinaus erfordert die Integration neuer Therapien wie der Immuntherapie eine enge interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Fachdisziplinen wie Chirurgie, Internistischer Onkologie und Radiologie, gerade in der Handhabung der seltenen, jedoch potenziell schwerwiegenden Nebenwirkungen. Die Einführung neoadjuvanter Immuntherapiekonzepte stellt daher gerade Zentren ohne Studienanbindung vor besondere Herausforderungen. Zusätzlich bestehen regulatorische, ökonomische, und logistische Barrieren in Form von hohen Kosten für die Therapie, Diagnostik und engmaschige Nachkontrollen. Dies erfordert sorgfältige Planung und das interdisziplinäre Management von irAE. Zentrales Element für das Gelingen in Zentren ohne Studienanbindung sind hierbei die Fallbesprechungen im Tumorboard, welche helfen, die Effektivität und Sicherheit der neoadjuvanten Immuntherapie zu koordinieren und zu unterstützen.
Darüber hinaus wird die Kombination neoadjuvanter Therapieansätze weiter erforscht. Studien zur Integration von Immuntherapie mit zielgerichteten Wirkstoffen, oder neuen immunmodulierenden Targets sind bereits auf dem Weg. Synergistische Effekte könnten die Wirksamkeit steigern und Resistenzmechanismen überwinden. Die Entwicklung eines optimalen Behandlungsalgorithmus in der neoadjuvanten Immuntherapie stellt zudem eine signifikante Herausforderung dar. Dabei ist die frühzeitige Identifikation von Nonrespondern essenziell, um diesen Patienten rasch alternative Therapieoptionen anbieten zu können, während gleichzeitig bei Respondern der Therapieerfolg konsequent fortgeführt wird. Hinzu kommt die Notwendigkeit, innovative Studiendesigns zu entwickeln, die es erlauben, früh aussagekräftige Endpunkte zu evaluieren. Adaptive Studiendesigns und modulare Ansätze könnten hier einen flexibleren und schnelleren Transfer von prädiktiven Biomarkern und frühen Response-Daten in die klinische Entscheidungsfindung ermöglichen und somit zur Optimierung der Behandlungsalgorithmen beitragen. Diese Entwicklungen markieren einen wichtigen Schritt hin zur Präzisionsonkologie in der Behandlung von Kopf-Hals-Tumoren, die sowohl die onkologische Sicherheit als auch die Lebensqualität der Patienten nachhaltig verbessert. Angesichts der zunehmenden Bedeutung neoadjuvanter und adjuvanter Therapieansätze bei HNSCC erscheint es sinnvoll, dass Chirurgen ihre Kenntnisse in der medikamentösen Tumortherapie vertiefen, um ihre Rolle im interdisziplinären Behandlungskonzept weiter zu stärken. So kann gewährleistet werden, dass Patienten von einer optimal aufeinander abgestimmten Behandlungsstrategie profitieren, in der sowohl medikamentöse als auch operative Ansätze berücksichtigt werden.
Fazit für die Praxis
Neoadjuvante und adjuvante Immuntherapie als vielversprechender Ansatz: Erste Studien zeigen, dass neoadjuvante Immuntherapie bei Kopf-Hals-Tumoren eine vielversprechende Option ist, die potenziell das Überleben verbessern und gleichzeitig eine präoperative Tumorreduktion bewirken kann.
Studiendesigns und Zielparameter wurden ebenso wie Unterschiede in der Risikodefinition, der Rate an Fernmetastasen sowie der chirurgischen Implikationen analysiert.
Ergänzend wurde diskutiert, welche Rolle das pathologische Ansprechen und die mikromilieuabhängige Immunantwort in der Therapiewahl spielen könnten.
Kombinationstherapien und multimodale Behandlungspläne: Die Integration von Chemotherapie, Immuntherapie und gezielten Therapien in multimodale Konzepte sind Gegenstand aktueller klinischer Studien.
Herausforderungen sind Standardisierung und Biomarker: Die Identifikation prädiktiver und valider Biomarker zur gezielten Patientenauswahl und Stratifizierung ist ein essenzieller Schritt, um die Therapieeffizienz und Ansprechraten zu steigern.
Interdisziplinäre Zusammenarbeit bei Nebenwirkungen: Zentral für die Behandlung der Nebenwirkungen immunonkologischer Therapien ist die interdisziplinäre Zusammenarbeit.
Die umfassende Aufklärung der Patienten über Nutzen und potenzielle Risiken ist essenziell für ein effektives „shared decision making“.
Einhaltung ethischer Richtlinien
Interessenkonflikt
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Autoren
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Wissenschaftliche Leitung
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