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05.09.2019 | Hörsturz | Nachrichten

Komorbide Hyperlipidämie

Lipidsenkende Therapie unterstützt Heilung bei Hörsturz

Autor:
Dr. Christine Starostzik

Eine lipidsenkende Therapie kann den Heilerfolg von Patienten mit Hörsturz, die zusätzlich an einer Hyperlipidämie leiden, unterstützen. Vor allem Patienten mit Hypertriglyzeridämie profitierten in einer chinesischen Studie von der adjuvanten Therapie.

Das Wichtigste in Kürze zu dieser Studie finden Sie am Ende des Artikels.

Keine der bislang aufgestellten Hypothesen kann die Pathogenese des Hörsturzes (idiopathic sudden sensorineural hearing loss, ISSHL) vollständig erklären. Häufig wurde bei diesen Patienten allerdings die eine oder andere Form einer Hyperlipidämie beobachtet. Vor diesem Hintergrund spekulierten Chenfang Chen von der Universität Shandong und Kollegen, dass eine lipidsenkende Therapie zusätzlich zur Standardtherapie des Hörsturzes möglicherweise förderlich für die Genesung der Patienten sein könnte. So analysierten die Forscher prospektiv Daten von 653 stationären Patienten mit Hörsturz und gleichzeitiger Hyperlipidämie. Den Audiogrammen entsprechend wurden die Studienteilnehmer in vier Gruppen eingeteilt: Hörverlust niedriger Frequenzen, Hörverlust hoher Frequenzen, vermindertes Hörvermögen aller Frequenzen bzw. flache Audiogramme und kompletter Hörverlust. Zudem erfolgte eine Einteilung je nach Hyperlipidämietyp: Hypertriglyzeridämie, Hypercholesterinämie, Hypertriglyzerid- und Hypercholesterinämie.

Nach dem Propensity Score Matching zum Abgleich verschiedener Störfaktoren zeigte sich bei den verbliebenen 146 Teilnehmern, die eine lipidsenkende Therapie (lipid-lowering therapy group, LLTG) erhielten, gegenüber 294 Personen der Kontrollgruppe eine signifikante Verbesserung der erreichten Hörschwelle sowie eine stärkere Zunahme des Hörvermögens. Im Einzelnen errechneten Chen und Kollegen folgende Vorteile für die Patienten mit Standardtherapie plus lipidsenkender Therapie gegenüber der Kontrollgruppe mit Standardtherapie: Heilungsrate 32,9% vs. 26,5%; signifikante Verbesserung 22,6% vs. 15,6%; Gesamtansprechrate 76,0% vs. 63,6%.  Die Gesamtansprechrate beinhaltete die Zahl der vollständig regenerierten Patienten plus derjenigen mit signifikanter sowie leichter Verbesserung des Hörvermögens.

Bei einzelner Betrachtung der verschiedenen Gruppen zeigte sich ein signifikanter Vorteil allerdings nur für Patienten mit Hypertriglyzeridämie (Gesamtansprechrate LLTG vs. Kontrollgruppe: 80,0% vs. 62,3%) sowie bei Patienten mit flachen Audiogrammen (Gesamtansprechrate 74,6% vs. 60,6%).

Aufgrund des besonders guten Ansprechens von Patienten mit Hypertriglyzeridämie vermuten Chen und Kollegen einen möglichen Zusammenhang zwischen Triglyzeriden und Hörsturz. Da die Signifikanz beim Vergleich der Gesamtansprechraten von Patienten mit flachem Audiogramm geringer war als die über alle Audiogrammtypen zusammen, gehen die Studienautoren davon aus, dass hier möglicherweise ein weiterer Faktor, etwa eine vaskuläre Dysfunktion, eine Rolle spielt.

Das Wichtigste in Kürze

Frage: Wie wirkt sich eine lipidsenkende Therapie bei Patienten mit Hörsturz und zusätzlicher Hyperlipidämie auf die Wiedererlangung des Hörvermögens aus?

Antwort: Hörsturzpatienten mit Hypertriglyzeridämie oder flachen Audiogrammen, die mit Lipidsenkern behandelt wurden, hatten signifikant höhere Ansprechraten als Patienten der Kontrollgruppe, die nur die Standardtherapie erhielt.

Einschränkung: Single-Center-Studie ohne Randomisierung.

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