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30.11.2023 | Hypertonie | Nachrichten

Ernährungsstudie

Tomaten gegen Hypertonie?

verfasst von: Thomas Müller

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Wer täglich 110 Gramm Tomaten konsumiert, kann sein Hypertonierisiko um ein Drittel senken – sofern ein kausaler Zusammenhang besteht. Insgesamt sind die Effekte des Tomatenkonsums auf den Blutdruck jedoch eher gering.

Das Wichtigste in Kürze zu dieser Studie finden Sie am Ende des Artikels.

Zu einer herzgesunden Ernährung zählt auch viel Gemüse, nicht zuletzt den darin befindlichen Polyphenolen und Antioxidanzien werden positive Eigenschaften zugeschrieben. Ob bestimmte Gemüsesorten besonders gut zur kardiovaskulären Prävention geeignet sind, ist weitgehend unklar, da sich solche Effekte kaum isoliert betrachten lassen. Ein Team um Dr. David Murcia-Lesmes von der ernährungswissenschaftlichen Fakultät der Universität in Barcelona hat dies aber dennoch versucht und anhand der spanischen Studie PREDIMED (Prevención con Dieta Mediterránea) geprüft, ob speziell Tomaten über antihypertensive Effekte verfügen. Ihren Resultaten zufolge geht ein hoher Tomatenkonsum primär mit einem niedrigen diastolischen Blutdruck, aber auch einem verminderten Risiko für eine Hypertonie einher.

An der Studie haben anfangs 7500 Personen mit Diabetes oder hohem kardiovaskulärem Risiko (mindestens drei Risikofaktoren) teilgenommen. Über 80% hatten Bluthochdruck, 73% nahmen Antihypertensiva. Primär ging es in der Studie um die kardioprotektiven Effekte einer mediterranen Diät, an die sich zwei Drittel halten sollten, unterstützt durch regelmäßige Olivenöl- und Nusslieferungen. Ein weiteres Drittel wurde einer fettreduzierten Diät zugeordnet. Alle sollten mehr Sport treiben, eine Kalorienrestriktion war nicht vorgesehen.

Kaum signifikante Ergebnisse

In der aktuellen Analyse interessierten sich die Forschenden um Murcia-Lesmes lediglich für die tomatenbedingten Auswirkungen. Sie werteten dazu einen Ernährungsfragebogen aus, der unter anderem den Konsum von Tomaten und tomatenhaltigen Produkten erfasste. Basierend auf dem Tomatenkonsum teilten sie die Studienpopulation in vier Gruppen auf: Solche mit einer niedrigen (unter 44 g), mäßigen (44–82 g), hohen (82–110 g) und sehr hohen (über 110 g) täglichen Tomatenäquivalenzdosis. Die Teilnehmer mit dem höchsten Tomatenkonsum (rund 16%) waren signifikant jünger, hielten sich eher an die mediterranen Ernährung und wiesen eine höhere Prävalenz von Typ-2-Diabetes im Vergleich zur Gruppe mit dem niedrigsten Tomatenkonsum auf. Zudem ernährte sich die Gruppe mit dem höchsten Tomatenkonsum insgesamt am gesündesten – die tägliche Kalorienaufnahme war am geringsten, ebenso wurde mehr Obst und Gemüse gegessen und weniger Alkohol, Kochsalz, Kaffee, Kohlenhydrate und Protein konsumiert als in den anderen Gruppen.

Berücksichtigten die Studienautoren solche und weitere Faktoren, ergab sich in der Gruppe mit dem höchsten Tomatenkonsum weder ein signifikant erniedrigter systolischer noch ein erniedrigter diastolischer Blutdruck. Über alle Gruppen hinweg ließ sich jedoch ein statistisch belastbarer Trend erkennen: Je höher der Tomatenkonsum, umso geringer der diastolische, nicht aber der systolische Druck. Der Zusammenhang war dabei umso schwächer, je mehr Begleitfaktoren das Team um Murcia-Lesmes in die Rechnung aufnahm. Er verschwand fast vollständig, wurden die Unterschiede bei der Ernährung berücksichtigt, was eher dafür spricht, dass die insgesamt gesündere Ernährung in der Tomatenhochkonsumgruppe und weniger der isoliert betrachtete Tomatenkonsum für die Blutdruckeffekte bedeutsam ist.

Immerhin: Unter den knapp 1100 Teilnehmenden ohne anfängliche Hypertonie war die Hypertonieinzidenz bei den Tomatenliebhabern am geringsten und nur halb so hoch wie in der Gruppe mit dem geringsten Konsum. Unter Berücksichtigung sämtlicher Begleitfaktoren ergibt sich daraus ein um 36% reduziertes Hypertonierisiko bei einem Konsum von täglich mehr als 110 g frischer oder verarbeiteter Tomaten.

Trotz der eher mageren Resultate und fehlender Alphafehlerkorrektur stellen die Forschenden um Murcia-Lesmes fest: „Der Konsum von Tomaten und tomatenbasierten Produkten ist vorteilhaft zur Vorbeugung und zur Kontrolle einer Hypertonie.“

Das Wichtigste in Kürze

Frage: Haben Tomaten positive Effekte auf den Blutdruck?

Antwort: In der spanischen Ernährungsstudie PREDIMED deutete sich an, dass der Blutdruck mit der Höhe des Tomatenkonsums sinkt. Dies scheint jedoch eher an der insgesamt gesünderen Ernährung der Tomatenliebhaber zu liegen.

Bedeutung: Tomaten können einen Beitrag zu einer gesunden Ernährung leisten.

Einschränkung: Hohes Risiko für Verzerrungen, keine Alphafehlerkorrektur.

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Literatur

Murcia-Lesmes D et al. Association between tomato consumption and blood pressure in an older population at high cardiovascular risk: observational analysis of PREDIMED trial. Eur J Prev Cardiol 2023:zwad363. https://doi.org/10.1093/eurjpc/zwad363

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