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Der Nervenarzt

Immunologische Aspekte bei depressiven Störungen

  • 01.11.2007
  • Übersichten
Erschienen in:

Zusammenfassung

Neben dem Monoaminmangelkonzept als pathophysiologischem Korrelat der depressiven Störung wird zunehmend die Rolle der gesteigerten glutamatergen Neurotransmission diskutiert. Ursachen und Wechselwirkungen dieser Neurotransmitterveränderungen sind bisher allerdings nicht verstanden. In der vorliegenden Übersicht präsentieren wir ein Konzept, das aktuelle Befunde der Neurotransmitterfehlregulierung sowie immunologische und morphologische Befunde bei depressiven Störungen integriert. Mehrere ineinandergreifende Mechanismen scheinen von Bedeutung zu sein: Ursache des Serotoninmangels und gesteigerter glutamaterger Neurotransmission ist möglicherweise der Anstieg proinflammatorischer Zytokine. Eine Immunaktivierung mit gesteigerter Produktion proinflammatorischer Zytokine aktiviert das tryptophan- und serotoninabbauende Enzym Indolamin-2,3-Dioxygenase (IDO). Der gesteigerte Verbrauch von Serotonin und seinem Vorläufer Tryptophan aufgrund der IDO-Aktivierung kann die verringerte Verfügbarkeit von Serotonin bei Depression erklären. Auch bei entzündlichen somatischen Erkrankungen ist die depressive Stimmungslage mit einem Anstieg proinflammatorischer Zytokine und gesteigertem Verbrauch von Tryptophan assoziiert. Die Aktivierung von IDO durch proinflammatorische Zytokine führt darüber hinaus zur Produktion von glutamatergen Agonisten. Im zentralen Nervensystem (ZNS) wird IDO während entzündlicher Prozesse vor allem in Mikrogliazellen aktiviert. Deshalb ist das Astrozyten-Mikroglia-Gleichgewicht bei Depression von Bedeutung. Die beschriebene Verringerung von Astrozyten im ZNS depressiver Patienten kann sowohl die Gegenregulierung zur IDO-Aktivität in Mikrogliazellen hemmen, als auch eine Veränderung der glutamatergen Neurotransmission bewirken. Auf diesem Wege kann das Ungleichgewicht der Immunantwort, zusammen mit dem Astrozyten-Mikroglia-Ungleichgewicht zu einerseits Serotoninmangel und andererseits glutamaterger Überaktivität bei Depression führen. Die weitere Suche nach neuen antidepressiven Therapieverfahren sollte antientzündliche Substanzen berücksichtigen, zum Beispiel COX-2-Inhibitoren.
Titel
Immunologische Aspekte bei depressiven Störungen
Verfasst von
Prof. Dr. med. Dipl.-Psych. N. Müller
M.J. Schwarz
Publikationsdatum
01.11.2007
Verlag
Springer-Verlag
Erschienen in
Der Nervenarzt / Ausgabe 11/2007
Print ISSN: 0028-2804
Elektronische ISSN: 1433-0407
DOI
https://doi.org/10.1007/s00115-007-2311-3
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