Stressfreie Blutabnahme So lassen sich Schmerzen durch Nadelstiche bei kleinen Kindern mindern
- 02.02.2026
- Impfen in der Pädiatrie
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Nadelstiche sind für viele Kinder in den ersten Lebensjahren unumgänglich – und oft mit unterschätzter Schmerzbelastung verbunden. Dabei gibt es gut erforschte, einfache Maßnahmen, um Schmerzen und Stress wirksam zu reduzieren.
Neugeborene, Säuglinge und Kleinkinder werden während eines Krankenhausaufenthaltes häufig schmerzhaften Verfahren wie Venenpunktionen, peripheren Venenverweilkanülen oder andere unter Einsatz einer Nadel durchgeführten Verfahren („Nadelstiche“) unterzogen.
Die dokumentierten Nadelstiche unterschätzen aller Wahrscheinlichkeit nach die wahre Schmerzlast, da meist nicht die Anzahl der Versuche und Verfahrensdauer dokumentiert wird. Es muss den Behandelnden bewusst sein, dass jegliche Anweisung einer Blutentnahme sorgfältig abgewogen werden muss, da vor allem die Schmerzvermeidung der beste Weg ist, die Schmerzlast zu senken.
Es gibt jedoch wirksame Verfahren zur Schmerz- und Stressreduktion während schmerzhafter Verfahren bei Kindern. In einer Arbeit von Harrison und Bueno aus 2025 (Schmerz 2024; online 4. März) werden evidenzbasierte Strategien für die Schmerzreduktion während schmerzhafter Verfahren bei Neugeborenen, Säuglingen und Kleinkindern zusammengefasst.
Evidenzbasierte Strategien
Zur Schmerzbehandlung bei Neugeborenen sind drei Strategien am häufigsten untersucht worden:
- Stillen
- Haut-zu-Haut-Kontakt
- Kleine Volumina süßer Lösungen wie Saccharose oder Glukose
Weiters können Wiegen und Halten, nicht-nutritives Saugen und Einwickeln ergänzend durchgeführt werden.
Stillen vor und während eines Nadelstiches reduziert nachweislich die physiologische Reaktion auf Schmerz durch die taktile Stimulation, den Haut-zu-Haut-Kontakt, den Geruch und Herzschlag der Mutter, durch das Saugen und den leicht süßlichen Geschmack der Muttermilch. Aufgrund der bestehenden Literatur sollte Stillen als Erstlinienintervention gelten, sofern es durchführbar und kulturell akzeptiert ist.
Haut-zu-Haut-Kontakt an der Brust eines Elternteils reduziert ebenso die physiologische Reaktion auf Schmerz, wobei hier multifaktorielle Mechanismen wie die taktile Stimulation, Wärme, Geruch und Herzschlag angenommen werden.
Es konnte gezeigt werden, dass kleine Volumina (0,1 ml) süßer Lösungen wie Saccharose und Glukose mit einer Konzentration von 15 bis 20 Prozent auf die Zunge des Säuglings den Schmerz bei Nadelstichen senken können. Die süße Lösung sollte ein bis zwei Minuten vor dem Verfahren angewendet und bei Anzeichen von Schmerzen während des Verfahrens wiederholt werden.
Der Mechanismus der Schmerzreduktion beruht vermutlich auf einer unmittelbaren Beruhigung durch den sehr süßen Geschmack und eine endogene Opioidfreisetzung. Die Gabe dieser süßen Lösungen ist das am häufigsten untersuchte Verfahren. Es kann mit allen anderen Verfahren zur Schmerzreduktion, wie nicht-nutritives Saugen, Positionierung, Einwickeln („swaddling“), sanfte Berührungen, Halten in Froschstellung („facilitated tucking“) und sicheres Halten kombiniert werden.
Kleinkinder beruhigen
Bei Kleinkindern ist die Evidenz für analgetische Verfahren bei schmerzhaften Interventionen schwächer als bei Neugeborenen, da die Unterscheidung zwischen Schmerz und Stress häufig herausfordernd oder auch unmöglich ist. Kleinkinder weinen häufig schon vor Nadelstichen und zeigen bei schmerzhaften und nicht-schmerzhaften Verfahren hohe Stressniveaus.
Die Hintergründe hierfür sind multifaktoriell, wie Ängste vor der ungewohnten Umgebung und fremden Menschen, aber auch eine liegende Position. Dennoch sind auch für Kleinkinder evidenzbasierte Verfahren zur Schmerzbehandlung beschrieben und in der genannten Arbeit zusammengefasst.
Eine aktuelle Übersichtsarbeit, die sich mit der Anwendung von Saccharose und Glukoselösungen zur Schmerzreduktion bei Impfungen beschäftigte, konnte zeigen, dass die Dauer des Weinens reduziert werden konnte. Die Anwendung dieser süßen Lösungen ist auch bei Kleinkindern empfohlen und sollte wiederholt verabreicht werden.
In wenigen Arbeiten konnte zudem gezeigt werden, dass Stillen bei Kindern bis zu einem Alter von einem Jahr den Nadelstichschmerz reduzieren kann. Aufgrund der spärlichen Literatur sind jedoch das Wirkpotenzial, die Wirksamkeit, die Durchführbarkeit des Stillens von älteren Säuglingen und Kleinkindern während schmerzhafter Interventionen nicht bekannt. Stillen oder Flaschenfütterung können jedoch bei Nadelstichen erwogen werden.
Nicht-nutritives Saugen, Berührung, Massage und Ablenken durch Videos sind ebenso Strategien zur nicht-medikamentösen Behandlung von verfahrensbedingten Schmerzen wie das Halten in aufrechter, sicherer und behaglicher Position durch einen Elternteil/ Betreuer. Massage und Ablenkung waren nicht wirksamer als orale Saccharose, die Ablenkung durch Eltern oder Spielzeug zeigte keine Wirksamkeit.
Topische Anästhesie
Weiters wird die topische Anästhesie besprochen und mit entsprechender Evidenz hinterlegt. Die topische Anästhesie wurde bereits in diverse nationale und internationale Empfehlungen zur Schmerzreduktion während Nadelstichverfahren bei Säuglingen und jungen Kindern aufgenommen. Man muss jedoch darauf achten, dass das Anästhetikum 30 bis 60 Minuten auf der Haut einwirken muss, um eine maximale analgetische Wirkung zu erzielen.
Die Umsetzung einer effektiven Schmerzbehandlung muss die Familie einschließen, um Schmerz und Stress zu minimieren. Die Eltern/ Betreuer des Kindes sollen im Mitwirken bestärkt werden, das Kind während schmerzhafter Verfahren zu beruhigen und zu trösten.
Es gibt organisationsbezogene, nationale und weltweite Initiativen zur Verbesserung der Implementierung wirksamer Schmerztherapien. Zur nutzbaren Evidenz zählen Videos, Broschüren und Stellungnahmen von diversen Fachgesellschaften. Beispiele für solche Instrumente werden in der Arbeit von Dr. Denise Harrison als Links zu Webseiten mit Videos zur Verfügung gestellt.
Fazit für die Praxis
Blutentnahmen bei Kindern sollten gut überlegt sein, da Schmerzvermeidung entscheidend ist. Es gibt evidenzbasierte Methoden zur Schmerzlinderung:
- Bei Neugeborenen bzw. Säuglingen: Stillen, Hautkontakt, süße Lösungen.
- Bei Kleinkindern: Aufrechte Haltung durch Eltern, Ablenkung, örtliche Betäubung, süße Lösungen.
- Die Einbeziehung der Familie ist wichtig, um Schmerz und Stress wirksam zu reduzieren.
Quelle: Ärzte Zeitung