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05.03.2020 | Originalien Open Access

Indikation, Prozedere und Outcome der präklinischen Notfallthorakotomie – eine systematische Literaturrecherche

Zeitschrift:
Der Unfallchirurg
Autoren:
J. Schimrigk, C. Baulig, C. Buschmann, J. Ehlers, C. Kleber, S. Knippschild, B. A. Leidel, T. Malysch, E. Steinhausen, J. Dahmen
Wichtige Hinweise

Redaktion

W. Mutschler, München
H. Polzer, München
B. Ockert, München

Zusatzmaterial online

Dieser Beitrag enthält ergänzendes Material, welches Sie in der Online-Version dieses Beitrags (https://​doi.​org/​10.​1007/​s00113-020-00777-8) finden.

Zusammenfassung

Hintergrund

Die präklinische Notfallthorakotomie („prehospital resuscitative thoracotomy“, PHRT) ist eine von den aktuellen Reanimationsleitlinien des European Resuscitation Council (ERC) empfohlene, kontrovers diskutierte Maßnahme zur Akutbehandlung des traumatischen Herz-Kreislauf-Stillstands („traumatic cardiac arrest“, TCA). Ziel dieser Arbeit ist das vollständige Abbilden und Zusammenfassen der vorhandenen Literatur mit der zugrunde liegenden Hypothese, dass vorhandene Publikationen die Machbarkeit und das Überleben nach PHRT bei Patienten mit TCA mit gutem neurologischen Outcome zeigen.

Methode

Es erfolgte eine systematische Literaturrecherche in den Datenbanken PubMed, EMBASE, Google Scholar, SpringerLink und Cochrane. Die Studienauswahl, Datenextraktion und Bewertung des Verzerrungspotenzials wurden unabhängig von 2 Autoren durchgeführt. Als primärer Endpunkt wurde das Outcome der Patienten mit TCA nach präklinischer Notfallthorakotomie gewählt.

Ergebnisse

Es wurden 4616 Publikationen gesichtet, 21 Veröffentlichungen mit insgesamt 287 Patienten konnten eingeschlossen werden. Für eine detaillierte deskriptive Analyse eigneten sich 15 Publikationen mit insgesamt 205 Patienten. Der TCA dieser Patienten war am häufigsten durch eine Perikardtamponade, thorakale Gefäßverletzungen und schwere extrathorakale Mehrfachverletzungen verursacht. In 24 % der Fälle trat ein TCA im Beisein des Notarztes auf. Die „Clamshell“-Thorakotomie (53 %) wurde präklinisch häufiger als die anterolaterale Thorakotomie (47 %) angewandt. 12 % (25/205) der PHRT-Patienten nach TCA verließen lebend das Krankenhaus, 9 % (n = 19/205) mit gutem und 1 % (n = 3/205) mit schlechtem neurologischen Outcome (nach Glasgow Outcome Scale, GOS).

Schlussfolgerung

Die Prognose des TCA scheint deutlich besser zu sein als lange angenommen. Maßgeblich für den Erfolg von Reanimationsbemühungen beim TCA scheint die unverzügliche, teils invasive Therapie aller reversiblen Ursachen zu sein. Die von der ERC-Reanimationsleitlinien für den TCA empfohlenen Maßnahmen scheinen insbesondere für die Präklinik bisher unzureichend umgesetzt. Eine besondere Kontroverse hinsichtlich der Empfehlungen der Leitlinie besteht zur Frage, ob eine PHRT erfolgreich angewandt werden kann und deren flächendeckende Einführung in Deutschland sinnvoll erscheint. Die vorliegende systematische Übersichtsarbeit unterstreicht trotz Leitlinienempfehlung den Mangel an hochwertiger Evidenz zur PHRT, wobei eine Überlebenswahrscheinlichkeit bis zur Entlassung aus dem Krankenhaus von 12 %, in 75 % davon mit gutem neurologischen Outcome berichtet wird. Das Verzerrungspotenzial der Ergebnisse der einzelnen Publikationen sowie auch dieses Reviews ist hoch. Weitere systematische Forschung im Bereich der präklinischen Traumareanimation ist insbesondere auch zur Akzeptanz der Leitlinienvorgaben erforderlich.

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Zusatzmaterial
Tabelle 1 : Stichworte, kombiniert mit dem boolschenOperator “OR“ und Tabelle 2: Stichworte kombiniert mit dem boolschenOperator „AND“. Die Tabellen 1 und 2 stellen die Suchstrategie der systematische Datenbank Recherche dar. Aus den hier aufgeführten, definierten Begriffen wurden mithilfe boolscher Operatoren Such‐ und MeShterms gebildet, mit welchen die Datenbanken durchsucht wurden. Tabelle 3: Vollständige Suche. Tabelle 3 zeigt die Vollständige, systematische Suche. Mittels Mehrfachkombination der aufgeführten Suchbegriffe entsteht so ein breites und komplexes Feld aus Begriffen. Die Suche wurde so in allen aufgeführten Datenbanken vollzogen. Tabelle 4: Stufenschema der Ein‐ und Ausschlusskriterien Tabelle 4 zeigt das Stufenschema, nach welchem die Sichtung der gefundenen Publikationen erfolgte. Bei breiter Suche und initial hoher Anzahl der gefundenen Publikationen, wurden zunächst die Titel, anschließend die Abstracts, und zuletzt der Volltext gesichtet. Während des Review‐ Prozesses erfolgte der Ein‐ bzw. Ausschluss nach den hier aufgeführten Kriterien. Tabelle 5: Modifiziertes Tool zur Bias‐Bewertung der eingeschlossenen Publikationen. Tabelle 5 zeigt ein modifiziertes Tool zur Bias‐Bewertung der eingeschlossenen Publikationen. Hierfür wurden verschieden, etablierte Bias‐Bewertungs‐Tools zusammengeführt, um dem Zweck der Bewertung von Fallberichten zu dienen. Das Ranking erfolgte mittels Ampelsystem und verschafft einen Überblick über das Bias‐Potential der eingeschlossenen Publikationen.
Literatur
Über diesen Artikel